Donnerstag, 26. November 2015

Liebe Scheißhausphobikerinnen!

Habt ihr eigentlich den Arsch auf?!
Eher im Gegenteil, wa?

Grad' gestern wurde ich auf dem Galeria-Kaufhof-Klo Opfer Zeugin, wie eine Mutter in der Kabine neben mir im Sekundentakt ihre Tochter hysterisch ankreischte:
"Finger weg! Nicht da dran packen! Baaaah! Nicht da anlehnen! Iiiieh! Nicht da drauf setzen! NEIN! Nicht dran fassen! FINGER WEG!"
Und das war nicht mein erstes Mal!

Könntet ihr bitte aufhören, euren Mädchen zu vermitteln, dass Fremdtoiletten PFUIBAHIGITTIGITT sind und ein grauenvoller Tod bevorsteht, wenn man sich draufsetzt?!

Belegt den Klorand mit Klopapier!
Die Superstreber unter euch haben Sagrotantüchlein in der Handtasche und feudeln den Rand damit ab - auch gut!
Und dann setzt eure Blagen da drauf und lasst sie in RUHE ihr Geschäft verrichten, heilige Scheiße nochmal!
Hysterisch herumgackernde Mütter verusachen Verstopfung!
Dann vom Pott wieder 'runter, gründlich Händchen waschen (2x Happy Birthday) und gut is', Herrgott!

"Ja, aber....", werdet ihr jetzt jallern. "Da kriegt man Pilz und so!"
*augenroll*
Ja, und Hallux valgus.
Und Ösophagusvarizen.

Bullshit!
Ich habe noch nie einen Pilz oder ähnliches bekommen, weil ich auf 'nem fremden Klo saß.
Und ich frequentiere oft Fremdklos, sei es auf Autobahnraststätten (ja, auch in diesen Metallcontainern ohne Klofrau habe ich mir nie was gefangen!) oder in Cafés, oder an der Uni, wo wir Verwaltungsdamen uns aus umbautechnischen Gründen 2 Schüsseln mit 398 Studentinnen teilen mussten!

Wie soll das auch gehen?
Lasst uns das mal gedanklich durchgehen:
zunächst muss der Pilz auf die Klobrille gelangen.
Heißt: eine pilzinfizierte Frau müsste beim Hinsetzen mit ihren kontaminierten Schamlippen über die Klobrille wischen.
Die nächste Frau, die sich druffsetzt, müsste ihrerseits ja auch Schamlippen<->Klobrillen-Kontakt haben, versteht ihr?
Und sowas passiert nicht.
Es sei denn, die oben Genannten haben monströse, wild herumschlabbernde Labien.

Und ich kenne auch keine Frau, die das von sich behauptet.
Also das mit den eingefangenen Fiesigkeiten auf Toiletten.
Ausnahme: Männer.
Die behaupten ja gerne mal, dass sie sich die Chlamydien und den Tripper auf 'nem siffigen Bahnhofsklo gefangen haben.
Aber -ÜBERRASCHUNG, liebe Scheißhausphobikerinnen!- das ist dann gelogen.

Wenn ich mal einen Pilz habe/hatte, dann dank Antibiotikakonsum oder Geschlechtsverkehrspartner mit gekipptem Vorhautbiotop.

Und selbst wenn sich euer Augensternchen mal irgendwie infiziert hat:
eine Pilzinfektion ist weder unheilbar, noch tödlich.
Also keep calm and piss relaxed!

Ihr zieht euch da kleine Neurotikerinnen heran, die sich irgendwann so dermaßen vor der Toilette bzw. dem Toilettengang ekeln, im schlimmsten Fall vor ihren eigenen Ausscheidungsorganen, dass sie sich womöglich einen ganzen langen Schultag das Pinkeln und Kacken bzw. das Trinken verkneifen!

Möchte nicht wissen, wie viele Blasenentzündungen und Hämorrhoiden auf Muttis "verschwurbelte Gedankengänge"-Konto gehen.
Und sollte solch eine kleine Pipiverweigererin trotzdem mal zum Klo müssen, dann schrubbt sie sich garantiert hinterher die Hände wund und desinfiziert sich, wieder zuhause, den Schritt mit Sagrotan-Duschgel.
(Und sowas denke ich mir nicht aus!)

Mein Lieblingshorrorbeispiel:
Anno 2004. Ich, Klein-Elvis und der SoVa bummeln spätnachmittags durch die Große Stadt. Treffen direkt vor einer Eisdiele alte Bekannte. Ebenfalls mit Kind. Sie kommen gerade von einem Arzttermin.
Wir beschließen, gemeinsam in die Eisdiele einzukehren.
Die Kinder freuen sich ganz dolle.
Dann das Mädchen: "Ich muss Pipi!"
Panik macht sich in Mamas Gesicht breit.
SoVa: "Kannst ja hier in der Eisdiele gehen!"
Mutter, schnappatmend: "Iiieh! So öffentliche Toiletten sind doch siffig! Hmmm, wir könnten schnell nach Hause fahren (10 km! Anm.d.Red.) und da machen."
Vater: "Nee, bis wir wieder zurück sind, hat die Eisdiele geschlossen."
Mutter: "Ich hab ne Idee! Wir gehen zurück zum Arzt! Der hat saubere Toiletten!"
Gesagt, getan, sie spurtet mit dem Mädchen zur Praxis, während wir anderen vor der Eisdiele warten.
5 Minuten später. Mutter und Tochter spurten zurück. Panik in beiden Gesichtern:
"Wir müssen sofort nach Hause! Der Arzt hat grade geschlossen!"
Kinder enttäuscht, SoVa und ich fassungslos.
Ich muss nicht erwähnen, dass besagtes Mädchen heute unter einem Waschzwang leidet, nicht wahr?
Gut.

