Ich Naivling dachte nämlich: biste die Periode los, sparste Hygieneartikel.
Unter'm Strich also mehr Geld für Snickers und Gin.
Was ja auch zutrifft, aber es entstehen Kosten ganz anderer Art.
Wasserkosten zum Beispiel.
Wer täglich 273 mal von heftigen Hitzewellen heimgesucht wird, der schwitzt und stinkt.
Ebenso müffeln dann Blusen, Shirts und, da ich abartigerweise auch an den Beinen schwitze: Jeans.
Also wird öfter geduscht und die Waschmaschine angeschmissen.
Während ich bisher mit trockener Kopfhaut gesegnet war und mit 2x pro Woche Haarewaschen auskam, muss ich meine neu entstandenen Fettsträhnen nun täglich einschäumen.
Was außerdem bedeutet, dass ich, als leidenschaftliche Vorratskäuferin, die gehorteten 19 Pullen "Head & Shoulders-Shampoo für trockenes Haar" (knapp 75 Ocken!) in die Tonne kloppen kann!
Oder es für die Schamhaarregion verwenden, denn da herrscht ja angeblich die gefürchtete Scheidentrockenheit, die ich persönlich für eine Erfindung der Pharmaindustrie halte.
Überlegt doch mal: wenn
Reparaturkosten.
Wenn die Hormone tanzen, ein Mitmensch nervt und ich gleichzeitig überhitze, dann reagiere ich ein klein wenig heftiger, als normal.
In der Folge besitze ich nun einen Micke mit Loch, einen abgerissenen Sonnenbrillenhalter im Auto und diverse bunte Macken in der Wohnzimmertapete von all den gepfefferten Duplosteinen, auf die ich barfuß im Halbdunkeln so trete.
Pflegeprodukte.
Nicht nur die Haare fetten neuerdings, sondern auch das Gesicht.
Die Zeit des Tupfens ist angebrochen: man tupft unter den Armen und die Glanzschicht von Stirn und Backen.
Großpakete Klopapier, 30er-Packungen Tempos und Zewarollen haben Einzug gehalten.
Ich brauche definitiv mehr Deo und Waschmittel.
Und MakeUp.
Zusätzlich zur neuen "Schneewittchenteint trotz Fettglanzfresse"-Foundation von Maybelline, habe ich mir ein teures, 99% deckendes Camouflage gekauft, denn jede Hitzewelle verleiht mir kurzfristig Tomatentäng und wer wie ich relativ häufig zu Vorstellungsgesprächen geht, will sich die Schmach, urplötzlich vor potentiellen Kollegen den dunkelroten Dampfkessel zu geben, ersparen.
Nägel und Haare wachsen wie bekloppt. Damit die pfiffige Kurzhaarfrise pfiffig bleibt, sitzte nonstop beim Frisör zum Nachschneiden und Ansatz färben, und im Nagelstudio wurde die (quasi von mir allein finanzierte) Wartelounge benannt.
Und da ich mich wider besseren Wissens in jeden Durchzug lege/setze/stelle, der sich meinem dauerüberhitzen Körper bietet, sind meine Augen ständig verquollen und dagegen helfen diese Koffein-Augenroller, im Preissegment einer ganzen Kaffeeplantage.
Lebensmittelkosten.
Hormonopfer und Menschen ohne Sexualleben neigen zum Vielfraß.
Klamotten.
Durch die Vielfresserei legt sich das ein oder andere Kilo auf die Hüfte.
Zeit für weitere Hosen.
Sehr weite Hosen, denn ich kann neuerdings keine Hosen mehr an den Beinen ertragen.
WTF?!
Besser: lange, weitschwingende Kleider, die engen nicht ein und lassen jede Hitzewelle innerhalb der üppigen Stoffbahnen lässig verpuffen.
So jedenfalls meine Fantasie.
In echt besitze ich keine Kleider, freue mich aber schon sehr auf den Hermesmann, der mit einem Zalando-Paket samt riesiger Flatterfummel-Auswahl unterwegs ist.
Man will, dass es aufhört.
Die Stimmungsschwankungen, das 365-Tage-PMS, die Schwitzerei, das Gelenkziepen, die Migräne-Attacken, der Hunger, der Haarausfall.
Dafür muss frau verschiedenes ausprobieren: Mönchspfeffer aka Keuschlamm, Traubensilberkerze, Passionsfruchtblüte, Johanniskraut, Maca, Hormonpflaster, usw. usw. usw.
Teure Ausprobiererei, denn eine Wirkung lässt sich erst Wochen später feststellen, wenn überhaupt, und dann muss man das Mittel der Wahl ewig lang (-> WechselJAHRE) einwerfen. Dumm nur, dass es das alles nicht auf Rezept gibt (außer die Hormone und die können töten) und man sich doof & dämlich dabei latzt.
Die gute Nachricht: es ergibt sich eine Möglichkeit zum sparen, indem man die gegen Scheidentrockenheit angepriesenen Gleitgele und Cremolums NICHT kauft.
("Vagisan für den gepflegten Sex" - hahahahaha! Wer denkt sich denn so 'nen Slogan aus?! Ein untervögelter Endfuffziger?)
Tjaha!
Da sind die Tausender, die man für Binden und OBs ausgegeben hat, Peanuts, wa?
Kleine Überlegung am Rande: könnte ich meiner Mutter wohl eine Rechnung schicken über die Hygieneartikel, die ich in den letzten 35 Jahren benötigt habe?! Immerhin sind ja meine Eltern mit ihren Chromosomen dran Schuld, dass ich ein Mädchen wurde.
Wie sieht das rechtlich aus? Anwälte anwesend? Bitte melden!
Also, liebe junge Damen, ihr seht, der gute Rat, dass man beizeiten für's Alter sparen soll, ist durchaus berechtigt!
So, ich gehe jetzt die Rechnung schreiben.
Tschö!
Label: Wechseljahre