Mittwoch, 20. Dezember 2017

Wie ich mal fast einen schönen Geburtstag feierte

Neulich wurde ich alt.
Ziemlich alt.
So alt, dass man nicht mehr von "Lebenshälfte" reden kann, sondern vom letzten Drittel.
Alles, was jetzt nur noch kommen kann ist Krankheit, Siechtum, Tod.
Was den Tod betrifft, schaue ich mir seit ein paar Monaten mit nahezu obsessiver Besessenheit Sterbevideos bei Youtube an.
Ja, gibt es.

Die Wochen vorher bewahrte mich mein abartig stressiger Job und die Annahme zweier Kolleginnen, dass ich 40 würde, davor, depressiv zu werden und an meinem Geburtstag selbst wollte ich das Beste daraus machen, in dem ich am Abend mit ein paar Leuten Essen ging.

Während ich den 40. noch groß gefeiert hatte, so richtig mit Location mieten und Unterhaltungsprogramm, wurde es diesmal, aufgrund einiger in den letzten 10 Jahren Weggestorbener und/oder Rausgekickter, klein und ruhig.
"Gesetzt" heißt das dann wohl.


Frühstück, einsam.
(Lucky guckte lieber Kika und Elvis schlief
den Rausch einer Fachschaftsparty aus.)
Mit Blumen, selbstgekauft(!).



Und ja, ich trug ein Krönchen!
Na und?!




Ich bekam einen Selfiestick und kann meine Outfits nun immer komplett knipsen!
(Also, sobald ich 'raushabe, wie. *hüstel*).
Ich stellte 6 Outfit bei Instagram zur Auswahl und die Mehrheit entschied sich ...
- nicht für das da oben, da der Favorit einen riesen Fettfleck aufwies.



Ab 50 bekommt man offenbar diese typischen Altmenschengeschenke.
Wenigstens konnte man's essen.
(Pro-tipp: sollte mir irgendjemand in der Zukunft eine Kerze mit meinem Namen
oder schlimmer: mit einem Bibelvers drauf, schenken, den töte ich mit der noch
verbliebenen Kraft meiner arthritischen Pfoten, werde davon ein Video machen und
es bei Youtube hochladen, damit alternde Frolleins sich das dann abends alleine
auf ihrem Sofa ansehen können und anschließend vor lauter Herzklopfen nicht
in den Schlaf kommen.)
Aber ..äh.. ich schweife ab.

Ich trug also das adrette Twinset, die Haare lagen gut, der Babysitter kam pünktlich und Elvis und ich machten uns auf zum Restaurant, wo uns mich die anderen schon erwarteten.
Drücker, Küsschen, Smalltalk und Geschenke wurden ausgetauscht.

Wir setzten uns und kaum hatten wir unsere Getränke bestellt, rief der Babysitter an, um ins Telefon zu heulen, dass Lucky sich ganz komisch benehmen würde:
"Eierloch" und "dämlich" hätte er sie genannt, sie mit Autos beworfen und ihr die KiZi-Tür vor der Nase zugeschlagen und sie wüsste jetzt auch nich *mimimi*...

Fun fact: sie (22) macht gerade eine Ausbildung zur Pädagogin.

Das Gör geht mir unter der Woche schon genug auf den Sack, weil es vor 10 nicht in den Schlaf kommt und mich so meiner kompletten freien Zeit beraubt, und nun versaute es mir meinen Geburtstag?
Meinen einzigen 50.??
Die 3 kleinen Stündchen, die ich relaxed und ohne Blagengedöns verbringen und in denen ich mich feiern lassen wollte????
Nü, das war wohl zuviel verlangt.
Ich stand kurz vor'm Apoplex. Mit Tetraplegie!

Elvis, der Gute, bot an, nach Hause zu fahren und an Heulsusis Stelle auf Lucky aufzupassen.
Aber da Frauen jedweden Alters kleine Kinder ja supisüß finden (also außer Frauen, die gerade im Besitz eines kleinen Kindes sind) wurde ihm von den Anwesendinnen aufgetragen, das Kinde geschwinde herzuholen.
Die Herren der Tafelrunde und ich weinten in unsere Schnapspinnchen.

Wie der Rest des Abends verlief, könnt ihr euch denken:
ist ein Kleinkind anwesend, dreht sich alles um's Kleinkind.

Sehr lecker war's!

Tja, und das war's mit meinem Fuffzichsten, nech.
Mehr gibt's dann auch tatsächlich nicht zu erzählen.

Ach doch...
Als wir spätabends nach Hause kamen, klingelte Lucky bei meiner muffeligen Übermirmieterin.
(Ja, genau die, die sich bei der Vermieterin beschwert hat, dass er zu laut badet.)
Arschblag.

Ich setze allerdings große Hoffnung in meinen 60.
Dann ist Lucky 13 und seit 3 Jahren im Internat.




Und hier noch die wichtigen Weisheiten einer Fuffzichjährigen:
- hock' dich beim Kotzen hin (ggfls. "Plexus oesophageus" googeln)
- Männer sind alle gleich
Doch.
Dohoch!
WOHL!
- einem Selfiestick liegt kein Manual bei
- vergeude keine Zeit damit, darüber nachzudenken, was andere über dich denken. 99% der anderen sind so mit sich selbst beschäftigt, dass es sie einen feuchten Furz interessiert, was du tust oder lässt
- wenn man wegen einer Blasenentzündung ein Antibiotikum nimmt, stinkt der Urin nicht nach Spargel, egal wie viel du davon verdrückst.
- im Manhattan Icetea ist kein Eistee

Sonntag, 3. Dezember 2017

Zwangsurlaub

Freitag kam ich ins Büro und erfuhr, dass ich in der kommenden Woche Urlaub zu nehmen hätte, denn die 2017er Urlaubstage dürfen nicht in 2018 mitgenommen werden.
Die Streber-Kollegin (die mich anfangs "langsam, weil alt" genannt hatte und mit der ich witzigerweise mittlerweile ziemlich dicke bin) hatte flugs in einer Excel-Tabelle ausgerechnet, wer von uns wann Urlaub nehmen müsse und ob ich was dagegen hätte, direkt ab Montag zuhause zu bleiben.
Hatte ich nicht.


Montag:
Ich fahre zu Elvis in die Sehr Große Stadt. Er möchte zu Ikea.
Da ich mich sehr selten in sehr großen Städten aufhalte, bin ich mit 28-spurigen Fahrbahnen überfordert und verwechsle prompt eine Auffahrt mit der Ausfahrt (nein, nicht als Geisterfahrerin! Malt's euch halt auf.)
Wusstet ihr übrigens, dass es Regeln für das Fahren innerhalb mehrspuriger Kreisel gibt? Naaa? Nee, ne?

