Samstag, 14. Juli 2012

Echt irre

Eigentlich wollte ich es ja nicht erzählen, aber in den letzten 8 Wochen hatte ich einen Aushilfsjob in einer psychiatrischen Klinik.
Ich vertrat eine erkrankte Mitarbeiterin, die sonst an der Rezeption im Eingangsbereich arbeitet und sich um Telefonate, Besucher, Post, Patientenanliegen, Neuaufnahmen, Speisepläne, etc. kümmert.
An dieser exponierten Stelle sitzend, und aufgrund der Tatsache, dass ich mittags im gemeinsamen Speisesaal mitessen durfte, habe ich Dinge beobachten können - Leute, ich sach euch...
Patienten, die zu einer bestimmten Krankheits-"Gruppe" gehören, weisen tatsächlich dieselben Charaktereigenschaften auf!
Dessen war ich mir gar nicht bewusst; dachte immer: jeder Jeck is anders.
Falsch gedacht.

Hier meine Feldforschungen:

Die Alkoholiker:
Menschen ab 55.
Immer latent jammerlappig unterwegs.
An ihrer vermaledeiten Situation sind natürlich alle anderen Schuld:
die böse Mutter, der ungerechte Chef, das schlechte Wetter, die Gesamtsituation.
Charakteristische Äußerungen:
"Immer ich! Ich kann nich' mehr! Ich will nich' mehr!"

Die Drogenabhängigen:
Meist Männer Ende 20 und ganz hatte Kerle.
Einige nur anwesend wegen §35 BtmG.
Immer latent gewaltbereit, aber nie wirklich handgreiflich.
Wenn sie nach 2 Wochen Entzug per Methadon wieder sprechen können, sagen sie meist Sachen wie:
"Boah, Alter ey, das Metha musse vorm Schlucken zerbeissen; dat knallt besser als Cheese sach ich dir, boah, höhöhö..." oder auch:

"Ey, fuck, Alter, schmeckt der Kaffee heute scheiße, ich hau dem Koch gleich eins aufs Maul, ey!"
Während sich unter den Alkoholikern der ein oder andere Akademiker befindet, sind die Junkies meist ohne Arbeit oder Ausbildung; gerne auch vorbestraft.
Charakteristische Äußerungen:
"Scheiße! Boah! Ey! Alta! Fresse! Fuck! Arschloch! Wichser!"

Ich hatte angenommen, dass, wenn man sich in einer Ausnahmesituation wie Entzug bzw. Psychotherapie befindet, man sich untereinander als Patienten verträgt, mottomäßig: geteiltes Leid ist halbes Leid.
Aber nee, Drogis und Alkis sind offenbar natürliche Feinde; wie Werwölfe & Vampire.
Die Alkis verachten die Drogis wegen ihrem outlawschen Dicke-Hose-Getue.
Die Drogis verachten die Alkis, weil sie ihr Heroinbeschaffungsgewese, die Zubereitungsrituale, den speziellen Slang und das Abhängen viel cooler finden, als orientierungslos lallend durch die Gegend zu torkeln.

Die Essgestörten:
- Magersüchtige:
Hauchdünne, extrem höfliche Mädchen im Teeniealter.
Huschen nahezu unbemerkt durch die Klinik. Reden wenig und wenn, dann sehr sehr leise.
Sind den ganzen Tag mit Kalorienzählen beschäftigt und überlegen sich immer neue Möglichkeiten, um die Kalorien heimlich wieder loszuwerden.
Eine Therapeutin hat mir einige von deren Tricks verraten. Wow, soviel Fantasie hätte ich auch gerne!
Charakteristische Äußerungen: "Ich wäre am liebsten unsichtbar!"
- Binge-Eater:
Übergewichtige, maulfaule Mädchen im Twenalter.
Im Gegensatz zu den hibbeligen Magermädchen, die jede noch so kleine Bewegung zum Kalorienabbau nutzen, bewegen sich die BEs selten und ungern. Versuchen verbotenerweise Essen von Mitpatienten zu schnorren.
Charakteristische Äußerung:
"Wie lange noch zum Mittachessen?"

