Freitag, 30. Dezember 2016

Autokauf

Aus aktuellem Anlass (mein altes Auto rumpelt und röhrt sich grade von Reparatur zu Reparatur) habe ich mal meine bisherigen Fahrzeuge und Kaufmotivationen revuepassieren lassen.


Autokauf mit 20:
- es soll hübsch aussehen
- die Farbe muss peppig sein




Autokauf mit 30:
- hübsches Aussehen
- peppige Farbe 
- Heckscheibenwischer wäre toll (ja, damals gab es tatsächlich Autos ohne!)


Autokauf mit 40:
- hübsches Aussehen
- Farbe egal
- Heckscheibenwischer
- Klimaanlage wäre toll im Sommer!


Autokauf mit 50:
- nettes Aussehen
- Farbe egal
- Heckscheibenwischer
- Klimaanlage (bei meinen Hitzewallungen wird die auch im Winter gut genutzt)
- Sitzheizung ist schön muckelig im Winter!



Wie wird's weiter gehen?

Autokauf mit 60:
- Aussehen und Farbe egal
- Heckscheibenwischer
- Klimaanlage
- Sitzheizung (wenn obenrum die Klimaanlage bläst, verkühle ich mir so schnell die Blase)
- beheizbares Lenkrad, gut für die arthritischen Pfoten 


Autokauf mit 70

- Scheiß auf Aussehen, Farbe, Heckscheibenwischer, Klimaanlage, Sitzheizung, beheizbares Lenkrad
- Hauptsache Einparkhilfe!


Autowahl mit 80:
- Farbe: RAL1015
- Dachzeichen
- hoher Einstieg und
- ein Fahrer, der nicht zu viel quatscht


Autowahl mit 90:
- schwarz, anthrazit oder grau
- Langlimousine und
- ein Fahrer, der hoffentlich nicht nekrophil ist

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Schnauze halten! Essen!


Woran erkennt man einen Veganer?
Er wird es dir garantiert erzählen!


Schon oft gelesen, diesen Spruch; konnte ihn aber nie bestätigen, denn die einzigen Veganer bzw. Vegetarier, die ich kenne, waren der Physio, der zwar viel über seine nahezu amouröse Beziehung zu seinem Thermomix gelabert hat, und eine Nachbarin, die Dinge kredenzte wie Nusskuchen ohne Ei und Butter oder glutenlaktosekohlehydratfreie Pizza, nach deren Verzehr ich meist mit heftigsten Blähungen nach Hause ging.
Die haben aber nie versucht zu missionieren.

Klar, mitunter liest man von merkwürdigen Begebenheiten, wie neulich, als der offensichtlich kurzfristig in seinem Stoffwechsel entgleiste Herr Läsker den Herrn Zander wegen 3.000 spendierten Gänsemenüs blöd angemacht hatte, statt seinerseits 3.000 Portiönchen veganen Mandelpuddingschlönz beizusteuern.
Und wir alle kennen die Augenroller der Gastgeber beim Perfekten Dinner, wenn sich montags einer der Gäste als Veganer outet und dann den Rest der Woche bei Tisch angeekelt herumzickt.

Nun begab es sich aber, dass ich neulich 4 Monate Schülerin in einer Bildungseinrichtung für Finanzbuchhalter war und Frühstücks- wie Mittagspausen mit einer Menge anderer Menschen verbrachte.

Unter 50 Mitschülern gab es 4 ..ähm.. speziell Essende, aber diese Minderheit genügte, um allen anderen den Appetit zu verderben.
Und zwar Tag für Tag für Tag.

Halbes Stündchen vom Lernstress abschalten?
Einfach nur in Ruhe dasitzen und essen und 'n bisschen über die Dozenten lästern?
Nix da!
Nicht, wenn so ein speziell Essender über sein anders-essen labern will.
Und das wollten die!
Und zwar Tag für Tag für Tag.

Es gab:
Einen Paleoandertaler: Ein unbedingt jung, dynamisch und gesund bleiben wollender Midlifekriselnder.
Eine Veganerin: Eine junge Dürre mit Hashimoto und 3 Generationen Krebs im Genrucksack, die sich unbedingt gesund ernähren wollte.
2 Vegetarierinnen: Die eine kam dem Wunsch ihrer Teenagertochter nach fleischloser Ernährung nach. Die andere wollte abnehmen.

Als normaler Allesfresser wunderste dich natürlich über die 27 entdeckelten Tupperböxchen auf'm Tisch, befüllt mit grau/grün/braun-batzigem Schnodder, in den Gemüsestreifen oder Dinkelstangen getunkt werden.
Und fragst nach.
Blöder Fehler.
Blöder, blöder Fehler!
Man wurde nicht nur detailreich über die Inhaltsstoffe des gelb/beige/grünen Schlotzes aufgeklärt, nein, man lernte noch eine Menge über die Art und tolle Wirkung der speziellen Ernährung auf Körper, Geist, Psyche und ach, auf das ganze Leben!

Irgendwann schielte man selbst verschämt auf seine Nutella-Schrippe oder den Döner, weil man ohne mit der Wimper zu zucken, getötetes Tier isst und obendrein seinen Cholesterinhaushalt mit nutellaeigenen Fetten befeuert.

Mit der Beschreibung der Ingredienzien könnte man das Thema ja dann eigentlich abhaken, ne?
NEE!
Denn als der erste anfing, über seine Ernährung zu reden, outeten sich noch 3 andere, die ebenfalls speziell essen und dann ging er los, der rege Austausch.
Und zwar in jeder einzelnen, verdammten Pause!
Ach was - schon früher! Kamste morgens nichtsahnend in die Bildungseinrichtung, die Arterien noch verklebt vom Fondue am Vorabend, wurdeste direkt begrüßt mit den Worten: "Benutzt du Öl zum kochen? Ja? Öle sind schlecht, ne, das weißt du? Außer Arganöl, das ist obendrein gut für die Haut."
JA SICHER, ich kauf mir 'ne Flasche Arganöl für 20 Ocken und schmier's mir dann auf die Füße.
Da kommste als Nutellabrotnager mit normalen Themen wie "Witwenverbrennung, pro & contra" oder "Teflon- oder lieber Rollenfuß für Kunstleder?" auch gar nicht dazwischen.
Im Gegenteil!
Wirst niedergequatscht und kriegst noch UNGEFRAGT Infomaterial zum Thema "Schlechte Fette - gute Fette" in die Hand gedrückt, Attila-Hildmann-Kochbücher geliehen und Schlönz-Pröbchen mitgebracht!
Ey.
Auf die Idee mit den Pröbchen kommt ja leider kein Nutella-Esser.

