Freitag, 21. April 2017

Vorstellungsgespräche - Das gruseligste

Ein Montag im Januar, 19.37 Uhr.

Am Telefon: der Chef einer kleinen Leuchtenfabrikationsfirma der Nachbarstadt, der mich zum Gespräch einladen will.

"Sie müssen sich auch nicht großartig vorbereiten und brauchen keine Unterlagen mitzubringen. Dauert nicht lange, ich würde nur mal eben kurz gucken, ob man zusammenpasst", haucht er mit sexy Schlafzimmerstimme.

Ob man zusammenpasst??
Sollte er nicht lieber "mal eben kurz gucken", wie es um meine berufliche Qualifikation bestellt ist?
Merkwürdig.

Er lädt mich für Mittwoch Abend ein.
18 Uhr.
Noch merkwürdiger.
Ich sage aber zu.

Da ich diese Firma am nächsten Tag erstmal live anschauen will, lasse ich mir bei Maps-Satellit das Gebäude von oben anzeigen:


????

Wieso stehen auf dem Hof einer Lampenfirma so viele Wohnwagen?
Betreibt der Chef nebenbei einen Wohnmobilverleih?
Betreibt der Chef nebenbei einen Lovemobil-Park?
Oder ist der Parkplatz vermietet?
Echt merkwürdig.

Ich google den Chef.
Er ist im Handelsregister mit verschiedenen Firmen eingetragen.
Sowas kann ich schon leiden: auf vielen Hochzeiten tanzen, aber auf jeder nur so mäßig, statt sein Bestes nur auf einer zu geben.

Tags darauf fahre ich hin und suche und suche und suche.
Da, wo mich das Navi hinschickt, finde ich nichts.
Ich frage einen Passanten. Der kennt sich aus:
"Diese Straße ist da vorne; die hat aber kein Schild."
Hä?! Wieso hat die Straße kein Schild??
Mysteriös...

Ich befahre also die Straße ohne Schild, suche die Hausnummer und stehe vor einem kleinen, schmuddeligen Gebäude mit schiefen Vorhängen. Dahinter kann ich ein paar Wohnwagen erkennen.
Joa, nee, lass mal...

Wieder zuhause zücke ich meinen Joker Lucky Luke und maile dem Chef, dass ich leider so kurzfristig für diese späte Uhrzeit keinen Babysitter für meinen 2-jährigen finde.

2 Tage später schickt er mir eine Absage.

2 Monate später entdecke ich erneut sein Stellenangebot in der Jobbörse.

Tja, viel Glück...

Kommentare:

  1. Wuah......das ist echt gruselig

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  2. Schauder.... Ich hatte letztens aber auch ein Vorstellungsgespräch, welches mir im Vorfeld beschrieben wurde mit, Zitat: ...dazu würde ich Sie gerne erst einmal "kennenlernen"...

    Kennenlernen in Anführungszeichen? Nachtigall ick hör dir trappsen..

    War aber am Ende ein sehr angenehmes Gespräch, bei dem hoffentlich auch noch was rumkommt demnächst. ;)

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  3. Gruselig. Wie gut, dass Du einen Lucky hast, den Du vorschieben kannst.

    Ich höre sowas öfter gerade von Frauen, die beim JC sind und sich dann nicht trauen, solche Termine sausen zu lassen (Leistungssperre usw.) - was sich heutzutage so alles Arbeitgeber nennen darf, ist schon unheimlich.

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  4. Liest sich wie der Anfang eines Splatterfilms. Das Umkehren war eine gute Idee.

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  5. Eine wunderbare Vorstellung! Zumindest aus Sicht der Bloglesers, was DA alles an content rausgeprungen wäre...^^

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  6. Spannend !
    ... Geschrieben.

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  7. Wäääh.... 18 Uhr Vorstellungsgespräch?
    Erinnert mich fast an mein Vorstellungsgespräch auf einem Parkplatz unseres großen Supermarktes. Kein Witz!
    War für eine Reinigungsfirma. Aber als dann der Bulli vorfuhr mit einem NICHT für diese Gegend passendem Kennzeichen (wir leben weit weit weg von Polen... Verdreckt usw. Habe ich es auch vorgezogen fix mich zu verkrümeln.
    Und habe danach eine Absagemail geschrieben.

    Lieben Gruß und weiterhin viel Erfolg für die Jobsuche. Da kommt bestimmt noch das Richtige!
    KaTe

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    1. Äh... nicht nur fast... sondern definitiv erinnert es mich daran...
      Ok, ich hol mir noch einen Kaffee... vielleicht funktioniert das Gehirn dann wieder *lach*

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  8. Wuuuahh... *grusel*
    Das war sicher eine gute Entscheidung... Will's mir gar net ausmalen, was das wohl für ein Vogel war...

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  9. Anonym23/4/17

    Da hätte ich auch Fersengeld gegeben! Die "Lampenfirma" liefert bei dem womöglich die rote Laterne für's "Einzelbüro" im Wohnwagen...
    Gruß Pu

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  10. Da der vermeintliche Chef wohl selbst keine grosse Leuchte zu sein schien und eher eine Funzel, war es wohl das Beste, einen grossen Bogen um den Wagenpark zu machen. Es gibt Erfahrungen im Leben, die man nicht machen muss ...

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  11. Mein Exchef hat auch sehr viele Gewerbe. Eins davon war Vertrieb von Reisemobilen. Der hat vermutlich einfach Angst, dass eines seiner Einkommen nicht reicht und hat dann lieber mehrere Standbeine. Nachvollziehen kann ichs gut und zumindest mein Exchef war mitnichten nur halbgut bei einer seiner Tätigkeiten. Das einzige was er definitiv nicht konnte, war Mitarbeiterführung.^^

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  12. als ich mich vor acht jahren in agenturen um pr-volontariate bewarb, lernte ich auch einen schrägen chef kennen. er erzählte mir, dass die firma zwei niederlasssungen habe und dass ich alle zwei wochen übers wochenende in die zweitniederlassung mitkommen müsse. das fand ich kacke, aber nunja, so ein volo ist ja weder ein zuckerschlecken noch endlos. ich erklärte mich einverstanden. cheffe schickte daraufhin den vertrag. statt der vereinbarten 1000 brutto stand da nur 800 drin. das war lohndumping in einer lohndumpingbranche. ich beschwerte mich. cheffe änderte den vertrag widerwillig.
    dann sollte das volo beginnen und ich fragte, wie das nun genau sei, wenn der außendienst das gesamte wochenende dauern sollte. cheffe meinte, "wir" würden uns dann ein "schönes hotelzimmer" in der idylle nebst der kleinstadt, in der sich die angebliche zweitniederlassung befinden sollte, nehmen. daraufhin beschloss ich, das volo nicht anzutreten. zum glück hatte ich wegen des versuchten gehaltsbeschisses den geänderten vertrag noch nicht abgeschickt...

    ich hab mich spaßeshalber dann mal informiert, die "zweitniederlassung" war das steuerbüro, das für die agentur tätig war. insofern war das ganze nur ein vorwand, um fern der werten gattin im anonymen hotelflair billig eine junge frau zu vernaschen, die unbedingt ein volo für den berufseinstieg brauchte.

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