Samstag, 19. August 2017

Zu früh gefreut

Mein neuer Job in Kurzfassung: Ach herrje.

Etwas ausführlicher?
Ok.
Pausen sind überbewertet und die gelben Flecken auf dem Teppich sind kein fancy Muster, sondern Hundepisse.
Und das war's auch schon so im Groben.


Für die Detailversessenen:
Während ich vor Jobantritt betete, dass Lucky Luke wenigstens während der Probezeit keimfrei bleiben möge, hoffe ich jetzt das Gegenteil.
Ja, klingt fies, aber ihr wisst was ich meine!

Ich habe schon einige Firmen kennengelernt, aber so ein befremdlicher Laden war noch nie dabei. Oder bin ich nach 8 Jahren öD schon zu versaut für den freien Markt?

Was grundsätzlich vorher gut klang und daherkam, entpuppte sich rasch als nich so dolle.
Ich arbeite zum Beispiel nicht in dem schicken Loft, in dem die Vorstellungsgespräche stattfanden, sondern in einer Zweigstelle, in der es leider auch Räume ohne Fenster gibt. Solche Räume sind eh schon stickig und dank Technik warm, und es wird besonders fies, wenn der glubschäugige Köter des Kollegen mal wieder reingeschifft oder gebläht hat. Also mehrfach täglich.

Die meiste Zeit sitze ich allerdings in einem Großraumbüro mit Trennwand im Rücken und 3 Riesenbildschirmen vor der Nase. Blickkontakt zu Kollegen is nicht.
Wenn man sich unterhält, ruft man halt in den Raum hinein.
Wobei das aber auch nur selten der Fall ist, hier wird nämlich nicht unterhalten, man ist schließlich auf der Flucht.
Ha ha.

Da der Teamleiter sich nicht die Mühe gemacht, uns einander vorzustellen oder mir zu erklären, wer was macht oder wie der Betrieb aufgebaut ist (das ist nämlich ziemlich verzweigt und kompliziert), habe ich das "große Ganze" nicht auf'm Schirm und kapiere folglich die nötigen Details nicht so rasch, wie ich (und die Kollegen) gerne hätten.

Weil so viel zu tun ist, macht hier niemand Pause.
Manche arbeiten teilweise 10 Stunden und stopfen sich zwischendurch nur rasch ein Brötchen oder Süßes 'rein.
Selbst die Raucher hechten vor die Tür und ziehen sich in 30 sec. eine Kippe weg.
Ich habe da schon Menschen mit proppenvollen Hamsterbacken, kauend Richtung Klo jumpen sehen.

Ich werde wechselweise eingearbeitet von einer Neuen, die auch noch nicht alles weiß und von einer langjährigen Mitarbeiterin, die aber 1. nicht gut erklären kann (Halbsätze und so...) und 2. so überlastet ist, dass ich jedes Mal, wenn ich sie zur Hilfe rufe, fürchte, sie erliegt einem Herzinfarkt.

Wenn die Umstände nicht doll sind, hofft man ja wenigstens auf ein nettes Miteinander, nicht wahr? Ein nettes kleines Kennenlernpläuschchen zwischendurch oder so. Gibbet nich'.
Als es Donnerstag hieß "Pizzatag! Donnerstags wird immer was bestellt", freute ich mich darauf, gemeinsam mit den anderen zu essen und bisschen zu quatschen.
Pustekuchen.
Das Essen kam, jeder schnappte sich seine Pizza vom Stapel, verzog sich hinter seine Trennwand und mampfte während der Arbeit.
Wow.

Nichtsdestotrotz arbeiten die meisten da schon viele Jahre und ich hoffe, dass ich dem Geheimnis WARUM UM GOTTES WILLEN??? noch auf den Grund komme.
Die Kohle kann's nicht sein, denn jeder bekommt das Gleiche und das ist, wie ich finde, recht wenig.

Ich habe glücklicherweise nächste Woche 2 Vorstellungsgespräche und würde mich sehr freuen, wenn sich etwas anderes ergeben sollte.


Furzender Fiesling.
Auf die Idee, dem Kollegen zu sagen,
dass er seinen stinkenden Kläffer zuhause lassen soll,
ist wohl noch keiner gekommen.





Meanwhile in da homebase:
KiGa-Ferien.
Babysitter 1 sagt wegen Krankheit ab.
Babysitter 2 sagt wegen Krankheit ab.
Elvis und Lucky 1 Woche alleine zuhause.
Lucky hat nicht nur den Kühlschrank aus-, sondern gleichzeitig das auf dem Boden liegende Bügeleisen eingestöpselt, nicht ohne das darin befindliche Wasser vorher hinter die Tür gekippt zu haben.
Er hat ausprobiert, wieviel Liter Saft sich in die gepolsterte Lehne des Sofas kippen lässt (die genaue Mengenangabe steht allerdings noch aus, da er bereits nach 123 ml von Elvis unterbrochen wurde).
Leider tötete er auch die Balmoral Staffordshire-Schale, das einzige Andenken an unser UrOmma, das mir etwas bedeutet hat und wofür ich IHN dann sehr gerne getötet hätte.
Außerdem hat er den Fön unter Wasser gesetzt und den halben Hausstand über die Balkonbrüstung geworfen, sehr zur "Freude" meiner griesgrämigen Vermieterin.
Aber ab Montag hat der Kiga wieder geöffnet und dann herrschen wieder Zucht und Ordnung!

