Donnerstag, 15. September 2016

Erwachsenenbildung

Verstärkt auftretende Aktivitäten meinerseits bei Instagram und Facebook.
Heißt: meine finanzbuchhalterischen Fortbildungsbemühungen haben nach 4 Monaten ein glückliches Ende genommen.

Nee, streicht das "glücklich".
Meine genehmigte Zeit in der Bildungsstätte ist zwar vorbei, aber da man vergessen hat, mich zur letzten Prüfung anzumelden, sitze ich nun zuhause und warte auf den Anruf.
Klar könnte ich meine freie Zeit nutzen, um vor Ort das Datev-Lehrbuch zu Ende zu lesen und dann mit Bestnote *hüstel* abzuschließen - aber ich bin froh, dass ich da weg bin.

Was nämlich eingangs so gut klang ("Vormittags erarbeiten Sie sich selbständig die Kapitel in Ihrem Lehrbuch, nachmittags steht der Dozent für Fragen zur Verfügung." und "Hier fällt niemand durch die Prüfungen, glauben Sie mir! Wir haben schließlich eine Statistik zu erfüllen!"entpuppte sich als nicht ganz so gut.

Räume mit Platz für 50 Schüler, besetzt mit 62 Schülern.
6 Fachgebiete, 4 Dozenten.
Viele kleine Zimmer ohne Türen, ein ständiges Gewusel, rein/raus, Gelaber, Lachen, Kaffeeautomatdröhnen, Fresstütengeknister, Handygebimmel, Mikrowellengepiepse und direkt nebenan die Musikschule für Blasinstrumente und die Grundschule.
Da sollste dich dann als Fastfuffzigerin auf die schwäre Kooost der Finanzbuchhaltung konzentrieren.
Das "Lehrbuch" (= 'ne Handvoll kopierter Seiten) war nicht sehr ausführlich, wies teilweise Zahlendreher und Schreibfehler auf und war keinesfalls so dufte wie mein Liebling, der Schmolke-Deitermann.

Meine Hoffnung war der Dozent, leider vom Typus faule Sau, der zwar ausführlich und sehr gut verständlich von seinem Hausbau, dem Urlaub und seinem neuen Webergrill erzählte, sich aber immer rasch verpisste, sobald wir fachliche Fragen stellten.
"Steht doch im Lehrbuch!" und "Diese Datev-Version ist die allerneueste, die kenne ich noch nicht. Müssen Se halt mal sehen..." waren seine Standardsätze, bevor er dann wieder für einige Stunden im Off verschwand.
Wenn man sich beklagte, faselte er was von "Erwachsenenbildung" und "Eigenverantwortung" blabla. Ja, schon klar, aber ich bin nicht Albert Einstein, dass ich mir jedes beliebige Fachgebiet selbst erarbeiten könnte, Herrgott.
Zwischenzeitlich war er sogar 3 Wochen im Urlaub, und wir mussten uns alleine auf die 2. von 3 Prüfungen vorbereiten, die direkt an seinem ersten wieder-da-Tag geschrieben wurde.
Ja, wir haben trotzdem alle bestanden.
Es geht das Gerücht, dass wir nur deshalb bestanden hätten, weil der Dozent uns die Lösungen dazugelegt hat.
Frech.

Überhaupt - die Dozenten!
Wat für Typen! Einer zwielichtiger als der andere.

Merke:
wenn man Dozent in der Erwachsenenbildung werden will, muss man mindestens 3 abgebrochene Studiums, 12 hingeschmissene Jobs und 1 Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis vorweisen können.

Zertifikate? Zeugnisse? Bescheinigungen? Hab' ich immer noch nicht. Bewerbungen gehen halt ohne Fortbildungsnachweis raus.
Aufgrund der zwar neu erworbenen, aber trotzdem nur oblatenddünnen Wissenslage meinerseits, habe ich aber sowieso nicht vor, jemals in der FiBu zu arbeiten und womöglich eine Firma zu ruinieren.
Nächste Woche petze ich das meiner neuen, hochmotivierten und sehr zickigen, Arbeitsamtsberaterin. Und dann gibt's Beef! Woohooo!

Ansonsten lasse ich es mir gutgehen, stehe noch in regem Kontakt zu 2 netten Ladys, die ich dort kennen gelernt habe und hoffe, recht bald einen Job zu finden.
3 Tage vor Heiligabend läuft mein Alg1 aus und die Aussicht, mit Hartz unter'm Tannenbaum zu hocken, frustriert mich doch arg.

