Montag, 30. Januar 2017

Vorstellungsgespräche - Das Lustigste

Ich betrete eine Anwaltskanzlei, in der ich mich als Schreibkraft beworben habe.

Diese Kanzlei, in bester Lage, ist die größte der Stadt, besteht aus 7 Anwälten und 14 ReNo-Fachangestelltinnen und hat, was das Arbeitsklima betrifft, einen sehr guten Ruf.

Einer der Anwälte begrüßt mich freundlich und wir führen ein sehr launiges Gespräch.
Er freut sich über meine buchhalterische Fortbildung vom letzten Jahr und über mein Hobby "bloggen", denn:
"Dann kann ich Sie anders einsetzen als für's Schreibbüro; vorbereitende Arbeiten für den Steuerberater zum Beispiel. Und mit Blog-Erfahrung könnten Sie sich um unsere Homepage kümmern."
Oh gut, denn tippen kann ich sowieso nicht.

Als ich ihn frage, ob es möglich sei, die 38-Stunden-Stelle in eine 30-Stunden-Stelle zu kürzen, bejaht er sofort.

Dufte.

Er fragt nach meinem Gehaltswunsch.
Ich nenne ihn.
Er lacht herzlich.
Dann nennt er mir den Betrag, den er bereit ist zu zahlen (900 Euro weniger).
Ich lache herzlich.

Die Verabschiedung folgt alsbald.
Noch beim Rausgehen wische ich mir die Lachtränen aus den Augen.

Zuhause google ich das Durchschnittsgehalt von ReNo-Angestellten.
Alter...!
Falls hier eine ReNo-Fachangestellte anwesend ist, könnte diese mir bitte erklären, wieso man einen Beruf erlernt, von dem man weiß, dass man damit seinen Lebensunterhalt gar nicht bestreiten kann.
Bitte danke.


Label: Vorstellungsgespräch

Dienstag, 24. Januar 2017

Kontinentalplattenverschiebung

Wie der Titel bereits vermuten lässt, geht es um die Wechseljahre.


!! Obacht, nicht magenfesten Lesern sei gesagt:
dieser Post kann Spuren von Scheidensekret enthalten !!

Rückblickend nahm bei mir alles vor 4 Jahren seinen Anfang (oder besser: sein Ende).
Und da ich schließlich zu den Dienstleistungsbloggern gehöre, möchte ich meine bisherigen Erfahrungen mit euch teilen.
Ja, kostenlos!


1. Der Rhythmus geht flöten:
Während jahrzehntelang auf meine Periode und ihren präzisen 28-Tage-Rhythmus Verlass war, brachen vor 4 Jahren wahre Tsunamis über meine supisüßen LaPerla-Spitzenhöschen herein. Zwischen 41 und 14 Tagen war alles drin, meistens aber im 14 Tage-Rhythmus, was mir den übelsten Eisenmangel meines Lebens bescherte.
Es konnte mich quasi immer und überall überraschen. Was mich dazu brachte, mir einen Riesenvorrat an Einlagen anzulegen und zwar von der Größe und Sicherheit, wie man sie nur im Sanitätshaus bekommt. Mooncup? HA HA HA HA! Der tuppersche Eidgenosse wäre angebrachter gewesen.
Im Büro hatte ich eigens eine Schublade für Ersatzschlüpfer, Wechseljeans und Surfbretter, wie medizinisches Fachpersonal diese quadratmetergroßen Binden liebevoll nennt.
(Tipp: Tena-Lady-Einlagen für Blasenschwäche sind aufgrund ihrer konkaven Auffangrüsche sehr vorteilhaft konstruiert! Da bleibt garantiert jeder Koagel wo er ist und flutscht nicht schlankerhand in die beige Chino, um einen vor aller Welt zu blamieren.)
Diese Phase dauerte bei mir 2 Jahre.


2. Der Rhythmus pendelt sich ein:
Periode 1 mal pro Quartal und das in Maßen. Joa, so kann man's aushalten.
Nervig: alle 28 Tage plagen mich trotzdem Phantomunterleibsschmerz und PMS.


