Freitag, 21. April 2017

Vorstellungsgespräche - Das gruseligste

Ein Montag im Januar, 19.37 Uhr.

Am Telefon: der Chef einer kleinen Leuchtenfabrikationsfirma der Nachbarstadt, der mich zum Gespräch einladen will.

"Sie müssen sich auch nicht großartig vorbereiten und brauchen keine Unterlagen mitzubringen. Dauert nicht lange, ich würde nur mal eben kurz gucken, ob man zusammenpasst", haucht er mit sexy Schlafzimmerstimme.

Ob man zusammenpasst??
Sollte er nicht lieber "mal eben kurz gucken", wie es um meine berufliche Qualifikation bestellt ist?
Merkwürdig.

Er lädt mich für Mittwoch Abend ein.
18 Uhr.
Noch merkwürdiger.
Ich sage aber zu.

Da ich diese Firma am nächsten Tag erstmal live anschauen will, lasse ich mir bei Maps-Satellit das Gebäude von oben anzeigen:


????

Wieso stehen auf dem Hof einer Lampenfirma so viele Wohnwagen?
Betreibt der Chef nebenbei einen Wohnmobilverleih?
Betreibt der Chef nebenbei einen Lovemobil-Park?
Oder ist der Parkplatz vermietet?
Echt merkwürdig.

Ich google den Chef.
Er ist im Handelsregister mit verschiedenen Firmen eingetragen.
Sowas kann ich schon leiden: auf vielen Hochzeiten tanzen, aber auf jeder nur so mäßig, statt sein Bestes nur auf einer zu geben.

Tags darauf fahre ich hin und suche und suche und suche.
Da, wo mich das Navi hinschickt, finde ich nichts.
Ich frage einen Passanten. Der kennt sich aus:
"Diese Straße ist da vorne; die hat aber kein Schild."
Hä?! Wieso hat die Straße kein Schild??
Mysteriös...

Ich befahre also die Straße ohne Schild, suche die Hausnummer und stehe vor einem kleinen, schmuddeligen Gebäude mit schiefen Vorhängen. Dahinter kann ich ein paar Wohnwagen erkennen.
Joa, nee, lass mal...

Wieder zuhause zücke ich meinen Joker Lucky Luke und maile dem Chef, dass ich leider so kurzfristig für diese späte Uhrzeit keinen Babysitter für meinen 2-jährigen finde.

2 Tage später schickt er mir eine Absage.

2 Monate später entdecke ich erneut sein Stellenangebot in der Jobbörse.

Tja, viel Glück...

Dienstag, 11. April 2017

Hormone? JA BITTE!

Während ich HIER noch voll am Jubeln war, dass mein Feuchtgebiet nun allmählich austrocknet (liebe potentielle Sexualpartner: keine Sorge, nicht so, wie ihr denkt!), wäre mir die Periode fast schon lieber, als das, was jetzt so abgeht.

Abgesehen davon, dass mich Wut und Hunger durch den Tag peitschen, erleide ich seit Kurzem Zustände, die ich gar nicht in Worte fassen kann.

"Ich fühle mich dann so unglaublich erschöpft, aber ohne schlafen zu können", berichte ich dem Kleinen Fabian (aka mein Gyn). "Ich wanke schwummrig und schneeweiß durch den Tag, obwohl mein Blutdruck ok ist. Kopfweh. Hitzeschübe enden oft in Panikattacken, weil ich plötzliche Schweißausbrüche nur von drohender Ohnmacht kenne. Außerdem scheine ich mich in Zeitlupe zu bewegen! 1 Teller Suppe essen - zack- sind 45 Minuten 'rum! Und ich spüre so viel Wut in mir und gleichzeitig fühle ich mich irgendwie so... verletzlich."

Bei "verletzlich" fängt tatsächlich meine Unterlippe an, hollywoodreif zu zittern.
Au Mann.
Jetzt mutiere ich tatsächlich zu einer von "diesen", die alle so hassen:
aggressiv und miesgelaunt, mit Hang zur Hysterie.

"Als ich neulich bei BK einen Double Steakhouse bestellt hatte und nicht wusste, wie ich ohne Besteck mit diesem riesigen Ding fertig werden soll, merkte ich die heranrauschende Wutwelle. Ich habe das Ding genommen, den Mund aufgerissen und mir so viel wie möglich reingestopft, das Brötchen zerbröselte, Soße quoll überall heraus,  verschleimte mir Gesicht und Hände, und während ich mit vollen Backen und halb heraushängenden Zwiebelringen kaute, bin ich stinksauer in den Waschraum gestiefelt, habe mir die Soße vom Körper gewaschen und den Rest des Burgers in die Tonne gekloppt. Zu mehr solcher verstörenden Szenen darf es nicht kommen! Ich will nicht zur merkwürdigen Alte werden!"

Gegen mich da neulich isst der Herr Hasselhoff noch echt gesittet:

Was kommt als nächstes? Dass ich Elvis' abgelegte Jack&Jones-Hoodies in der Öffentlichkeit trage? Den BH weglasse? Dem exzessiven Eierlikörkonsum anheimfalle?

Der Kleine Fabian (aka mein Gyn) weiß Rat:
"Ich empfehle Ihnen eine Hormonersatztherapie. Ich weiß, Sie lehnen das ab, aber lassen Sie mich von dieser Umfrage erzählen: 500 Frauenärztinnen wurden gefragt, ob sie gegen wechseljahrsbedingte Beschwerden  Hormone einnehmen würden. 93% haben JA gesagt. Es wurden 500 Frauenärzte gefragt, ob sie ihren Ehefrauen Hormone verschreiben würden. 99% haben JA gesagt."

Oach Fabi, du Naivling!
Ja sicher sagen die Kerle alle JA! Die wollen schließlich nach 'nem anstrengenden Speläologen-Tag zuhause ihre Ruhe haben und keine rasende Furie, die ihnen den Feierabend vermiest!