Bei keiner anderen Erkrankung habe ich so viele Patientinnen bescheißen sehen, wie bei den Essgestörten. Hatte den Eindruck, dass die nicht wirklich gesund werden wollen und nur da sind, weil Mammi sie geschickt hat.

Die Zwangskranken:
Menschen jeden Alters.
Zählen gern.
Kommen meist zu spät zu den Sitzungen und Mahlzeiten, da ihre Rituale so zeitraubend sind.
Plauderei schlecht möglich, da immer wieder durch Zählen oder bestimmte Bewegungen unterbrochen wird.
Charakteristische Äußerung:
"...eins zwei drei vier fünf. eins zwei drei vier fünf. eins zwei drei vier fünf..."

Die Paniker:
Hypernervöse Frauen mittleren Alters mit Hang zur Hypochondrie.
Haben Angst vor allem und jedem.
Gerne auch vor eher unwahrscheinlichen Sachen wie Werwölfen, Weltuntergang oder versehentliche Vergiftung durch den Klinikkoch, sollte er mal Schierling mit Basilikum verwechseln.
Zu erkennen am permanenten Reh<->Scheinwerfer-Blick, ständigen Pulsfühlen und viel zu flacher Atmung, die bei der klitzekleinsten Unregelmäßigkeit zur Hyperventilation ausarten kann.
Charakteristische Äußerung:
"Hilfe, ich sterbe / kollabiere / kriege einen Herzinfarkt!"

Die Bipolaren:
Menschen mittleren Alters.
In manischer Phase trotz Medikation vielquasselnde Angeber.
Ziemlich egoman, reden am liebsten über sich selbst.
Wollen sich überall einbringen und übernehmen sich ständig.
Charakteristische Äußerung:
"ICH mache das! Ich KANN kann das! Ja klar, schaffe ich das! Wetten?! Ich verwette mein Auto, dass ich das schaffe!"

Die Depressiven:
Menschen jeden Alters mit Fresse bis auf die Schuhe.
Reden kaum. Bewegungen nur in slow motion. 
Machen zwar jedes Therapieangebot mit, gucken dabei aber immer wie's Leiden Christi höchstpersönlich.
Eigentlich die interessantesten Gesprächspartner in der Klinik.
Charakteristische Äußerungen:
"Mhm." oder "*schluchz*"

Die Borderliner:
Meist weibliche Twens.
Tätowiert, gepierct und natürlich geritzt.
Isolieren sich von den anderen. Meist schlechtlaunig.
Laut Therapeutin die am schwersten zu diagnostizierende & zu behandelnde psychische Erkrankung.
Charakteristische Äußerung:
"Wann gibt's Mittach? Ich brauch' n Messer!"

Und dann gab's da noch den Gynäkologen, der immer Stimmen hörte. Reich, charmant, gutaussehend. Traumtyp. Aber total am Ende...

Mann, bin ich froh, dass mich das Schicksal da einigermaßen mit verschont hat!

Hau rein, Bela!

Kommentare:

  1. Uff. Harte Worte, aber zweifelsohne treffende Analyse. Das hätte ich nicht mal an der Rezeption ausgehalten...

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  2. Puh, sicherlich nicht einfach.
    Ich habe EINEN (!!) Tag als Praktikant im Rettungsdienst verbracht.
    EINEN Patienten haben wir dann in die Psychatrie gefahren und zwar einen, der freiwillig hinwollte!
    Puh, der war fertig und ich war erstaunt, wie er dann selber sagte: Ich muss dorthin, da helfen sie mir.
    Er passte in zwei drei der genannten Muster, genaueres kann ich nicht sagen, aber passt schon...

    Aber so alleine jetzt von deinen Beschreibungen her, passt es gut zu dem, was ich dort gesehen habe. Auch wenn mir nur wenige Patienten begegnet sind.

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  3. Äh, Praktikantin *hust*

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  4. sehr passende Beschreibung der Alkis. ich hab so einen im Büro. nur dass der ständig "ich kann das nicht", "ich versteh das nicht" jammert. oder in verschiedenen Tonarten herumstöhnt... am besten im 40 Sekunden-Takt!
    aber auch hier sind natürlich nur die Anderen schuld.

    sehr anstrengend!

