Und zwar so:
Es war einmal ein junges Paar aus einfachen Verhältnissen, 15 Jahre jung, die verliebten sich gar sehr ineinander.
Sie hatten die selben Interessen, konnten miteinander lachen, reden, aber auch schweigen. Seelenverwandte.
Kaum volljährig, zogen sie zusammen und lebten fortan glücklich miteinander.
Alles lief wunderbar, bis das Herzflattern und Leidenschaft flöten gegangen waren.
Man trennte sich nach 15 Jahren auf, was sonst keiner schafft, harmonische Art & Weise und man blieb zumindest locker in Kontakt.
(Nennt mich bekloppt, aber nur, weil's im Schritt nicht mehr kribbelt, man sich aber sonst in allen anderen Lebensbereichen top versteht, trennt man sich doch nicht!)
Der Mann, einfacher Handwerker, zog in die weite Welt hinaus, konkret: nach Großbritannien.
Dort verliebte er sich in die Tochter seines neuen Chefs.
Man verlobte sich. Er verstand sich sehr gut mit den Schwiegereltern.
Alles supidupi.
Dann, wie im Märchen so üblich, Auftritt: böse Hexe in Form eines Fährunglücks, bei dem die Verlobte und ihr Vater um's Leben kamen.
Die Witwe, Alleinerbin und bis dato Nur-Hausfrau, war völlig überfordert, schaffte es aber mit Hilfe ihres Fast-Schwiegersohnes, der sich nun alles nötige kaufmännische Wissen in unzähligen Aus- und Fortbildungen aneignete, das Unternehmen erfolgreich am Laufen zu halten, was ihm dankbarkeitshalber den Status des Alleinerben bescherte.
Es folgte eine kurze, kinderlose Ehe mit der Sekretärin (Ja, komisch, ne? In dieser Firma scheinen sich alle total lieb zu haben) und 15 Jahre nach seinem Weggang, kehrte er nach Deutschland zurück.
Die Schwiegermutter mittlerweile tot. Seine geerbte Firma läuft bestens.
Die stressigen Jahre allerdings waren nicht spurlos an ihm vorübergegangen und so riet ihm sein Arzt, dringend kürzer zu treten.
Also wurde delegiert und umstrukturiert und er zog sich fast komplett zurück.
Was nun tun mit der ganzen freien Zeit?
Das, was ihn die ganzen Jahre nicht losgelassen hatte, nämlich eine erhoffte Reunion mit seiner Seelenverwandten Charlotte.
Charlotte hatte ihrerseits eine gescheiterte Beziehung hinter sich, war seit 10 Jahren alleinerziehend und dank Dauergeldsorgen zu einer verbitterten, misstrauischen Ziege mutiert, die sich mitnichten wohlig seufzend in die starken Arme des Millionärs sinken ließ.
Au contraire!
Als er das erste Mal nach der langen Zeit vor ihrer Türe stand, in der Hand einen Strauß mit 15 langstieligen Baccararosen (für jedes Jahr, das sie getrennt waren, 1 Rose), da hat sie ihn bloß angeschnauzt, dass sie für solch angeberisch großen Gebinde keine geeignete Vase hätte! Woraufhin er die Rosen in der Kloschüssel(!) zwischenlagerte und Charlotte ins Auto zerrte, um im nächstgelegenen Möbelhaus eine Vase auszusuchen, was sie dann auch mit hochrotem Kopf, da in Joggingbuxe und Birkenstocks, tat.
Darauf folgten 2 Jahre härtester Baggerei seinerseits, ehe sie endlich JA sagte!
Sie zierte sich, wollte sich weder verletzen, noch kaufen lassen.
Und gekauft hat er ihr einiges: den Thermomix zu Ostern, das iPhone zum Geburtstag, die 3(!) Paar Escada-Pumps zu Weihnachten, die Reise nach Gomera in den Sommerferien, das Fahrrad für's Kind, die Pommesbude.
Ja, richtig gelesen: die Pommesbude!
Charlotte liebt Fish & Chips. Da hat er ihr schlankerhand in der Großen Stadt, in die sie immer zum Shoppen fahren, eine Fish&Chips-Bude gekauft.
Ist das Hollywood, oder nicht?!
Und kann sie es genießen, die dumme Nuss?!
Nee, natürlich nicht!
Will er sie in den Palmgarden zum Essen ausführen, um den kinderfreien Tag zu nutzen, will sie nicht, weil sie ein furchtbar schlechtes Gewissen bekäme und ihr das Essen auch gar nicht schmecken täte, wenn sie weiß, dass das Kind nicht an dieser lukullischen Offenbarung teilhaben kann.
(Ey, scheiß' auf alle zuhause gebliebenen Kinder dieser Welt, der Palmgarden hat einen verfickten STERN!
Die Blagen müssen ja nie erfahren, dass man dort war!)
Will er das Kind mit dem Jaguar-Cabrio von der Schule abholen, dann keinesfalls mit offenem Verdeck und ohne Sonnenbrille bitte, weil es sonst zu protzig wirkt.
(Hallo?! Wir reden hier von einem elitären Privatgymnasium! Da gehört ein Jaguar-Cabrio eher zu den bescheideneren Fahrzeugen, die da vorfahren.)
(Hallo?! Wir reden hier von einem elitären Privatgymnasium! Da gehört ein Jaguar-Cabrio eher zu den bescheideneren Fahrzeugen, die da vorfahren.)
Will er eine Reise mit ihnen machen, muss er erst gegen ihre mannigfaltigen Bedenken anreden (4-Sterne-Hotel? Muss es sowas teures sein? Fliegen ist gefährlich! Fremde Länder - fiese Krankheiten! Nicht, dass das Kind sich an Luxus gewöhnt! Irgendwann ist womöglich Schluss, sie wieder arm und hat dann nix mehr zu bieten. Usw. usw.) und dann das EINE Totschlagargument finden, das sie überzeugt.
Der Kerl hat echt Nerven...
Und ist 'ne Perle vor die Sau ..äh.. Frau.
Charlotte muss erstmal lernen zu genießen und nicht dauernd die Spaßbremse zu geben.
Aber hey, offenbar ist sie es ihm wert - und ich wünsche beiden eine glückliche Beziehung bis ans Ende ihrer Tage.