"Überlegen Sie sich das. Sie können jederzeit für ein Rezept 'reinkommen. Kein Termin nötig", schlägt er vor.

Hormone sind doch was für Weicheier.
Eher würde ich mit Spocht anfangen! 
Naja, mal sehen, so lange sich diese Zustände auf 2 mal pro Monat beschränken, geht's ja noch.

Mann Mann Mann, da machste was mit...

A propos "Mann":
wieso haben eigentlich nur wir Frauen diese ganzen Arschkarten?
Periode, Blasenentzündungen, Scheideninfektionen, Schwangerschaft, Geburt, Wechseljahre, Brustdrüsenentzündung.
Ist das der Preis dafür, dass wir gebären können? Müsste es dann nicht andersherum sein?! No Beschwerden ever als Dank für's Leben schenken?
Mutter Natur, diese miese bitch, muss ein Mann sein, so dämlich, wie das alles durchdacht und umgesetzt ist.

Yo.



Label: Wechseljahre

Freitag, 24. März 2017

Börsenbericht - Kandidat 24: Der Musikschulleiter

Wie bitte? Was sagt ihr?
Ich wollte mich nicht mehr bei NeueLiebe.org umtun?
Schnauze, bitches!

Okay, ich habe ein kleines bisschen geschwindelt, als ich behauptete, dass ich Neujahr meinen Account gelöscht habe.
Ich habe ihn bloß stillgelegt.
Logge mich nicht mehr ein, werde somit nicht mehr auf der Startseite angezeigt, werde ergo nur gefunden, wenn man gezielt nach Frauen in meinem Alter und meiner Region sucht.

Und so fand mich der Musikschulleiter (53).
Ein paar anregende Mails, ein angenehmes Telefonat und nur 3 Tage später das Date im Café del Sol.


Es war ein sehr netter Abend; er machte es mir aber auch leicht:
unkomplizierter, kommunikativer Typ mit angenehmer Stimme, leicht dominanten Tendenzen (*roar*), aber mit gesunder Grundeinstellung und offenbar psychisch stabil.

Wir redeten über verschiedenste Themen und merkten, in wie vielen Bereichen wir gleich tickten.
Er erwähnte allerdings ein mü zu oft das Andreaskreuz in seinem Keller.
Keine Ahnung, ob er tatsächlich eins hat oder ob er nur abchecken wollte, wie ich zu BDSM stehe.

Da wir beide üppig Mittag gegessen hatten, teilten wir uns auf meinen Vorschlag hin einen Burger.



Wie gesagt, alles bis dahin sehr nett, aber dann folgte seine Frage nach Freizeitbeschäftigungen.
Ich erwähnte also mein Blog und dann wurd's doof.

Du schreibst über dein tägliches Allerlei, deine Befindlichkeiten und Erlebnisse und stellst das dann ins Netz?
Sag bloß, du knipst auch dein Frühstücks-Toast??
Wie kommt man darauf, sowas öffentlich zu machen???
Und das liest jemand???
Was, du hast 1.500 Klicks am Tag?
Und daraus ziehst du dann dein Selbstwertgefühl, oder was?
Was sind denn das für Menschen, die sowas lesen???

Usw. usw.
Nun kann man solche Fragen im interessierten Ton stellen, so wie ich es tat, als ich mich nach seiner Tätigkeit als Musikschulleiter erkundigte.
Er aber fragte in so einem abwertenden, geringschätzigen, arroganten Tonfall samt überheblicher "WasndasfürnScheiß?!"-Mimik, dass sich bei mir ad hoc ein Großteil meiner guten Stimmung verabschiedete.
Ich dachte immer, Pianisten seien sensible Gemüter?!

Einige Minuten und zwo Themen später erwähnte er dann noch, wie froh er sei, dass sein Sohn endlich aus dem Haus ist, denn auf kleine Kinder, nee, da hätte er echt keinen Bock mehr.
Ich hatte Lucky Lukes Alter gar nicht erwähnt, aber gut zu wissen!

Mein Laune bewegte sich weiterhin kellerwärts und ich bedauerte die 2 Stunden vergeudete Lebenszeit.
Als mir der Babysitter vorher sagte, dass er nur zwoeinhalb Stunden Zeit hätte, war ich enttäuscht, jetzt aber froh, abhauen zu können.
Wenigstens war die Lokalität hübsch, das Essen lecker, und der Großteil des Abends nett verlaufen, außerdem übernahm er die Rechnung, was mich übrigens dazu veranlasste, den Post vom Capt'n zu erwähnen, den ich nachmittags gelesen hatte.

Wieder zuhause schrieb er mir, dass ich abwesend gewirkt hätte.
Merkwürdige Wahrnehmung. Ich habe mich seit langem nicht so angeregt mit jemandem unterhalten!
Wir wünschten eine Gute Nacht und ich hakte das Ganze ab.

24 Stunden später whatsappte er:
Liebe Juliane.
Wir habe viele Gemeinsamkeiten und das machte unseren Abend sehr amüsant.
Aber ich habe mir vorgenommen, mehr auf meinen Bauch zu hören. Leider habe ich keinen Stich im Bauch gefühlt.
Sich einen Burger zu teilen mag in dem Moment witzig sein, aber "teilen" in einer Beziehung bedeutet doch etwas mehr.
Daher wird es zu keinem Treffen mehr kommen.
Der Musikschulleiter.

Soll er froh sein! Stiche in der Bauchregion bei 'nem ÜFuffziger können gefährlich werden!
Und was heißt denn da "witzig"?
Ich wollte den Burger nicht teilen, um witzig  oder originell 'rüberzukommen, sondern weil ich ein Hüngerchen verspürte, mir aber nicht die kompletten 8.264 Kalorien alleine 'reinschleifen wollte.
Nun ja, Wahrnehmung...