3. Körperhaarwuchs:
Mir sind ungefragt Haarbüschel auf Zehen, Fußrücken und Knien gewachsen.
Mein Gesicht ist mittlerweile von einem weichen Flaum umgeben und ich kontrolliere regelmäßig meine Nasenhaare.
Die Haare an den Schienbeinen wachsen länger als je zuvor und die Achselhaare muss ich jeden 3. Tag scheren.


4. Die Figur geht flöten:
Wenn du selbst Stretchhosen nicht mehr zukriegst, missmutig zur Waage schleichst und dann feststellst, dass du nicht 1 Gramm zugenommen hast - willkommen in den Wechseljahren!


5. Die Fruchtbarkeit nimmt zu:
Was einem KEINER sagt:
zu Beginn der Wechseljahre fährt der Körper die Fruchtbarkeitshormonmaschinerie nochmal so richtig hoch. Motto: wer will nochmal, wer hat noch nicht? Denn in Bälde ist der Gebärofen aus. Für immer. Ende. Fini.
Meine Logik war: wo Arhythmus - da keine Fruchtbarkeit.
Statt dessen werden immer nur Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen propagiert.
Ich möchte nicht wissen, wie doof Gianna Nannini (damals 56) aus der Wäsche geguckt hat, als der Dottore ihr die frohe Botschaft überbrachte.


6. Hitzewellen:
Über Hitzewellen wird ebenso fehlinformiert, wie über die "morgendliche Übelkeit" in der Schwangerschaft, die sich nämlich bei 99% der Schwangeren (sogar bei Herzogin Kate, wie William damals verriet) als Ganztagesübelkeit entpuppt.
Das Wort "Welle" suggeriert ja ein kurzes Schwappen, wie man es vom Strandurlaub in Großenbrode kennt.
Bei mir schwappt da nix kurz, ich habe stundenlange Hitzezustände. Heiße, trockene Glut unter der Haut. Fies, aber ohne eimerweise herauszuschwitzen wie meine Tante, die sich ständig die hochrote Stirn tupfen und sich mehrfach täglich umziehen musste.
In meinem Schrank befinden sich nunmehr Blusen und Shirts. Ja, auch für den Winter.


7. Der Blutdruck steigt:
Vormals eher der hypotone Typ, schramme ich nun seit 2 Jahren an der Grenze zu behandlungsbedürftigen Blutdruckwerten entlang.


8. Stimmungschwankungen:
Ja, ha ha. Die gehören bei Frauen zur Grundausstattung, wie willste die den Wechseljahren zuordnen?
Ich sach ma so: wenn du bereits während deiner Schwangerschaft(en) vor dir selbst Angst hattest, dann wappne dich gut für die Wechseljahre!
Begriffe wie "rasende Furie", "depressiver Werwolf" und "manische Episode" treffen's ganz gut.
Ich befinde mich manchmal in Zuständen, in denen ich wahlweise entweder aus dem Fenster oder mit Blumenkranz im Haar nackt über eine Wiese springen will.
Was gut dazu passt: Singledasein und Teenager, die außer Haus leben.
Was nicht gut dazu passt: trotzende Zweijährige und die restliche Menschheit.


9. Sonstige Körperlichkeiten:
- empfindliche Mamillen
Und wenn ich "empfindlich" sage, dann meine ich !!!!!EMP! FIND! LICH!!!!!
- Labiendürre
Ich empfehle: "Vagisan für die geschmeidigere Scheide". Ab und zu mal die Creme gecremt oder ein Zäpfchen integriert und schon läuft's flutscht's isses besser. Denn wo trockene Schleimhäute aufeinanderpappen, da kein Wohlgefühl. (Falls es bis hierher überhaupt ein männlicher Leser geschafft hat: ihr kennt das von Augenentzündungen.)
- Ganzkörperschmerzen
Zeit für die ose-Zipperlein Arthr und Osteopor. Anders kann ich mir meine häufigen Ganzkörpermuskel- und Gelenkschmerzen jedenfalls nicht erklären.


10. 
Sex:
Interessiert mich nicht die Bohne, aber wenn er mal des Weges kommt, ist er ziemlich gut. Nein, keine Details, ich -> Dame!