Noch'n Beispiel?
Tochter von einer Bekannten, Grundschulalter, traut sich morgens kaum mehr aus dem Haus, weil sie immer in der Angst lebt, da draußen auf's Klo zu müssen.
Wollt ihr sowas??
Huuuuu!
Selfie nach'm Pinkeln auf'm Klo beim Gyn.
Hochschwanger!
Boah! Bin ich ein Teufelsweib, oder nich?!
Und wir leben alle noch! Das Baby, der Gyn und ich!

So, nun entschuldigt mich, ich geh scheißen...

Hochachtungsvoll,

Eure Juliane
(-> Überallpinklerin)

Freitag, 30. Oktober 2015

Lächerlich, lächerlicher, Arbeitsamt

Mitten in unser aller Magen-Darm-Theater neulich fiel ein Beratungstermin beim Arbeitsamt.

Ich hatte nun die Wahl:
entweder ich hocke mich für 2 Stunden in das überfüllte Wartezimmer von Docs Vertretungsarzt, um mir eine AU für's AA zu besorgen oder ich sitze die 20 Minütchen bei meiner Beraterin ab und hab dann wieder für 3 Monate Ruhe.
Ich entschud mich für letzteres.

"In den letzten 6 Wochen habe ich 30 Bewerbungen geschrieben. Der Arbeitsmarkt sieht ja derzeit gut aus!", freue ich mich zur Begrüßung.
"Nein", widerspricht Frau Oberschlau. "Der Arbeitsmarkt sieht derzeit schlecht aus. Im Herbst immer. Ab März wird's besser."
HÄ?? In welcher Parallelwelt lebt die denn?
30 Bewerbungen in 6 Wochen! Soviel hab ich in früher in 1 Jahr geschrieben.

"Haben Sie die Nachweise zur Betreuung Ihres Sohnes mitgebracht?", fragt sie.
Ich reiche sie ihr, mit der Bemerkung, dass ich Kopien davon bereits ihrem Kollegen gegeben hätte.
Es stellt sich 'raus, dass der Kollege es in den 6 Wochen seit ich da war, weder geschafft hat, die Nachweise an sie weiterzuleiten, noch die benötigten Daten in meinen Account einzutragen.
Nun ja, er hat halt viel zu tun, der Gute, nicht wahr.

Sie öffnet meinen Account, in dem ich meine Bewerbungen abgespeichert habe.
"Habe ich Ihnen schon das Formular gegeben, in das Sie Ihre Eigenbemühungen eintragen müssen?"
Ich: "Ist das denn nötig? Sie sehen ja dort in meinem Account, wann ich mich wo bewerbe."
Sie faselt was von damit wir uns in unseren Bemühungen nicht überschneiden... als Kontrolle für sie selbst... blablabla...
OK, schreibe ich halt alles zusätzlich auf einen extra Zettel und schicke ihr den monatlich zu.



Ich frage sie, was sie von einer Fortbildung im Bereich Buchführung hält. Buchhalterinnen werden oft gesucht.
Aber:
"Ich sehe Sie eher am Empfang, beim Arzt oder Anwalt und nicht im stillen Kämmerlein stupide Zahlen bearbeiten. Sie sind der Typ für den Vertrieb mit Kundenkontakt."
WATT?!
Vermittle ich den Eindruck, dass ich Bock auf Menschen habe, du strunzblöde Kuh?
Das stille Kämmerlein ist mein Traum!
Donnerwetter, die Alte hat Menschenkenntnis, Hut ab.

"...und deshalb würde ich Ihnen gerne eine Fortbildung im Bereich 'Vertrieb' spendieren. Im nächsten Frühjahr."
Ja. Danke. 

Ich erzähle ihr von meinem Vorstellungstermin neulich, aber das interessiert sie kein bisschen.
Statt dessen zeigt sie mir zum 398. Mal, wie man die Suchfunktion bei Jobbörse.de nutzt.
Ach Meeeedchen... die Jobbörse nutze ich schon seit Jahren und stelle mich beim Suchen um einiges schlauer an als Du, oder wieso sonst kriege ich 20 passende Jobs angezeigt und du nur 2?

Dann entlässt sie mich mit den Worten:
"Nehmen Sie bloß nicht den erstbesten Job an! Nicht, dass Sie noch in der Probezeit wieder hier sitzen."
Aus der Fülle der Jobangebote, die ich kriegen werde, suche ich mir selbstverständlich nur den schönsten heraus, versprochen!

Und dann macht sie noch eine auf Pythia (nur nicht ganz so sexy):
"Ich sehe Sie im nächsten Juni in einem festen Arbeitsverhältnis."
Aha.
"Und wenn nicht, dann greift Plan B: Arbeitnehmerüberlassung", sagt's und rümpft angeekelt die Nase.
"Oder heiraten!", schlage ich vor und rümpfe meinerseits angeekelt die Nase. Da muss sie herzlich lachen.

Lächeln und winken, Juliane.
Lächeln und winken...


Label: Arbeitsamt

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Hell yeah (Achtung: doppeldeutig!)

"Neulich hatte ich so richtig Frust," erzählt Doc, während er meinen Hals ausleuchtet, "und da bin ich in den Jagdshop und hab mir erstmal 2 Taschenlampen gegönnt. Diese hier hat 1800 Lumen, damit kann ich Dir bis in den Magen leuchten!"

"Und guck mal!", er fummelt noch eine Minilampe aus der Kitteltasche. "Diese hier hat sogar 2000 Lumen!"
Sagt's und blendet mir mittig durch die Iris direkt in die Hypophyse.
Herrschaftszeiten.
"Als ich damit gestern abend in die Tanne im Garten geleuchtet habe, sind die Vögel vor Schreck vom Baum gefallen. Har har!"

"Boah!" tue ich beeindruckt.
Dieser Lumen ist wohl das, was in der Frauenwelt den Zentimetern eines HighHeel-Absatzes entspricht.
Ich vermute mal DAS hier wäre so ein 2000-Lumen-Schuh.