Wat treibt die an?!
Intracranielle Fehlzündungen aufgrund B12-Mangel?
Energieoverload dank Zuckermangel?
Was macht Essen zu so einem großen Thema?!
Die Tatsache, dass es ein Grundbedürfnis ist?
Das ist Sex auch, aber ich habe mich noch nie bemüßigt gefühlt, den neuesten Orion-Katalog zu verteilen oder meine Dildos 'rumgehen zu lassen.
Ja, ich weiß, für Dildos müssen keine Tiere sterben, aber für Paddles und Tickler sehr wohl!

Ich selbst versuche seit Längerem fleischarm bzw. -los zu essen, werde aber oft boykottiert von Elvis, der auf den super sättigenden Birnen-Linsen-Cashew-Eintopf glotzt und fragt: "Gibt's nix zu essen?"
Ich mag Fleisch und Milchprodukte eh nicht so, verarbeite "Leichenteile" ungern und ich will kein nur selten Auftragskiller sein.
Ich informiere mich über entsprechende Sattmach-Ersatzmöglichkeiten und probiere mich derzeit durch Lupine, Tofu, Soja, Mandel und Quinoa.
Leider ekelt's mich vor vielem,  vor allem nach dem Hummusvorfall!
Und von den Preisen wollen wir gar nicht erst anfangen.
(1 Liter Mandelmilch - 3 Euro!)
Aber ich belästige doch meine Mitmenschen nicht damit!

Informieren und aufklären, wenn ausdrücklich gewünscht - OK.
Aber bitte kein verbissenes Missionieren.
Esst, was ihr wollt/könnt/dürft/sollt, aber esst mit Würde, verdammt!
Essen und essen lassen!
Aber "lassen" - das können wir Menschen nicht so, ne?

Du liebe Güte, schon habe ich mich wieder in Rage geschrieben.
Ich geh' mir 'ne Nutellastulle schmieren...


Is ok. Kann man essen. Schmeckt ähnlich wie "echte".

Blutwurst. Mein Hauptnahrungsmittel während der Schwangerschaft.
Gerne schon zum Frühstück. Jetzt schmeckt's mir nicht mehr.

Geschmack und Konsistenz:
näää, echt nich...

Superlecker: Der aus Gemüsematsch geformte Veggieburger
in der örtlichen Tapasbar.





PS:
Ich besitze gar keine Dildos.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Börsenbericht - Kandidat 0: Herr Reinlich

Das Interesse an Börsenkandidaten ist offenbar groß. Mangels Masse, lasse ich nun den allerersten Kandidaten aus dem Geheimblog (->wegen der Fummelei) frei.


April 2013:

Patient Zero: Herr Reinlich (45)

Ich lerne bei NeueLiebe.org einen Mann kennen.
Erst Gemaile, später telefonierten wir 3 Wochen lang täglich zwischen 2 und 5 Stunden.
Unser erstes Telefonat dauerte 3 Stunden und ich hatte anschließend 5 Stunden lang Herzrasen!
Der Typ hatte eine Stimme, die mir direkt ins Herz schoss, dann 'runter in den Bauch, wo sie die Horde Schmetterlinge aufscheuchte, die sich dort eingenistet hatte und von da aus direkt meinen Uterus zum Beben brachte.
Ich dachte 24/7 an ihn. Und ihm ging es genauso.
Nach 3 Wochen gestanden wir uns, dass wir verliebt sind und machten einen Termin zu einem ersten Treffen aus.

Für ihn war die Sache klar: aus uns wird ein Paar.
Ich selbst war nur zu 90% überzeugt; denn hätte ja sein können, dass er mich mit irgendwas abtörnt.

Mit Käseecken (diese Spuckebatzen in den Mundwinkeln) oder einem furchtbaren Eigengeruch oderoder...

Da er 80 km weit weg wohnt, einigten wir uns auf ein Treffen über's Wochenende bei ihm.
Er hatte sich sogar am Tag davor extra freigenommen, um die Bude auf Vordermann zu bringen und für uns einzukaufen!

Ich fuhr also am Samstag nachmittag mit dem Gedanken los:
"Am Sonntag Abend werde ich als liierte Frau zurück sein. Yay!"

Ich (weder im Besitz von Navi oder Smartphone) wollte eigentlich ins 80 Kilometer entfernte Essen und landete versehentlich im 120 km entfernten Köln. Google Maps ist ein Arschloch.
Zurück kam ich als Singlefrau.


Als ich mit einiger Verspätung vorfuhr, wartete er bereits am Gartentor.

Huch!
Stechender Blick aus dunklen, kalten Knopfaugen. War auf den Fotos nicht erkennbar gewesen, da er nie direkt in die Kamera geguckt hatte.
Segelohren.
Riesenfüße.
Dünn. Ich habe eine Abneigung gegen hagere Menschen; ich weiß nicht, warum, ist eben so und er war dicht an der Grenze zum Hageren.
Zur Begrüßung bekam ich einen schlaffen, feuchten Händedruck. Örks.

Bereits auf dem Weg zum Haus dachte ich:
"Scheiße, ich mag den nicht!"
Wie konnte das sein? Ich war doch eindeutig verliebt mit Herzrasen und Schmetterlingen und so!

Im Haus wechselte er die Sneakers gegen Adiletten.
A-di-letten!

Süß: er hatte, während ich (->Royalfan) durch Deutschland irrte, Fotos von der Schwedenhochzeit im TV geknipst und sich Notizen(!) zum Brautkleid gemacht.

Einen Anpfiff bekam ich für mein Geständnis: "Leider habe ich das Gastgeschenk zu Hause vergessen!". Eigentlich hatte ich ja mit "Aaaaw, wie lieb, du hast ein Geschenk besorgt??" gerechnet.
Aber er war der Meinung, dass man in diesem Fall "doch dann nicht sagt, dass man eins gehabt hätte!" (->hier bitte schulmeisterliche Strenge in der Stimme vorstellen!).
Also verkniff ich mir die grausame Wahrheit, nämlich, dass ich überhaupt kein Geschenk gekauft hatte. Har har!