11. Medikamente:
Will ich drauf verzichten. Aber kann ich? Mich schrecken Aussagen wie die der 65-jährigen Nachbarin: "Nach 17 Jahren Hormonersatz versuche ich es jetzt mal ohne".


So, das war's im Groben.
Da es ja WechselJAHRE heißt und nicht WechselWOCHEN, ist da thematisch durchaus noch Spielraum.
Ich melde mich.

Was tun mit dem letzten OB?
Verschenken? Beerdigen? Rahmen lassen?
Tragen und bei Ebay an einen perversen Japaner verkaufen?


Label: Wechseljahre

Montag, 16. Januar 2017

Vorstellungsgespräche - Das Gemütlichste

Ich betrete ein namhaftes Schraubenfabrikationsunternehmen in der Nachbarstadt.
Eine nette Frau meines Alters begrüßt mich und platziert mich im Konferenzraum mit der Bitte, kurz auszuharren, sie müsse erst den Chef suchen.
In der Zwischenzeit könne ich mir ja ein Getränk nehmen und von den selbstgebackenen Keksen probieren.

An den Wänden hängen viele Fotos.
Der Chef, der offenbar einen Hang zu farbenfrohen Anzügen hat, ist zu sehen mit:
Bill Clinton (aubergine), Kofi Annan (hellblau), Bob Geldof (smaragd), Richard von Weizsäcker (ocker), Nelson Mandela (marine),Tony Blair (apricot), Gerhard Schröder (bordeaux) und so weiter.
Ui!

Vor Ehrfurcht schnappatmig geworden, verschlucke ich mich prompt an einem der sehr trockenen Kekse. Der Husten wird während des folgenden Gesprächs leider nicht aufhören, obwohl ich 2 Gläser Wasser und 1 Apfelschorle nachkippe (ja, vor den Augen des Chefs).

Die Sekretärin kommt.
Ich, mittlerweile heißschweißig und mit hochrotem Kopf, kläre sie großgestisch über meine Luftröhrenmalessen auf.
Sie nickt mitfühlend.

Auftritt Chef:
Ein fazial unschöner, aber sehr schnieke gekleideter Mittfuffziger tänzelt herein.
Einreiher mit Weste, Einstecktuch, Krawattennadel, Budapester, Gürtel, Uhr -
alles harmoniert perfekt; der ganze Mann ein Traum in nachtblö.
Büschn overdressed für den sauerländer Mittelstand, aber hübsch anzusehen.

Er schüttelt mir schlapp die Fingerspitzen.
Ich begrüße ihn heiser.
"Frau Juliane hat sich gerade verschluckt", klärt die Sekretärin auf. "Deshalb kann sie jetzt nicht so viel reden."
"Ach", sagt der Chef und mustert mich leicht angeekelt.
Loriot at its best.

Mein Röcheln bringt den Chef offenbar derart aus der Fassung, dass er sich nach ein paar kurzen Fragen entnervt verabschiedet ("Wichtiger Termin!").
Ich bin sicher, dass er seiner Mitarbeiterin unbemerkt TOP oder FLOP signalisiert hat.




Nachdem die Sekretärin und ich Petitessen wie Aufgabenbereich, Einstellungsdatum und Gehalt erörtert haben, gehen wir zum gemütlichen Teil über.
Das heißt: sie geht über, ich staune.

Sie bietet mir Kaffee an.
Ich hatte eigentlich angenommen, dass das Gespräch beendet sei, aber offenbar will die Gute mich näher kennenlernen, weil ich demnächst ihre Kollegin sein werde.
Wir sitzen da also bei Kaffee und Keksen und plaudern ein bisschen über's Wetter, über das Keksrezept und über ihre grade überstandene Grippe und dann fragt sie nach dem Alter meiner Kinder, die dumme Nuss. Das hat ja noch keiner gewagt!
Was korrekt hätte heißen müssen: "20 Monate und 18 Jahre", mache ich schlankerhand zu "20 und 18".
Sie freut sich, ihre Kinder sind im selben Alter. Schon erwachsen, aber doch noch regelmäßig für Aufregung sorgend, haha.
Kaffee nachschenkend erzählt sie mir den neuesten Klops, den ihr Großer sich am Wochenende mit dem Auto seines Vaters geleistet hat. Sogar die Polizei war verwickelt, weil die Schwester dachte, der Wagen sei geklaut, was wiederum den Vater annehmen ließ, die Tochter sei entführt. Fragt nicht.
Screwball at its best.

