Sonntag, 24. September 2017

Ein Büro voller Hunde

"Wer hier arbeitet, muss Hunde mögen", hatte der Chef beim Einstellungsgespräch gesagt und ich dachte, er bezieht sich auf seinen uralten, friedlichen Bordercollie.
Was aber folgte, sprengte die Grenzen meine Vorstellungskraft.
Vorab gesagt: ich finde Hunde grundsätzlich gut.
Wenn sie gut erzogen sind und mir nicht durch unmotiviertes Gekläffe, Anspringen oder inhäusiges Ablassen von körpereigenen Substanzen auf den Sack gehen.


Hier mal eine Beispielwoche:

Montag:
Ich fühle den ganzen Vormittag eine latente Übelkeit, gepaart mit leichtem Kopfschmerz.
Schwanger kann ich mangels Liebhaber (*schluchz*) ja nicht sein, also brüte ich wohl was aus. Denke ich. Dann bemerke ich die Riesenpfütze unter meinem Schreibtisch: Hugo, der Kollegenhund, hat sich offenbar an meinem Papierkorb erleichtert und die heraufziehenden Schwaden verursachten mein Unwohlsein.
Während Herrchen die Pisse wegtupft, erklärt er mir, dass Hugo noch jung sei, 8 Monate, und es halt noch nicht besser weiß.


Dienstag:
Der Hund vom Chef legt 3 Häufchen in den Kopierraum.
"Scheiße!", flucht die Sekretärin, da hat sie wohl das Gassigehen vergessen! Kein Wunder bei dem ganzen Stress immer!


Mittwoch:
Hugo pisst wieder an meinen Papierkorb, und das, obwohl ich ihm zwecks Freundschaftsanbahnung Leckerlis gereicht habe. Nun kläfft er mich zwar nicht mehr an, aber lässt trotzdem in meiner Nähe unter sich. Toll.
Ich frage Herrchen besorgt, ob womöglich ein Harnwegsinfekt vorliegt, aber er verneint.


Donnerstag:
Die neue Kollegin mit dem "Ich muss im Mittelpunkt stehen, sonst sterbe ich!"-Syndrom fühlt sich nicht genug beachtet und bringt ihre Molly mit.
Beim Gassigehen passt sie allerdings nicht auf, Molly frisst einen Scheißhaufen, und so zerrt sie mit hochrotem Kopf ein nach Kacke stinkendes und Würgegeräusche von sich gebendes Viech hinter sich her in den Waschraum, um ihm dort das Maul auszuwaschen. Der Vorfall ist ihr so peinlich, dass Molly vorerst zuhause bleiben muss.
Gott sei Dank! Je weniger Hunde, desto weniger Geruchsbelästigung.


Freitag:
Hugo pisst an den Papierkorb meines 2. Arbeitsplatzes, also im Raum nebenan.
"Komisch", meint das Herrchen, "das macht er nur bei dir!"
Hä?! Wieso?? Was mache ich falsch? Wieso hasst er mich? Stört ihn mein neues Boss-Parföng? Riecht er die ganzen Notfall-Snickers in der Schublade? Oder will er mehr Leckerlis?!


Samstag...
Sonntag...


Montag:
Rocky, der Hund der Buchhalterin, findet in der Küche ein über's Wochenende vergessenes und nun obergäriges Stück Sahnetorte und haut 'rein. 2 Stunden später: Kotzalarm!
Hatte ich eigentlich erwähnt, dass wir Teppichboden haben?


Ein paar Tage später beobachte ich, dass die Kollegen sich für ihre Gassigänge den kleinen, nicht eingezäunten Vorgarten des Nachbarhauses auserkoren haben. 
Ich gebe zu bedenken, dass in dem Haus jemand wohnt.
Kollegen so: "Der Vermieter lebt im Ausland." 
Ich: "Hier wohnt aber ein Mieter!!"
Kollegen: "Na und?" 
Ich: "NA UND??!!"
Kollegin:"Vorsicht übrigens! Die Wiese ist mittlerweile voller Haufen! Nicht reintreten!" 


"Du liebe Güte, ham die alle keine Kinder?", fragt meine Mutter angewidert.
Ich überlege. Tatsächlich!
Ich bin nur nicht sicher, wofür das ein Indiz sein könnte.
Legen Hundebesitzer MIT Kindern mehr Wert auf Hygiene und Erziehung? Stichwort Ansteckungsgefahr? Keine Ahnung.

A propos "Tierheim".
Mäuse hamwer auch.
3 sind schon in die vom Hausmeister aufgestellten Fallen reingetappt.
Stellt sich mir die Frage: jagen Hunde keine Mäuse?

Zur allgemeinen Erheiterung sei erwähnt: wir arbeiten auf dem Gesundheitssektor.