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  5. Anonym14/7/12

    Sag ich da jetzt was zu, als ehemaliger Patient einer solchen Klinik, oder sag ich da nix zu ... und was sagt das über mich, dass ich über viele der gemachten Beobachtungen herzlich lachen kann!? Oder, dass ich dieses Blog erstmals las, als ich in eben dieser Klinik war ;-).

    Herzliche Grüße: ein Depri (ganz ohne Fresse auf den Schuhen)

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    1. DU hast die Krankheit in Griff und nicht die Krankheit dich. Freu dich einfach, amüsiere dich und leb dein Leben. Ach ja, Glückwunsch! Einfach mal so ist das nämlich nicht zu machen (wie du weist).

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  6. Habe herzlich gelacht - und mich dabei die ganze Zeit umgeschaut weil das geschriebene ja sowas von politisch unkorrekt ist....oder war das mein Zwang, mich umdrehen zu müssen, weil ich immer denke, es steht jemand hinter mir???

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  7. Anonym15/7/12

    Sind wir nicht alle ein bisschen GaGa?

    Das sind KRANKE Menschen, keine IRREN! Und es kann jeden treffen!
    Dein Hirn spielt der Streiche, oder etwas Schreckliches wirft Dich aus der Bahn und schon kannst Du Dich dort einreihen.
    Alleine schon der Name Deines Blogs spricht für sich*zwinker*

    Und da ich Dich gerne lese und mich trotzdem immer amüsiere, nich Folgendes ->
    Misanthrop
    Ein Misanthrop ist ein wahrer Menschenfreund. Da er erkannt hat, dass diese Welt nur von Uebel ist, will er natürlich dem Leiden und dem Tod nicht im Weg stehen. Mit seiner häufig agnostischen und sozialverachtend geprägten Lebenseinstellung ist er bei Partys und Festen jederzeit ein willkommener und unterhaltsamer Gast. Der Misanthrop hat eines erkannt und proklamiert es lauthals, die Welt besteht nur aus Arschlöchern und Missgestalten und gehört ins Fegefeuer gestürzt. Diese elementare Erkenntnis macht ihn besonders erfolgreich in Politik, an Supermarktkassen und im Schulsystem. Der Misanthrop zeichnet sich durch eine rege Fantasie aus, er liebt Tiere und Pflanzen mehr als sich selbst und hat einen rechtschaffenen Charakter, jedenfalls wenn es um die eigenen Belange geht.
    Auch eignet sich ein Misanthrop ganz besonders als Sozialarbeiter, Callcent-Agent und als Conferencier. Weiterhin ist der Beruf des Priesters eine besondere Domäne dieses Personenkreises, in welcher er seine philosophisch anmutende Grundhaltung voll zur Geltung bringen kann.
    Quelle: http://www.stupidedia.org

    LG Gabi

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  8. Wow...das hätte ich ja jetzt ma nicht gedacht,aber ich hab beim lesen auch schon(genau wie Schwiegermutter inklusive)eine Zwangs-Neurose gekriegt und fühl mich ständig böse angeschaut weil ich bei dir so herzhaft lachen muss(Merkmal:böse böse Mummel sollst du über andre Menschen lachen")
    LG Mummel

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  9. Hart. Man weiß nicht, ob man lachen oder betroffen sein soll. Ich habe mich dann für beides entschieden.

    So eine Panikerin habe ich mal bei mir auf der Couch (also einer ganz normalen Fernsehcouch, keiner therapeutischen oder so) sitzen gehabt. - War anstrengend. Wenn die Gedanken eines Menschen immer und immer wieder, wie magnetisch angezogen, zu eventuellem Unglück zurück kehren, kommt man da einfach nicht gegen an.

    Ich bin froh, dass dieser Kelch bisher *toi toi toi* vorübergegangen ist.

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    1. ...an mir vorübergangen, meinte ich natürlich.