Ich antwortete mit: "Dann sind wir ja d'accord. Adieu."


Kinners, ich werde auf diesem Wege keinen Mann finden (und vermutlich auch nicht auf anderem Wege, aber das ist ein anderes Thema), aber harte Zeiten erfordern harte Maßnahmen und sich ab und zu ein Essen ausgeben zu lassen, ist gar nicht mal so verkehrt...


Nachtrag:
2 Wochen später schreibt er mich bei NL an. "So sieht man sich wieder!". Hat ein neues Profilbild und nennt sich nun "Gentleman" statt "Tarzan". Ich antworte mit "War dir Tarzan doch zu doof als Nickname?" woraufhin er mich blockt. Äh.. hä?

Montag, 20. März 2017

Ereignisarmut meets Bocklosigkeit

Neulich habe ich meinen Blog aufgeräumt, habe mich durch knapp 500 Posts geklickt und ordentlich weggelöscht, was ich für nicht mehr lesenswert halte.
Dabei fiel mir auf, dass ich im April 2010 meinen ersten Blogpost veröffentlicht habe.
Mann, was hatte ich da Herzklopfen!
Ich habe auf "veröffentlichen" geklickt, einen Schweißausbruch gekriegt und bin rot angelaufen.
Mein erster geschriebener Text, den nun alle Welt lesen konnte!

Na gut, alle Welt hat ihn zwar nicht gelesen, wohl aber die paar Leser, die sich relativ schnell einfanden und blieben.

Ich haute erstmal 'raus, was ich schon lange mal schreiben und diskutiert haben wollte.
Aus "ein paar" Lesern wurden "ein paar Hunderte".
Aus 15 Klicks am Tag wurden 1.500.
Wahnsinn!

7 Jahre - das ist eine echt lange Zeit.
In den ersten Jahren ging mir die Schreiberei gut von der Hand. Immer passierte irgendwas bloggenswertes, im negativen wie im positiven.
Und irgendwann traute ich mich sogar an Fotos.

In 7 Jahren habe ich viele Blogger kommen und gehen sehen.
(Wo ist eigentlich Sandra, die Lilie, geblieben, die mich ermutigte, mich in einer Singlebörse anzumelden? Und der Junkie mit dem Hamster? Die Teenagerin, die Krebs hatte und frisch verliebt war? Oder diese Anwältin, die sich immer einen gepichelt hat, wenn der Mann auf Geschäftsreise war {und das war er leider häufig} und die dann in den Kommentarspalten diverser Blog 'rumpöbelte?)

Und manche sah ich kommen und gehen und wiederkommen und wieder gehen...
Ne, Anna? ;-)

Aber man selbst bzw. das Umfeld verändert sich.
Mittlerweile existieren einige "feste Größen", über die ich regelmäßig berichtet habe, gar nicht mehr, sei es durch Tod, Trennung oder Rückzug.
Ich setze aber große Hoffnungen in Lucky Luke!

Was ich vor 3, 4 Jahren noch flott 'runterschrieb, scheint mir jetzt nicht mehr bloggenswert.
Auch sind leiderleider meine Hemmungen größer geworden, über meine Nächsten abzulästern.
Klar, die bräsige Arbeitsamtstussi wird hier weiterhin ihr Fett weg kriegen (wobei ich ja mittlerweile zur Arge gehöre und die sind da alle NETT!!); aber die Bräsigkeiten von SoVa, Pilot und Co. hier auszubreiten - da hab ich nu doch Gewissensbisse. Und den 362. Post über unzuverlässige Babysitter will doch keiner lesen.
Ist das etwa diese Altersweisheit, von der alle reden?!

Nun ist es natürlich schwierig, sich nicht mehr über Blödbratzen aufregen zu wollen in einem Blog, der aber aus dieser Idee entstammt.
Wäre ich Handarbeits- oder Food-Bloggerin könnte ich jahrzehntelang weitermachen.
Aber so?!

3 Jahre lang habe ich den Blog befeuert durch die "Börsenberichte".
1 Jahr lang lief der "Misanthropin goes Motherhood"-Blog nebenbei, in dem es um die Schwangerschaft 2014 ging.

Derzeit läuft im meinem Leben nüscht erwähnenswertes.

Deshalb meldete ich mich neulich bei einer Tanzpartnerbörse an.
Spaß, Spocht und dutzende Blogbeiträge wären sicher gewesen!
Und was passiert?!
Nix! Es findet sich kein Tanzpartner!
Kein Chef, kein Tanzpartner, kein supersexy Boyfriend. Hmpf.

Ich versuche, vegetarisch(er) zu leben.
Zu dem Thema gibt es aber bereits 3.564 (sterbenslangweilige) Blogs.

Wechseljahre? Hm, naja, darüber hab ich ja schon alles Erwähnenswerte gesagt.

Ich helfe 2 Neulingen beim Blog-Texte schreiben, es gibt nämlich tatsächlich Menschen, die Angst vor einer leeren Seite haben und dann so verkrampften Müll 'raushauen, als säßen sie unvorbereitet in der Abi-Prüfung vom Deutsch-LK.
Aber deren Blogs sind nun mal nicht meine eigenen Erlebnisse.

Ich finde immer mehr Gefallen an Facebook und Instagram.
FB eignet sich nämlich prima für diese kleinen Nebenbeigeschichten, die in 2 Sätzchen erzählt sind, die aber keinen ganzen Blogpost rechtfertigen.
Beispiel:
Nacht.
Oder wie Lucky Luke es ausdrückt: Draußen Akku alle!


Demnächst steht eine kleine Reise an. Da sind zumindest schon mal die Fotos für Instagram gesichert.

Nichtsdestotrotz:
Cheers! Auf die nächsten 7!

Und danke für's Lesen und Kommentieren!!!


Dienstag, 21. Februar 2017

Ja. Nein. Vielleicht.