Kommentare:

  1. Das klingt ja echt gruselig. Die Zustände auf Arbeit und das was in Deiner Abwesenheit daheim passiert.
    Ich drücke die Daumen in Sachen Job noch was besseres kommt.

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  2. Ich finde ja immer wieder, dass Arbeitgeber dazu verpflichtet werden müssten, bei Vorstellungsgesprächen auch die Wahrheit zu sagen. Wieviele Leute ich kenne, die alle von Arbeitgebern mit falschen Vorstellungen gefüttert werden und dann bei Dienstantritt "Hilfe" brüllen, kann ich nicht mehr zählen. Aber ich finde das schon bedenklich, ein Betrieb, der so drauf ist, macht doch nur krank auf lange Sicht. Die meisten Leute bleiben bei sowas, weil sie Angst haben, nichts anderes mehr zu finden. So schauts aus.

    Ich drücke Dir die Daumen, dass Du bald was sehr viel besseres bekommst.

    Und was Lucky anbelangt, habe ich keinen Rat, da kinderlos. Aber ich bewundere, dass Dich dafür, dass er noch lebt :)

    Lieben Gruss
    Clara

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  3. Anonym19/8/17

    Huch, ich kann ja hier doch kommentieren----dachte das geht nicht, weil ich doch so ne altmodische PC-Omma bin. -----
    Mann, das liest sich soo gruselig.....ich hoffe inständig für Dich, dass Du etwas besseres findest - einfach eine ganz "normale" Arbeit mit vernünftigem Gehalt.
    Und zu dem experimentierfreudigen Lucky: Gute Nerven und "es ist nur eine Phase"!

    schöne Grüsse

    Jutta (bei insta-dingens: schon.vergeben)

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  4. Anonym19/8/17

    Ohjemineh. Ich hätte gern mal nichts zu lachen gehabt und dir von Herzen einen Traumjob gegönnt. Ich halte mich nicht für jemanden, der ständig auf sein Recht pocht, aber dass alle freiwillig auf ihre Pause verzichten, kapier ich nicht. Wird schon einen Sinn haben, dass es diesbezüglich arbeitsrechtlich Vorschriften gibt und dafür haben Generationen von Menschen gekämpft. Klar kann man da mal eine Ausnahme machen, aber täglich? Und ein "Team"leiter, der die Kollegen einander nicht bekannt macht?
    Allein schon ein Büro ohne Fenster wäre für mich totaler Horror. Egal, ob ich in einen Baumarkt gehe oder in ein Kaufhaus, nach fünf Minuten denk ich immer nur demütig, wie schön es ist, dass ich dort nicht arbeiten muss, so ganz ohne Tageslicht.
    Ich drück dir die Daumen, dass du was anderes findest. Oder deinen Stiefel durchziehst. Einfach Pause machst. Vielleicht überstehst du dann die Probezeit tatsächlich nicht, aber vielleicht bist du auch produktiver und gern gesehen. Also, falls du noch verstehen solltest, was du eigentlich zu tun hast. Durch Erleuchtung oder so.
    Liebe Grüße
    Christine

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  5. Hau bloß ganz schnell da ab.

    Oder Juliane Wallraff.

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  6. Klingt alles furchtbar - hoffentlich klappt es beim nächsten Vorstellungsgespräch. Keine Pause, Großraumbüro und pupsender pinkelnder Hund geht echt gar nicht!

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  7. Anonym20/8/17

    Bleib dran Juliane, du schaffst das!
    LG
    Marion

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  8. Juliane Walraff - gefällt mir.
    Hört sich suboptimal an. Schauerlich. Sattel die Hühner und mach dich vom Acker.

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  9. Anonym20/8/17

    Ich muss immer wieder feststellen: "Es gibt nichts, was es nicht gibt". Leider! Und dies lässt mich sehr fassungslos werden.

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  10. Oh weh. So ein Scheiß. Das tut mir echt leid.Vielleicht wäre es beim Mafiaboss doch netter gewesen.....

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  11. SO ein Kack. Neue Arbeitswelt.
    Hoffentlich kommst du da ohne Hack wieder raus.
    Arbeit macht frei undso ... Tzzzzzzt !

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  12. Nirgendwo wird so viel gelogen wie bei ArbeitGEBERN, die beschissene Jobs gerne schönreden. Als ich meine Ausbildung begann, stellte ich fest, dass nur der Raum, in dem ich seinerzeit einen Test absolvieren musste, renoviert war. Die restlichen Büroräume waren uralt und der Verschlag, in dem ich oft und lange Akten sortieren musste, war natürlich auch ohne Fenster, mit dem Kopierer bestückt, der auch noch Wärme entwickelte...es war grauenvoll aber ich musste durchhalten. Aber als erwachsener Mensch kommt man sich schon hochgradig verarscht vor....Ich hoffe auch, du findest was besseres!

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  13. Wohlfühlen auf Arbeit wird überbewertet 🤔

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  14. hundefurze hatte ich auch bis vor kurzem. vorteil ist natürlich, wenn der pups-emittent schon etwas älter ist. jetzt hat er einen bandscheibenvorfall und pupst daheim bei cheffes schwiegermama.

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  15. Das frage ich mich auch, was den Kollegen dort so gut gefällt, dass sie bleiben. Wenn's die Kohle wenigstens wäre. Ich halte dir die Daumen für die beiden Vorstellungsgespräche.
    Ich hoffe der Kiga hat es auch wirklich geschafft zu öffnen und keiner ist krank geworden oder was so alles an Alltagskatastrophen manchmal passiert.

    LG
    Ganga

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