Samstag, 6. Januar 2018

Von besoffenen Babysittern, Behinderten und einem Lerngeschenk

Natürlich macht eine Firma, bei der es weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld gibt, zwischen den Jahren nicht zu.
Und so saß ich im Büro und konnte, da Restdeutschland geschlossen hatte und so für sehr wenig Arbeitsaufkommen sorgte, das Liebengebliebene wegarbeiten.


Die Neue war auch da. Eine sehr sympathische Dreißigerin.
Als sie uns erzählte, dass sie 3 Wochen zuvor geheiratet hatte, fielen bei uns anderen unisono die Kinnladen.
30 und frisch verheiratet??
Die verabschiedet sich spätestens in 1 Jahr in MuSchu und wir Zurückgebliebenen können wieder im Akkord malochen!

Grad neulich, als eine der Minijobberinnen in MuSchu ging, hatte ich erfahren, dass der Chef sie sogar wissentlich schwanger eingestellt hatte. Ungewöhnlich.

Sie fehlt mir sehr, denn sie hat ordentlich was weggearbeitet.
Überhaupt, wenn man sich unsere Truppe mal ansieht:
alle behindert. Eine Kollegin ist einarmig. Ein Kollege hat MS. Der EDVler ist taub. Mein Vorgesetzter hat Bechterew. Die Personalerin ist kleinwüchsig. Die Chefsekretärin ü70 und die Buchhalterin adipös per magna.
Ein Auffangbecken für Versehrte.
Was denkt der Chef sich dabei?
Ist er ein Heiliger oder will er bloß Zuschüsse absahnen?
Und wie passe ICH da überhaupt rein? Ich bin fit. Was ist also meine Behinderung? Alt und langsam? Nicht sehr helle? Oder ist es Lucky?

A propos.
Luckys neuestes Lieblingswort ist "Penner".
Kann sein, dass er da vielleicht beim Autofahren mal was aufgeschnappt hat. Wenn ich am Steuer sitze, bin ich nämlich nicht mehr ich selbst (also Dame mit Contenance); den ersten Herzklabaster habe ich schon hinter mir, wenn ich noch keine 100 m gefahren bin.
Ich glaube, das sind die Dämpfe in so 'nem Wagen. Benzin, Kühlflüssigkeit und was da sonst so 'rumwabert. Gesund ist das nicht.

Jedenfalls ist so ein Kind mit Faible für böse Wörter doof. Am Weihnachtssamstag war ich mit ihm bei Rewe und wie wir da so an einer Mutter samt Teenietöchtern vorbeirollten, rief Lucky mit glockenhellem Stimmchen: "Hallo, was macht ihr da?". Mutter und Töchter guckten verzückt, da schob er auch schon nach: "ihr P....". Da ich schon sowas geahnt hatte, hielt ich ihm blitzschnell die Hand vor den Mund, um "enner" zu verhindern.
Puh, Ruf als süßes Bübchen nochmal gerettet, wa?
Dank' mir später.
Du Penner.

Ich war heilfroh, als die Kigaferien vorüber waren und ich die Erziehungsaufträge wieder ans Personal abgeben konnte.
Aber vorher galt es, die Ferien zu überbrücken.
Elvis, Motorradbraut und Pilot - bitte übernehmen Sie!


Der Pilot hatte seinen Betreuungsauftrag, wie erwartet, vergessen.

...und so hatte er 3 Tage lang seine beiden Kinder, die sich übrigens noch gar nicht kannten, zu beaufsichtigen. 3 Tage Ananas aus der Dose, Würstchen und Nutella und, da der Pilot offenbar an einer Urinphobie leidet: tagsüber Windeln für den eigentlich trockenen Lucky. Korrigiere: nicht Windeln, sondern nur Windel. Eine. Für 8 Stunden.
Jedenfalls habe ich seitdem nichts mehr von ihm gehört; ich nehme an, er ist kurzfristig zur Kur gefahren.

Was Elvis betraf, war ich doch ob seiner Babysitter-Qualitäten ein klein wenig verunsichert, nachdem der Kleine neulich unter seiner Obhut den halben Hausstand aus dem Fenster geworfen hatte, glücklicherweise aber nicht selbst hinterherfiel.
Es schmälerte meine Verunsicherung wenig, als er an seinem 1. Einsatztag erst um 5.30 Uhr von einer Party heimkam und seinen Rausch ausschlief, während Lucky lustige Dinge tat wie Schränke ausräumen oder einen Stuhl ans Fenster im Treppenhaus ziehen, um zu gucken, wann ich nach Hause komme.


Einzig die Motorradbraut (17) hatte alles im Griff.


Und dann waren die Feiertage auch schon vorbei und Tadaa! 2018 ist da.

Und hier noch mein Lerngeschenk aus 2017 für euch:

Kommentare:

  1. Immernoch besser als
    "Ihr P...ussyköppe" !

    AntwortenLöschen
  2. .... ach.herr.jeh. .... ich kann mich hier aus der Ferne und nicht betroffen weglachen, das beschreibst Du wirklich immer gigantisch lustig, aber für Dich so in der Situation eher semi ..... halt die hren steif, jede Menge Humor haste jedenfalls!!
    Ganz liebe Grüße,
    Bettina

    AntwortenLöschen
  3. Momentan liest sich dein Leben wie ein Verkehrsunfall.
    Du Arme...ich hab Mann und ein schon grösseres Kind und mein Leben verläuft meist sehr chaotisch, trotz Hilfe. Das alles allein zu stemmen erfordert Superkräfte!
    Du schaffst das!
    Und wenn Lucky irgendwann ein Bitcoin-Milliardär wird (nicht so n Studi-Schlonzer, wie dein Erstgeborener), er dir ne Villa mit Pool bauen lässt, dann weisste, wofür du das alles getan hast. Ja...ich setze allergrösste Hoffnung in Lucky!

    AntwortenLöschen
  4. Ich mag Chefs, die auch Menschen einstellen, die in der manchmal unbarmherzigen Arbeitswelt sonst keine Chance hätten. Aber nur? Helfersyndrom? Glaube eher weniger, dass es sich da lohnt, irgend welche Gelder vom AA abzugreifen.

    Zum Lerngeschenk: ich tippe darauf, dass der FI rausfliegt. Ich hoffe es.

    AntwortenLöschen