Dienstag, 29. September 2015

Die Effenberg und ich ...

... stehen in der Fußgängerzone vor'm Benetton-Laden und quatschen nett. Das heißt, eigentlich quatscht nur sie, etwas zu laut und zu viel.
Sie erzählt, dass sie gerade von einem Fotoshooting in Düsseldorf zurück sei und wie toll das war und dass sie gedenkt, ihren Job als Arzthelferin zu kündigen, um professionell als Fußballerjägerin Modell zu arbeiten.
Sie trägt ihr schwarzes Haar zu einem perfekten Bob geschnitten, ein tolles MakeUp und einen dieser bodenlangen, luftigleichten Sommermäntel, die in diesem Sommer so IN sind und ich stehe bewundernd vor ihr.

Ach so, ja, das war vor 30 Jahren. Ich war 17 und sie 20.
Die Effenberg und ich kommen nämlich aus dem selben sauerländer Städtchen.
Und sie arbeitete bei meinem Zahnarzt.
Und somit kann ich behaupten, dass wir so ziemlich beste Freundinnen sind, gell?

Eine zeitlang war sie sogar bei Wikipedia unter "Berühmte Söhne und Töchter der Stadt" aufgelistet. Wurde aber wieder weggelöscht. Komisch...


20 Jahre später:
Eine Bekannte, die ich im Supermarkt treffe, erzählt, dass ihr Teenagersohn seit Tagen nicht mehr mit ihr redet.
Am Samstag Morgen hatte es um 7 Uhr bei ihnen geklingelt.
Mutter schält sich aus dem Bett und schlurft zur Tür. Ein ihr unbekannter Mann überreicht ihr eine Tüte Brötchen:
"Hallo, ich bin Stefan Effenberg und verbringe ein paar Tage bei Familie Köhler**. Wenn die Presse 'rauskriegt, dass ich hier bin, könnte es sein, dass es hier turbulent zugeht und dafür will ich mich schon mal im Voraus entschuldigen!"
Sagt's, jumpt zurück ins Auto, der offene Kofferraum voll mit Brötchentüten, und rollt zum nächsten Nachbarn.
**Claudias Verwandtschaft und in der selben Straße wohnend

Und während sie sich später am Frühstückstisch darüber aufregt, dass sie zu unverschämt früher Stunde geweckt wurde UND einem Promi ungekämmt, mit ungeputzten Zähnen und in verwaschenem Morgenmantel gegenübergestanden hatte, schmollte der Sohn, weil sie nicht nach einem Autogramm gefragt hatte.
Unvergessen ihr Konter: "Sei froh, dass ich den Mund zugelassen habe. Diesen Hauch des Todes hätte der Typ nicht überlebt!"

Und weil es dem Effenberg wohl zu unturbulent zuging und irgendwie keiner hier so richtig Notiz nahm, ist er Tage später höchstselbst zur Presse ("Sauerländer Tagesbote") marschiert, um mitzuteilen, dass der Familienhund weg sei. Seine Vermutung: irgendein kriminelles Subjekt hatte spitzgekriegt, dass er, der berühmte Fußballer, in der Stadt sei, das Haus ausgespäht und den Hund entführt haben muss, in der Hoffnung auf eine Menge Lösegeld.

Welch Aufruhr im Städtchen!
Wer hatte gewagt, einen Promiköter zu stehlen?!
Der Bürgermeister wand sich öffentlich vor Scham, eine Stadt zu regieren, die offenbar voller krimineller Energie steckt.

1 Woche später hat dann unser Stadtförster, übrigens der Bruder vom POM Henneke, das umherirrende Vieh im Wald aufgegriffen.
Nix Entführung. Glück gehabt, Lösegeld gespart...

Wie komm' ich da jetzt drauf?!
Ach ja:
meine sehr gute Freundin Claudia wurde unlängst Fuffzich.

Alles Gute!

Kommentare:

  1. Na ganz offensichtlich lässt er keine Schlagzeile aus, die er bekommen kann, der Stefan...
    Selbst seiner Frau stiehlt er die Geburtstagsshow

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    1. Ui. Tja, es musste ja unbedingt ein ungestümer Jungspund sein...

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  2. Und wie beleidigt der Effi wohl erst war, weil wahrscheinlich kein Schwein aus der Nachbarschaft nach einem Autogramm gefragt hatte...

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  3. *lach* Na ja, wenn er schon SELBER Brötchen extra verteilt, hätte er der Tagespresse evtl vielleicht auch was liefern sollen...