Wieder was gelernt: Frauen shoppen Schuhe bei Frust, Männer Taschenlampen.

10 Minuten später taumele ich, noch halbblind, aus der Praxis, eine Handvoll Rezepte dabei.
(Unter anderem für Codein. Davon hab ich nur Gutes gehört, damals von meinem Junkienachbarn. Ich freu mich!)
Womit wir auch schon beim eigentlichen Thema wären:
ich bin jetzt seit Ostern dauerkrank und kann jetzt auch irgendwie nicht mehr so richtig...
Ohne Großeltern und richtigen Babysitter und mit einem Kindsvater, der nur alle paar Samstage mal für ein paar Stündchen kommt, isses ja doch irgendwie hart, nech.

Ich mach mal 'ne kurze Pause.
Mit allem.
Außer mit Lucky Luke, der ist ja dauerfit, latscht durch die Gegend und zerstört nach und nach meinen Haushalt.

So, ich lech mich hin.
Bis demnächst mal.
Tüdelü!

Sonntag, 11. Oktober 2015

Babysitter des Grauens

Heute ein Beitrag zum Thema "Sowas glaubt einem wieder kein Schwein".

Da unser Babysitter, das geldgeile Luder, uns zugunsten einer besser zahlenden Familie verlassen hatte, war Babysittercasting angesagt.
Wieder über die FB-Gruppe meiner Stadt. Diesmal melden sich zwar viel weniger Kandidatinnen, dafür aber auch offenbar keine Wollny-Familienmitglieder. *freu*

-15.50 Uhr:
Für 16 Uhr ist ein kurzes Kennenlernen anberaumt mit Melanie (20).
Man plaudert, sie erzählt, dass sie eine Ausbildung zur Erzieherin macht und irgendwann kommt 'raus, dass ich ihre Mutter kenne - wenn das keine guten Zeichen sind!

-16.20 Uhr:
Alle Formalitäten sind geklärt und auch Lucky Luke scheint zufrieden. Wir machen einen Sitting-Termin für Sonntag aus. Prima.

Und dann wird's gruselig.
Melanie bleibt nämlich sitzen. Sagt nichts mehr und sitzt da nun im Sessel.
Dreieinhalb Stunden lang.

-16.51 Uhr:
Ich stehe auf: "Tjaaaa, dann sehen wir uns Sonntag, ne?"
Sie: "Ja."

-17 Uhr:
Himmel, wat will die? Essen, trinken oder reden jedenfalls nicht.

-17.18 Uhr:
Ich kriege Hunger. Wenn sie sich wenigstens um Lucky Luke kümmern würde, aber sie rührt sich kein bisschen und ich muss selbst hinter ihm herhechten.

-17.30 Uhr:
Ich gehe in die Küche, mache mir 'ne Stulle und 'ne Tasse Tee.
Auftritt Elvis. "Was will die noch hier?", flüsterte er. Ich zucke mit den Achseln. Wenn ich das nur wüsste.

-17.41 Uhr:
Ich, zurück im Wohnzimmer: "Öhm, dann also bis Sonntag".
Sie: "Ja."
Herrje!
Vielleicht sollte ich ihre Mutter anrufen und sie abholen lassen?

-18 Uhr:
Ich mache Lucky Luke einen Grießbrei und mit den Worten "Sooo, dann wollen wir mal Abendbrot essen!" setze ich uns an den Esstisch.
Melanie guckt bloß.

-18:19 Uhr:
Ich bin genervt. Ich wollte noch was bloggen und nu muss ich hier den Babysitter für den Babysitter und das Baby, das anfängt mein Bücherregal auszuräumen, machen.
Während ich überlege, wie ich's formulieren soll ("Wolln Se nicht endlich mal gehen? Wieso sitzen Sie hier so lange? Is' noch was? Hau ab, du bist gruselig! Sind Sie auf der Suche nach einem Nachtlager, oder was?!"), sagt Melanie: "Wir ham unsere Wohnung nich kindersicher gemacht. Wenn mein kleiner Bruder was anfasst, das er nicht soll, dann gibt's was auf die Finger."
Oha. Wie selten dämlich ist'n das? Die Wohnung nicht kindersicher machen und dann das Kind hauen, wenn's an die verbotenen Sachen geht - super Logik.
Ich: "Also hier gibt's ganz sicher nichts auf die Finger!"
Sie: "Aber so lernen die das!"
Mon Dieu - Erzieherin? Ernsthaft?! Bitte, lieber Gott, lass sie durch alle Prüfungen fallen!

-18.34 Uhr:
Ich kriege Angst. Zieht die gleich ein Messer und metzelt uns alle nieder?

-18. 41 Uhr:
Ich setze einen Hilferuf an meine Whatsappkontakte ab.
"Soll ich dich anrufen?" bietet der hilfsbereite Herr S.aus A. an. Was soll das nützen?!
Man ist ratlos, verspricht aber, mich mittels SEK 'rausschießen zu lassen.

-18.50 Uhr:
Das SEK lässt auf sich warten.
Mir wird langweilig und ich mache den Fernseher an. Ich packe mir Lucky Luke auf den Schoß, wir gucken Sandmännchen.
Ja, wir alle.
Spinnt die?

-19 Uhr:
Mir schwant was:
die will Zeit sammeln, um gleich fett abzukassieren, wetten?!
Zum Kennenlerntermin gibt's aber keine Kohle. Außerdem hat sie keinen Finger gerührt.

-19.03 Uhr:
Ich gehe pinkeln. Hoffentlich steckt sie sich in der Zeit nicht mein Silber ein!
Meine Sorge scheint unbegründet. Sie sitzt da wie festgewachsen. Hat sie eine Kinderlähmungsepisode? Einen MS-Schub??

-19.05 Uhr:
Wir gucken "Robin Hood".
Ja, wir alle.