Wir kochten direkt gemeinsam los. Was mediterranes mit Meeresfrüchten, viel frischen Kräutern und Weißbrot.
Während der Kocherei wirkte er allerdings insgesamt recht abgetörnt. Ihm ging es wohl wie mir.
Zwar kein Anpfiff, aber gequältes Aufstöhnen seinerseits, als ich mit einem der vielen Geschirrtücher ein paar Kaffeespritzer von der Spüle wischte.
Für jedes Küchengerät lag nämlich ein separates Geschirrtuch parat, um es nach jeder Benutzung zu säubern oder abzudecken. Und ich hatte wohl unwissentlich das zur Brotschneidemaschine gehörende Tuch benutzt. Skandal!

Wenigstens waren Wein und Essen grandios.

Trotz offensichtlicher Desillusionierung riss er sich zusammen und tat das, was er für Romantik hielt:
tiefer Blick in die Augen, verträumtes Lächeln, während er mit meinem Haar spielt. Frau wünscht sich sowas, ne? Ich konnte das nicht gut aushalten, mir war es zu kitschig, zumal zusätzlich im Hintergrund seine Lieblinge Naidoo und Silbermond 'rumheulten.

Dann erzählte er lang & breit von sich, wie er sich vom Bergmann zum Abteilungsleiter einer Computerfirma hochgearbeitet hatte; berichtete ausführlich von seiner Exfrau, die er 2 Jahren zuvor verlassen musste, um sich nicht von ihrer Panikstörung mit hinunterziehen zu lassen und schilderte detailreich und mit Tränen(!) in den Augen die Hochzeit 9 Jahre zuvor.
Wenn ich mal einen Schwank aus meinem Leben 'raushaute, reagierte er desinteressiert. Und ihr seid meine Zeugen: ich kann amüsant 'raushauen!

Und dann gab es diese Momente:
Er hatte beim Essen einen miniwinzigkleinen Klecks auf sein Hemd bekommen und regte sich derart und ausdauernd darüber auf, dass ich dachte, der springt jeden Moment auf und zieht sich um.
Er war völlig irritiert, dass ich nach 22 Uhr einen Kaffee wollte. Also wenn man schon mal zu Gast ist bei jemandem mit Jura, muss man auch zuschlagen!
Nach dem Essen ließ er mich die Tischdecke zusammenfalten. ZUSAMMENFALTEN!
Mitten beim postprandialen Knutschen entdeckte er, dass bei seiner Strickjacke ein Faden gezogen war und begann zu überlegen, wie man den Faden wohl einziehen könnte, da die Jacke von innen gefüttert war.

Warum ich nicht einfach nach Hause gefahren bin, fragt ihr?
Einfacher Grund: ich bin nachtblind.
Also da geblieben und auf 'ne scharfe Nummer gehofft.

Achtung!
Jetzt: Sexcontent.
Wer Bäh ist vor intimen Details sollte nun weglesen.

Irgendwann fingen wir also das Küssen an und das war ganz locker und lustig.
Seine Technik war furchtbar, aber das haben ja viele Männer nicht drauf:
Mund auf, Zunge raus und dann ordentlich im Partnermaul herumgewühlt, dabei noch das halbe Gesicht mit abgeleckt.
Dann fing er an, an meinen Fingern herumzulutschen. Örks. Ja mei, wem's gefällt...
Rüber ins Schlafzimmer.
Vor'm Bett angelangt, hängte er seine Klamotten ordentlich auf einen Dienerstuhl. Alles! Auch Socken und Schlüpfer.

Im Bett wurde kurz geküsst, kurz hektisch gefummelt.
Dann robbte er Richtung Süden, ich hatte plötzlich seinen Kopf zwischen meinen Beinen.
Ich hatte kaum den Gedanken "Huch! Cunnilingus ist aber ungewöhnlich für ein erstes Date!" zuende gedacht, da schmiss er sich schon mit den Worten "Hier bin ich!" neben mich auf den Rücken.
???

Ich muss wohl derart blöd und paralysiert aus der Wäsche geguckt haben, dass er mich rügte: "Juliane, der Spannungsbogen lässt gerade stark nach!", meine Hand nahm und an seine Kronjuwelen führte.
2 Minuten später: er sprang auf "Ich hole Zewa!"
Du liebe Güte, nichts, was der Rede wert gewesen wäre, er hatte ja schließlich keine Gallonen quer durchs Zimmer verspritzt!

Wir schliefen ein und wachten gleichzeitig auf.
Nett: er brachte mir Kaffee und Toast ans Bett.
Schräg: er brachte ein Netbook mit und zeigte mir "süße Kätzchen"-Videos.

Während er nochmal einpennte, ging ich duschen, putzte(!) anschließend das Bad und las mich durch seinen Stapel "Homes & Gardens".

Ich weckte ihn gegen 11, weil ich dringend einen Kaffee und einen neuen Google-Maps-Ausdruck brauchte. Die Jura quatschte aber nur von Trestern und Tabs.


Mit einem erschrockenem "Was, schon 11? Dann läuft jetzt die Wiederholung von Wetten-dass. Das habe ich ja gestern verpasst." sprang er aus dem Bett und machte den Fernseher an.
Äh, hallo?!

Nun gut, mir war klar, das wird mit uns beiden sowas von nix.
Eigentlich hatte er mir noch die Firma zeigen wollen, in der er Abteilungsleiter war, aber er widersprach nicht, als ich ihm sagte, dass ich nach dem Kaffee nach Hause fahren würde. 
Der Abschiedskuss hingegen hatte wieder Hollywood-Potential:
er nahm mein Gesicht in beide Hände, schaute mir tief in die Augen und küsste mich ganz sacht.
Und jetzt alle: Aaaaaww! 

Während er mir am Vorabend noch sein altes Navi schenken wollte, damit ich mich nicht wieder verfahre, reichte seine Zuneigung am Morgen danach nur für den Ausdruck von Google-Maps.
Netterweise geleitete er mich aber noch auf die richtige Autobahn.

Abends telefonierten wir ein letztes Mal.

Er sagte, dass es ein schöner und außergewöhnlicher Abend war, so ganz anders, als er es erwartet hatte (ja, bin eben Sauerländerin und kein süßes Weibchen!), dass er aber der Meinung sei, dass wir "konzeptionell nicht kompatibel sind", dass es zu viel "Simplex-Kommunikation" zwischen uns gegeben hätte und dass unsere Sympathien für eine Beziehung nicht reichen würde.
Genau meine Meinung.
Wir wünschten uns noch gegenseitig viel Glück bei der Partnersuche.