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  10. Ich war auch mal 2 1/2 Tage in einem Gaga-Hotel weil meine Arbeitskollegin mich dorthin gekarrt hatte nach einem Nervenzusammenbruch wegen einer Trennung.Seitdem weiß ich, dass ich gegen die anderen doch ganz normal bin...O_o

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  11. @ Alice:
    Hart, aber herzlich ;-)
    @ KaTe:
    Wie gut, dass "dein" Patient genau wusste, was ihm hilft und er bereit zur Therapie war. Wir hatten dort einen Mann, der nicht behandelt werden wollte (hatte einen ersten akuten Schub und sah die Hilfe nicht als solche an).
    @ Feuerschlange:
    Schick ihn zu den AAs, die werden ihm das Jammern schon abgewöhnen ;-)
    @ Depri:
    Wenn Du darüber lachen kannst, biste mir direkt sympathisch. Und Hauptsache, es geht Dir wieder gut!
    @ Schwiegermutter inklusive:
    Wenn Du beim Umschauen mitgezählt hast, dann würde ich mir Sorgen machen ;-)
    @ Gabi:
    *ROFL* Das ist ja ein Spitzentext über Misanthropen! Sehr treffend!
    Vielleicht sollte ich eine Umschulung zur Sozialabeiterin machen!
    Aber nur, wenn ich dann hinterher nix mit Menschen arbeiten muss
    ;-)
    PS: Ich habe die Beschriebenen nie als Irre bezeichnet.
    @ Mummel:
    Zwangsneurose sagt man nicht mehr, das heißt Zwangsstörung.
    *klugscheiß*
    @ Claudia:
    ;-))
    @ Hijackinthebox:
    Lass uns gemeinsam auf Holz klopfen...
    @ Pixella:
    Und weil du so normal bist, hat dich die Kollegin erstmal eingewiesen... Ja, nee, klingt schlüssig.

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  12. Ich habe 20 Monate als Zivi in einer Beratungsstelle f. Suchtkranke gearbeitet - bißchen von allem: Rezeption,Tippse,Hausmeister;dazu acht geben,das nicht geklaut,gedealt,geprügelt wird,keine beratende Tätigkeit.
    Die meiste Zeit habe ich damit verbracht,mit den Kunden auf ihren Termin zu warten,manche kamen auch nur,um sich den ganzen Tag mit Kaffee versorgen zu lassen,Schach zu spielen,zu klauen,zu dealen und weil es regnete. Man konnte dort von 9.00 - 17.00 ohne einen Termin zu haben bleiben.
    Echt geschockt war ich nur von den wirklich jungen Junkies,die sich schon mit 15 zur Not auch irgendwelche Pillen aufgekocht haben und den völlig hilflosen Muttis,von denen ich dachte,die holen ihren Sohn vom Termin ab - und in Wahrheit selber einen Termin hatten. Die waren von ihren Hausärzten sowas von zugeballert worden - völlig legal - da blieb mir die Spuke weg.
    Ich habe eine Menge wirklich nette Leute kennengelernt,deren einziges Pech ein Sucht war. Es waren auch genügend dabei,von denen ich hoffte,das sie lieber heute als morgen einfahren und dem restlichen Planeten nicht weiter auf den Sack gehen.

    Übrigens sinken die Preise für Diebesgut aller Art von morgens 9.00 bis mittags 17.00 erheblich.

    Die Quote derer,die es in dieser Zeit geschafft hat eine Therapie erfolgreich zu absolvieren war echt mager.
    Ich ziehe den Hut,vor jedem,der in dieser Branche als Sozialarbeiter,Therapeut etc. arbeitet.Soviel Fehlschläge muss man erstmal wegstecken.

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  13. Anonym16/7/12

    Huhu, wieder da und nochmals danke für den Posttest aussm Sauerland :-)))))))))) Die Blonde und ihre Männer sind begeistert in eine große blaue Familie integriert worden ! *knutsch*

    Dein 'Praktikum' hat es in sich. Hut ab!
    Deine Analysen treffen! Ich denke sogar, dass sich jeder Betroffene wieder finden würde. Schwierig darüber zu schreiben, ohne die Würde dieser Menschen ( die oft mit der eigenen Würde so gar nichts am Hut haben) zu verletzen. Aber ich denke es ist dir gelungen.