So, und hier noch ein buntes Potpourri der guten Laune:


Ich bin noch nie so viel geknipst worden, wie in den letzten 4 Monaten.
Vorzugsweise von hinten.

Aber ich habe auch zurückgeschossen.

...was nicht jedem gefiel...

Wir alle waren genervt von der doofen Gesamtsituation
und was macht man, wenn man Frust schiebt? Genau, fressen.
Feste Regel: pro Monat in der Bildungsstätte nimmste 1 Kilo zu
und im worst case gehste mit 'nem Vaginalpilz nach Hause, wegen den vielen Süßigkeiten.

Aufgrund beschissener Kinderbetreuungsmöglichkeiten bei gleichzeitigen KiGa-Ferien
durfte ich Lucky Luke einmal mitbringen, um den sich vorbildlich gekümmert wurde.
Lucky zeigte beim reinkommen dann auch direkt auf meinen Dozenten und rief "OPA!"
Der Dozent guckte beleidigt und meinte dann:
"DAS werde ich an deiner Mutter auslassen, junger Mann, harharhar!"


Bei Modul 1 haben wir alle gestöhnt.
Modul 2 brachte uns zum weinen und bei
Modul 3 kam es zu Nervenzusammenbrüchen.

Ach ja, zwischenzeitlich war ich verlobt...
(Tatsächlich kam ich mit 'ner Handvoll Hautdesinfektion ausm Waschraum und bat meinen Kollegen, mal eben meinen Ring zu halten, während ich das Zeug verreibe. Und da jeder, wirklich jeder Scheiß fotografiert wurde - zack, verlobt!)


Ohne Kaffee ging nix.
Um 6 aufstehen - das musste ich ja noch nie!
Und natürlich nur, weil Lucky immer so trödelt.


So, nun entschuldigt mich, ich gehe mich rasch als Reinigungskraft bewerben...

Kommentare:

  1. Du hast wenigstens deinen Humor behalten.
    Solche Aktionen vom AA dienen eh nur, die Zahlen zu beschönigen. Mehr isses leider nicht.
    Meine Freundin durfte in so einer Maßnahme basteln und malen.
    Mit wollten sie damals einen PC Kurs aufs Auge drücken - ich konnte damals schon Webseiten programmieren...

    Sagt alles über die Kompetenz der Berater.

    Ich drück die Daumen, dass trotzdem alles ein gutes Ende nimmt.

    Liebe Grüsse
    Susi

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    1. Ich WOLLTE diese FB ja unbedingt machen.

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  2. Das klingt nach typischer Arbeitsamt-Fortbildung. Die Vortragenden werden schlecht bezahlt, sind meist SICHER nicht in erster Wahl für diesen Job gesprungen und dazu ist das Geld meist sehr knapp.

    Ich hab selber länger ind er Erwachsenenbildung gearbeitet, zwar nicht mit Buchhaltung etc, aber ja.. und es ist einfach überall so. Klar, man kann schlecht Qualität liefern, wenn keine Kohle dafür da ist. Leider.

    Schön aber, dass du es durchgezogen hast und es auch halbwegs lustig war, denn ich glaube, dass es für alle Seiten oftmals sehr schwer ist in so ner Maßnahme..

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  3. Uff, das klingt spaßig und beschi*** zugleich. Mit den Leuten rundherum war es ja scheinbar super. Aber der Rest. Oh wei.

    Reinigungskraft ist auch ein Job. Schon gemacht. War doof. In Privathaushalt und Gaststätte. Erkenntnis. Privathaushalt war angenehmer. In der Gaststätte gibt's Alkohol und Menschen, die sowas nicht vertragen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen...

    Also wenn man Facebook glauben darf... ist Hart zu eh nicht mehr so böse. Flüchtlinge sind schlimmer und nehmen jetzt das ganze Geld. Wo vorher auf die Menschen mit ALGII geschimpft wurde, sind die jetzt arm dran.

    Viel Erfolg trotzdem bei jeglichen Bewerbungen.
    Und weiter so fleißig bei Instagram bitte ;-)
    Mein Handy ersetzt derzeit Kontakt zu Erwachsenen...

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    1. Boah... mein Handy korrigiert merkwürdig. Doofes Teil.
      Hart zu hieß mal hartz...