Wie konnte das passieren??
Vermutlich haben wir zuviel Wünsche und Sehnsüchte in den anderen hineinprojiziert und keiner von uns konnte das erfüllen.
Er braucht offensichtlich extrem viel Reflexion, Anerkennung, Bestätigung und Feedback. Ich bin niemand, der ständig bestätigt und feedbäckt.

Naja, wenigstens hatte ich 3 supisüße Herzklopfwochen, habe meine Autobahnphobie in den Griff bekommen und mal wieder n büschn 'rumgemacht.



Freitag, 9. Dezember 2016

Börsenbericht - Kandidat 23: Der Juwelier

Eins vorab:
das was jetzt folgt, habe ich mir NICHT ausgedacht!
Ich sag's lieber, denn sowas glaubt einem ja wieder kein Schwein.

Kandidat 23: Der Juwelier (50)

Unser reger Mailverkehr ist klasse. Wir schreiben mehrfach am Tag via NeueLiebe.org und beim Lesen seiner langen Mails denke ich jedesmal: "Passt!".
Da stören mich die 80 Kilometer zwischen uns nur mäßig.
Optisch erinnert er an Jean Reno, für den ich ja ein bisschen schwärme.
Und ein Mann, der unsere Verlobungsringe selbst klöppeln könnte?! Wahnsinn!

Über Facebook erfahre ich, dass er in den 80ern zusammen mit seiner Ex-Frau, einer TV-Mitarbeiterin, Gothik-Musik gemacht hat. In der entsprechenden Szene wohl ein Begriff; ich hab da nie von gehört.
Er hatte in dem Duo den Künstlernamen Nina Immediate und so nennt er sich auch bei FB.
Dort hat er ein aktuelles Urlaubsvideo gepostet. Joa, nicht schlecht, der Typ: sehr nettes Äußeres, angenehme Stimme.

Nach 1 Woche unser erstes (und einziges) Telefonat.
Er schreibt mir seine Nummer, ich rufe ihn direkt an: "Hallo, danke für deine Nummer! Wie isses?"
Erfreutes Eröffnungsgeplauder.
Dann er: "Wer spricht denn da?"
Ich bin perplex. Wieviel fremden Weibern hat er denn grade seine Nummer gegeben? Oder verarscht der mich? Offenbar nicht, denn er hakt nach:
"Woher kennen wir uns? Von NeueLiebe.org?"
Ich bejahe und er hebt an zu einem (gefühlt mehrstündigen) Monolog. Zusammenhanglos reiht er Thema an Thema.

Dabei erfahre ich....
- dass er den Juwelierladen seiner Eltern verkauft hat und sich nun als reicher Erbe (zwar mit diversen abgebrochenen Studiümmern und Ausbildungen, aber ohne Beruf) durch Raum und Zeit treiben lässt
- dass er einen Minijob als Leichenwagenfahrer beim Bestatter hat
- dass der, als kommerziell geplante Pornofilm, den seine Frau mit ihm gedreht hat, gefloppt ist, weil er da nicht so konnte, wie sie wollte
- dass besagte Ex dem Drogenkonsum anheim fiel und ihn und Kind Aufnimmerwiedersehen verließ
- dass sie nun mit ihren niedergeschriebenen Memoiren durch Regional-Talkshows tingelt und auf dem Cover ist er abgebildet
- dass seine alte Schulfreundin Eva seit 10 Jahren unter Mobbing leidet und dass die Welt so schlecht und furchtbar ist
- dass er den derzeit herrschenden Neokapitalismus abartig findet und daraus resultierende Dinge wie zerrissene Jeans als Mode, entschieden ablehnt
- dass seine Mutter erst seit 5 Jahren seine Krankheit akzeptieren kann.
Krankheit?! Oha...
"Ich bin hochempfindlich, ich nehme Schwingungen von anderen Menschen auf und das belastet mich oft sehr."
Aha.

Nach den wenigen Sätzen, die ich reden durfte, lobt er:
"Du hast eine so wunderbar wohlklingende Stimme, diese Wärme, diese Tiefe, dieses Timbre, fantastisch!"
Seine eigene zittert nun vor Ergriffenheit.
"Juliane, nimm es mir bitte nicht übel, aber deine Stimme berührt mein Herz auf eine ganz bestimmte Art. Und deshalb muss ich jetzt direkt auflegen, um ein bisschen zu weinen. Aber ich schäme mich meiner Tränen nicht, ich konnte Jahrzehnte nicht weinen, das habe ich erst in den letzten Jahren gelernt."
Sagt's, labert aber dann unbeirrt eine halbe Stunde weiter.

Weinen tut er zwar nicht, aber lachen muss er, nachdem ich einen Scherz gemacht habe:
"Entschuldige, ich muss jetzt mal ganz laut lachen!", kündigt er an und dann höre ich im Hintergrund ein lautes, wohltönendes HA! HA! HA! HA!, wie von einem Opernsänger.
Tja, Künstler halt...

Dann will er wissen, wann ich Nina-Oliver (ja, so hat er es wirklich gesagt! Und übrigens betonte er im Laufe des Gesprächs ein mü zu oft, dass er NICHT schwul sei.) treffen will und wie das übliche Prozedere beim Dating sei: wo trifft man sich?
Ich erkläre ihm, dass das vom Typ Mann abhängt.
Der Gentleman kommt die 80 km herangeprescht, um hier mit mir einen Kaffee zu trinken.
Der Normalo schlägt ein Treffen auf der Hälfte der Strecke vor.
Der Stiesel zitiert mich zu sich.

Das hätte ich nicht sagen dürfen, denn Nina-Oliver will sich in "keine der 3 Schublade stecken lassen" und schlägt zur Strafe ein Treffen in Köln vor.
IN  KÖLN?!
Das wären 120 km für mich und 100 für ihn.
Joa, warum einfach, wenn's auch kompliziert geht, ne?

Dort will er mich im Hallmackenreuther (gibt's das wirklich? Klingt eher nach Loriotschem Fantasienamen) zu einem Kaffee und einem Schnitzel einladen und dann lassen wir uns durch die Großstadt treiben und warten ab, was es mit uns macht und außerdem: "Köln ist eine gute Idee. Ich muss mein Auto auch mal wieder dringend bewegen. Ich bin nämlich länger nicht damit gefahren."
Ja, wahrscheinlich wegen der Medikamente.

Heilige Scheiße.

Nachdem ich aufgelegt hatte, musste ich lachen. Und zwar so doll und lange, dass mir irgendwann das lachtränennasse Gesicht wehtat und das Lachen ins Weinen überging.