    Würdest du diese Arbeit länger als 8 Wochen schaffen, oder geht das an die Substanz?
    Ich bin mir nicht sicher, ob ich das ständige Genöhle oder Gerede ertragen würde, aber als Lehrer arbeitet man da ja auch nicht anders oder als Busfahrer oder Verkäuferin oder.... eigentlich ein normaler Job, wenn man es recht bedenkt :-))

    die anonyme Ju :-)

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  14. Wir haben auch eine Anstalt im Ort (habe in der gleichen Straße gewohnt - keine 500m entfernt), vor allem manisch Depressive, die ziemlich zugedröhnt, mit hängenden Schultern und leerem Blick durch die Gassen schlichen.
    Nein, ganz ehrlich, da kann man froh sein, dass mann selber noch auf der anderen Seite steht.
    Wobei ich mich selber als gefährdet einschätzen sollte, immerhin zwei Selbstmörder in direkter Linie und mindestens einen Alki.

    Hut ab vor allen, die jeden Tag wieder versuchen, diesen Menschen zu helfen (und dabei selber nicht vor die Hunde gehen).

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  15. Wenn das die - im übrigen sehr treffenden - Charakteristika der Patienten sind, ist das ja ok. Zum Glück habe ich damit nur manchmal und am Rande zu tun. Aber wenn du Kollegen und Mitarbeiter mit den gleichen "Symptomen" hast, dann wird es echt anstrengend. Da merkst man dann erst mal, wie normal man selber eigentlich ist. Und ist froh über über die vielen Jecken um einen herum.
    Bloß gut, dass das hier so herrlich politisch unkorrekt zu geht.

    Grüße! N.

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  16. @ yellow snow:
    Ja, die Rückfallquote ist enorm. Aber als Thera darfste denen dann nicht mal den rückfälligen Arsch versohlen, denn die Ärmsten sind ja krank; sorry: "krank".
    @ Ju:
    Welcome back!
    Ja, ich würde es länger aushalten. Ich bin immer mit einer gewissen Dankbarkeit nach Hause gegangen; dankbar dafür, dass es mich nicht so übel erwischt hat.
    @ Nanni:
    Das heißt doch nicht ANSTALT! Das heißt Einrichtung oder Klinik.
    Als Thera/Sozialer musste die Ruhe weg haben, sonst sitze bald selbst im Stuhlkreis.
    @ Nelja:
    "Aber wenn du Kollegen und Mitarbeiter mit den gleichen "Symptomen" hast, dann wird es echt anstrengend."
    Oh ja, kenne ich von meiner vorletzten Stelle:
    Bipolare Kollegin. Manische Phase. Zwar auf Pille, aber wohl schlecht eingestellt. Nur am hysterisch kichern, dauerquasseln, hat keine noch so einfache Aufgabe gebacken gekriegt (statt 8 Kopien für den Vorstand, hat sie 800 gemacht, damit ALLE was davon haben. oder statt 10 Teelöffel Kaffee in den Filter zu geben, hat sie 10 Suppenlöffel voll genommen).
    ...und wir wussten nie, wie weit bzw. ob man Rücksicht darauf nehmen muss/kann/soll.

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  17. Eine geniale Beschreibung der Gesellschaft. Von 100 Insassen werden wohl nur 3-5 das Hilfsangebot annehmen und ihr Leben ändern. Alle anderen werden nach dem Anstaltsaufenthalt genau da weitermachen wo sie vor ihrer Einlieferung aufgehört haben.

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  18. Anonym17/7/12

    Na, dann drücke ich dir die Daumen, dass aus dem Praktikum mehr wird :-))

    die anonyme Ju :-)

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  19. @ Jürgen:
    Ja, das stimmt. Wobei die Rückfallquote bei den Süchtigen zigfach größer ist, als bei den anderen Erkrankungen.
    @ Ju:
    Praktikum? Ich les' immer Praktikum... Wie kommste da bloß druff?!

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  20. Anonym18/7/12

    Äh....weiß ich jetzt auch nicht...ich meditier mal drüber *oooooooooooommmmmmmhhh*

    > dauert noch länger <
    AFK

    die anonyme Ju :-°

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  21. Bin ich jetzt irre wenn ich sage, dass dein Aushilfsjob total spannend klingt?

