Sonntag, 26. Februar 2012

Ein Arzt! Ein Arzt!

Ich gehöre noch zu der Generation Frauen, denen von ihren Großmüttern, Urgroßmüttern, Tanten und Großtanten von klein auf eingebleut wurde, dass ein Arzt als Ehemann DAS Nonplusultra sei.
Hast Du einen Arzt zuhause, gehst Du als
"die Frau Doktor" garantiert sorgenfrei durchs Leben; nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch, was Ruhm, Ansehen und Ehre betrifft.
Wie kommt das bloß?
Gut, die Kerle retten Leben, aber das tun Feuerwehrmänner auch! Und wurde jemals eine junge Maid dazu genötigt einen Feuerwehrmann zu ehelichen? Nö.

Meine Ahninnen gehörten zu einer Generation, die ehrfürchtig erstarrten, sobald der Gott in weiß den Raum betrat.
Was meist zur Folge hatte, dass man, so als Salzsäule, den Worten des Doktors vor Aufregung nicht richtig folgen konnte (nachzufragen verbat sich von selbst; wenn der Doktor sprach, schwieg man andächtig!), anschließend völlig minderinformiert die Praxis wieder verließ und auf den Doc als Quacksalber schimpfte.
Aber nur bis der nächste Arztbesuch anstand.

Meinen ersten und bisher einzigen Arzt hatte ich mit 19.
Er war 26, der Bruder meiner besten Freundin, AiPler und monatelang schwer verliebt in mich.
Ich war nicht besonders beeindruckt.
Er war mir lästig in seiner ständigen Hilfsbereitschaft mir gegenüber und seine Begeisterung für mich hatte merkwürdige Züge:
Nachdem ich ihn nach unserem 1., einzigen und stinklangweiligen Date angeschrien(!) hatte, dass aus uns nie was werden, weil ich ihn doof finden würde, überreichte er mir 3 Tage später, zu meinem Geburtstag, einen riesigen Blumenstrauß mit den Worten
"Ich werde niemals aufhören, um Dich zu kämpfen!".
("Niemals" bedeutete in diesem Fall: 6 Wochen später. Da zog er ins 400 km entfernte Heidelberg, um dort eine Stelle in einer Kurklinik anzunehmen und ward nie wieder gesehen.)
Er trug eine riesige Glasbausteinbrille unroch wie unser UrOppa Jurgis.
UrOppa Jurgis war zwar ein lieber Typ, aber als 92-jähriger Zigarrenraucher und Kernseifennutzer riechste halt nicht so angenehm.
Das waren für unser UrOmma und ihre Schwester, Großtante Bertha, natürlich keine Gründe, einen ARZT! als Freund abzulehnen:
"Sei nicht so wählerisch! Der Mann ist ARZT! So einen lässt man doch nicht abblitzen!" oder
"Kind, versuch's doch wenigstens mit ihm! Der Appetit kommt beim Essen!" oder
"Ein langweiliger Arzt ist besser als gar kein Mann!"
Nie wieder wurde ich von meinen Ahninnen derart in eine Beziehung gedrängt!

Mittlerweile weiß man:
Ärzte sind ja leider auch nur normale Menschen, ergo überbewertet.
Kaffeeklatschkollegin Greta ist seit 3 Jahren mit einem Allgemeinmediziner liiert.
Der Typ liegt ihr zu Füßen. Will mit ihr zusammenziehen, hat ihr sogar einen Heiratsantrag gemacht. Aber Greta lehnt  ab:
Sie ist überzeugt, dass eine gemeinsame Wohnung die Beziehung ruiniert und dass der Herr Doktor (immerhin schon Ende 40) sie nicht so oft und hengstgleich besteigen würde (ja, sorry, O-Ton Greta!!), wenn die beiden zusammen wohnen täten.
Die 2 haben noch nie gemeinsam übernachtet, außer im Urlaub.
Einzige Ausnahme:
nach einer Portion oller Champignons im Restaurant wurde Greta so schlecht, dass sie ihn bat, bei ihr zu bleiben.
Er hat sich fürsorglich zu ihr gelegt, Händchen und Eimer gehalten, Stirn gewischt etc. und als sie sich ausgekotzt hatte, fing er tatsächlich an, sie zu befummeln!
Und als sie, schon kurz vorm Licht, hauchte:
"Lass' mich, ich bin krank!" hatte er ihr verführerisch ins Ohr geraunt:
"Keine Sorge, ich bin Arzt!" und frech weitergefummelt!
Über diesen pornofilmeresken Spruch musste Greta so lachen, dass sie sich direkt nochmal übergeben hat.

Tjahaaa! Von wegen:
Der Arzt - edler Freund & Lebensretter!
Halbgott in Offwhite würde ich sagen, UrOmma, ne?!

Wie komme ich eigentlich jetzt darauf?

Ach ja, letzte Woche war ich bei meinem Hausarzt.
Irgendwann während dieses Termins kniete er vor mir und ich musste ihm anschließend hochhelfen.
Seitdem überlege ich:
Wieso zur Hölle kniete der Doc eigentlich vor mir?!?!
War ihm etwas 'runter gefallen?
Hat er mich untenrum untersucht?
Ich kann mich nicht erinnern, verdammt nochmal!
Er wird mir doch wohl keinen Heiratsantrag gemacht haben, während mich gerade eine demente Episode überfiel?!
Au wei, UrOmma würde sich im Grabe rumdrehen...


Dienstag, 14. Februar 2012

Outfit des Grauens - Pelzmonster

"Boah, Mama!", motzt das Teentier. 
"Hättste Dir nicht ein paar COOLE Stiefel kaufen können, wie alle andern auch?"
Ich kontere mit dem Spruch, den ich in seinem Alter immer dann von meinem Vater zu hören bekam, wenn ich mich über eins seiner ultrahäßlichen Winteraccessoires lustig gemacht hatte:
"Funktionalität, mein liebes Kind, geht selten einher mit schöner Optik. Und bei Schnee ist mir ein warmer Fuß lieber als ein schicker!"


Zugegeben, ich hätte mir ja gerne ein paar schöne Stiefel gekauft, aber mitten im Winter gibt's nur FlipFlops, und dann muss man eben nehmen, was noch da ist.

Genau, den Ladenhüter:



"Welche Marke is'n das überhaupt?",
höhnt Elvis weiter und schielt auf die Inschrift.
"Kangaroos? LOL, das passt ja! Die Dinger, die da baumeln sehen nämlich aus wie die Känguruklöten, die sie im Dschungelcamp immer fressen müssen!"



"Kangaroo-Stiefel sind Mount-Everest getestet!", kläre ich ihn auf.
Wenn das keine Supervoraussetzung für einen guten Winterschuh ist, dann weiß ich auch nicht!
"Du kletterst aber gar nicht auf den Mount Everest", argumentiert er völlig unsachlich.
"Du gehst bei der Kälte höchstens zur Garage, fährst zu Edeka und wieder zurück."


Nichtsdestotrotz halten die Dinger enorm warm! Was will man mehr?!
Trotzdem: werde mich im Mai mal nach richtig schönen Schneestiefeln umsehen...