In der WG angekommen bietet sich ein, oberflächlich betrachtet, gutes Bild: aufgeräumt und neutral riechend, aber in den Ecken tummeln sich Staubballen in Basketballgröße, im Kühlschrank finde ich Biowaffen (Eier, abgelaufen vor 3 Wochen) und ich zähle 6 Bierkästen, 14 Wodkaflaschen und keinen Staubsauger.
Im leeren 30 qm-Wohnzimmer steht ein Tisch, auf dem 2 Sprudelkästen und ein Pappbecher stehen. Ich will die Kästen vom Tisch räumen, darf aber nicht, da dieses Arrangement offenbar das Setting eines komplizierten Trinkspiels darstellt.
Der Verlierer muss den Sprudel trinken. Sagt Elvis.

Die Sehr Große Stadt ist so groß, dass die Strecke WG - Ikea genauso lange dauert wie Sauerland - WG, obwohl wir uns nur innerhalb der Stadt bewegen.
Ikeas sehen offenbar überall gleich aus: 17 Stufen hoch in die Showrooms, "Restaurant", 12 Stufen runter zum Kleinkram, SB-Halle, Kassen, links Kekse, rechts Hotdogs.
Ich verlasse den Laden mit 2 Ursulas (wer hat denn das vermasselt?? Däckö, Stryck oder Flaussyk - ok, aber URSULA?!)



Dienstag:
Eine Firma, bei der ich mich im Frühjahr bereits vorgestellt hatte, lädt mich zum 2. Gespräch ein.
Ich starte früh in die 15 km entfernte Stadt und liege sehr gut in der Zeit als ich mich knapp 1 km vor'm Ziel verfahre, trotz Navi (JA, DAS GEHT!). Wie wir wissen, ist Autofahren nicht gerade mein Hobby.
Also nochmal rund um den Pudding. Die Straßen sind voll und ich stehe 2 Minuten vor'm Termin vor der Firma. Es gibt keinen eigenen Parkplatz und so klappere ich alle Tipps der Tippse ab: Aldi, Getränkemarkt, Rathaus, Querstraßen. Alles voll. Parkhaus 4 km entfernt.
Laut Sekretärin ist das immer so.
Also jeden Tag rumgurken bzw. ins teure Parkhaus und 4 km quer durch die Fußgängerzone latschen? Nach 15 Minuten Gesuche greife ich zum Handy und sage ab.
Ich will mich schließlich verbessern.

Abends grabscht sich Lucky die Cornado-Tüte. Ich nehme sie weg, immerhin hatte er schon Gummibären. Er holt tief Luft, um loszubrüllen und ZACK! steckt ein Cornado in der Luftröhre.
Er röchelt und guckt erschrocken.
Ich halte ihn kopfüber über die Badewanne und wemmse auf den Rücken.
Er kotzt. Wieder auf den Beinen röchelt er nicht mehr, läuft aber dunkelrot an, das Gesichtchen ganz verzerrt.
Scheiße! Wen rufe ich zuerst an? Alltimeretter Nachbar Pellwitz oder den NAW??
Ich lasse Lucky nochmal über der Wanne baumeln.
Nochmal klopfen, nochmal kotzen und ZACK! ist das Cornado raus.
Lucky möchte an dem Abend nix mehr essen und geht widerstandslos ins Bett.
Puh. Mit diesem Kind machste was mit. Sowas ist dem lieben Elvis nie passiert.


Mittwoch:
Da ich mir bei der "21kg-Lucky-über-der-Wanne-baumeln-lassen"-Challenge was gezerrt habe, bleibe ich mit Rücken-/Nacken-/Kopf und Nurofen-Erdbeer-Overdose zu Hause und wasche mir den Wolf.
Ich freue mich auf's Shoppen in der Großen Stadt morgen.

Nachmittags hat Lucky seinen ersten Frisörtermin.
Ich habe Angst. Fabienne nicht.
Während sie Luckys Babyflaum wegsäbelt, redet sie pausenlos auf ihn ein. Er schweigt und guckt. 
Entweder ist er tatsächlich unbeeindruckt
oder er hat einen Zuckerschock dank der Gummibären,
die Fabienne ihm zuvor verabreicht hat. 
Kann auch sein, dass er sich gar nicht angesprochen fühlt,
denn sie nennt ihn Gustav. So heißt aber nicht das Kind,
sondern sein Plüschtier, was sie aber erst beim Bezahlen schnallt.


Donnerstag:
Nachts hat es 0,431 mm geschneit und der Verkehr liegt brach.
Laut Radio hat die Schneekatastrophe ausgerechnet die Große Stadt am übelsten erwischt.
Oh nein! Nicht noch ein Tag zuhause!!
Mittags rufe ich eine dort wohnende Bekannte an; sie sagt, die Straßen seien frei und der Katastrophenschutz abgezogen (Scherz!).
Danke, Radio Sauerland, du Lügenpresse!
In der tollsten Boutique des Sauerlandes finde ich wider Erwarten nix dolles, entscheide mich aber für ein paar Teile im Menopausen-Look (googelt mal #menocore - leider kein Scherz): eine Jogg-Jeans im Nubuk-Look, sieht cool aus und lässt die Wampe unbemerkt vor sich hinwabbeln; einen Fledermausflauschpulli, der garantiert keine hitzewellenbedingten* Schweißflecken sichtbar werden lässt und ein Shirt, das den cellulitösen Hintern gut bedeckt.
*die ich gar nicht mehr habe, dank Mönchspfeffer
Eine Klamotte von DooF - wer hätte sie nicht gern?!



Freitag:
Der Mittwoch rächt sich jetzt: ich bügele mir den Wolf.
Und dekoriere die Hütte weihnachtlich.
Außerdem will ich mal wieder was bloggen: Gedanken zum nahenden Fuffzigsten und über meine Versuche, vegetarisch zu leben.
Habe aber keinen Bock.
Für lange Texte habe ich keinen Kopf im Moment. Außerdem tun mir seit dem Cornado-Vorfall zusätzlich die Hände weh.
Ich finde vielmehr Gefallen an Instagram und diesen putzigen kleinen Filmchen**, die man dort machen kann.
**können nur Mitglieder sehen.


Samstag:
Neuer Babysitter No. 1 kommt.
Da ich aber gar nix vorhabe, verkrümele  ich mich ins Auto und erfreue mich an Julien Bam-Videos (Guckbefehl!).