-19.20 Uhr:
"Robin Hood" ist zu Ende.
Melanie springt auf: "Ich muss jetzt gehen!"
War es DAS? Sie wollte nur mal in Ruhe "Robin Hood" gucken??


Selbstverständlich habe ich ihr am nächsten Tag abgesagt.

Mittwoch stellt sich eine Studentin vor.
Daumendrücken ausdrücklich erwünscht!

Freitag, 9. Oktober 2015

Outfit des Grauens - Billige Bewerbungsklamotten

Die Elternzeit neigt sich dem Ende, Jobsuche startet.
Zeit also, sich richtige Bewerbungsbusinessspießerklamotten zu kaufen.
Bisher war ich immer in Jeans und Rolli (wegen den hektischen Flecken am Hals) und Blazer zu Vorstellungsgesprächen gegangen.

An der Uni hatte ich mein Büro gegenüber vom Empfang und habe zig Bewerber 'rein- und 'rausmarschieren sehen:
niemand trug Jeans. Huch!
Kostüme, Kleider, Hosenröcke - alles war vertreten, nur keine Jeans.
Also, außer bei mir damals...
"Hat ja trotzdem geklappt!", könnte man nun einwerfen, aber:
ich will auch mal aussehen, wie eine Streberin Bewerberin von Welt.

Wenig Kohle und figurtechnisch unauffällig - da kommt nur H&M in Frage.
Oder KiK, aber ich bin ja nicht bei Shopping Queen und habe das Thema "Wohlfühlen in Polyester" zu erfüllen, nicht wahr.

Ich entschud mich für diese HOSE, diese BLUSE.

Bestellt, anprobiert, passt, gefreut, behalten.
Komplettes Outfit für 70 Euro.
Aufgebügelt und ab in den Schrank.

Dann das erste Bewerbungsgespräch.
Mich in die Klamotten geschmissen und hin zur Firma.

Tja, was soll ich sagen?
Die Schuhe entpuppten sich als viel zu groß (im Sommer gekauft, Stichwort: Elefantenfüße) und schlappten um die Fersen herum. Gleichzeitig waren die Absätze aus diesem harten Plastik, das nicht nur arschglatt ist, sondern auch einen Höllenlärm veranstaltet.

Ich KLACK!schlitterKLACK!schlitterKLACK!schlitterte also im Schneckentempo auf's Gebäude zu und hoffte, dass mich niemand sah und hörte.
Rein, Trench aus und ab zum Gespräch.

Wieder draußen kam ich an einer Spiegeltür vorbei und es bot sich mir ein Bild des Grauens:


*KREISCH*
Wie gut, dass ich zum Abschied nicht gewunken hatte!



Durch die knapp halbstündige Sitzerei
hatte sich die Hose 2 Nummern größer gebeult.


Die Bluse war zerknittert und am allerschlimmsten:
so dünn, dass akuter Nippelalarm gegeben war!
Nein, das wird nichts genützt haben!
Ich saß 2 Damen gegenüber.

Auch schlimm:
dass mir neuerdings beim Bloggen ein kleiner Kackbär durch's Bild läuft.

Unter'm Strich: ich sah aus wie 'n Kerl.
Kundenberater bei Axa, oder so.

Und da ich viel zu spät aufgebrochen war, weil ich unbedingt Level 398 bei Candy Crush knacken wollte, hatte ich in der Eile vergessen, mit dem Labello über meinen Lippenstift zu streichen und nun pappten meine trockenen Lippen beim Sprechen aufeinander und blieben an den Zähnen kleben:




Lerngeschenk? Klar!
Keine billigen Polyäthylenhydrochloridfähnchen kaufen, die dann beim Tragen für unangenehme Überraschungen sorgen können.
Neue Klamotten zuhaus längere Zeit probetragen, um zu sehen, ob und wohin sich welche Naht/welches Futter beim LiegenSitzenStehen verzieht, ob Arsch Hose frisst oder Nippelalarm gegeben ist.

Der Job bietet indiskutable Konditionen übrigens, also bitte keine Daumendrückereien.
Danke.


Weitere grausige Outfits: HIER.


Dienstag, 29. September 2015

Die Effenberg und ich ...

... stehen in der Fußgängerzone vor'm Benetton-Laden und quatschen nett. Das heißt, eigentlich quatscht nur sie, etwas zu laut und zu viel.
Sie erzählt, dass sie gerade von einem Fotoshooting in Düsseldorf zurück sei und wie toll das war und dass sie gedenkt, ihren Job als Arzthelferin zu kündigen, um professionell als Fußballerjägerin Modell zu arbeiten.
Sie trägt ihr schwarzes Haar zu einem perfekten Bob geschnitten, ein tolles MakeUp und einen dieser bodenlangen, luftigleichten Sommermäntel, die in diesem Sommer so IN sind und ich stehe bewundernd vor ihr.

Ach so, ja, das war vor 30 Jahren. Ich war 17 und sie 20.
Die Effenberg und ich kommen nämlich aus dem selben sauerländer Städtchen.
Und sie arbeitete bei meinem Zahnarzt.
Und somit kann ich behaupten, dass wir so ziemlich beste Freundinnen sind, gell?

Eine zeitlang war sie sogar bei Wikipedia unter "Berühmte Söhne und Töchter der Stadt" aufgelistet. Wurde aber wieder weggelöscht. Komisch...