So, Leute, das war's.
Ich habe den Eindruck, dass die Kandidaten in letzter Zeit immer irrer werden.
Der ideale Zeitpunkt, um Schluss zu machen, mit der Online-Daterei.

Es hat mich sehr gefreut, aber ich finde bestimmt ein anderes interessantes Hobby...



Hier alle Börsenkandidaten.

Dienstag, 6. Dezember 2016

So nich, Leute, SO nich!

Der Handwerker, der sich für 8 Uhr angesagt hatte, klingelte um 8.01 Uhr.

Die Herrschaften vom Jobcenter sind ausgesprochen freundlich.

Ihr seht mich in meinen Grundfesten erschüttert.

Worüber noch bloggen...?


Echt jetzt mal!

Was hatte ich für 'ne Angst vorm Jobcenter!
Machte mich gefasst auf stundenlange Warterei in einem überfüllten Wartebereich inmitten von grimmig dreinblickenden Männern mit Äxten (oder mit was der gemeine Hartzer sonst so seinen Berater niederschlägt).
Machte mich gefasst auf diverse Anschisse, wie ich es nur so weit hätte kommen lassen können, ich Loser, ich!

Und dann komm ich da hin:
Wartebereich leer.
Infofrollein freundlich.
Anmeldefrau nett.
Meine Beraterin verständnisvoll.
Elvis' Beraterin hilfsbereit.
Mein Arbeitsberater freundlich.
Und alle völlig relaxed.
Fühlste dich gleich viel weniger scheiße.
Da können sich die miesgelaunten Pissnelken vom Arbeitsamt mal einige Scheibchen von abschneiden und zwar mit den Äxten der im Wartebereich lauernden Hartzer!
Die Bewilligung bekam ich nach 1 Woche.
Ich werde es ab sofort Wohlfühl-Center nennen.
Aber Gutes - dat will doch keiner lesen.

Worüber noch bloggen?
NeueLiebe.org?
Die Online-Daterei werde ich pünktlich zu Neujahr aus nervlichen Gründen drangeben. Zwar viele Erfahrungen, aber auch zu viele Misserfolge. Mit den Männern klappt's nicht; mit den Chefs klappst nicht. Das killt das Selbstbewusstsein.
Aber den einen noch, den Juwelier(!), den MUSS ich unbedingt noch abhandeln.
Ein Kerl, der unsere Verlobungsringe selbst klöppeln könnte, hachfz!
Aber dann ist pünktlich zu Neujahr Schluss.
Dat hälste ja nervlich gar nicht durch, so als wechseljahrsgebeutelte Frau.
Und Wechseljahre hab ich! Boah, das wird ja immer übler! Ich befinde mich manchmal in Zuständen, die ich gar nicht genau benennen kann! Ich weiß nur, es fühlt sich unerträglich an. Zum Glück bislang nur alle 2/3 Monate für ein Wöchelchen, aber ich bin dann regelmäßig so weit, dass ich die nächste Apotheke ausrauben möchte. Hormonpflaster, ihr versteht.
Wechseljahre - dat will doch keiner lesen.

Worüber noch schreiben??
Unser Omma bietet nur wenig neues Potential.
Da hätt ich höchstens die Geschichte mit dem Stick neulich. Den hatte ihr Trudchen zugesteckt ("Den Film da drauf musste dir unbedingt ansehen!") und als ihr Computernerd kam, um ihren neuen Laptop einzurichten, bat sie ihn, den Film zu installieren. Tja, da ham wir aber doof geguckt, der Nerd und ich, als das Fenster zu "50 Shades of grey" aufpoppte!

Worüber noch schreiben???
Über Babysitter, diese Luschen, ja, da gäb's genug. Die sind immer noch katastrophal unzuverlässig. Gemessen an der Zahl der toten Ommas und Oppas, wegen denen die ihre Termine platzen lassen, dürfte die Nation bald ausgestorben sein.
Und wenn ich weiß, ich habe zusätzlich zum Schulstress noch 2 x wöchentlich Bratschenunterricht, 1x Ballett und 4x Altgriechisch - dann halse ich mir doch keinen BS-Job auf, für den ich dann keine Zeit habe. Oder? Oder??

Aber damit füllste keinen Blog.

Meine Hoffnung: Lucky Luke.
Je mehr der ans Quatschen kommt, desto mehr Schoten gibt's.
Grad neulich zeigt er auf meine unrasierten Schienbeine und sagt: "Ooah, groooßer Bart!"
Pff, tja, wo kein Sexualpartner undoder keine 27°C, da keine rasierten Beine! Kann froh sein, dass er nicht Augenzeuge meiner Bikinizone wurde!

Oder ich lerne Synchronschwimmen und werde regelmäßig darüber berichten.
(Gibt's eigentlich heutzutage noch Badekappen zu kaufen?)

Oder ich werde kurz (oder lang) lesbisch und berichte darüber. Das müsste ich dann allerdings im Geheimblog tun und da liest ja eh kaum noch einer.

Ach, egal... Hauptsache gesund, nicht wahr!

So, nun entschuldigt mich, der Juwelier will gleich anrufen und ich hab noch nicht alle Themenkärtchen fertig.

Tüdelü!


Mittwoch, 30. November 2016

Gute Taten - Schuhe verschenkt

In unserem Rathaus steht jedes Jahr während der Adventszeit ein Wunschbaum.
Da hängen arme Kinder ihre Weihnachtswünsche dran und als voll guter Bürger sucht man sich eine oder mehrere Wunschkarten aus und spielt (anonymes) Christkind.

Wie ich also letzte Woche mit weichen Knien so aus dem Jobcenter getorkelt geschlendert kam, wo ich meinen Hartz4-Antrag abgegeben hatte, fiel mir der Wunschbaum ins Auge.
Ich las mir die Wünsche durch, die bei weitem nicht so unverschämt daher kamen wie noch vor ein paar Jahren, wo die Blagen sich iPhones und Playstations gewünscht hatten.

2 Karten "ärgerten" mich besonders:
Da wünschten sich ein Teenager und ein 2-Jähriger Winterschuhe.
Winterschuhe!
Kein Spielzeug, kein MakeUp, kein Schnickschnack, sondern einfach nur WINTERSCHUHE!
Isses zu fassen?!
Könnt ihr euch das vorstellen? Es gibt hier Kinder, die keine verfickten Winterschuhe besitzen?!
Ich kann und will's mir nicht vorstellen, also bin ich losgestratzt und habe Winterschuhe besorgt.
Herrgott.