Ins Café kann ich leider nicht, da ich vergessen habe, einen BH anzuziehen, kein Makeup trage und sich ein Fleck auf dem Shirt befindet.
Die Schmerzen sind schlimmer geworden, ergo meide ich Bewegungen wie Spazieren gehen. Das ist doch kein normaler Muskelkater mehr! Bei Wärme wird's besser, vor allem in den Händen. Ist das Rheuma, Gicht, Altersstarrsinn??
Nach 1 Stunde sehe ich Lucky und Babysitter aus dem Haus kommen. Damit der Babysitter nicht sieht, dass ich bloß alleine im Auto abhänge, fahre ich rasch los zum Lädchen an der Ecke und erstehe 1 Swiffer für Elvis und 2 neue Perversitäten: Ahoibrause-Limonade und Edle Tropfen Kräuterbitter. Bah ey!
Aber: wenn man den Kräuterlikör aus den Pralinchen in einem Glas sammelt und mit der Ahoibrause mischt, geht's eigentlich.

In Erwartung eines monstermäßgen Geschmackserlebnisses
konnte ich die Kamera kaum ruhig halten.

Für abends begehrt ein nett aussehender Typ aus Nachbardorf via NeueLiebe.org ein Date. Ich lasse ihn abblitzen. Ich will lieber alleine zuhause auf'm Sofa hocken, Emrahs warmen Banana Dream French Toast essen und dabei Lost-Place-Videos von Jack "Horrido" Silver gucken. Und zwar für immer.
So weit isses schon...



Sonntag:
Da ich mich zeitmanagementtechnisch verhauen habe, kommt heute neuer Babysitter No. 2 (die Polizistin). Ich habe wieder nix vor, verstecke mich im Schlafzimmer und schreibe diese Zeilen.
Erst geht alles gut; nach 1 Stunde wendet sich das Blatt: Lucky fängt an, affig herumzualbern und sobald die arme Frau was sagt, ruft er Sachen wie "Halt die Schnauze, du Penner!"
Oh. mein. Gott.
Dieses Kind ist mir direkt aus der Hölle geschickt worden, als Strafe für mangelnde Verhütung.
Ich entschuldige mich 1000fach beim Babysitter, nenne ihr aber todesmutig einen neuen Termin, nämlich meinen Fuffzichsten, um diesen mit den artigen(!) Mitgliedern meiner Restfamilie (also die, die noch nicht weggestorben sind) au restaurant zu begehen.
Sie sagt, sie guckt zuhause in ihren Terminkalender und meldet sich dann.
"Nicht", denke ich und smse unserem alten Babysitter.
Die sagt prompt zu.
No. 2 eine Stunde später auch.
Argh!

Sonntag, 3. September 2017

Wechseljahre - Der Mönchspfeffer

Ich halte rein gar nichts von pflanzlichen Mitteln.
Wenn mich Malessen quälen, will ich schnelle Linderung und nicht erst 3einhalb Monate warten müssen, bis putzige Zuckerkügelchen vielleicht und eventuell ihre Wirkung tun.
Der liebe Gott hat nicht umsonst die Chemie erfunden und ich greife bei Kopfschmerzen lieber zu Ibuprofen als zu Kaffee mit Zitronensaft.

Nun aber begab es sich, dass meine mannigfaltigen Wechseljahresbeschwerden in den letzten Monaten immer heftiger wurden.
Und zwar derart inakzeptable, dass ich mir beim Kleinen Fabian (aka mein Gyn) eine Portion Hormönchen bestellte.
Aber Ibuprofen, Mucosolvan und Otriven sind das eine.
Synthetische Hormone sind ein ganz anderes Kaliber und deshalb zögerte ich mit der Einnahme. Man man will ja mit 54 nicht an irgendwelchen hormonbedingten Nebenwirkungen zugrunde gehen, nur weil man mit Ende 40 ein Paar Hitzewellen nicht ausgehalten hat, nicht wahr.
Ich legte das Rezept also erstmal beiseite und hörte stattdessen auf das, was meine erfahrenen Leserinnen mir empfahlten (empfiehlten? empfehlten?) und zwar unisono:
Mönchspfeffer aka Keuschlamm aka Liebfrauenbettstroh.
100 Stück, 14 Ocken.
1 pro Tag.
Wirkungseintritt nach 3 - 4 Wochen.

Zwoeinhalb Wochen später war von meinen Zuständen nix mehr zu spüren.
Hitzewellen, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, fettige Haut, Unterleibsgerummmel, Dauerhunger, Gelenkschmerzen. Alles weg.
Gut, abgenommen hab ich zwar nüscht, aber hey! keine Hitzewellen mehr zu haben, machen die Wampe echt wett.

Ich pack den Fächer dann wieder weg...

Schluss mit den Gelüsten!
Unvergessen die Nutella-Schnitte mit Schinken und Krautsalat.





Samstag, 26. August 2017

Einladungssucht

Ist das eine anerkannte Krankheit mit ICD und so?
Falls nicht, plädiere ich dafür.
Ich hätte auch schon Patient Zero parat: den Pilot!

November 2016.
Er so:
"Meine Mutter lädt dich und Lucky herzlich zu ihrem Geburtstag nächsten Freitag ein! Wir fahren dann gemeinsam hin* und bleiben über's Wochenende."
*400 km.

Ich freute mich sehr, denn die Pilotenmutter ist cool und dann würden wir endlich auch den Vater kennenlernen.
Also dankte ich der PiMu per Whatsapp hocherfreut für ihre Einladung.

2 Tage Funkstille.
Ungewöhnlich, denn normalerweise antwortet sie noch am selben Tag auf Nachrichten.
3 Tage später:
"Liebe Juliane, ihr seid immer willkommen, aber leider nicht an meinem Geburtstag. Meine Schwester kommt extra aus der Schweiz angereist; sie ist schwer krank und benötigt dann meine ganze Aufmerksamkeit. Ihr könnt aber gerne ein andermal kommen."
Freude verpufft.
Hä, dachte ich, wieso lädt sie mich denn dann erst ein??
Oh.
Moooment!
Pilot zur Rede gestellt.
Stotter stotter... ähm... vielleicht habe ich sie da falsch verstanden.. öhm.. ihr könnt aber sonst immer gerne zu ihr kommen ..bla..

Ja, danke für's Gespräch, Idiot!
Wie kann man denn jemand im Namen einer anderen Person einladen, ohne dass diese Person davon weiß, Herrgott?!


Ostern waren wir dann dort, nachdem sie uns höchstpersönlich eingeladen hatte.