20 Jahre später:
Eine Bekannte, die ich im Supermarkt treffe, erzählt, dass ihr Teenagersohn seit Tagen nicht mehr mit ihr redet.
Am Samstag Morgen hatte es um 7 Uhr bei ihnen geklingelt.
Mutter schält sich aus dem Bett und schlurft zur Tür. Ein ihr unbekannter Mann überreicht ihr eine Tüte Brötchen:
"Hallo, ich bin Stefan Effenberg und verbringe ein paar Tage bei Familie Köhler**. Wenn die Presse 'rauskriegt, dass ich hier bin, könnte es sein, dass es hier turbulent zugeht und dafür will ich mich schon mal im Voraus entschuldigen!"
Sagt's, jumpt zurück ins Auto, der offene Kofferraum voll mit Brötchentüten, und rollt zum nächsten Nachbarn.
**Claudias Verwandtschaft und in der selben Straße wohnend

Und während sie sich später am Frühstückstisch darüber aufregt, dass sie zu unverschämt früher Stunde geweckt wurde UND einem Promi ungekämmt, mit ungeputzten Zähnen und in verwaschenem Morgenmantel gegenübergestanden hatte, schmollte der Sohn, weil sie nicht nach einem Autogramm gefragt hatte.
Unvergessen ihr Konter: "Sei froh, dass ich den Mund zugelassen habe. Diesen Hauch des Todes hätte der Typ nicht überlebt!"

Und weil es dem Effenberg wohl zu unturbulent zuging und irgendwie keiner hier so richtig Notiz nahm, ist er Tage später höchstselbst zur Presse ("Sauerländer Tagesbote") marschiert, um mitzuteilen, dass der Familienhund weg sei. Seine Vermutung: irgendein kriminelles Subjekt hatte spitzgekriegt, dass er, der berühmte Fußballer, in der Stadt sei, das Haus ausgespäht und den Hund entführt haben muss, in der Hoffnung auf eine Menge Lösegeld.

Welch Aufruhr im Städtchen!
Wer hatte gewagt, einen Promiköter zu stehlen?!
Der Bürgermeister wand sich öffentlich vor Scham, eine Stadt zu regieren, die offenbar voller krimineller Energie steckt.

1 Woche später hat dann unser Stadtförster, übrigens der Bruder vom POM Henneke, das umherirrende Vieh im Wald aufgegriffen.
Nix Entführung. Glück gehabt, Lösegeld gespart...

Wie komm' ich da jetzt drauf?!
Ach ja:
meine sehr gute Freundin Claudia wurde unlängst Fuffzich.

Alles Gute!

Freitag, 25. September 2015

"Schönes Schnittchen!"

...seufzt das elfengleiche Wesen verzückt, als es wohlwollend meine fertige Frisur betrachtet.
Und da hat es recht!

Ja, ich war wieder beim Friseur, denn SO konnte es unmöglich bleiben! Ich war ja die schlechtfrisierteste Mutti im Kindergarten und sah noch beknackter aus, als Leonie aus der Mäuse-Gruppe mit ihrem Baby-Vokuhila.
Außerdem hatte ich einen Foto-Termin für Bewerbungsbilder.

Und so saß ich in Frisörsalong No. 328 und hoffte das Beste.
Was ich auch bekam, in Form von Fabienne, einer sanftmütigen, zartgliedrigen, blondgelockten Elfe, die sich meinen Haar"schnitt" ansah, den Tanja, der Wampentrampel von letzter Woche, mir verpasst hatte.
"Oh je, oh je", seufzte Fabienne tief betroffen. "Sie haben so viele Macken und Verschnitt im Haar, da muss ich eine Menge kürzen."
Och Menno, ich war doch auf einen Bloggerknödel aus!
Aber gut, wenn's nicht anders geht...

Mein rinnender Angstschweiß verebbte etwas, als ich sah, dass die anderen Kundinnen den Salong verließen OHNE Toupage oder hässliche Föhnwelle oder sonstwie unschön bearbeitet. Die sahen ausnahmslos alle gut aus!

Nun hier mein Ergebnis:

Ja, *schluck* sehr kurz, aber mit ordentlichem Schnitt.
Und nun erstmal in Ruhe wachsen lassen...


34 Ocken, da kannste nicht meckern.
Scheint so, als hätte ich MEINEN Salong gefunden :-)


Freitag, 18. September 2015

Frisenkrisen - Neverending Story

Eigentlich hatte ich mir ja nach dem E.T.-Fiasko vorgenommen, erst wieder anlässlich Elvis' Abiball (also Frühjahr 2016) zum Frisör zu gehen.
Aber da meine Haare schon wieder so lang und schwer und doofliegend dalagen, entschloss ich mich, einen in der Tageszeitung vorgestellten Salong in einem kleinen Nachbarkaff auszuprobieren.

In der Zeitung kam der Struwwelpeter noch recht modern und professionell 'rüber, in echt fand ich mich in einem klammen, ungemütlichen Ommasalon mit ziemlich RTLesken Frisösen am Rande des Dorfes wieder, aber dass beide Frisösen schön frisiert waren, nahm ich als gutes Zeichen.
Dank meines Erscheinens hob sich das Kundinnendurchschnittsalter auf 82.
Bitte gerne.

Ich ließ waschen, schneiden, föhnen.
Zum Schluss bot die Frisöse an, mir das Haar lockig und leicht verwuschelt zu föhnen. Au ja!

Mal abgesehen davon, dass sich die Frisöse mit ihrer Wampe beim Föhnen gemütlich bei mir anlehnte und mir den Föhn sogar einmal vor die Backe knallte, sollte ich für DAS da 45 Ocken zahlen:


Yay, endlich mal nix Toupiertes!
Aber "lockig"?
Nun ja, wenn man's wohlwollend betrachtet:
3 Riesenlocken, 1 neben dem rechten Ohr, 1 neben dem linken und 1 über der Stirn.
Kusine Püppi nennt es "Frl. Rottenmeier-Look".

45 Ocken.
Isses zu glauben?
Ich zahle seit Jahren 35 Euro, egal wo. Und Struwwelpetra will 45??

Andere täten nun heulen, eine echte Bloggerin hingegen freut sich über die epic fails, die das Leben so beschert, gell?
Und so fuhr ich kichernd über diese Kackfrise nach Hause, Haare waschen.
Und das blieb übrig:

Auf dem Bild nicht so erkennbar:
oben kurze Stufen, nach unten hin länger - der Damen-Vokuhila.
Fühlte mich direkt an John Kincade erinnert. Und wenn ich draußen stehe, flattern die unteren langen Fransen im Wind, wie die Ohren von Goofy.