...und ich komme aus der Jobcenter und sorge mich, dass ich demnächst nicht mehr im stylischen Edeka kaufen gehen kann, sondern zum ollen Aldi muss.
Pf.

Die gespendeten Geschenke werden in der Woche vor Weihnachten verteilt; aber Scheiße ey, es ist JETZT arschkalt!
Ich könnte heulen, echt.






Liebe Leser und innen, ich möchte, dass ihr es mir gleichtut (welch altbackenes Wort! Sorry, das sind die Nachwehen der Professorenmails) und spenden gehen tut oder sonstwie Freude bereitet!
Bitte.
Danke.




Label: Gute Taten

Samstag, 26. November 2016

Börsenbericht - Kandidat 22: Der Professor

Um den Spannungsbogen schon vorab zusammenbrechen zu lassen:
auch Professoren sind nur ganz normale Spacken, die wie alle anderen ihren "Stuhl ablassen", wie creezy wusste.
Ich wusste das nicht und deshalb ging ich aufgeregt wie Eliza Doolittle zum Date mit:

Nr. 22 - Der Professor (51)

Es begann wie immer:
Ich (-> rasch zu beeindrucken durch korrekte Orthographie) lasse mich auf einen Mailaustausch mit einem Typ ein, dessen Optik auf seinem erkennbar 20 Jahre alten Profilbild mich aufgrund von Lakune, stark ausgeprägtem Torus supraorbitalis und eng beieinander stehenden Augen eher abschreckt.
Aber die Erfahrung lehrt: die Jungs sehen live meist besser aus, und es kommt ja sowieso auf den IQ an, wa?
Und IQ scheint er zu haben, meine Googelei ergibt nämlich, dass er, neben seiner mehrfach ausgezeichneten Kanzlei, Professor an der Uni ist, mehreren Gremien angehört und auch außerhalb des Hörsaals Vorträge hält. Woah. Ich bin auf mehreren Ebenen eingeschüchtert und beeindruckt.

Man mailt lahmarschig alle paar Tage vor sich hin.
Er schreibt so dermaßen verschwurbelt hochgestochen, dass ich die Tage dazwischen auch wirklich brauche, um 1. seine literarischen Ergüsse zu entschlüsseln und 2. meinerseits ähnlich hochintelligent anmutend zu antworten. Dass ich kein Abitur habe, rächt sich jetzt. Nie zuvor habe ich so viele lateinische Zitate ergoogelt und angewandt, wie in den letzten Wochen!

Im Laufe des zäääähen Mailaustausches kommt heraus: der Prof besitzt kein Smartphone, ergo kein WhatsApp. Dem Internet steht er kritisch gegenüber, ergo kein Facebook. Mails bearbeitet er mittags am Uni-Computer. Außerdem sei er jemand, der sich viel Nachdenkzeit nimmt.

(Panic fact:
Da ich ihm via Smartphone schreibe, vertatsche ich mich bei der Auswahl des Mailaccounts. "Misanthropin Juliane" steht im Absender! Scheiße. Ich bete, dass er kein Googler sein möge. 2 Tage später im Börsenbericht Nr. 21: ein anonymer Kommentar, der ein Detail enthält, das nicht in den Zusammenhang passt und am Tag vorher zwischen uns Thema war. *kreisch*
Ich hyperventiliere stundenlang vor mich hin. Nun weiß er, dass ich demnächst hartzen gehe und ein Kleinstkind besitze. Fuck! Infos, die ich gerne erstmal für mich behalten hätte. In seinen folgenden Mails allerdings kein Wort über den Blog. Dann erneuter anonymer Kommentar von einer Frau; sie hat wohl den Kommentar, den ich irrtümlich dem Prof. zugeordnet hatte, geschrieben. Puh.)

Dann endlich, nach 3 Wochen lahmarschigem hin & her: das Date.
Ich bin so aufgeregt, dass ich gleich einem Akademiker gegenüberstehen werde, dass ich vor lauter Panik mit 'ner mittelschweren Migräne am Treffpunkt auftauche.
Aber ich sehe bezaubernd aus: neues Kleid, neue Stiefel, neue Kette, neuer Nagellack. Die Frise sitzt.

Er sieht aus wie ein alternativ angehauchter Lehrer aus den 80ern. Spontan denke ich: Volvo, wetten?
Kabanjacke, grauer Wollpulli, Jeans, so Schuhe halt. Graublondmelierte Haare ohne Frisur.
Büschn dürr, aber grundsätzlich angenehm.
Mit dabei: ein sogenannter "Knochen" = Handy aus den 90ern. Ohne Kamera!

Er spricht tatsächlich so, wie er schreibt.
Er redet leise und sehr sehr viel. Meine Schuld, ich löchere ihn pausenlos, will hn am reden halten, da ich mich ein bisschen für meine eigenen herausgestotterten Halbsätze (Ehrfurcht lähmt!) geniere.
Aber ich freue mich, er wirkt wie ein ganz normaler Typ und nicht wie ein Audimax-Halbgott.

Wir essen. Wir reden (auch hier kein Anzeichen davon, dass er mein Blog ergoogelt hat). Wir schlendern über'n Weihnachtsmarkt. Wir trinken. Wir gehen.


Leuchtcocktails trinken - wie so Teenager...

Auf dem Weg zum Parkhaus merke ich, dass die Parkkarte sich nicht mehr in meiner Tasche befindet. Panisches Gewühle und die Hoffnung, dass sie im Auto liegt.
Sein Volvo(!) parkt woanders, er verspricht aber, vor dem Parkhaus zu warten, bis ich herauskomme.
Die Karte liegt im Auto. Ich fahre raus und er....
...is nirgends zu sehen. Na, danke auch!

Später tauschen wir noch eine Gut-angekommen-gute-Nacht!-SMS aus.
Mein Fazit: der Typ ist sympathisch genug, um in den Recall zu kommen.
UND: bei NeueLiebe.org wird's angezeigt: er war seit unserer letzten PN, bevor wir dann zum mailen übergingen, nicht mehr eingeloggt. Also 2 Wochen. (So einen gibt's??)