August 2017
Pilot so:
"Meine Mutter kommt am Freitag zu Luckys Geburtstag. Ist dir das recht? Sie möchte euch so gerne wiedersehen. Sie bleibt über's Wochenende, dann könnten wir gemeinsam etwas unternehmen."
Ich freute mich sehr, denn, wie gesagt, im Gegensatz zu ihrem Sohn, ist die PiMu 'ne coole Socke.
Hm, aber wieso teilt sie mir das nicht selbst mit bzw. fragt mich vorher, denn das wäre oldschool und sie ist oldschool.
Leicht alarmiert schrieb ich ihr, dass der Pilot mir mitgeteilt hätte, dass sie gedenke zu kommen und ich mich sehr darüber freuen täte.
Man ahnt es schon, ne?
4(!) Tage Funkstille.
Dann:
"Liebe Juliane, leider habe ich mich mit meinen vielen Terminen übernommen, mein Herz ist bei euch, aber terminlich stoße ich gerade an meine Grenzen, habe mich verzettelt, bla..."
Ja, nee, is' klar, eine zuverlässige und sehr gut organisierte Frau wie sie verzettelt sich ausgerechnet bei einem wichtigen Termin wie Enkelgeburtstag?!
Komm, hör' mer uff!

Als ich dem Pilot daraufhin dringend riet, damit aufzuhören, andere Leute sich gegenseitig einladen zu lassen, wusste das Unschuldslamm üüüüberhaupt nicht, was ich meine, es wäre schließlich der Fehler seiner Mutter gewesen.

Ich kann mir schon denken, wie das ablief.
PiMu: Sohn, Juliane bestätigt gerade per WA mein Kommen! Hast du mich etwa bei ihr eingeladen?! Wir sind doch dann im Urlaub!
Pilot: Oh. Äh...
PiMu: Was hast du getan?! Juliane und Lucky rechnen nun fest mit mir!
Pilot: Äh...
PiMu: Ich weiß! Ich schreibe einfach, ich hätte mich verzettelt...
Pilot: Okeee.

Män, mit dem Typ stimmt auf so vielen Ebenen was nicht, da kann Lucky froh sein, dass er wenigstens EINEN freshen Elternteil hat...


Wie Luckys 3. Geburtstag war, fragt ihr?
Nun ja, da PiMu bekanntlich nicht erschien, der Pilot kurz vorher wegen starker Migräne* absagte und unser Omma ja immer direkt nach Nahrungsaufnahme nach Hause will, recht kurz und gastarm.
*aka: Angst vor meinem Anschiss
Was Luckys Freude über seine tollen Geschenke aber keinen Abbruch tat.
Unser Omma schenkt ihm eine "kleine Gitarre" und nun ratet , wer Abend für Abend vor Youtube sitzt und Ukulele spielen lernt...


Ich hatte extra Geburtstagskrönchen besorgt!



Pro-Tipp übrigens an Väter mit Migräneneigung:
macht es wie die Mütter, werft  euch eine Schmerztablette ein und FUNKTIONIERT EINFACH WEITER!
Probiert mal, ist gar nicht schwer...

Freitag, 4. August 2017

Vorstellungsgespräche - Der Kindergeburtstag

Ein mir gänzlich unbekanntes (weil sehr spezielle Werkzeuge produzierendes) Unternehmen hat mich eingeladen.

Im Eingangsbereich hängt ein riesiges Wandtattoo:
"Lasset uns nicht lieben mit Worten, sondern mit der Tat und der Wahrheit. 1, Johannes 3.18"
Oha.
Das und der Satz in der Stellenanzeige "Wir sind ein christlich geführtes Unternehmen" lässt mich nun befürchten, dass hier Nonnen und Mönchen werkeln.

Aber nein, die 3 überaus gut gelaunten Firmenleiter, die mich in einem riesigen Konferenzsaal begrüßen, sind einfach nur sehr gläubige Menschen, wie sich herausstellt.

Wir 4 suchen uns aus der Fülle der dargebotenen Getränke und Kekse etwas aus, plaudern kurz über's Wetter und dann geht er los, der Kindergeburtstag.
Der Personalchef hatte mich bereits am Telefon vorgewarnt, dass das Gespräch ungefähr 90 Minuten dauern wird.

Ein Feuerwerk der guten Laune prasselt auf mich nieder und dieses Bewerbungsgespräch ist das kurzweiligste, das ich jemals erlebt habe; es wird viel gelacht, es werden Anekdoten zum Besten gegeben, der Firmenchef (ein Mittvierziger im schlabberigen Jack & Jones-Shirt {tut das nicht, Männer ab 21, tut das nicht!}) und ich tauschen uns zwischendurch über unsere Kinder im Studentenalter aus und der Personaltyp mahnt mehrmals augenzwinkend zur Ernsthaftigkeit.

Jeder der 3 hat einen Hefter vor sich liegen, daraus lesen sie die Fragen ab, die sie abwechselnd auf mich abfeuern. Kreuzverhör quasi.
Wie behalten Sie in Ihrem Leben den Überblick?
Nehmen Sie die die Bestellung eines Kunden an, der etwas dringend zu einem bestimmten Termin braucht und Sie wissen genau, dass der Termin nicht eingehalten werden kann? (-> Richtige Antwort wahrscheinlich: als Geschäftsfrau JA, als Christin NEIN)
Wie und wo speichern Sie Dateien?
Wie gehen Sie mit einer Zicke im Team um?
Definieren Sie Zicke! Wie heißt das männliche Pendant?
Welche Hobbys haben Sie?
Welche technischen Gimmicks nutzen Sie, abgesehen vom Handy, noch?
usw. usw. usw.

Es folgt eine kleine Konversation auf englisch.

Kaum ist die Kladde abgearbeitet, legt man mir Werkzeuge und so Produktdingens aus Holz und Metall vor und ich soll versuchen, zu erklären, ob und wie die zusammenpassen und sie letztendlich auch zusammenfügen.
Anschließend soll ich alles wieder auseinandernehmen und in eine spezielle Verpackung packen, die ich aber erst falten muss.

Da die Stelle eh nicht passt und ich mich hier nur beworben habe, um ein "Übungs" -gespräch zu ergattern, ist es mir schnurz, wie ich 'rüberkomme, bin ergo relativ locker und habe sogar richtig Spaß dabei.

Kaum ist die Verpackung zusammengefaltet und das Werkzeugdingens reingestopft, kriege ich ein Laptop vorgesetzt. Ich darf aus 3 Aufgaben 1 aussuchen:
1. Briefe zu einem Serienbrief zusammenfügen.
2. Eine einfache Formel in Excel erstellen.
3. Einen Bestellvordruck ausfüllen.

Ich entscheide mich für 3. Wie gut, dass ich so viel über's Internet bestelle! Das kommt mir jetzt zugute.
1. habe ich noch nie gemacht und Excel-Formeln?! Geh' mir wech! Schnallt das überhaupt irgendjemand OHNE abgeschlossenes Informatikstudium?!

Anschließend werde ich durch die gesamte Firma geführt und im Betrieb noch genötigt, verschiedene Werkzeugsdingens zu so Produktdingern zuzuordnen.

Dann werden die Basics besprochen. Ich fühle mich leicht verarscht, als man mir für 35 Stunden 3.000 Ocken brutto bietet.