So furchtbar ich die männliche Informationsphobie oft finde, in manchen Situationen ist diese Art der Kommunikation erfrischend effektiv.

Telefon.
Ich:         Ja?
Anrufer: Bernd. Tach.
Ich:        Tach.
Bernd:   Ich geh' laufen. Lust?
Ich:        Ja.
Bernd:   7? Im Stadtpark?
Ich:        Jou.
Bernd:  Bis gleich.
Ich:       Bis gleich.

Beneidenswert wie sorglos Männer durch ihren Alltag stolpern, nicht wahr?

Versuch das mal mit 'ner Frau!

Laufen? Heute? Geht's noch?? Ich hab Kinder und bin spontan wie ein Baum!
Es müssen verschiedenste Dinge abgewogen werden; u.a. ob die Versorgung von Kind und Mann für Mutters tagelange 60-minütige Abwesenheit gewährleistet ist.
Der Mann kann sich Erbsensuppe aufwärmen, aber das Kind?!
Das mag keine Erbsensuppe, hmmm, da könnte man schnell vorher ein paar Sandwiches zaubern. Allerdings ist kein Käse mehr da und Sandwiche ohne Käse sind zu trocken. Dann muss Mayonnaise druff. Mayo ist aber so kalorienreich und das Kind ist in letzter Zeit eh etwas mopsig geworden, das hat's vom Vater.
Vielleicht sollte man erwägen, das Kind mit zum Laufen zu nehmen.
Das Erwägen entscheidet sich dagägen; mit Kind kann man nicht vernünftig tratschen laufen. Soll es halt fett werden, das Gör.

Wie ist überhaupt das Wetter?
21 Grad, Sonne. Grundsätzlich gut...
...aber da ganz hinten, dieses dunkle Dings am Horizont - ist das eine Gewitterwolke? Schnee, Regen, Hagel - egal, aber Gewitter?!
Man fühlt sich zwar zu jung zum sterben, entscheidet sich trotz eventuell drohendem Unwetter todesmutig für einen Lauf. Immerhin sagt die Statistik: jedes Mal, wenn wir vom Laufen kamen, regnete es IMMER erst, wenn wir zuhause eintrafen.
Wir werden in den nächsten Stunden diese Wolke ganz genau beobachten, halten uns regelmäßig per Handy auf dem Laufenden (höhö) und entscheiden dann um 7. Vielleicht haben wir Glück und sie hat sich bis dahin verzogen.

Was zieht frau an? Ist es womöglich schwül? Die atmungsaktiven Microrfaserklamotten sind in der Wäsche und die Baumwolljogger sind so fies warm. Obendrein ist der Träger vom Sport-BH gerissen und bei D-Körbchen, pardon, Körben, muss man sich ständig den Busen festhalten damit's nicht so reißt und wie sieht das aus?!
A propos: ist es denn im Stadtpark überhaupt sicher? Die Zeitung meldete gestern dort einen herumstreunenden Exhibitionisten.
Also nehmen wir zur Sicherheit den Hund mit. Oder besser doch nicht? Hunde dürfen im Park nicht frei herumlaufen und dann stolpert man ständig über die Leine und ist so abgelenkt, dass man sich nicht auf's Labern Joggen konzentrieren kann.

Und wer trägt diesmal überhaupt die scheiß Bauchtasche, in der man Getränke, Schlüssel, Portemonnaies, Handys, Traubenzucker und Plastiktüte* mitführen muss?

*(Mir war beim letzten Mal schummrig geworden. Das war aber nichts blutdruckmäßiges, sondern Hyperventilation, da der Musiker mit seiner halb so alten, wunderschönen Freundin vorbeischlenderte und ich einen Querfeldeinsprint hinlegen musste, weil ich ausgerechnet an dem Tag aus haushaltsfehllogistischen Gründen pinkes Shirt, schwarze Hose, blaue Schuhen tragen musste. Außerdem war ich dran mit Bauchtaschetragen (-> olivgrün!). Wenn ich schon verschwitzt und mies gelaunt herumrennen muss, dann bitte geschmackvoll gekleidet!)

Bernd ist übrigens mal, in Ermangelung einer sauberen Joggingbuchse, in Jeans gelaufen. Da waren ihm einige schiefe Blicke sicher:
Ist der Jeanstyp, der dieser attraktiven Endvierzigerin im farblich dufte aufeinander abgestimmten Spocht-Design hinterherjagt, womöglich der gesuchte Exhibitionist??

Usw.
Usw.

In 99% der Fälle enden solche Telefonate pro Lauf.
Einzige Ausnahme:
"Laufen? Heute? Nääää! Ich hab meine Tage und kann kaum sitzen, gehen, stehen. Ich mach mir 'n Mayonnaise-Sandwich und glotz TV. Tschüß!"


Pro-Tipp:
es muss nicht immer ödes grau/schwarz sein, das Auge läuft schließlich mit! Und wenn man mal ins Gebüsch kollabiert, wird man in sowas garantiert wiedergefunden!


Label: Laufen

Freitag, 17. Februar 2017

Vorstellungsgespräche - Das Peinlichste

"Ich stehe jetzt einfach auf und gehe!", schlage ich dem Personaltyp vor, der mir gegenübersitzt.
Wider Erwarten ruft er nicht "Gute Idee, Sie selten dumme Nuss!", sondern ermuntert mich, noch weiter an den Werkzeugsdingern, die vor mir liegen, herumzurätseln.
Meinen Ausruf zuvor "Ach, das kenne ich, so eins habe ich zuhause 'rumfliegen, höhö!" fand er nicht mal lächelnswert und mein "Ganz klar, das ist eine ..äh.. Muffe?" hatte er mit gequälter Miene verneint.
"Was könnte man denn damit machen?", fragt er.
Ich glotz auf den Klotz. "Damit könnte man ..äh.. Rillen in ..äh.. etwas drücken?"
"Ja, und in was?"
- "In äh...äh..äh..äh.." Ich will  nach Hause!
"Was stellen wir denn hier her?" will er helfen.
Das ist es ja - ICH. WEIß. ES. NICHT!
"Schauen Sie doch mal auf die Schraube, die da liegt!"
- "Ach so! Damit macht man das Gewinde in Schrauben?"
"Ja! Und was macht man dann mit dem anderen  Teil da?"
- "Damit drückt man dann wohl oben diese ..äh.. Kerben ..äh.. Kreuze in die Schrauben?"
"Genau."
Puh, schwere Geburt. Leider freut er sich nur halb so dolle wie ich.