Und nun?
Ich werde nicht aufgeben und so lange suchen, bis ich den Friseur gefunden habe, der mich und mein Haar versteht! Und wenn ich dafür bis zu Udo Walz trampen muss!
Wo war der nochmal? Hamburg oder München?

Und nun entschuldigt mich, ich geh mir mal eben die Haare ein bisschen korrekturschneiden...

Donnerstag, 3. September 2015

Armes reiches Mädchen

Zwischen 1987 und 1991 hatte ich eine beste Freundin: Michaela.
Wir (damals 17 und 19) lernten uns in der Handelsschule kennen und liebten uns sofort.
Gleiche Wellenlänge, gleicher Humor.
Wir verbrachten jede freie Minute miteinander; Schule machte Spaß, weil wir uns da wiedersahen und uns war klar: wenn eine von uns ein Mann wäre, hätten wir beide die Liebe des Lebens gefunden.

Sie war eifersüchtig auf meine Freundin Britta, ich war eifersüchtig auf ihre diversen Freunde.
Und Freunde hatte Michaela massig.
Einen festen Freund zu haben war für sie das Nonplusultra, weil sie überzeugt war, ihr Lebensglück hinge von einer harmonischen und romantischen Beziehung ab.

Harmonisch und romantisch war die Ehe ihrer Eltern nicht.
Der Vater hatte vor Urzeiten eine Affäre, worüber die Mutter einen Nervenzusammenbruch erlitt und jahrelang mit Panikattacken und Depressionen zu kämpfen hatte.
Die Mutter hatte dem Vater längst verziehen, aber Michaela redete kaum noch mit ihm. Und er kaum mit ihr. Ich habe noch nie ein derart unterkühltes Verhältnis zwischen Vater und Kind erlebt.

Die Mutter war eine echt coole Socke.
Unvergessen die Schote, als kurz vor der Konfirmation ihrer Schwester der Pfarrer unangemeldet die Einfahrt zum Haus hochspaziert kam. Gott sei dank (haha!) sah die Kleine, die sich mit Mutter, Michaela und mir in der Küche (neben dem Eingangsbereich) befand, ihn rechtzeitig, woraufhin die Mutter den Befehl gab: "Auf den Boden!" und wir 4 hockten so lange leise kichernd und prustend vor der Spüle unter'm Fenster, bis der Pfarrer wieder weg war.

Unsere Eltern mochten uns beide auch:
Papas 50. Geburtstag? Michaela wurde eingeladen.
Michaelas Schwester feierte Konfirmation? Ich war dabei.

Zu meinem 21. Geburtstag schenkte mir ihre Mutter Eintrittskarten für Holiday on Ice. Mit allem Drum & Dran: 1. Reihe-Plätze, Programmheft, Getränke, Souvenir und zum Abschluss ein Essen beim Chinesen. Das alles für 4 Personen (ich, Michaela, ihre Mutter und Schwester).

So toll ich Michaela fand, so nervig fand ich allerdings ihren zwanghaften Drang, unbedingt einen Freund haben zu müssen.
Wenn ein Junge mit ihr Schluss machte, war sie wochenlang am Boden zerstört, weil es für sie unerträglich war, dass jemand sie nicht mögen könnte oder sie gar ablehnte.
Das selbe Drama, wenn ein angeflirteter Junge nicht auf ihr Geflirte ansprang.
Da wurde dann akribisch analysiert, warum/wieso/weshalb?.
Erst verzweifelt, dann in Wutattacken endend ("Wie kann der sich anmaßen, mich abzulehnen?Er kennt mich doch kaum! Ich tu keinem was Böses, bin immer freundlich zu allen!")

Michaela stammte aus einer der wohlhabendsten Unternehmer-Familien des Sauerlandes.
Ich stamme aus einer der durchschnittlichsten Familien des Sauerlandes (Vater Handwerker, Mutter Verkäuferin).
Und das wurde unserer Freundschaft zum Verhängnis.
Das und ihr Zwang, bei allen beliebt zu sein, mindestens aber von allen gemocht zu werden.

Irgendwann treffen reiche Menschen zwangsläufig auf andere reiche Menschen und dann kann es sein, dass ein anhängiger Durchschnittsmensch als nicht gut genug angesehen wird.
Michaela hatte Tanzen für sich entdeckt und latschte regelmäßig in die nobelste Tanzschule der Stadt, schloss schnell Freundschaften und so unternahmen wir fortan häufig was mit den "reichen Kids".
Ein paar dieser Snobs meinten allerdings, dass ich als "Malocherkind" kein Umgang für sie wäre und irgendwann saß ich öfter alleine zuhause, während Michaela mit den anderen unterwegs war.
Wenigstens hielt sie einen Nachmittag in der Woche nur für mich frei.
Schwierig wurde es an ihren Geburtstagen: die reichen Schnösel und ich.
Sie dazwischen, sich sichtlich unwohl fühlend.

Irgendwann kritisierte ich ihr Gehampel "zwischen den Welten", woraufhin sie meinte, SIE hätte die Arschkarte, denn obwohl ihre neuen Freunde gegen mich stänkern würden, würde sie sich schließlich trotzdem mit mir abgeben.
Und verstand nicht, dass ich darauf angepisst reagierte, statt ihr vor Dankbarkeit die Füße zu küssen.

