Sonntag, 24. Mai 2020

Nebenwirkungen


Es klingelt.
Ich öffne.
Der Bofrostmann.
Hurz.

Ein Mundnasenschutz hängt ihm unterm Kinn:
"Hallo Frau Juliane! Oh, mit Maske?? Tragen Sie die freiwillig??"
Ich: "Nee, mein Vermieter zwingt mich dazu."
BM: "Echt?!"
Ich: "Nein! Natürlich trage ich die freiwillig!" *augenroll*
BM: "Ach so. Ja ..äh.. soll ich meine auch aufsetzen?"
Ich: "Ja bitte."
Er fummelt umständlich die Maske nach oben, bis unter die Nase:

"Wir müssen die jetzt dabei haben, Anordnung von ganz oben. Haben Sie denn solche Angst vor Corona?"
Nur wenn Typen bei mir klingeln, die täglich in dutzende Haushalte latschen.
Ich
: "Klar. Sie nicht?"
BM
: "Och nöö. Wenndes kriegst, kriegstes."
*seufz*
Wir tauschen Fressalien gegen Geld.
Die Ohrschlaufen seiner Maske sind zu lang und als er sich verabschiedet, baumelt sie längst wieder unterm Kinn.
Er wünscht mir noch einen schönen Tag "und bleiben Sie gesund!"
Sagt's, kommt nah an mich ran und tätschelt mir die Schulter.

Der Typ hat mir noch nie irgendwas getätschelt, aber JETZT, wo jeder Mitmensch eine potentielle Pestbeule ist, da packt der mich an.

Typische Situation diesertags.
(Ja, ich weiß, dieses Wort gibt es gar nicht. Na und?)

Ich könnte jetzt noch von der Frau erzählen, die als Einzige maskenlos in der Schlange vor'm Postschalter stand und uns ungefragt darüber aufklärte, dass sie sich keinen Maulkorb verpassen lassen und sich nicht zur SKlavin der USA machen lassen wolle! Und das Ticket für die Anti-Corona-Demo in Berlin wäre auch schon gekauft!
Ich wollte zu bedenken geben, dass sie ihre gequirlte Kacke doch auch gut hörbar MIT Maulkorb aka Mundnasenschutz zum Besten geben könne, aber psychisch Instabilen soll man nicht widersprechen. Sowas endet oft würdelos.

Oder von dem Mann, der auf dem Gehsteig vor mir zurückwich und fragte, warum ich draußen* eine Maske trage, ob ich etwa infiziert sei?? Als ich antwortete, dass ich sie zum Schutz trage, mansplainte er: "Sie wissen aber schon, dass Mundschutz gar nix nützt, nä?!"

Oder von der Tankstellen-Kassiererin, die mich davon zu überzeugen versuchte, ich solle dem armen Lucky** sofort die Maske abnehmen, denn er müsse doch noch gar keine tragen und die wäre ihm bestimmt total unangenehm und er bekäme ja gar keine Luft unter dem Ding...usw.
Während der genügend belüftete Lucky völlig relaxed nach dem neuesten Lego-Magazin Ausschau hielt.

Oder von der Frau, die mich anblaffte, wieso ich frisch geschnittene Haare*** hätte, obwohl doch alle Salongs geschlossen seien? Ob ich etwa Schwarzarbeit fördern täte??


Das alles erzähl ich euch aber nicht, denn solcherlei unerquickliche Erlebnisse habt ihr alle schon selbst zuhauf erlebt, stimmt's?
Man möchte kotzen.
Scheint, als würde Corona, dieses tückische Ding, das logische Denken beeinflussen, aggressiv und übergriffig machen und die flegelhafteste Seite eines Menschen ans Tageslicht befördern.

Auch an meinen Nerven aus Stahl geht Corona nicht spurlos vorüber:
Als ich neulich einen Berg Geschäftspost in einem Briefkasten entsorgen wollte, stellte sich eine Frau direkt neben mich und zwang mir ein Gespräch über Briefkästen auf. Da wir beide maskenlos waren, raunzte ich sie an, sie möge doch einfach die Klappe halten.
Woraufhin sie nach der Briefkastenklappe griff, um sie mir aufzuhalten.
Nee, nicht ausgedacht...