Ich gebe auch noch ein paar Elvis-Storys zum Besten und dann erzählt sie, dass dringend ein Nachfolger für die Firma gesucht wird, da der overdressede Mittfuffziger weder Frau noch Kinder hat und der letzte in der Schraubenfabrikationsdynastie ist.
Tja, bei dem Alter, dem Aussehen und dem tuntigen Gehabe wird das mit der Zeugung eigener Nachfolger aber sehr knapp.

Nun ja...
Tjaja...
Jaaa....

Das Geplauder stockt und ich beschließe, dass es Zeit ist zu gehen.
Meine neue Freundin guckt bedauernd.
Will die sich vor ihrer Arbeit drücken oder was?

Ich bin sicher, wer so nett mit mir plaudert, stellt mich auch ein, ne?

Nee.
1 Woche später bekomme ich die Absage.
4 Wochen später erfahre ich, dass die Stelle mit einem Mann besetzt wurde.
Ach.


Label: Vorstellungsgespräch

Donnerstag, 12. Januar 2017

Die 5 Phasen der Verwahrlosung

Voraussetzung: Arbeitslosigkeit. Is' klar, ne?


Phase 1:
Du ziehst morgens eine bequeme Joggingbuxe über, denn du willst ja nur kurz das Kind in den Kiga bringen.
Dann zurück zuhause: duschen, MakeUp druff, adrett anziehen.
Dann zum Edeka, Obst kaufen.

Phase 2:
Passend zur Joggingbuxe lässt du MakeUp und Hairstyling weg, denn du willst ja nur kurz das Kind in den Kiga bringen.
Zurück zuhause: duschen, Joggingbuxe wieder an, dann haste nicht so viel zu waschen und das MakeUp kannste dir auch sparen um zu sparen.

Phase 3:
Wer Joggingbuxe trägt und kein MakeUp, muss auch nicht täglich duschen. Man will ja eh nur kurz zum Kiga.
Und vielleicht noch rasch zur Post, eine Bewerbung einwerfen.
Und zum Edeka, Funny Frisch Paprika kaufen.
Und wenn du schon im Edeka bist, kannste auch eben nebenan in der Apotheke "Vagisan - die Creme für die geschmeidigere Scheide" kaufen.
Du bist von 5 Kunden die einzige Frau und die Apothekerin ist schwerhörig.
Du weißt genau, dass dich nun 4 Männer (davon 2 Ex-Arbeitskollegen) und 1 Apothekerin mustern und überlegen, wozu so 'ne Schlunze wohl eine geschmeidigere Scheide braucht.
Aber ach komm, is' egal...

Phase 4:
Während du nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf mittlerweile täglich "Shopping Queen" und "Zwischen Tränen und Tüll" guckst und Funny Frisch frisst, überlegst du angestrengt, wann du eigentlich das letzte Mal geduscht hast. Ist aber dank Rexona 48h Maximum Protection schnurz und du hast eh nix vor.

Phase 5:
Du musst angestrengt überlegen, welcher Tag eigentlich heute ist und musst schlussendlich das Handy zu Rate ziehen.
Du guckst mittlerweile täglich "Volle Kanne" und isst um 11.28 Uhr zu Mittag. Ravioli.
Du betest zu Gott, dass kein Personaler auf die Idee kommen möge, dich zum Bewerbungsgespräch einzuladen, und das, obwohl du ihn gar nicht leiden kannst (also Gott, nicht den Personaler).
Duschen? Vergiss' es.... 


Ich bin mir übrigens sicher, dass Joggpants von einem arbeitslosen Modedesigner in Phase 3 kreiert wurde.

Derjenige, der mir einen Job besorgt, bekommt meine letzten 1.000 Ocken geschenkt!

Und nun entschuldigt mich, ich muss nur mal eben kurz zum Kiga!
Und zum Edeka, FunnyFrisch sind alle.