Dann lernte Michaela auf einer Familienfeier meine Lieblingstante kennen.
Tags drauf fragte sie, wie jedesmal, wenn sie jemanden von "meiner Seite" kennenlernte: "Und? Wie findet deine Tante mich?"
Ausgerechnet meine Lieblingstante fand Michaela doof: eingebildet, überkandidelt, etepetete.
Und weil ich einen miesen Tag hatte, Michaela mir mit ihrem reiche-Kids-Dilemma auf den Sack ging und es zu dem Zeitpunkt bereits ziemlich unentspannt zwischen uns lief, sagte ich ihr die Wahrheit.
Hui.
Tagelang verlangte sie sehr wütend nach der Telefonnummer und Adresse meiner Tante, um mit ihr auszudiskutieren, weshalb sie solch ein ungerechtes Urteil fällen könne, wo man gerade mal 3 Worte miteinander gewechselt hätte.
Ich gab ihr weder Nummer noch Adresse.
Das war das Ende einer einstmals wunderbaren Freundschaft...
Als die Schule endete, brach unser Kontakt ganz ab.

Jahre später traf ich sie bei Edeka, wir plauderten nett, dann ihre Spitze: "Schön, dass ich auch mal erfahre, dass du geheiratet und ein Baby bekommen hast. Ich hätt gratuliert, aber ich habe ja keine Geburtsanzeige bekommen!"
Hä?! Im Zoff auseinander, Jahre nicht gesehen und dann auf beleidigt machen?
Dass wir gar keine Geburtsanzeigen hatten drucken lassen, darauf ist sie nicht gekommen.
Sie lud mich zu sich ein, ich ging hin, auf'n Kaffee, wir fühlten uns beide unwohl, waren steif, wie Fremde.

Ich könnte noch so viel erzählen.
Zum Beispiel, dass Michaela superlange Zehen hatte, die in offenen Schuhen immer wieder für Heiterkeit sorgten.
Oder wie einer ihrer Freunde in ihr nagelneues Bett gepinkelt hatte, weil er geträumt hatte, er säße auf dem Klo.
Oder wie wir uns gemeinsam auf der Weihnachtsfeier der Grundschule der Schwester langweilten.
Oder wie wir uns vor kichern kaum halten konnten, als an der Kaffeetafel ihrer Oma deren Stomabeutel rhythmisch gluckerte.
Oder wie die Mutter aus Angst vor Entführung immer (wie sie meinte: heimlich!) den Securitymann der Firma hinter uns her schickte, wenn wir abends in die Große Stadt zum Clubbesuch aufbrachen.
Oder wie der Vater meckerte, dass er extra einen Pool hatte bauen lassen und dass alle dann doch lieber ins Freibad nebenan gingen, weil da mehr los war.

Wie komm ich da jetzt eigentlich drauf?
Ach ja, beim Ausmisten habe ich unser Notizbuch gefunden. Wir haben uns damals im Unterricht keine Zettelchen geschrieben, sondern nutzten ein kleines Buch.
Ich googelte, fand sie aber nicht.
Kurz darauf stand die Todesanzeige ihrer Mutter in der Zeitung.
Es trauerten: Michaelas Vater und ihre Schwester.
Wieso stand Michaela nicht dabei?
War sie mittlerweile mit dem Vater so zerstritten, dass man nicht in derselben Traueranzeige stehen wollte?
Lebte sie im Ausland?
Lag sie im Koma?
Hm, keine Gründe, sie von der Nennung auszuschließen.

Ich rief in ihrer Firma an und fragte nach ihr.
Die Antwort kam direkt und ungeschönt:
"Michaela ist seit 10 Jahren tot." 

*schluck*

"Selbstmord", sagt der Friedhofsgärtner, der neben mir vor dem Familiengrab steht. "Liebeskummer. Ich erinnere mich noch an das Begräbnis. Bleibt immer hängen, wenn so ein junger Mensch beerdigt wird. Sie war ja erst 35."

*schluckschluck*

Ich hätte mit allem anderen gerechnet: Unfall, Krebs, Herzinfarkt.
Weil das passiv klingt.
Ebola? Schlaganfall? Plattgefahren? Da kannste halt nix machen.
Aber ein selbstgewählter Tod hat so was megatragisches, weil da ein riesengroßes, lebenzerfressendes Unglück hinter steckt.
"Blöde Kuh", murmel ich, während ich ein paar Blümkes in die Vase stecke. "Wegen 'nem Kerl! Hättste mich mal angerufen, dann hätt ich dir von meinen Männerkrisen erzählt und dann hätten wir gemeinsam drüber gelacht!"

Ich überlege, wie sie es wohl gemacht hat? Tabletten? Brückensprung? Brückenpfeiler? Erhängt? Mit dem Jagdgewehr des Vaters erschossen?
Der Gärtner kann sich nicht erinnern.
Ich überlege, was das mit ihrer Familie gemacht hat. Mit dem Typ, mit dem sie zusammengewohnt und der Schluss gemacht hatte.

Am 07.07.70 geboren, sie wäre jetzt 45.
Statt dessen feiert ..äh.. begeht.. äh.. sie nun ihren 10. Todestag.

Dienstag, 11. August 2015

Brotkauf mit BH

Als ich heute nichtsahnend und nur so semi gelaunt den Netto betrat, traf ich wunderbarerweise auf einen sehr jungen Mann, der mir die sonst eher zähe Zeit des Großeinkaufs versüßte.

Der nette Nettoangestellte grüßte mich gar fröhlich, kaum dass ich den Laden betreten hatte, befand sich zufällig immer genau in dem Gang, in dem ich auch gerade was suchte, zwinkerte mir zu, rief so Sachen wie "Beim nächsten Mal geben Sie einen aus! Haha!" und "Achtung, hier kommt wieder Ihr Stalker! Höhö!" und als ich unentschlossen vor'm Brotregal stand, fragte er, ob er mir helfen könne.
Ich sagte, ich suche ein leckeres Brot, woraufhin er mich über die verschiedenen Geschmacksrichtungen der 4 nettoeigenen Brotsorten aufklärte.
Ich lehnte dankend ab, Brot und ich haben eh ein schwieriges Verhältnis und von den Sorten mochte ich keine.
Da fiel ihm ein, dass eine 5. Sorte noch unausgepackt auf einer Palette im Lager stand und er rannte von dannen, um mir ein Päckchen aus dem (untersten!) Karton herauszuzerren.
Iiiieh, ein Dinkeldreikornroggensonnenblumenkernmischdingens!
Ich nahm es trotzdem, weil er sich so eine Mühe gemacht hatte.