Und dann warte ich...
Auf eine Reaktion seinerseits (JA, ich brauche das genau SO!).
Am nächsten Nachmittag mailt er. Unverbindliches Zeugs, nochmal kurz eingegangen auf unsere Leuchtcocktails, auf Elvis' Reise, Schönen Tag!.
Ich maile abends, ebenso belanglos, zurück.
Und warte und warte und warte...
Was war's? Sah ich nicht bezaubernd genug aus? Waren's die herausgestotterten Halbsätze? Mein "Getrennt bitte!", als es in Lokal und Bar ans Bezahlen ging? Meine Behauptung, dass eine Kanzlei, die keine Sekretärin hat, nach außen unprofessionell wirkt? Die Falten?
Was?!
Knochen defekt? Lange Nachdenkzeit nötig?
Ja sorry, dann aber ohne mich. Ein bisschen mehr Pfeffer im Arsch bzw. im Dialog wäre schon schön, ne.
Nichtmal 'nen anständigen Abgang kriegt er hin, so als Akademiker??
Findet nicht die richtigen Worte, derer er ja so unglaublich viel zu besitzen scheinen tut, um sich standesgemäß abzusetzen?
Herrgott!
Nach zwoeinhalb Tagen Funkstille smse ich, dass ich nun seine Nummer lösche, da ich davon ausgehe, dass von ihm nix mehr kommen tut und er soll es mir bitte gleich tun.
Das wird der ein oder andere für übertrieben halten, aber Funkstille nach einem Date spricht Bände. Interesse sieht anders aus.


Ich weiß, ich sollte das ganze mehr wie ein Spiel betrachten.
Aber das kann ich grade nicht. Meine Frustrationsgrenze ist dank Hartz, trotzendem Kleinkind, ständig eintrudelnden Absagen und Singlebörsenfails weit überschritten.
Keine Aussicht auf Besserung.
Und was ist da naheliegender als wenigstens einen dieser Frustfaktoren zu eliminieren, nämlich die Singlebörse?
Man soll eh aufhören, wenn man erst minutenlang überlegen muss, wie der Typ, der einem da gerade gegenübersitzt überhaupt heißt  wenn's am Schönsten ist...

Samstag, 19. November 2016

Börsenbericht - Kandidat 21: Der Mann mit den vielen Gesichtern

Ich bin hintendran mit der aktuellen Berichterstattung; derzeit schreibe ich mit einem waschechten Uni-Professor (Nr. 22) und dem seine rhetorischen Oeuvres (-> Mails) zu kapieren und dann auch adäquat zu beantworten, kostet mich 'n Arsch voll Zeit!
1 Satz von dem Mann muss ich 4x lesen! Ihr wisst ja, ich habe kein Abitur und das rächt sich jetzt. Nächste Woche erstes Date, wir alle dürfen gespannt sein.

So, nun aber :
Kandidat Nr. 21 - Der Mann mit den vielen Gesichtern (47)

Dieser Mann fiel durch 3 Eigenschaften auf:
1. Er sah auf jedem Foto anders aus und in echt dann nochmal ganz anders
2. Alle Whatsapp-Chats brachen mittdrin nach 3 Nachrichten seinerseits ab und ca. 8 Stunden war Funkstille. Was ist dann los? Tot umgefallen? Am telefonieren? Besuch gekriegt? Funkloch?
3. Er bot viele Facetten: mal war er der unsichere Single, mal der kaltschnäuzige Macho, mal der liebende Papi, der stieselige Dorftrampel, der liebenswürdige Gentleman, der unentspannte Angeber, der weltgewandte Vielreisende, der nette Junge von nebenan, das gefühlvolle Opfer seiner Hormone (3x geschieden - wie doof kann man sein?!).
Klar, Menschen sind vielschichtig, aber er war in jeder Rolle extrem, normales Mittelmaß gab's nicht.

1. Date: Eisdiele
Fast wären wir voreinander getürmt, denn er hielt mich für die alte Schabracke, die vor dem Laden wartete und ich ihn für den ungepflegten Joggingbuxenträger, der vor der Theke stand.
Aber ein panischer Anruf seinerseits bestätigte, dass nicht das Handy der Schabracke klingelte, sondern das der attraktiven Endvierzigerin (-> ich!).
Schlaffer Händedruck seinerseits (welcher Kerl reicht denn nur die Fingerspitzen?? Also außer Louis Quatorze?).
Wir quatschten nett über Kinder, Arbeit, Online-Dating, und er war überaus freundlich zum Personal.
Eigentlich ein netter Zeitgenosse, bisschen verpeilt, aber man hätte ihn mir nackt auf'n Bauch binden können...
(Ist bei dieser Konstellation eigentlich nur der Gebundene nackt oder auch derjenige, auf dessen Bauch gebunden wird?)
Was ich allerdings richtig blöde fand, war seine Lache. Zu gekünstelt, á la Joker.

Nun bin ich ja ein großer Fan des 2. Dates und so trafen wir uns nochmal.

2. Date: Chinese
Erwähnenswert: wir sitzen an einem 2er Tisch, kurz darauf geht die Tür auf und 21 türkische Männer setzen sich an den Riesentisch neben uns.
Keine Ahnung, was die zu feiern hatten, aber es ging leiser zu, als wenn da eine Horde Teutonen gesessen hätte. Ich gebe zu, beim Anblick von so vielen ausländischen Männern durchfuhr mich kurz der Gedanke "Sprengstoffgürtel anyone?!" und "Sauerlandzelle reloaded?!".
So weit isses schon.


Seine "bedenkliche" Handstellung wurde von einigen Instagramern bemängelt.
Zu "gesittet" und zu merkwürdig der kleine Finger.
Mich hat einzig das karierte Hemd gestört.
Männer, karierte Hemden haben außerhalb von Fabrikhallen nix verloren!

Wie auch immer, wir aßen und quatschten.
Mit seiner Ursprungs-Familie ist er teilweise zerstritten, zum Zweitsohn (10) hat er keinen Kontakt. Arbeitsplätze und Wohnorte wechselt er wie Ehefrauen.
Also alles eher nur semi-gute Zustände. 
Und er wechselte seine Facetten im Minutentakt, war freundlich-flirty zu der einen, schroff mit hasserfülltem Blick zu der anderen Kellnerin, dann wieder scherzend mit dem Kellner. Mal himmelte er mich verträumt an, mal ätzte er verächtlich gegen meine Strichliste (->21), mal haute er mir kumpelhaft auf die Schulter. Dazwischen immer wieder Joker-Lache.
Wechselbad. Puh.


Wer Muscheln beim Chinesen bestellt, isst auch Hummer im Steakhaus.


Als ich ihn nach den mittendrin abgebrochenen WhatsApp-Chats fragte, meinte er bloß "Ach, ich bin dann in meiner eigenen Welt."
Ach so. Ja, wer kennt es nicht.