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  22. @Voting Textwettbewerb: Ich habe zwar gerade meine Stimme abgegeben, aber wie lautet denn überhautp das Wettbewerbsthema?! Und könntest du nicht mal nen Link zu den zur Wahl stehenden Beiträgen setzen? Das wäre echter Leserservice! ;D

    [Sorry, falls ich da was verpasst haben sollte und du das an anderer Stelle bereits gemacht hast. Ich bin stecke mitten im Familienurlaub und bin ein nervliches Wrack.]

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  23. @ Anna:
    Dass Du so 'nen Job "spannend" findest, würde ich nicht als "irre" bezeichnen, sondern eher als ..äh.. bedenklich.
    Ja ja, sorry, ich habe das mit den Verlinkungen nicht hinbekommen.
    Wer mag, nutzt die Such-Leiste.

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  24. Anonym18/7/12

    Sorry, aber ich lese in deinem Eintrag gelinde gesagt einfach nur Respektlosigkeit. Ich war selbst einige Tage als Patientin in der Psychiatrie (ich werde mich hüten, hier zu schreiben, warum), natürlich habe ich manches ähnlich erlebt wie du, andererseits habe ich mir immer wieder gesagt "diese Menschen sind definitiv krank, und genau dies ist der Grund, warum sie hier sind."

    Dann die Tatsache, dass ich Tochter einer schwerst depressiven Mutter bin... "mit Fresse bis auf die Schuhe." Sorry, diese Aussage geht gar nicht. Ich habe Jahrzehnte gebraucht, die Krankheit meiner Mutter nachvollziehen/irgendwie verstehen zu können und ganz ehrlich, angesichts dieser Aussage krieg ich die Krise, echt jetzt. Vielleicht kannst du das nicht nachvollziehen, aber ich fühle mich (und meine Mutter) persönlich angegriffen... irgendwie.

    Und dann noch die Tatsache, dass ich seit einigen Monaten wieder in der Altenpflege tätig bin, und z.T. all die Menschen betreue, von denen du schreibst... nur sind sie eben älter. Ich sehe sie tagtäglich, betreue sie, versorge sie, mache mir meine Gedanken usw. usw.
    Aber niemals, wirklich niemals würde ich mir ein Urteil o.ä. anmaßen, einfach weil es sich nicht gehört.
    Ich habe kein Recht dazu. Und ich habe Respekt diesen Menschen gegenüber.

    Ich hoffe, du verstehst, was ich dir sagen will.

    Ulla

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  25. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  26. Anonym18/7/12

    Natürlich darfst du darüber schreiben, doch ich denke, der Ton macht die Musik; will damit sagen, mir fehlte in deinen Worten der Respekt den Betreffenden gegenüber. Nur darum ging es mir.

    Was genau meinst du mit "Scheiße"? Meinen Job, die Erfahrungen mit meiner Mutter?
    Natürlich versuche ich, das Leben usw. mit Humor zu ertragen und je nach Tagesform gelingt das sogar sehr gut ;-).
    Na ja, lieber mit Humor bestimmte Sachen angehen, als in Selbstmitleid versinken o.ä. - eben das hab ich aus der Zeit mit meiner Mutter gelernt, ist doch schon mal was (*Ironiemodus aus).

    Das mit deiner Familie tut mir leid, auch wenn ich dir diesbezüglich nicht zu nahe getreten bin - es tut mir leid.

    Ulla

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  27. @ Ulla:
    Habe gerade nochmal versucht, einiges vom Posttext anders zu formulieren.
    Würde ich aber respektvoll (=seriöser) formulieren, wäre der Text schlichtweg langweilig und könnte aus einem Lehrbuch stammen. Und ich egozentrische Rampensau will ja meine Leser unterhalten.

    "Und wenn Du so eine Scheiße am Hals hast,..."
    Ich meinte damit:
    "Wenn man eine psychische Erkrankung hat, kann man das eigentlich nur mit einer Menge Humor ertragen."

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  28. Juliane, und genau dafür lieb ich dich!

    Herrlich politisch inkorrekt (wie eine Leserin weiter oben schrieb), und sehr unterhaltsam.
    Ich habe an keine Stelle Respektlosigkeit entdeckt - klare Worte: ja.