Wieder zuhause schaute ich sofort in den Spiegel, WIESO hatte der Typ sich so eine Mühe gemacht?
Hatte ich gar einen Lady-Crooks-Moment?!

Stinknormales Outfit eigentlich.
Mit BH!
Und Schlüpfer.

Ja, ich besitze Spongebobbettwäsche! Schnauze!



Hmmmmm, also kein Lady-Crooks-Moment.
Aus seinem Zielgruppenalter war ich längst 'raus und wie Kim Kardashian sehe ich nicht aus, was war es also?!
Und dann fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren, DAS hatte er gesehen: Ungebügelte Hose, meinen SharPei-Faltenwurf um die Augen, wenn ich lächle un´d den grauen Haaransatz.
... der Typ ist einfach nur nett und hilfsbereit zu 'ner SCHLAMPIGEN  ALTEN  DAME gewesen!


Ach, lasst mich...


Samstag, 8. August 2015

Juliane von Knigge - Babysitter werden

Da ich diesmal gut & gerne auf 14-jährige, sich ständig am Rande der Hysterie befindliche Kichergören als Babysitter verzichten kann, habe ich nicht beim hiesigen Babysitterdienst angerufen, sondern einen Aufruf in der "Sauerländer Jobs & Flohmarkt"-Facebookgruppe gepostet.


Ich bekam 17 Zuschriften.
Es schieden aus:
- all die Gepiercten, Tätowierten, sich Terminator-Babe Nennenden, mit einem Pitbull Kuschelnden, mit Bierflasche in die Kamera Prostenden, der deutschen Grammatik nicht mächtig Seienden. Das waren 10.
Ayse Özgür. Es war mir irgendwie suspekt, dass ihre 18-jährige Tochter den Job haben wollte/sollte, aber selbst nicht über ein FB-Profil verfügte (Hallo?! Eine 18-jährige ohne FB??). Außerdem überforderte mich ihr "I love my Prophet!"-Profilbild.
2 professionelle Tagesmütter. Viel zu teuer.

Blieben 4 einigermaßen vertrauenswürdig wirkende junge Frauen.
3 versetzten mich zu den abgemachten Terminen:
1 musste dringend mit ihrem kranken Papagei in die Tierklinik, fragte aber 4 Tage später nach, ob ich noch Interesse hätte. Wtf?!
1 fiel ein, dass sie eigentlich doch keine Zeit zum Babysitten hat und 1 sagte nicht mal ab.


Es blieb: Anne-Marie.
Und was soll ich sagen: Ich bin verliebt!

Und Lucky Luke ebenso, kein Gefremdel seinerseits. Im Gegenteil: beim Vorstellungstermin hat er direkt mit ihren Zehen gespielt.
Anne-Marie ist ausgebildete Kinderkrankenschwester.
Anfang 20, schön, sympathisch, sanftmütig, aber doch durchgreifend, wenn nötig.
Gleich beim ersten Termin hat sie einen Teil der Gesamtsumme erlassen, weil ich Lucky 10 min. vor Ablauf ihrer Zeit selbst gefüttert hatte.
Und nach dem gemeinsamen Spiel hat sie aufgeräumt!
Hach...



Aber zurück zum Knigge...

So, liebe Menschen, die ihr an meine Kohle wollt meinen Augenstern beaufsichtigen wollt, oben könnt ihr schon lesen, wie man's macht und wie nicht und zusätzlich hier noch ein paar Tipps:

- Siezen!
Der aufmerksame Leser weiß: ich will nicht von Fremden geduzt werden. Noch ungernerer von Fremden, die 35 Jahre jünger sind als ich.
Klar, social media - da wird grundsätzlich nicht gesiezt, aber EY! es geht hier um einen JOHOB! 

- Grammatik!
Jagt euer Geschreibsel durch die Rechtschreibhilfe, Herrgottnochmal!
"hallo du ich hab auch 2 jungs 3 und 5 der ältere in kindergarten kannst deine maus ja mal vorbeibringen an welchem tag haste denn gedacht glg Mandy" 
Aaaargh aaargh aaaaarrgghh!
Fun fact: die ganzen Swetlanas, Fatimas und Panagiotas haben fehlerfrei geschrieben und dufte formuliert! Eat this, deutsche Deppin!  

- Profilfotos
Ich engagiere niemanden, der in seinem Profilbild eine Koksline samt gerolltem Fuffi zeigt.
Dass derjenige nicht zwangsläufig Drogen konsumiert ist mir klar, aber eine gewisse Affinität scheint da zu sein.
Ich will auch keinen Babysitter mit Zombie- oder "I love my Prophet!"-Profilbild. 

- Nicknames
Sich ChaChaCha Xbux oder Diva Deluxe oder Marie Juana nennen und dann nicht mal in der PN mit dem echten Namen unterschreiben? Vergesst es.

Es geht hier nicht um irgendnen x-beliebigen Putzjob, sondern um so 'n Ding mit Verantwortung und Vertrauen und so...
Selbst wenn man "nur" über FB einen Job sucht, sollte man 'n klein büschn anders auftreten.
Got it?

Was habe ich gelernt?
(Also außer, dass die meisten Fressenpiercings, Tunnels und unmotiviert kreuz & quer auf den bleichen Körper geballerten Tattoos scheiße aussehen?)
Ja:
Facebook ist nicht die Jobbörse des Arbeitsamtes und daher nur so semi geeignet für die Babysittersuche.


Oha, Lucky arbeitet an der Raute der Macht!
Bringt euch in Sicherheit!