Sonntag, 21. Mai 2017

Vorstellungsgespräche - Der Softskill-Checker

Ich sitze einem Typ Mann gegenüber, den ich abgrundtief verabscheue:
einem 50-jährigen Peter Pan in Camp-David-Polo (die werden noch hergestellt??), diversen Lederbändchen ums Handgelenk und knallbuntem, achteckigem Brillengestell.
Er nennt sich Dino, abgeleitet von Bernhard = Bernhardino = Dino.
(Ja, SO hab ich auch geguckt).
Weil Dino aber leider keine Ahnung vom Mitarbeitercasting hat, hat er sich eine ganze Lexe putziger Psychofragen aus dem Internet ausgedruckt und wendet die nun an.

Da diese Stelle für mich aufgrund ihrer abendlichen Arbeitszeiten nicht in Frage kommt (leider, denn diese Firma hat ein eigenes Café, das während der gesamten Arbeitszeit geöffnet hat und für jeden Mitarbeiter 2 Tassen pro Tag umsonst ausgibt!!!) und das Ganze für mich eh nur eine Trockenübung ist, bleibe ich recht entspannt.

Hier ein Ausschnitt der putzigsten Fragen:

"Welche Hobbys haben Sie?"
- "Ich nutze gerne die Konsolen meiner Söhne und ich blogge seit 7 Jahren."
" Das sind aber ungewöhnliche Hobbys für eine Frau. Was spielen Sie denn gerade? Aha, 'Assassins Creed'. Ja, äh, ich kenn mich da nicht so aus. Und Ihr Blog ist im Internet zu finden? Könnte ICH den also lesen?"
- "Ja."
".....?"
(Nein, du kriegst meine URL nicht.)

"Wie würde ihr Ex-Chef Sie beschreiben?"
(Gute Frage! Mein Ex-Chef, also der, der mir als erster und einziger Mitarbeiterin der Uni ein Firmenhandy in pink genehmigt hat, hat sich des öfteren lobend über mich geäußert.)

"Was sagt Ihr Ehemann über Sie?"
(Mal eben nebenbei den Familienstatus abchecken, wa? Mein Ex-Ehemann täte nun sagen: "Gut, dass ich die Alte los bin!")
- "Mein Ehemann würde sagen: Sie kann zwar nicht gut kochen, haha, aber sie ist sparsam, bla, Organisationstalent, blabla, zuverlässig.. bla..."
Was Chefs eben gern hören wollen.

"Wenn Sie mit dem Zug fahren, gucken Sie aus dem Fenster oder unterhalten Sie sich lieber mit Mitreisenden?"
(Ich und öffentliche Verkehrsmittel?? Spinnt der?!)

"Welches Straßenschild wären Sie?"
(Ein STOPSCHILD! Was sonst?! Klares STOP für solche dämlichen Fragen!)
- "Ende aller Streckenverbote."
"Und wieso?"
- "Weil ich das Muster so hübsch finde."
Har har! Eat this, du Hobbypsychologe!

"Woran denken Sie, wenn Sie alleine im Auto sitzen?"

(An Sex. Meine Stoßdämpfer sind defekt und sauerländer Straßen sehr sehr huckelig.)
- "An nichts spezielles. Ich konzentriere mich auf's Fahren."

Ich finde das Ganze mittlerweile recht albern und überlege, ob ich sowas bringen soll:


Für die Fremdsprachenphobiker: "Was sagt ihr? Ich soll alle umbringen und dann abhauen? - Sorry, die Stimmen! Nee, Scherz! Das haben sie nicht wirklich gesagt."

"Nennen Sie mir 10 Dinge, die Sie mit meinem Kuli machen können."
*seufz*
Na gut:
- "Ihn auseinander nehmen und daraus etwas McGyver-mäßiges basteln, um damit dann die Welt zu retten
- jemanden erstechen
- ihn in den Müll werfen
- ihn, wenn Sie nicht hinschauen, mitgehen lassen, und ihn dann
- bei Ebay verticken oder
- an einen Ihrer unterbezahlten Angestellten verschenken
- ihn verbrennen und die Reste als Kunstwerk an die Wand hängen und -ach ja-
- einen Brief schreiben"

Chef unterbrach mich nach Punkt 8, vermutlich kam das Ganze ein Mü psychopathisch rüber und er bekam Angst.


"Wenn Sie zu bestimmen hätten, ein Bundesland loswerden zu müssen, welches wäre das?"
(Wtf?!)
- "Ich möchte keins missen."
"Müssen Sie aber!"
- "OK, dann das Saarland. Es ist zu klein, um so richtig zum BSP beizutragen.
Ei, unn de Sproooch is grausam."
(Saarländer anwesend? Sorry, er hat mich GEZWUNGEN! Ei, abbä das mit de Sproooch tut stimme, das müsst er zugäbbe! Drie Jooohr hannisch braucht, um dem Uwe sei Fraa ihr Gschwätz zu kapiere, drie Joohr!! Die isch nämlich ausm Saarlui und schwätscht nahezu unverständlich!)

"Haben Sie noch Fragen an MICH?"
Ich deute auf seine leere Kaffeetasse:
"Nennen Sie mir 10 Dinge, die Sie mit dieser Tasse machen können."
(Ja, da guckste blöd, wa?)

Mann, wie affig.
Später habe ich im Netz nachgeschaut, was für ein spezieller Test das sein soll und was musste ich feststellen? Diese Fragen hat er sich querbeet zusammengesucht bei Facebook, Monster.de und Scherzkeks.com.
Wie überaus professionell...

Er sagte mir eine Benachrichtigung für übermorgen zu.
9 Tage später entschloss ich mich, ihn wegen seiner Unzuverlässigkeit zu rügen, samt Einbeziehen der Tränendrüse ("Wir Arbeitslose hoffen und bangen..."), woraufhin er sich entschuldigte mit: "Die Sekretärin hatte Urlaub."
Ei joo, da kannscht nix mache, gell?

Jetzt habe ich schon so viele Gespräche geführt und doch verläuft jedes total annäsch.
Bin schon gespannt, was mich beim nächsten erwartet...


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