Die stellen also Schrauben her! Gut zu wissen.
Wieso ich das nicht weiß?!
Weil mein scheiß Datenvolumen just in dem Moment verreckte, in dem ich mir das Firmenprofil anschauen wollte. Also 5 Minuten vor Termin, im Auto sitzend.

Ich gestehe: ich bin ein Vorstellungsgesprächhopper!
Ich erschwindele mir Bewerbungsgespräche zu Übungszwecken.
Tut mir zwar 'n bisschen leid, den beschäftigen Personalmenschen Zeit zu stehlen, aber hey, so verbessere ich meine Selbstdarstellung, bleibe in Übung und komme auch mal 'rum und ich kann meinem Arbeitsberater jeden Monat eine volle Liste vorzeigen.
Und so kam es, dass ich von dieser Firma eingeladen wurde, die einen Industriekaufmann mit technischen Verständnis für den Vertrieb in Wechselschicht sucht.
Ich habe weder technisches Verständnis, noch habe ich jemals im Vertrieb gearbeitet oder könnte Schichten leisten.

Leider wurde dieses ganze Gespräch zum Supermegaepicfail.
Es begann schon damit, dass der Personaltyp mich sichtlich angepisst mit den Worten "Was machen SIE denn hier? Ich habe gar nicht mit Ihnen gerechnet!" begrüßte.
Er bemängelte, dass ich den mir zugemailten Termin nicht bestätigt hätte. Oh. Shit.
Naja, no news are good news, oder?
Mein "Tja, hier bin ich nun! Überraschung!" quittierte er mit steinerner Miene.

Zur Strafe legt er mir Stift und Taschenrechner hin.
Ich musste tatsächlich einen Test schreiben!
Wie so 'n Azubi!

1. Teil: Politik.
Es wurden mehrere Minister abgefragt.
Wie gut, dass der Personaltyp raus war und ich mein Handy dabei hatte. Ich kann mir nur die Gesichter merken und keine Namen.
"Wirtschaftsminister ist dieser mopsige da, der neulich erst Vater geworden ist von seiner halb so alten Zahnärztin, Sie wissen schon!" und "Außenminister ist dieser nette, ruhige mit den Grübchen, der seiner Frau eine Niere gespendet hat! Ganz, ganz nette Leute sind das."
konnte ich ja schwerlich hinschreiben.

2. Teil: Mathe.
4 Arbeiter brauchen für 1 Brücke 12 Tage.
Wie viele Arbeiter braucht es, um in 8 Tagen fertig zu werden?


Ich rechne herum, aber 2,6666 und 347 scheint mir beides sehr falsch.
Rein gefühlsmäßig tippe ich auf 6.
(Wie sich herausstellt, ist das richtig!! Wen es interessiert: 4 x 12 = 48 : 8 = 6. Danke, facebooksche Schwarmintelligenz!)

3. Teil: Englisch.
Paar Sätze übersetzen, in denen es um Terminverschiebung, Auftragsbestellungen und Lieferschwierigkeiten geht.
Ein Klacks.

4. Teil: Physik.
"Nennen Sie den Unterschied von Hartmetall zu Stahl"
Da gibt's 'nen Unterschied? Ist Stahl kein Metall??
Hier leider keine Antwort meinerseits, weil das Handy zu lange rödelt.

5. Angaben zur Person
"Berufe der Eltern"
Im Ernst?!
Bin versucht, Rentnerin und Leiche einzutragen, entscheide mich aber für Journalist und Architektin, was den Typ tatsächlich beeindruckt. *augenroll*

Der Personaltyp scheint mit meinen Antworten im Test zufrieden.
Dann fordert er mich auf, zu erzählen, was ich über die Firma weiß.
Fuck.
Ich stottere was von "Computer kaputt", "alle gespeicherten Infos über die Firma gelöscht" und obendrein "Handy defekt".
"Aber was wir herstellen wissen Sie?"
- "Sie ..äh.. arbeiten ..äh.. im ..äh.. Metallwarenbereich." Das tun so Firmen ja meistens.
"Wissen Sie denn, wofür die Abkürzung MDS im Firmennamen steht?"
- "Ja, äh.. klar, ähm.."
Aber er erklärt's lieber selbst: "Martin Dunker, so heißt der Chef, Sauerland."

Ich bin sicher, spätestens jetzt fordert er mich auf zu gehen.
Aber nein, er legt die o.g. Dinger vor mir auf den Tisch, die ich benennen soll. Zusätzlich soll ich noch eine Technische Zeichnung auswerten.
("Ich sehe ..äh.. eingezeichnete Winkel und ..äh.. Maße und Materialangaben")

Finally will er wissen, wieso ich so lange arbeitslos sei.
(Ja, ha ha!)
Eigentlich könnte ich nun sagen, dass ich gerade erst  meinen Erziehungsurlaub beendet habe, aber da er eh die ganze Zeit schon so entgeistert bis pissed guckt, habe ich Angst, dass ihn bei der Erwähnung eines Kleinkindes der Schlag treffen und er mit dem Gesicht auf die Glasplatte des Hartmetalltisches aufschlagen könnte.
Also stottere ich was von "Och... hab's nicht eilig... warte auf richtig tolles Angebot...bla..."
- "Aha, und wieso haben Sie sich ausgerechnet bei uns beworben?"
Nun kann ich ja schlecht sagen "Weil Sie eine alteingesessene Firma mit spitzen Renommé sind.", also sag ich  schlicht: "Sie bieten einen Arbeitsplatz - ich suche einen."