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  4. mein Mitgefühl, vor 7 Jahren wurde ich vom AA zur Erwachsenenfortbildung genötigt, da hat sich anscheinend noch nicht viel geändert :(
    liebe Grüße und maximale erfolge
    anja

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  5. Anonym16/9/16

    Hier bei uns in der Rhein Neckar Region würdest Du, solange Du unfallfrei Soll von Haben unterscheiden kannst, sofort einen Job finden.
    Ehrlich.
    Also.... Ab nach Mannheim/Ludwigshafen/Heidelberg.....
    Musst nur die Sprache lernen.
    René

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    1. Anonym9/10/16

      Gibt es bei euch auch stellen im kaufmännischen Bereich für Berufsanfänger? Mein Sohn ist 21 und hat Kaufmann für groß- und Außenhandel gelernt und findet hier in Ostwestfalen einfach keine Stelle. Er arbeitet jetzt als bauhelfer, aber so entfernt er sich ja immer weiter von seinem eigentlichen Berufsfeld.
      Bärbel
      Bärbel

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  6. Anonym16/9/16

    Hallo Juliane,
    Die letzten Wochen haben dich bestimmt viele Nerven gekostet, hast aber auch scheinbar Spass gehabt.
    Ich kann dir sagen, dass ich heute meinen ersten Arbeitstag nach 2 Jahren Suche wieder hatte. Und es war gar nicht mal so schlecht!
    LG Niggelo

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    1. Anonym9/10/16

      Ich freu mich für dich! Bärbel

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  7. In der Phase meines Lebens, in der ich für längere Zeit arbeitslos war, wurde mir vom Arbeitsamt eine "Fortbildung" aufgezwungen.
    Das war reine Zeitverschwendung, gelernt wurde dort absolut gar nichts. Ich fand es nicht besonders witzig, mich monatelang Tag für Tag dort hinzuschleppen und nichts davon zu haben. Da hätte ich auch gleich im Bett bleiben können.
    Andererseits war mir ziemlich egal, dass es dort nichts zu lernen gab, da ich mir das ja nicht ausgesucht hatte und sowieso lieber ferngeblieben wäre.

    Wenn ich mir nun vorstelle, dass ich eine bestimmte Fortbildung unbedingt absolvieren möchte, mich dafür durch einen wahren Dschungel an Hindernissen kämpfen darf (so, wie hier im Blog geschildert) - und dann ist das so eine lahme Veranstaltung, ich würde explodieren, glaube ich.

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  8. @ Mooseman:
    Ja, schwierig stelle ich es mri auch für die "Lehrer" vor, vor allem, wenn es an pädagogischem Geschick und zwischenmenschlichem Fingerspitzengefühl mangelt.
    @ KaTe:
    Ich hab mal im Pfarrhaus geputzt. DAS war klasse! Irgendwann fiel mir beim Staubwedeln das Tagebuch der Pfarrerin aus'm Regal und schlug versehentlich genau auf der Seite auf, auf der stand, dass sie hin- und hergerissen sei zwischen 2 Männern!
    @ anja:
    Über die berühmtberüchtigten AA-Maßnahmen gibt's ja mittlerweile auch zig Reportagen. Die schneiden alle nicht gut ab :-(
    @ Rene:
    Ich weiß nicht mal, was oder wo "Neckar" ist.
    Und wenn ich Bülent Ceylan reden höre, muss ich leider immer weinen...
    @ Niggelo:
    Oh Glückwunsch!
    @ Mafdet:
    Ich musste vor Jaaahren an einer Wiedereingliederungsmaßnahme teilnehmen. 8 Monate, die mich sooo viele Nerven gekostet haben, weil wir NICHTS gelernt haben; unsere "Klassenlehrerin" war eigtl Hauswirtschaftsmeisterin und sollte uns Bürofrolleins fit für den Beruf machen. Konnte die nicht, statt dessen haben wir wunderbar zusammen gekocht, in einer Küche, inder die Silberfische sogroß waren wie Karpfen. Und Kurzgeschichten von Brecht udn Borchert "analysiert". Ich hab nur wegen der Kohle durchgehalten; die gab's nämlich zusätzlich zum Alo1 und war sogar viel mehr.
    Und zum Explodieren reichts bei mir schon lange nicht mehr. Ich lächle nur noch und winke - denn ich kann sie nicht alle töten :-)

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  9. Haha... Neben meinem Schreibtisch im Büro klebt seit einiger Zeit eine Postkarte an der Wand, auf der steht "Lächle, du kannst sie nicht alle töten." - Seitdem bin ich bei der Arbeit viel entspannter. :-D

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