Nach 90 Minuten ist tatsächlich Schluss.
Man bedankt sich überschwänglich für das amüsante und sehr angenehme Gespräch und verspricht, sich in 3 Tagen zu melden.

3 Tage später erhalte ich die netteste Absage ever, in der man mir von Herzen alles Gute wünscht.
Ich bedanke mich meinerseits für die gebotene Gelegenheit, mich vorstellen gedurft zu haben, woraufhin man sich wiederum herzlich für meine Bedankung bedankt.

Grundsätzlich war das spaßig, aber...
...liebe Personal-Fuzzis, ganz ehrlich, ne? wenn ihr wüsste, wie albern ihr mit solchen Spielchen 'rüberkommt...
Was soll das? Seid ihr nicht in der Lage, einen Bewerber anhand von Ausdrucksweise, Mimik und Gestik, etc., einzuschätzen? Nein? Tja, denkt mal drüber nach...


So, und beim nächsten Mal erzähle ich euch dann, wie es dazu kam, dass ich plötzlich innerhalb von 2 Tagen 2 Jobzusagen bekam...


Label: Vorstellungsgespräche

Dienstag, 1. August 2017

Babysitter des Grauens, Teil 827

Kiga-Ferien stehen an und damit es nicht zu Todesfällen kommt, suchte ich mal wieder einen Babysitter.
Babysitter A ist zeitgleich im Urlaub.
Babysitter B geht als Aupair ins Ausland.
Zeit also, einen neuen zu besorgen.

Babysitterdienst:
die Mädels, die man mir vorschlug, fielen 'raus:
die eine hatte aufgrund ihrer 27 verschiedenen Hobbys nur 1 x pro Quartal Zeit und die andere merkte nach 2x sitten, dass sie mehr Zeit zum Lernen braucht.

Dann erschien in der Zeitung ein Artikel über die frisch diplomierten Babysitter der VHS.
Ich fragte nach, wo man diese Frischlinge buchen könne.
Ja, ähm, das wisse man nicht so genau, wahrscheinlich aber beim Babysitterdienst, oder? Ach, nicht?! Ja, äh, dann müsse man sich erstmal schlau machen und mich zurückrufen.
Nennt mich kleinlich, aber wenn ich seit Jahren Dutzende Gören durch's Babysitterdiplom schleuse, dann weiß ich doch, wie und wo man die anschließend buchen kann!

Es stellte sich heraus, dass ein Ordner existiert, der Heilige Gral der Alleinerziehenden quasi, und zwar im Kindergarten in der Kastanienallee.
Also hin.
Wie schön: alle 5 gelisteten BS wohnen in meine Nähe!
Wie unschön: der Ordner ist dermaßen veraltet, dass 4 der darin aufgeführten Teenies bereits weit weg wohnende Studentinnen sind oder gar selbst Mütter, die ihrerseits Babysitter suchen.
Die 5. kommt zwar zum Kennenlernen, entscheidet sich dann gegen uns und für einen Warenverräumungsjob bei Aldi.
*hmpf*

Also wieder in der ungeliebten Sauerlandgruppe bei FB inseriert.

Es meldet sich eine Kiga-Mutter, die ihre 65-jährige Mutter feil bietet.
'ne Omma. Nun ja, warum nicht...
Immerhin wohnt sie nur 5 Häuser weiter.

Ich rufe sie an, sie redet viel und springt von Thema zu Thema ohne einen Gedanken zu Ende zu formulieren. Mir schwirrt der Schädel, vielleicht bin ich einfach zu denkfaul geworden.
Sie erzählt, dass sie Tagesmutter ist, aber derzeit keine Kinder betreut. Sie würde aber noch regelmäßig Fortbildungen vom Jugendamt mitmachen, bei dem sie als Tagesmutter gemeldet ist. Und deshalb könne sie zum Beispiel nicht am nächsten Mittwoch, da wäre sie nämlich bei solch einem Seminar.
Oh, die Dame scheint ein Glücksgriff zu sein!
Letztendlich machen wir einen Kennenlerntermin für nächsten Mittwoch aus.
Ja, für Mittwoch, um 4! Fragt nich'.

Am nächsten Tag frage ich unsere Kiga-Chefin, ob sie die Frau kennt.
Tut sie nicht, und sie erklärt, dass die hiesigen Tagesmütter gar nichts mit dem Jugendamt zu tun haben, sondern mit dem Sozialdienst der Kirche. Aha?!
Außerdem findet sie es merkwürdig, dass Omma bei dem heutigen Run auf Tagesmütter, gar keine Kinder da hat.
Na super...

Der Termin naht.
Omma kommt 15 Minuten zu spät (was sie zuerst erklärt mit "Meine Tochter musste länger arbeiten und ich passe ja dann auf ihren Kleinen auf", was aber iwie keinen Sinn macht, denn sie hat den Kleinen ja dabei, später mit "Ich wollte Ihnen erst noch 15 Minuten Ruhe gönnen, falls Sie erst um 4 nach Hause gekommen sind").
Ich habe Migräne und schlucke rasch eine Ibu.
Als Omma das sieht, schüttelt es sie: Uuuuuh! Pillenschlucken kann sie nicht mitansehen!
Damals, nach ihrem Nervenzusammenbruch hat sie nämlich so viele Pillen schlucken müssen, da hätte sie heute noch ein Trauma von!
Aha?!

Sie erzählt, wie der Mann sie damals wegen einer Jüngeren verlassen hat und dann das gemeinsame Haus und Geschäft den Bach 'runter sind und alles...
Heute muss sie nur noch 1 Sorte Schlucken, aber wegen ihrer Schmerzen. Sie ist ja neulich, als sie ihren Sohn in Bayern besuchen wollte, notfallmäßig in der Schmerzambulanz gelandet und so sind aus 2 geplanten Monaten Sohnbesuch gleich 4 geworden.
Aha?!
Eine Schmerzambulanz ist doch nichts, wo man notfallmäßig landet und dann bleibt, oder?!

Sie erzählt noch von ihrem Hunden und von ihrer Südküche, in der es sommers so heiß wird, dass sie erst im Herbst wieder die Jalousien hochziehen wird.
Nicht, dass ich mich wundere.
Hallo?! Ich habe die Frau bis gerade gar nicht gekannt, wieso sollte ich mir Gedanken über 'runtergelassene Fremdjalousien machen?!
Als ich frage "Sie wohnen also in Nr. 8? Das ist doch das grüne Haus an der Ecke?", weiß sie nicht mal, dass das Haus grün ist.

Und als ich frage "Sie sind also Tagesmutter?", kommt heraus, dass sie lediglich einen Oma-Kurs der VHS besucht hat, um ihre 2 Enkel zu betreuen, damit ihre Töchter arbeiten gehen können.
Aha?! 
Wenn man 3 Kinder groß gezogen hat, ist ein Oma-Kurs notwendig? So so.