Holy Shit!
NOCH NIEMALS habe ich mich so dermaßen blamiert.

Ich würde zu gerne wissen, was der arme Kerl abends seiner Frau erzählt hat... Vermutlich bin ICH Schuld, wenn er sich in den Schlaf geweint hat, statt seinen ehelichen Pflichten nachzukommen. 

Das Vorstellungsgespräch am Vortag war dagegen ja nahezu kuschelig! Dort bekam ich Kaffee und Visitenkarten angeboten und den beiden Chefs war es fast ein bisschen peinlich, dass die freie Stelle Arbeit abverlangen würde.

Übrigens, bei den rätselhaften Dingsbümmern oben handelte es sich um Flachwalzbacken und Kopfstempel.
Nun ja, who cares?
Maybe the one, der diesen Job machen will...? Ich also nicht.

Die Firma sucht übrigens immer noch bzw. wieder.
Wer Interesse hat - bitte melden :-)
Testaufgaben sind ja nun bekannt.


So, nun entschuldigt mich, nächste Woche stelle ich mich bei der Stadtverwaltung vor und muss noch die Namen aller Beschäftigen samt Sachgebiet und Durchwahl auswendig lernen, denn SO blamieren will ich mich nie wieder!


Label: Vorstellungsgespräch

Mittwoch, 15. Februar 2017

Vagina an der Decke

Frau Lavendel glotzt ein Reh von der Schreibtischplatte entgegen.

Ich habe da weniger Glück, ich habe eine Vagina unter der Decke und einen Uterus an der Tür.


Voilà, wenn ich mich abends aufgrund der unbefriedigenden Gesamtsituation wimmernd auf dem Boden winde, bietet sich mir folgendes Bild:

Eindeutig, nicht wahr?

Mit 'n büschn Fantasie kann man sogar die Sitzbeine erkennen!


Das ist die einzige Vagina in meiner Wohnung.
Also an der Decke.
Alle anderen Panelen sind unauffällig.



Und wenn ich ausgewimmert habe und ins Bett gehe, bietet mir die Schlafzimmertür diesen Anblick:

Eindeutig ein Uterus.


Ein schwangerer Uterus!


Zwillinge.
Eindeutig zu erkennen: 2 Fruchthüllen!


Der einzige Uterus in der Wohnung.
Also an der Tür.
Alle anderen Türen sind unauffällig.

Das wirft Fragen auf:
Haben sich Deckenpanelen- und Türmaserungsdesigner einen Scherz erlaubt?
Oder ist das gar Kunst?
Und wenn ja, was wollte der Künstler damit sagen?
Oder "lebt" das Haus und bildet für jedes dort geborene Kind ein Fruchtbarkeitssymbol??
Egal, solange nicht plötzlich eine Sense oder Mutter Theresa erscheint...

Habt ihr auch sowas zu bieten?
Penisse im Antrittsstufenmarmor oder den Papst auf den Badfliesen?

Samstag, 11. Februar 2017

Babysitter-Brevier

Liebe junge Dinger, die ihr euch als Babysitter bewerbt,

man kann es nicht oft genug betonen:
ihr seid eine Katastrophe.
Und da dies hier ein Service-Blog ist, verrate ich euch ein paar Geheimnisse rund um das Thema "Job".
Denn das ist es: Arbeit. Und auch wenn es so niedlich klingt (->BABYsitting), hat es mit Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Einfühlungsvermögen und ähnlich unsexy Dingen zu tun.
Ihr kommt in ein fremdes Haus und beaufsichtigt einen kleinen Menschen.
Kein Kätzchen und kein Tamagotchi - einen lebendigen Menschen.
Mit Bedürfnissen und kleinen Nöten und voller Buchse und so.

Ich weiß nicht, wieso ihr euch als Babysitter bewerbt; ob euch die Eltern dazu gezwungen haben, weil sie es leid sind, eure horrenden Handyrechnungen begleichen zu müssen, oder ob ihr selbst auf die findige Idee gekommen seid, euren überteuerten Contouringscheiß undoder die Fahrstunden selbst zu zahlen.
(Pro-Tipp für diejenigen, die schon einen FS besitzen: 20 km pro Strecke sind NICHT lukrativ! Und schon gar nicht, wenn man nur 5 Euro pro Stunde verlangt.) 

Fakt ist: Auf ein Kleinkind aufzupassen ist anstrengend und langweilig, auch wenn es nur für 2 - 3 Stunden ist.
Aber Obacht:
Ein Kleinkind, so süß es aussehen mag, IST. NICHT. SÜSS!
Es ist laut und zappelig und trotzig und fordernd. Und wenn ihr ganz doll Pech habt, kackt euch das zu sittende Kind während Mamis Abwesenheit die Windel voll. Und so putzig KAKA auch klingt - Fremdscheiße ist ekelhaft. Auch das gilt es zu bedenken.
(Ich weiß das alles und deshalb zahle ich auch den örtlichen Höchstpreis von 10 Euro.)

Kaum habt ihr das gecheckt, lasst ihr zum nächsten abgemachten Termin die Omma sterben, um euch dann auf Nimmerwiedersehen zu verabschieden.
Kinners, gemessen an der Menge der ganzen toten Großeltern, die ihr als Ausrede benutzt, wäre Deutschland schon längst ausgestorben!
(Erfrischend originell fand ich übrigens den "kranken Papagei" als Ausrede.)