Mein Laien-Fazit:
Der hat irgendein Psychoding am Laufen.
Neurose, Psychose - irgendwas dazwischen wird's sein.

Er wollte mich wiedertreffen, ich ihn nicht.

1 Woche später, WA-Nachricht von ihm.
Wie es mir geht, ob ich meinen Traummann schon gefunden hätte.
Wie immer: nach 3 Nachrichten seinerseits, mitten im Dialog - Schluss. Kein weiteres Lebenszeichen von ihm bis heute.
Vermutlich endgültig abgetaucht in seine eigene kleine Welt.
MIT Karussels...


Label: Börse

Dienstag, 8. November 2016

1 Jahr und 9 Minuten

Unser allerletztes Beieinandersein.
Vor 1 Jahr, nachts.

Der Doktor hatte angerufen und gesagt, dass jetzt wirklich nichts mehr zu machen sei. Sepsis. Der Fluch jeder Intensivstation.

Ich hatte immer gesagt, dass ich mir auf keinen Fall meinen sterbenden Vater ansehen werde. Aber als es soweit war, wollte ich nichts anderes.
Ich war zu aufgeregt, um die 40 Kilometer zur Klinik selbst zu fahren. Wollte mit dem Taxi kommen, aber Elvis bestand auf Kusine Püppi.
Wenn es auf der Welt einen einzigen Mensch gibt, den du nachts anrufen kannst, um zu fragen, ob er dich zu deinem sterbenden Vater fährt, dann isses Püppi.

Du sahst gut aus.
In DEM Zustand und mit den ganzen angeschlossenen Apparaten und dann aussehen wie immer - Respekt!
"Korrekt" aussehen war dir immer wichtig. Hat ja bis zum Schluss geklappt.

Ich hab dir viele Sachen gesagt. Sachen, die ich dir im Leben nie gesagt hätte.
Aber jetzt, im Sterben, ging das.
"Sachen sagen" war ja nicht so unsers.
Der Arzt hat erzählt, du hast gewusst, wie mies es um dich steht und du hast es uns verschwiegen. Hast mit diesem Wissen alleine herumgemacht. Im Nachhinein weiß ich jetzt, wieso du dich in den letzten Monaten so verändert hattest. So zurückgenommen, fast schon philosophisch in deinen reduzierten Worten.

"Arm nehmen" war auch nicht so unsers.
Aber ich hab deine Wange gestreichelt, deine Hand gehalten.
Ich hab dir ein Dutzend Küsschen aufgedrückt und du konntest dich nicht wehren. Harhar!
Ich wünsche mir so sehr, dass du mich noch gehört und gespürt hast.

Und dann diese letzten 9 Minuten.
Irgendwann, nach 2 Stunden, hatte ich entschieden, nun ist es genug mit herzen und flüstern, es war alles gesagt.
Dass du dir keine Sorgen machen musst und gehen kannst, einschlafen kannst. Dass alles gut läuft. Dass die Kinder gesund sind und dass ich mich um die Oma kümmern werde, auch wennn sie mir auf'n Sack geht, kennst ja unser schräges Verhältnis. Und dass ich dich ganz lieb habe.

Dann entschied ich, dass es Zeit für mich ist zu gehen.
Püppi und ihr Mann saßen im Warteraum, die konnte ich doch nicht warten lassen die ganze Nacht. Nach einer durchgemachten Nacht hatte ich Angst, den nächsten Tag nicht zu schaffen, womöglich zusammenzubrechen: der hyperaktive Kleine, der Bestatter, die Oma im Krankenhaus, der Schock.

Und dann bin ich gegangen. Aber mit dem Gefühl, dass es ok ist.
Und ich habe dir zugetraut, diesen letzten Schritt allein zu gehen, so als alte deutsche Eiche, die immer alles alleine gestemmt gekriegt hat, mit eisernem Willen.

Du bist nur 9 Minuten später gestorben.
9 Minuten.
9 Minuten, die ich noch locker hätte warten können.
Diese 9 Minuten lassen mich nicht mehr los. Werden sie wohl nie.


Einige Leute habe ich telefonisch von deinem Tod informiert. Manche haben mir gesagt, ich klinge, als würde ich unter Schock stehen; das habe ich nicht verstanden.
Ich weiß, ich war beim Beerdigungskaffee viel zu aufgekratzt.
Ich hatte das Gefühl für's Gefühl verloren. Ich war einfach nur so unglaublich erleichtert, alles ganz alleine bewältigt zu haben, dich gut unter die Erde gebracht zu haben, wie man so sagt.


1 Jahr ohne dich ist vorüber.
Ich kümmere mich um Omma. Verhalten zwar, aber wir kommen klar. Es wird.
Sie drückt jetzt die Füchse.
Sagt "Kommt, Kinder, ich mache mal ein Selfie von euch!" und wundert sich, warum Elvis und ich dann kichern wie blöde. 
Sie hat sich ein Laptop gekauft und freut sich sehr, dass sie nun kabellos über den "Flickbock" ins Internet kommt.

Elvis hat nach 2 (in Worten: zwei) Tagen sein Studium geschmissen und geht nun nach Australien. Da könnten wir jetzt prima gemeinsam paniken, du und ich.

Der Kleine entwickelt sich super.
Traurig, dass er sich nicht an dich erinnern wird und dass ihr keine Zeit mehr miteinander habt.

Und ich?
Ich habe weder Zeit noch Raum zu trauern. Ich würde gerne diese Trauergruppe besuchen, habe aber Angst, dass ich dann so lange und heftig heulen muss, dass ich die Leute da verschrecke.
Ich hab ordentlich rumgemurkst in diesem Jahr.
Vor allem, was die Männer betrifft.
Ich sehe sie direkt vor mir, deine typische Hand-Stirn-Geste für solche Fälle.
Habe öfters gerufen "Hol' mich zu dir!". Du weißt, ich gehöre eher zum lebensmüden Typus. Tu's nicht, es besteht vielleicht noch Hoffnung.

Lange Rede - kurzer Sinn:
Du fehlst, du alter knorriger, kauziger Typ. Du, mein Papa.




PS: Es tut mir sehr leid, dass ich erst Tage später bemerkt habe, dass der Bestatter BVB-Fan ist. Gut, die schwarz-gelbe Brille und das gelbe Hemd hätten mir Zeichen sein können, aber hey, ich stand unter Schohock! Und ihr Schalker seid ja tolerant, nicht wahr?