Wir machen trotz allem einen Termin aus, weil ich die Kiga-Mutter nicht vergrätzen will und weil ich weiß, dass Elvis dann da sein wird, der den Tag aufgrund seiner Nachtschicht verpennt.
Geplant sind eigentlich täglich 2 Stunden während der Ferien - aber... Lucky und ich werden am nächsten Tag leider Magendarm bekommen und zack, sind wir die Omma elegant losgeworden.

Aber wer weiß, vielleicht steckt in ihr ja eine verschüttete Mary Poppins und alles wird ganz ganz dufte...


Label: Babysitter

Donnerstag, 27. Juli 2017

Autos shoppt man nur alleine!

Liebe Damen,

der Kauf eines Fahrzeugs kann ebenso viel Bock machen, wie Slingpumps- oder Jahreszeitendeko-Shopping, wenn man nur 2 simplen Regeln folgt.

Ein Autokauf steht an?
Sei es, weil das alte zusammengebrochen ist oder weil dein reicher Liebhaber dir seine Platinkarte mit den Worten "Hier, Darling, kauf' dir endlich ein vernünftiges* Auto!" 'rüberschiebt?
*Obacht! Sagt ein Mann in diesem Zusammenhang "vernünftig" bedeutet das: viele PS, sehr viele Zylinder, ganz viele Gänge, supi viele Airbags und gedeckte Farben. Und ja, ich bin fest davon überzeugt, dass ein reicher Liebhaber "Darling" sagt.

Aber keine Panik! Ich lasse euch kostenfrei(!) an meinem reichen Erfahrungsschatz teilhaben. Keine Ursache!


Regel No. 1: Erzähle niemandem von deinem Vorhaben!
Frauen reagieren beim Thema Autokauf eher verängstigt:
"Trauste dir das alleine zu? Nimm' lieber den Volker (Stefan, Gunter, ...) mit. Der kennt sich aus. Frauen werden bei sowas ja immer über's Ohr gehauen!"
oder praktisch denkend:
"Nimm' doch den Kadett von Onkel Erich! Der hat jetzt 2 Jahre in der Garage gestanden und ist noch tiptop in Schuss!" (der Kadett, nicht der Onkel).

Männer langweilen mit:
Hubraum, PS, Zylinder, Hinterradantrieb, Höchstgeschwindigkeit, Verbrauch, CO2-Emmission, TÜV, Jahreswagen, Tageszulassung und ähnlichem Schnickschnack, der eh nicht interessiert.
Mein Auto soll hübsch aussehen und ein gewisses Maß an Sicherheit bieten.
Aber in erster Linie hübsch aussehen! Punkt.
Im schlimmsten Fall wollen Volker, Stefan und Gunter mitkommen und dann wird der Autokauf wahrlich kein Vergnügen (siehe Regel 2)!

Nachwuchs, vor allem männlicher, ist auch keine große Hilfe:
"Autohaus Müller hat auch Lamborghinis im Programm! Lass' uns eine Probefahrt machen!! Oooch, wieso denn nicht?! Aber Du nimmst doch ein Cabrio?? Und tiefergelegt und mit fettem Auspuff! Und auf jeden Fall Soundanlage im Kofferraum!"

Aber man ist 1. nicht doof und hat 2. eh schon genaue Vorstellungen von der neuen Karre, nicht wahr?
Die einen legen Wert auf Sitzheizung, Isofix, beleuchteten Schminkspiegel oder 7 Gänge.
Mir persönlich ist wichtig:
- Klimaanlage
- Heckscheibenwischer (ich hatte mal einen Wagen ohne und das war bei Schneefall äußerst lästig)
- 4 Türen (die Kofferraumklappe zähle ich persönlich nicht als Tür. Also bitte!)
- Allwetterreifen (wer hat schon Bock 2 x pro Jahr in der Werkstatt zum Reifenwechsel aufzuschlagen?) und natürlich:
- eine hübsche Farbe (hellgrün, blutrot oder flieder).

Was darüber hinausgeht (Kofferraumbeleuchtung, Funkschlüssel, beheizbare Außenspiegel, Fensterheber, CD-Player, etc.) ist in meinen Augen unnötiger Schnickschnack.
Optimalerweise kennt man jemanden, der das zukünftige Auto bereits fährt und Auskunft geben kann, ob JEE oder NEE.
Wenn nicht: Internet. Erfahrungsberichte lesen und sehen, wo die Schwachstellen liegen und ob man mit denen leben kann.
Ich könnte z. B. sehr gut damit leben, wenn mein 3er BMW gelegentlich Probleme mit seiner Common-Rail-Pumpe hätte.

Wenn das Wunschauto alles bietet, was man will - ab zum Autohaus!
Wenn das Wunschauto das nicht bietet - ab zum Autohaus! Stichwort Nachrüsten.



Regel No. 2: Nimm bloß keinen Mann mit!
Die verderben dir den ganzen Spaß, glaub mir. Und Shopping soll Spaß machen!
Liefern sich mit dem Autoverkäufer ein Fachvokabular-Duell (gähn), umrunden den Wagen mehrfach mit skeptischer Miene, treteln prüfend vor die Reifen und wollen einen Blick auf den Motor werfen (gähngähn).
Im schlimmsten Fall verlangen sie den Wagen von unten zu sehen (triplegähn) und klopfen mit pseudofachmännischem Blick hier und da herum.
Schlussendlich werden sie vorschlagen, nochmal woanders zu gucken und eventuell andere Autorassen in Betracht zu ziehen.
Sollte sich dann endlich zu einem vernünftigen(!) Auto entschlossen worden sein, wird soukmäßig gefeilscht.
Puh. Nicht sexy sowas, Jungs, NICHT SEXY!
Preisnachlass, neue Reifen, Verbandskasten, Matten, voller Tank, Inspektion, Schlüsselanhänger ist auch ohne peinliche Feilscherei drin.
Dekolleté oder bissken Bein zeigen reicht völlig.



Ihr könnt diese Regeln selbstverständlich ignorieren, aber dann endet ihr in einem ungeliebten, kacke aussehenden (weil function meist der form followt), aber hochsoliden Ding in schwarz, grau, weiß oder nachtblau. Und das für die nächsten 12 Jahre! Ach, was rede ich denn? Hochsolides schafft locker 17 Jahre!


SL für Sauerland, is' klar, ne?
Und der Rest?
Na? Hä?
Wer weiß es??