Ich selbst hatte einige Jobs in meiner Jugend: Videothek, Babysitterin, Hundesitterin, Fabrikarbeit, Rezeption im Fitnessstudio (das wäre mal einen eigenen Blogpost wert!), Maniküreset-Verpacken für Tschibo.
Ich gebe zu: der schlimmste Job davon war der Babysitterjob (dicht gefolgt von den Bodybuildern). Ich konnte mit dem trotzenden Kleinkind überhaupt nix anfangen und habe mich alsbald aus dem Staub gemacht.
Am meisten Spaß hatte ich beim Hundesitten (die gehorchen wenigstens auf's Wort) und in der Videothek, da habe ich die meiste Kohle verdient und es kamen eine Menge süßer Jungs, um sich die neuesten Bruce Lees auszuleihen.
Aber ich schweife ab...

Ich hoffe, ich konnte mich verständlich machen.
Vielleicht versucht ihr euch lieber direkt bei Bijou Brigitte oder Fit & Fun.

Savy?!

Tschüssi,
eure Juliane!






Liebe erwachsene Leser und innen,
ihr macht euch kein Bild...
... und haste mal 'ne Gute gefunden, verlässt dich das Flittchen für eine besser zahlende Familie (JA, es gibt Leute, die zahlen mehr als 10 Euro!) oder geht als Aupair nach Amerika oder ist dank der Depression seit Ommas undoder Oppas Tod *hüstelhüstel* nicht mehr arbeitsfähig.
Und mit dieser Erfahrung bin ich nicht alleine. Gott sei Dank, ich hatte es schon persönlich genommen.
Laut Kiga-Müttern und Blogleserinnen scheint es wahrscheinlicher beim Scheißen vom Blitz getroffen zu werden (hab ich eigentlich mal erzählt, dass es unsern UrOppa beim Scheißen dahingerafft hat??), als einen zuverlässigen Babysitter zu finden. Ein deutschlandweites Problem also.

Momentan sittet hier eine junge Dame, die sehr sehr lieb ist und Sozialpädagogik studiert. Ein echter Schatz. Unter der Hand vermittelt von einer KiGa-Mutter.

Aber: als Alleinwohnende kommste mit nur 1 BS nicht weit und so caste ich munter weiter. Quasi seit anderthalb Jahren im Dauercasting. Und das ist nicht mal halb so lustig wie bei GNTM.
In meinem dringenden Wunsch nach einer Zuverlässigen, wandte ich mich sogar an den katholischen Familiendienst, den ich bis dato gemieden habe, wie der Teufel das Weihwasser (höhö).
Und selbst diese sehr gläubige, junge Dame ist katastrophal unzuverlässig. Verschiebt kurzfristig Termine, kommt 30 min. zu spät., kann schulbedingt nur selten und auch erst wieder in 6 Wochen, weil sie sich stark in der Jugendkirchenarbeit engagiert.
Löblich, aber: wieso sucht die einen Job?!

So, nun entschuldigt mich, ich muss a weng putzen, gleich stellt sich Angeline vor.
Und  bei dem Namen dürfen wir alle gespannt sein.

Montag, 30. Januar 2017

Vorstellungsgespräche - Das Lustigste

Ich betrete eine Anwaltskanzlei, in der ich mich als Schreibkraft beworben habe.

Diese Kanzlei, in bester Lage, ist die größte der Stadt, besteht aus 7 Anwälten und 14 ReNo-Fachangestelltinnen und hat, was das Arbeitsklima betrifft, einen sehr guten Ruf.

Einer der Anwälte begrüßt mich freundlich und wir führen ein sehr launiges Gespräch.
Er freut sich über meine buchhalterische Fortbildung vom letzten Jahr und über mein Hobby "bloggen", denn:
"Dann kann ich Sie anders einsetzen als für's Schreibbüro; vorbereitende Arbeiten für den Steuerberater zum Beispiel. Und mit Blog-Erfahrung könnten Sie sich um unsere Homepage kümmern."
Oh gut, denn tippen kann ich sowieso nicht.

Als ich ihn frage, ob es möglich sei, die 38-Stunden-Stelle in eine 30-Stunden-Stelle zu kürzen, bejaht er sofort.

Dufte.

Er fragt nach meinem Gehaltswunsch.
Ich nenne ihn.
Er lacht herzlich.
Dann nennt er mir den Betrag, den er bereit ist zu zahlen (900 Euro weniger).
Ich lache herzlich.

Die Verabschiedung folgt alsbald.
Noch beim Rausgehen wische ich mir die Lachtränen aus den Augen.

Zuhause google ich das Durchschnittsgehalt von ReNo-Angestellten.
Alter...!
Falls hier eine ReNo-Fachangestellte anwesend ist, könnte diese mir bitte erklären, wieso man einen Beruf erlernt, von dem man weiß, dass man damit seinen Lebensunterhalt gar nicht bestreiten kann.
Bitte danke.


Label: Vorstellungsgespräch

Dienstag, 24. Januar 2017

Kontinentalplattenverschiebung

Wie der Titel bereits vermuten lässt, geht es um die Wechseljahre.


!! Obacht, nicht magenfesten Lesern sei gesagt:
dieser Post kann Spuren von Scheidensekret enthalten !!

Rückblickend nahm bei mir alles vor 4 Jahren seinen Anfang (oder besser: sein Ende).
Und da ich schließlich zu den Dienstleistungsbloggern gehöre, möchte ich meine bisherigen Erfahrungen mit euch teilen.
Ja, kostenlos!