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  4. DU kannst Freundinnen haben!!! Im Grunde bist du auch Spielerfrau.

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  5. Anonym30/9/15

    ...und bist du auch eingeladen worden auf die Geburtstagsparty?
    Das wäre bestimmt ein klasse Beitrag geworden!!!

    LG Noemie

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  6. Giggel.... DANKE! Ich musste gestern den ganzen Tag vor mich hin kichern weil ständig diese Szene vor meinem Auge ablief: Hausfrau und Effe mit Brötchentüte, gnihihi... hach SUPER!
    Du kennst nicht auch zufällig die Ochsenknecht? Wäre super. Dann könnteste ihr, als BFF, vielleicht mal sagen das sie diesen furchtbaren Lippenstift weglassen soll...
    Kennste nicht? Schade. Kennt Claudia die?? Hoffnungsvollguck

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    1. Anonym1/10/15

      Ohja. Dieser pinke Lippenstift ist das Grauen auf Latschen. Fügt mir jedesmal körperliche Schmerzen zu, dieser Anblick!

      Die Neue

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  7. Anonym30/9/15

    WAS? Nur eine Tüte Brötchen als Entschudigung? Das ist doch mehr als poplig!
    LG Susanne

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  8. @ Noemi:
    Na klar war ich eingeladen. Spitzenparty! Leider darf ich öffentlich nicht darüber schreiben. Da hat die Claudi mich ganz ganz dringend drum gebeten. Sorry.
    @ Dani:
    Die Natascha kenn ich tatsächlich gut! Ich guck ja immer Promi Shopping Queen und perfektes Dinner und so...

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  9. Deine Bekannte aus dem Supermarkt gefällt mir: Ich mag so nen arschtrockenen Humor.
    Ansonsten gibts ja kaum ein Pärchen, das peinlicher ist als die beiden. Schon gruselig, was Leute so für Geld und eine zweifelhafte Bekanntheit tun.

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  10. Es gibt sooo viele Blogger die weder gute Geschichten noch eine lustige Schreibe haben und trotzdem Bücher veröffentlichen. Magst du die Schwanks deines Lebens nicht auch zusammenfassen? Ich würde das Buch kaufen :D

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    1. Ach, du schmeichelst mir ja bloß, um über mich an die Effenbergsche ranzukommen...

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  11. Anonym1/10/15

    Lol, tolle Geschichte!
    Bei manchen Menschen, auch wenn sie berühmt sind, kann man echt darauf verzichten sie zu kennen! :-)
    Und die Effenbergs stelle ich mir so vor wie du sie beschreibst, Mediengeil.
    Und das Vorurteil Arzthelferin stimmt ja auch mal wieder...
    LG
    Marion

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  12. Jetzt grinse ich derart breit, dass sich meine Mundwinkel schon auf dem Hinterkopf berühren. Klasse Geschichte! Im Übrigen mag ich die Effenberg. Auf die passt eine Zeltinger Songzeile wie die Faust aufs Auge: Assi mit Niveau. Naja gut, dass Niveau mag fehlen, aber irgendwie finde ich sie ganz unterhaltsam - auf Distanz.

    Ich hab übrigens auch paar berühmte Persönlichkeiten im Gepäck. Drei meiner Exen. Unglaublich, aber wahr. Komischerweise errangten die Rang und Namen, nachdem die Beziehung beendet war. Seltsame Komponente. Ich deute die mal positiv... dass ich derart bereichernd war.... dass sozusagen durch mich der raketenähnliche Start in den Promihimmel möglich wurde. Blöderweise blieb ich im Dunst der Abgase zurück. Gibt aber auch Schlimmeres.... mir wäre es zutiefst zuwider ständig von jedwelchen Fotografen und Paparazzi belagert zu werden und nur in Tarnkleidung durch die Welt zu fallen (um hysterischen und von Ohnmachtsanfällen gepeinigten Fans zu entgehen). Wobei gegen eine schicke Camouflage-hose janüscht einzuwenden ist.

    Äh, was wollte ich gesagt haben? Ah sö.... Klasse Geschichte und Danke für den Lacher am Morgen!

    Fröhlichen Gruß aus der semiprominenten Abgaswolke erfolgreicher Durchstarter. (...das sind keine Augenringe, sondern Rußflecken!!)

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    1. Aha! Eine Muse also! Das würd ich mir teuer bezahlen lassen, hast ja immerhin schon 3 Referenzen :-)))

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