Dass dieses Kennzeichen durchgewunken wurde, wundert mich.
Immerhin ist 5150 der US-Polizeicode für psychisch gestörte Straftäter.
Aber hey, allemal besser als GV-69 oder AA-666 oder diese affigen, personalisierten Kennzeichen, womöglich noch mit Geburtsdaten der Kinder, wa?! Bah!


Und nun viel Erfolg beim nächsten Autokauf und allzeit gute Fahrt!

Label: Autofahren

Freitag, 14. Juli 2017

Fuffzich

In ein paar Monaten werde ich fuffzich und ich kriege diesen scheiß Post darüber einfach nicht hin!!

Sollte total witzig und und ironisch und so werden, aber alles, was ich dazu schreibe, klingt wie ein depressiver Haufen Mist!

Denn fünfzig ist viel und schlimm und mir bleibt das Scherzen darüber im faltigen Halse stecken, weil ich nur noch denken kann: "Scheiße, ich werde bald sterben!".
Und dabei hat es das Schicksal / Mutter Natur / der liebe Gott / whoever bis hierher, zumindest gesundheitlich, gut mit mir gemeint!
Alle Brüste noch dran, keine Beeinträchtigungen durch Apoplexe oder Herzinfarkte.

Kann mir irgendjemand irgendwas Positives über's Alter berichten??
Also außer, dass man nicht mehr everybodys darling sein will, zum Beispiel?
Ich tue meine Meinung kund; kann ohne schlechtes Gewissen Nein! sagen; höre Viellaberern nicht mehr höflich zu, sondern fahre über'n Mund; geige der Kindergärtnerin die Meinung, ohne zu denken "Lieber nicht, sonst lässt sie das am Kind aus!", und es ist mir scheißegal, ob die Leute doof gucken, wenn ich mir mitten in Aldis Kassenschlange plötzlich Jacke und Bluse runterreiße, nur noch im Top da stehe und mir mit dem KW29-Prospekt hektisch zufächele.

Und außer, dass man diese gewisse Gelassenheit an den Tag legt, weil man durch nichts mehr so wirklich beeindruckbar ist? Alles schon mal da gewesen, vieles erlebt, been there, done that. Kein Grund mehr contenancelos abzugehen, wie mit 20 zum Beispiel.


Mit 20 hatte man noch harmlose Sorgen:
Examen.
Baldige Entjungferung?
Esprit oder Benetton?
Boah, die Alten nerven!

Oder mit 30:
Beförderung?
Schleier oder Fascinator zum Brautkleid?
Werde ich schwanger bis zum 35.? Man will schließlich nicht als Risikoschwangere enden!*
*Hier lachte mein persönliches Schicksal laut auf. Sehr laut.

Oder mit 40:

Noch Paartherapie oder schon Scheidung?
Scheiß Minijobs!
Mit welcher Lehrerin muss ich schlafen, damit Elvis die Gym-Quali schafft?
Hämorrhoiden-Creme hilft wirklich gegen Augenfalten??*
*Nein.

Zum 50. denkste nur noch:
"Scheiße, sterben..." und, falls du sehr eitel bist: "Kann ich noch ärmellos tragen?"*
*Nein.

Statt dessen verfasste ich zig Posts, in denen ich schrub, dass e
s ein Trugschluss ist, dass mit fuffzich die "2. Lebenshälfte" anbricht, wie  Eckart von Hirschhausen, ebenfalls Jhrg. 1967, neulich bei Böttinger behauptete. Nix Hälfte! Letztes Drittel.

Und dass man mit 50 nicht mehr zum knackfrischen Mittelfeld gehört, sondern zu den älteren Eisen. Zu denen, über die in Dokus über Arbeitslose immer gesagt wird:
ab 50 stellt dich kein Chef mehr ein.
(Gut, bei mir könnte es am Kleinkind liegen, aber sicher bin ich da nicht...)

Und dass mich diese vereinzelten weiße Haare an Zeh, Damenbart, Braue, Wimper und Schamhaar nicht mehr amüsieren, sondern schrecken.

Und dass ich bei NeueLiebe.org auf die ersten Witwer treffe, weil ich das angegebene Wunschalter von "42 - 50" auf "50 - 56" heraufgesetzt habe.

Und dass mich, so als depressiver Grundcharakter,
das "Geschenk des Lebens" *hüstel*kotz* als Konzept zwar niemals überzeugt hat*, mir aber nun der Arsch auf Grundeis geht, wenn ich an das baldige Ende denke.
Eigentlich käme da jetzt Religion ins Spiel, nicht wahr, aber ich habe vor einigen Jahren mit Gott Schluss gemacht, müde vom jahrelangen Suchen und nix finden, und alte Geschichten soll man nicht wieder aufwärmen.
*Juliane, 1977: "Ich soll mich durch 'n ganzes Leben quälen, mit 3x am Tag Zähne putzen, und Hausaufgaben machen und so und als Dank sterbe ich am Ende?! Was soll'n der Scheiß?!"

Was wird wohl in meiner Grabrede stehen?
"Ihr Leben verdankte sie 2 Trotteln, die nicht nur zu doof zum Verhüten waren, sondern auch nicht in der Lage, für angemessene Sozialisation zu sorgen.
Und diese verhunzte Sozialisation ließ sie lebenslang an ihren Mitmenschen verzweifeln, ja, sie verabscheute dieses komplizierte zwischenmenschliche Miteinander, oder besser gesagt: Gegeneinander.
Bereits als Teenager wünschte sie sich als Inschrift auf ihrem Grabstein: ENDLICH!
Und so teilte sie das selbe Schicksal ihrer Ahninnen: genervt, unfähig, etwas gescheites mit dem Leben anzufangen, einen frühen plötzlichen Herztod herbeisehnend.
Nun, diesen Wunsch mochte ihr das Schicksal nicht erfüllen, denn unsere liebe Juliane verstarb im Alter von 108 Jahren."
(Ey, wehe!)

Oder so ähnlich.
Wird um mich eigentlich irgendjemand weinen? Also so richtig mit Herzschmerz und so?
Wohl eher nicht.
Immerhin bin ich kein Sonnenscheinchen, der Freude ins Leben anderer bringt und ein Heilmittel gegen Krebs habe ich auch nicht erfunden. Ich fluche wie ein Berserker und als Mutter bin ich viel zu ungeduldig und laut und irgendwie auch nicht so dolle.

Ich frage mich, wie ich mittlerweile eigentlich 'rüberkomme?
Etwa wie eine von den mir so verhassten frustrierten, humorlosen Wechseljahreszicken?
Neulich war Susanne Fröhlich bei "Inas Nacht" zu Gast und ich musste feststellen, dass die beiden mit 40 supercool waren, aber jetzt, mit ü50, nur noch affig schabrackig rüberkommen und dann kriege ich Angst, denn die peinliche, merkwürdige Alte will ich nicht werden.