Nein, ich arbeite NICHT im Tierheim.

Kommentare:

  1. Anonym24/9/17

    Ich habe schon vom Lesen Brechreiz.
    Vielleicht machst du dich mal schlau, welche Gerüche Hunde abschrecken und sprühst damit großzügig deinen Arbeitsplatz ein. Gern auch, WÄHREND einer der Köter dort pisst.
    Unfassbar.
    Das machen die sicher alle nur, damit du was zu erzählen hast.
    Liebe Grüße!
    Christine

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  2. Bah, da bekomme ich schon alleine vom Lesen "Eckelpickel". Und ich mag Hunde übrigens sehr.

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  3. Ich sag's doch: bring ne Katze mit...

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  4. Ich sag's doch: bring ne Katze mit...

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  5. Hunde sind soo eklig !
    Aber das verlangt wirklich nach irgendwelchen Antipheromonen an deinem Papierkorb oder dieser "Dog Dazer 2" kann vielleicht helfen.
    Bäh !

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    1. Anonym24/9/17

      Eben. Hugo mag wohl Mönchspfeffer... Scnr.

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  6. Anonym24/9/17

    Hunde sind nicht eklig. Höchstens die Besitzer, die solches Hundeverhalten zulassen.

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  7. Bin ja auch tierlieb. Hatte Jahrzehnte viele Viecher, vor allem Hunde. Und gerade bei Hunden kann immer mal was passieren bzw. "in die Hose" gehen.

    Aber das liest sich einfach nur Verantwortungslos (mit acht Monaten sollte ein Vierbeiner wissen, dass es interessante Bäume gibt) und Gleichgültigkeit. Einer wirds schon wegputzen.

    Meine Wutze hätte sich übrigens bedankt, wenn ich ihn zur Arbeit mitgeschleppt hätte. Viel zu viel Trubel. Und kein Hund braucht eine 24-Stunden-Bespaßung.

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  8. Vielleicht sollte man die Besitzer einschläfern.

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  9. Schreib ein Buch über ... das verkauft sich gut. :-)

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  10. Jetzt mal unter uns Betschwestern: du hast vollkommen Recht. Die Herrchen und Frauchen sind schlecht erzogen. Aber sowas von. Ein 8 Monate alter Welpe ist stubenrein, ab und an muss er aber halt mal raus, genau wie alle anderen Hunde. Nicht auf Nachbars Wiese natürlich. Wer Tiere hält, trägt Verantwortung.

    Oh Mann, da kriegt man doch echt das graue Kotzen. Allen ist alles egal. *örks*

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  11. Boah nee. Das ist echt ne Zumutung. Was ist denn los mit diesen Menschen und ihren Hunden? Ist ja nicht zum aushalten.

    Und das sage ich als große Hundefreundin mit ehemals zwei Hündinnen, die auch gelegentlich mit mir ins Büro gingen. Dort benahmen sie sich zivilisiert. Vielleicht, weil ich mich vor und nach dem Job und in der Mittagspause um ihre Auslastung gekümmert habe, anstatt sie mal kurz nach nebenan scheißen zu schicken. Die waren zu fertig für Blödsinn.

    Wie ist der Job sonst so? Gehts oder will man sich hinlegen und weinen?

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  12. mir wird schlecht...
    Die gehen einfach davon aus, dass du das ok findest. Rücksicht Fehlanzeige. Weil "die Neue" es ja in der Probezeit eh nicht wagen wird, sich zu beschweren.
    Man möchte fast ein paar (selbstverständlich kleine) Stücke Schokolade versehentlich unter den Schreibtisch fallen lassen...aber selbstverständlich sollen nicht die Tierchen für ihre arschigen Besitzer bestraft werden :(

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    1. Weia, ganz böse. Schokolade ist tödlich für Hunde. 100g reichen da schon UND: es wird nicht abgebaut sondern reichert sich im Körper an. Ein Hund kann über Jahre kleinste Mengen Schokolade fressen. Irgendwann bekommt er ein einziges kleines Stückchen und das bringt das Fass zum überlaufen und er stirbt einen qualvollen Tod.

      Nein, wirklich, das solltest du nicht mal in Erwägung ziehen.

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  13. Hmmm.. Wir haben, seit ich denken kann, Hunde! Plural, ja. Aber solch ein Benehmen? Also das von den Herrchen...? Frechheit. Kleiner Tipp...: Drei Chilischoten zwei Tage schön in lauwarmem Wasser ziehen lassen. Dann in eine Sprühflasche und den Schreibtisch inkl. Papierkorb schön fett damit bestreichen. Die Hundenase mag das nicht und wird einen Weg um all das Besprühte machen.

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