Donnerstag, 25. Juni 2020

How to become a Diva

Spoiler: Ich weiß es nicht.

Aber der Titel DIVA wurde mir offenbar von den Kollegen verliehen; für mich genauso überraschend wie die "coole Sau" anno 1983, mit der mich eine Mitschülerin der Neuen in der Klasse vorstellte.

Dass der Leiter unserer EDV-Abteilung "Diva" genannt wird, sehe ich ja ein.
Der Mann ist Mitte Fuffzich, glücklich verheiratet, keine Kinder.
Der ist kein Elend gewöhnt und kriegt bei jedem Kekskrümelchen, das er im Umkreis von 27 km auf eine Tastatur fallen hört, Schnappatmung und epische Wutausbrüche.
Als ich neulich aus zeigerischen Gründen mit meinem Finger auf den Bildschirm meines Laptops tippte, hob er, sein Riechfläschchen zückend, zu einem langen Vortrag darüber an, was Hautfett und Keratine mit einem Bildschirm anrichten können.

Aber ich?
Eine Diva??

Wenn ich an eine Diva denke, sehe ich Sophia Loren in einem pastellenen Tüllfähnchen herumliegend vor mir oder die Monroe, wie sie "Happy Birthday" haucht, oder die grandezzerige Christiane Hörbiger. 

Wikipedia:
Diva kommt aus dem lateinischen, von divus = göttlich und meint eine Frau mit herausragendem Talent.
Ich bin weder göttlich, noch nenne ich ein herausragendes Talent mein eigen.
Hätte ich ein solches, würde ich meine Energie nicht in einer chaotischen Klitsche verschwenden, die mich so schlecht bezahlt, dass ein Urlaub vor Renteneintritt nicht drin ist.


Duden:
eine Diva fällt durch Empfindlichkeit, Launenhaftigkeit und exzentrische Allüren auf.
Empfindlich ich bin nicht, habe eher ein dickes Fell; wenn du mich beleidigen willst, dann musst schon du sehr große Geschütze auffahren, du Hurensohn!
Exzentrisch bin ich auch nicht.
Obwohl man das ja selbst nicht wirklich beurteilen kann, wenn man alleine lebend so eigen vor sich hin brödelt und versehentlich die ein oder andere Marotte entwickelt.
Klar, die Launenhaftigkeit ist dank Klimakterium ein großes Thema.
Aber was soll ich machen, ich bin halt auch nur ein Opfer meiner Hormone.

Vielleicht liegt's an meinen angeberischen Tassen?
Vielleicht liegt's an meinen angeberischen Tassen?



Wie es dazu gekommen war?
Ich hatte die EDV-Diva um Erlaubnis für eine kabellose Maus gebeten, weil mir die verdammte Schnur ständig meine Papierstapel durcheinander wirbelt.
Er sagte NEIN und so versuchte ich ihn durch allerlei Argumente, die er mühelos abschmetterte, doch irgendwie zu überzeugen.
Aber auch ich musste lernen: NEIN heißt nun mal NEIN.

Dieses beobachteten diverse Kollegen, von denen mir einer später sagte, dass er mich für meine fancy Argumentation abfeiern würde.
Das hörte ein vorbeikommender Kollege und frug: "Welche Argumentation? Was war denn?" woraufhin ein dritter antwortete: "Hast was verpasst. Diven unter sich..."

Und zack! haste 'nen Titel.
Aber ich will nicht meckern, DIVA ist allemal besser als "fauler Sack" oder "die Schusselige", nicht wahr?

So, nun entschuldigt mich, ich geh mir rasch ein klitzekleines Nightcapchen gönnen, werfe mir mein Spitzenneglige über und lasse mich in die Seidenkissen sinken.
Nighty night!

Kommentare:

  1. So schnell hat man einen Titel weg!
    Ich höre oft "als ich dich noch nicht kannte, dachte ich, du seist arrogant!" Dabei bin ich einfach nur schüchtern und beobachte erst einmal lieber.
    Menschen sind schon eigen.

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  2. Die größte Diva aller Zeiten war James Brown, aber er war auch der Boss. Zur Zugabe kam er im blauen Umhang auf die Bühne zurück. Ließ sich feiern, klappte zusammen, musste von Helfern auf die Beine gebracht und gestützt werden. Dann verschwand er über den Seitenaufgang, kam wieder, raste zurück zum Mikro und brach wieder zusammen. Diesmal wurde ihm ein roter Samtmantel umgelegt. Es kamen noch der silberne, der goldene und zum Schluss der Leopardenfell-Mantel. Also: du hast noch zu tun.

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