1. Der Rhythmus geht flöten:
Während jahrzehntelang auf meine Periode und ihren präzisen 28-Tage-Rhythmus Verlass war, brachen vor 4 Jahren wahre Tsunamis über meine supisüßen LaPerla-Spitzenhöschen herein. Zwischen 41 und 14 Tagen war alles drin, meistens aber im 14 Tage-Rhythmus, was mir den übelsten Eisenmangel meines Lebens bescherte.
Es konnte mich quasi immer und überall überraschen. Was mich dazu brachte, mir einen Riesenvorrat an Einlagen anzulegen und zwar von der Größe und Sicherheit, wie man sie nur im Sanitätshaus bekommt. Mooncup? HA HA HA HA! Der tuppersche Eidgenosse wäre angebrachter gewesen.
Im Büro hatte ich eigens eine Schublade für Ersatzschlüpfer, Wechseljeans und Surfbretter, wie medizinisches Fachpersonal diese quadratmetergroßen Binden liebevoll nennt.
(Tipp: Tena-Lady-Einlagen für Blasenschwäche sind aufgrund ihrer konkaven Auffangrüsche sehr vorteilhaft konstruiert! Da bleibt garantiert jeder Koagel wo er ist und flutscht nicht schlankerhand in die beige Chino, um einen vor aller Welt zu blamieren.)
Diese Phase dauerte bei mir 2 Jahre.


2. Der Rhythmus pendelt sich ein:
Periode 1 mal pro Quartal und das in Maßen. Joa, so kann man's aushalten.
Nervig: alle 28 Tage plagen mich trotzdem Phantomunterleibsschmerz und PMS.


3. Körperhaarwuchs:
Mir sind ungefragt Haarbüschel auf Zehen, Fußrücken und Knien gewachsen.
Mein Gesicht ist mittlerweile von einem weichen Flaum umgeben und ich kontrolliere regelmäßig meine Nasenhaare.
Die Haare an den Schienbeinen wachsen länger als je zuvor und die Achselhaare muss ich jeden 3. Tag scheren.


4. Die Figur geht flöten:
Wenn du selbst Stretchhosen nicht mehr zukriegst, missmutig zur Waage schleichst und dann feststellst, dass du nicht 1 Gramm zugenommen hast - willkommen in den Wechseljahren!


5. Die Fruchtbarkeit nimmt zu:
Was einem KEINER sagt:
zu Beginn der Wechseljahre fährt der Körper die Fruchtbarkeitshormonmaschinerie nochmal so richtig hoch. Motto: wer will nochmal, wer hat noch nicht? Denn in Bälde ist der Gebärofen aus. Für immer. Ende. Fini.
Meine Logik war: wo Arhythmus - da keine Fruchtbarkeit.
Statt dessen werden immer nur Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen propagiert.
Ich möchte nicht wissen, wie doof Gianna Nannini (damals 56) aus der Wäsche geguckt hat, als der Dottore ihr die frohe Botschaft überbrachte.


6. Hitzewellen:
Über Hitzewellen wird ebenso fehlinformiert, wie über die "morgendliche Übelkeit" in der Schwangerschaft, die sich nämlich bei 99% der Schwangeren (sogar bei Herzogin Kate, wie William damals verriet) als Ganztagesübelkeit entpuppt.
Das Wort "Welle" suggeriert ja ein kurzes Schwappen, wie man es vom Strandurlaub in Großenbrode kennt.
Bei mir schwappt da nix kurz, ich habe stundenlange Hitzezustände. Heiße, trockene Glut unter der Haut. Fies, aber ohne eimerweise herauszuschwitzen wie meine Tante, die sich ständig die hochrote Stirn tupfen und sich mehrfach täglich umziehen musste.
In meinem Schrank befinden sich nunmehr Blusen und Shirts. Ja, auch für den Winter.


7. Der Blutdruck steigt:
Vormals eher der hypotone Typ, schramme ich nun seit 2 Jahren an der Grenze zu behandlungsbedürftigen Blutdruckwerten entlang.


8. Stimmungschwankungen:
Ja, ha ha. Die gehören bei Frauen zur Grundausstattung, wie willste die den Wechseljahren zuordnen?
Ich sach ma so: wenn du bereits während deiner Schwangerschaft(en) vor dir selbst Angst hattest, dann wappne dich gut für die Wechseljahre!
Begriffe wie "rasende Furie", "depressiver Werwolf" und "manische Episode" treffen's ganz gut.
Ich befinde mich manchmal in Zuständen, in denen ich wahlweise entweder aus dem Fenster oder mit Blumenkranz im Haar nackt über eine Wiese springen will.
Was gut dazu passt: Singledasein und Teenager, die außer Haus leben.
Was nicht gut dazu passt: trotzende Zweijährige und die restliche Menschheit.


9. Sonstige Körperlichkeiten:
- empfindliche Mamillen
Und wenn ich "empfindlich" sage, dann meine ich !!!!!EMP! FIND! LICH!!!!!
- Labiendürre
Ich empfehle: "Vagisan für die geschmeidigere Scheide". Ab und zu mal die Creme gecremt oder ein Zäpfchen integriert und schon läuft's flutscht's isses besser. Denn wo trockene Schleimhäute aufeinanderpappen, da kein Wohlgefühl. (Falls es bis hierher überhaupt ein männlicher Leser geschafft hat: ihr kennt das von Augenentzündungen.)
- Ganzkörperschmerzen
Zeit für die ose-Zipperlein Arthr und Osteopor. Anders kann ich mir meine häufigen Ganzkörpermuskel- und Gelenkschmerzen jedenfalls nicht erklären.


10. 
Sex:
Interessiert mich nicht die Bohne, aber wenn er mal des Weges kommt, ist er ziemlich gut. Nein, keine Details, ich -> Dame!


11. Medikamente:
Will ich drauf verzichten. Aber kann ich? Mich schrecken Aussagen wie die der 65-jährigen Nachbarin: "Nach 17 Jahren Hormonersatz versuche ich es jetzt mal ohne".


So, das war's im Groben.
Da es ja WechselJAHRE heißt und nicht WechselWOCHEN, ist da thematisch durchaus noch Spielraum.
Ich melde mich.

Was tun mit dem letzten OB?
Verschenken? Beerdigen? Rahmen lassen?
Tragen und bei Ebay an einen perversen Japaner verkaufen?