    Ich fand es so treffend beschrieben, dass ich eben meinem Mann alles vorgelesen habe.
    Du hast es auf den Punkt gebracht, und das Erschreckende ist: es stimmt alles!

    (deswegen mache ich auf meinem Blog ne Art Prävention gegen solche Gedanken - lieber schon früh ansetzen, ne?)

    I love your Blog!
    Und deine Art!

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  29. @ Joanna:
    Der eine findet es respektlos, der andere nicht.
    Das ist, wie so vieles, Geschmackssache bzw. Ansichtssache.
    Ich z.B. weiß gar nicht, was "respektlos" überhaupt bedeutet.

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  30. Haha... ist es noch jemandem ausser mir so gegangen, dass er geschaut hat ob er sich nicht doch in irgend einer Gruppe wieder findet/ einordnen kann ? :D

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    1. Und, konntest du!?

      Mic, der Depri von "weiter oben"

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  31. Anonym8/11/12

    Ich fand diese Zusammenschau der verschiedenen Patientencharaktere sehr treffend, herrlich bitterböse, sarkastisch-zynisch...ich mag diese Art von schwarzen Humor sehr.

    Außerdem denke ich auch, dass man manche Dinge im Leben nur mit einer Menge Humor und vor allem (Selbst-)Ironie ertragen kann. Das hilft übrigens auch dabei zu seiner Erkrankung eine gesündere Distanz zu gewinnen.

    Und für all die Berufsempörten: Mich legitimiert meine schizoide PS in euren Augen sicherlich ausreichend dazu, hier mich so "respektlos" über andere Ge- und Verstörte zu belustigen (und über meine eigenen Macken) ... oder so ähnlich.

    Ps.: Dein Blog ist extrem gut geschrieben.

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    1. "Schizoide PS" - Shit, dann haste ja ordentlich zu tun...
      Mir hat mal ein Psychologe gesagt, dass diejenigen, die "ganz unten" waren, einen wunderbaren Humor entwickeln.
      Kein Wunder, was?
      PS: Danke ;-)

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  32. Anonym9/11/12

    Ja ich äh arbeite daran - mal mehr, mal weniger; je nach tagesbedingter "Kontaktfreudigkeit" [das ich sowas als chronische Misanthropin mal schreiben werde].
    Dem Psychologen, der dir das gesagt hat, stimme ich zu, denke aber auch, dass es genügend Leute gibt, die "ganz unten" gelandet sind und sich dadurch mitbedingt erst recht zu menschlichen Arschlöchern (sorry) entwickelt haben. Aber wer es schafft, dass ganze mit einem gewissen Humor zu behandeln, der wird sich selbst davor eher bewahren können. Humor wird viel zu stark unterschätzt als Bewältigungsstrategie finde ich ;.

    Deine Schilderung von dem Bewerbungsgespräch in der Psychiatrie oder die "Nachbeerdigungsaktion" mit deinem Vater fand ich übrigens zum Totlachen. Du solltest dir deine unnachahmliche Art wirklich bewahren.

    Liebe Grüße

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    1. Bitte lach dich nicht tot! Ich brauche Dich doch hier als Leser ;-)
      Ich wage mal die Behauptung:
      dumme Leute werden in/durch Krisen miesmuschelig und kluge Leute entwickel Humor.

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    2. Anonym10/11/12

      *g* nee keine Sorge - ich werde dir erhalten bleiben. Das Leben ist schließlich zum Sterben schön ... und so leicht mache ich es dir nicht, dass du mich so einfach mit deinem rabenschwarzen Humor ins Jenseits beförderst ;-).

      Deine Behauptung gefällt mir - schon allein, weil sie meinem eigenen Ego schmeichelt *fg*. Nein ernsthaft: Da könnte durchaus was dran sein. Fällt wohl unter die Rubrik: "Psychische Bewältigungsstrategien" oder wie die med. "Psychos" das nennen mögen.

      Schönes Wochenende noch.

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  33. Sorry, dass ich hier kommentartechnisch so reinplatze. *blush* Aber das hier:

    dumme Leute werden in/durch Krisen miesmuschelig und kluge Leute entwickel Humor.

    ist eine sehr interessante These. Gefällt mir gut.;)

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