Tja, und weil so einen negativen Post ja keiner lesen will, schreibe ich lieber gar nix.

Und nun entschuldigt mich, ich geh' mal rasch was Gescheites aus dem letzten Drittel machen...


"Ich schenk' dir das jetzt schon," sagte meine Freundin.
"Denn wer weiß, ob du an deinem Geburtstag überhaupt noch lebst!"
Und weil ihr mein baldiges Ableben leid tut,

hat sie besonders tief in die Tasche gegriffen :-)

Montag, 26. Juni 2017

Wechseljahre muss man sich leisten können

Ich hatte ja keine Ahnung, welche Kosten auf mich zukommen, wenn ich erstmal im Klimakterium feststecke!
Ich Naivling dachte nämlich: biste die Periode los, sparste Hygieneartikel.
Unter'm Strich also mehr Geld für Snickers und Gin.

Was ja auch zutrifft, aber es entstehen Kosten ganz anderer Art.

Wasserkosten zum Beispiel.
Wer täglich 273 mal von heftigen Hitzewellen heimgesucht wird, der schwitzt und stinkt.
Ebenso müffeln dann Blusen, Shirts und, da ich abartigerweise auch an den Beinen schwitze: Jeans.
Also wird öfter geduscht und die Waschmaschine angeschmissen.

Während ich bisher mit trockener Kopfhaut gesegnet war und mit 2x pro Woche Haarewaschen auskam, muss ich meine neu entstandenen Fettsträhnen nun täglich einschäumen.
Was außerdem bedeutet, dass ich, als leidenschaftliche Vorratskäuferin, die gehorteten 19 Pullen "Head & Shoulders-Shampoo für trockenes Haar" (knapp 75 Ocken!) in die Tonne kloppen kann!
Oder es für die Schamhaarregion verwenden, denn da herrscht ja angeblich die gefürchtete Scheidentrockenheit, die ich persönlich für eine Erfindung der Pharmaindustrie halte.
Überlegt doch mal: wenn du 24/7 wilde Sexfantasien hast dir 27 mal pro Tag der Schweiß am ganzen Körper 'runterläuft, wo läuft der dann auch hin? Genau.



Reparaturkosten.
Wenn die Hormone tanzen, ein Mitmensch nervt und ich gleichzeitig überhitze, dann reagiere ich ein klein wenig heftiger, als normal.
In der Folge besitze ich nun einen Micke mit Loch, einen abgerissenen Sonnenbrillenhalter im Auto und diverse bunte Macken in der Wohnzimmertapete von all den gepfefferten Duplosteinen, auf die ich barfuß im Halbdunkeln so trete.



Pflegeprodukte.
Nicht nur die Haare fetten neuerdings, sondern auch das Gesicht.
Die Zeit des Tupfens ist angebrochen: man tupft unter den Armen und die Glanzschicht von Stirn und Backen.
Großpakete Klopapier, 30er-Packungen Tempos und Zewarollen haben Einzug gehalten.

Ich brauche definitiv mehr Deo und Waschmittel.

Und MakeUp.
Zusätzlich zur neuen "Schneewittchenteint trotz Fettglanzfresse"-Foundation von Maybelline, habe ich mir ein teures, 99% deckendes Camouflage gekauft, denn jede Hitzewelle verleiht mir kurzfristig Tomatentäng und wer wie ich relativ häufig zu Vorstellungsgesprächen geht, will sich die Schmach, urplötzlich vor potentiellen Kollegen den dunkelroten Dampfkessel zu geben, ersparen.

Nägel und Haare wachsen wie bekloppt. Damit die pfiffige Kurzhaarfrise pfiffig bleibt, sitzte nonstop beim Frisör zum Nachschneiden und Ansatz färben, und im Nagelstudio wurde die (quasi von mir allein finanzierte) Wartelounge benannt.

Und da ich mich wider besseren Wissens in jeden Durchzug lege/setze/stelle, der sich meinem dauerüberhitzen Körper bietet, sind meine Augen ständig verquollen und dagegen helfen diese Koffein-Augenroller, im Preissegment einer ganzen Kaffeeplantage.



Lebensmittelkosten.
Hormonopfer und Menschen ohne Sexualleben neigen zum Vielfraß.



Klamotten.
Durch die Vielfresserei legt sich das ein oder andere Kilo auf die Hüfte. 
Zeit für weitere Hosen.
Sehr weite Hosen, denn ich kann neuerdings keine Hosen mehr an den Beinen ertragen.
WTF?!
Besser: lange, weitschwingende Kleider, die engen nicht ein und lassen jede Hitzewelle innerhalb der üppigen Stoffbahnen lässig verpuffen.
So jedenfalls meine Fantasie.
In echt besitze ich keine Kleider, freue mich aber schon sehr auf den Hermesmann, der mit einem Zalando-Paket samt riesiger Flatterfummel-Auswahl unterwegs ist. 



Medikamente.
Man will, dass es aufhört.
Die Stimmungsschwankungen, das 365-Tage-PMS, die Schwitzerei, das Gelenkziepen, die Migräne-Attacken, der Hunger, der Haarausfall.
Dafür muss frau verschiedenes ausprobieren: Mönchspfeffer aka Keuschlamm, Traubensilberkerze, Passionsfruchtblüte, Johanniskraut, Maca, Hormonpflaster, usw. usw. usw.
Teure Ausprobiererei, denn eine Wirkung lässt sich erst Wochen später feststellen, wenn überhaupt, und dann muss man das Mittel der Wahl ewig lang (-> WechselJAHRE) einwerfen. Dumm nur, dass es das alles nicht auf Rezept gibt (außer die Hormone und die können töten) und man sich doof & dämlich dabei latzt.
Die gute Nachricht: es ergibt sich eine Möglichkeit zum sparen, indem man die gegen Scheidentrockenheit angepriesenen Gleitgele und Cremolums NICHT kauft.
("Vagisan für den gepflegten Sex" - hahahahaha! Wer denkt sich denn so 'nen Slogan aus?! Ein untervögelter Endfuffziger?)



Tjaha!
Da sind die Tausender, die man für Binden und OBs ausgegeben hat, Peanuts, wa?
Kleine Überlegung am Rande: könnte ich meiner Mutter wohl eine Rechnung schicken über die Hygieneartikel, die ich in den letzten 35 Jahren benötigt habe?! Immerhin sind ja meine Eltern mit ihren Chromosomen dran Schuld, dass ich ein Mädchen wurde.
Wie sieht das rechtlich aus? Anwälte anwesend? Bitte melden!


Also, liebe junge Damen, ihr seht, der gute Rat, dass man beizeiten für's Alter sparen soll, ist durchaus berechtigt!

So, ich gehe jetzt die Rechnung schreiben.
Tschö!



Label: Wechseljahre