Bleibt gesund, ihr Lieben!
Und ihr Doofen natürlich auch!



* hatte bloß vergessen, sie abzunehmen.
** ich möchte Lucky schützen. UND MEHR MUSS ICH DAZU GAR NICHT SAGEN, verdammte Hacke!!!
*** meine neue Haarschneidemaschine machen Lucky, Elvis und mich zu den Bestfrisiertesten der Krise.

Dienstag, 10. März 2020

Juliane von Knigge: Praktikant sein

Mein Chef hat ein Faible für PraktikantInnen.
Leider nicht für diese welpigen 14-jährigen, die eingeschüchtert und verpeilt durch die Flure stolpern und nach 14 Tagen wieder in der schulischen Versenkung verschwinden, sondern für Umschüler.
Umschüler, ey!
Menschen im besten *hüstel* Alter, die man dann monatelang am Hacken hat.

Ich weiß nicht, woran es liegt, dass UmschülerInnen ein doch eher ..ähm.. spezielles Verhalten an den Tag legen.
Sind es die Nachwehen des einer Umschulung vorausgegangenen epic fail oder schlicht das Alter, das einen ja gerne ein mü eigenartig werden lässt?

Wie auch immer, wir schleusen hier nonstop PraktikantInnen im Alter zwischen
40 und 55 durch und da brauchst du Nerven aus Stahl. Carsten Stahl.

Sin mer mal ährlisch, PraktikantInnen bringen's nicht, kosten nur Mühe und Zeit und haben 0 Mehrwert für die Firma.
Im Gegentum. Abschließend haste noch die Aufgabe am Hals, aus "sie war faul, frech und der dämlichste Vollpfosten, den es seit Anbeginn der Industrialisierung je gegeben hat" so umzuformulieren, dass es im Abschlussbericht irgendwie positiv klingt.
Man will ja niemandem die vielversprechende Zukunft verbauen, nicht wahr.

"Vergebene Liebesmüh", wie unsere Oberbuchhalterin immer sagt und sich PraktikantInnen kategorisch verweigert.
Nicht mal 'nen gescheiten Kaffee bringen sie dir!
Weil sie sich weigern.
"Ich bin nicht hier, um Kaffee zu kochen oder die Ablage zu erledigen, sondern um was zu lernen!", moserte mal eine von den ganz Mutigen an ihrem 1. Tag.
Womit sie grundsätzlich Recht hat; leider folgten ihren widerspenstigen Worten keine Taten, und sie ging als faulste Praktikantin ever in die Firmengeschichte ein.


So, falls ihr mal in die Bredouille kommt und ein Praktikum machen müsst (und eine Umschulung verlangt immer eins), hier ein kleiner Leitfaden:

1. Informier dich über die Firma, BEVOR du einen 1. Fuß über die Schwelle setzt! Lerne von mir aus die Website auswendig oder ackere Prospekte durch, aber sei informiert!
Dialoge wie
"He, Praktikant! Bringst du bitte diese Akte zu Franz-Rüdiger Hugendubel?"
- "Wer issn Franz-Rüdiger Hugendubel?"
"Der, dessen Name in Großuchstaben auf dem Gebäude steht!?!?!"
lassen dich in sehr schlechtem Licht dastehen.

2. Wenn du das Praktikum für komplett sinnlos hältst, weil du für nach der Umschulung eh andere Pläne hast, dann behalt das gefälligst für dich! Wir Fachkräfte investieren Zeit (die wir eigentlich gar nicht haben) und Mühe in dich und du willst doch nicht, dass wir in den Kaffee rotzen, den wir dir netterweise kredenzen, oder?

3. Ja, ein Handy ist eine feine Erfindung. Ebenso fein ist der Knigge, in dem steht PACK DAS VERDAMMTE DING WEG, WENN DIR JEMAND WAS ERKLÄRT!!!
Dialoge wie
"He, Praktikantin! Stör' ich dich gerade mit meinen Erklärungen? Ich kann gerne später weitererklären, wenn du jetzt erst mit deinem Handy beschäftigt bist!" *schnaub*
- "Ja, nee, du störst nicht. Ich schreib nur grade meinem Mann, dass heute mein Eisprung ist. Wir wünschen uns doch so sehr ein Kind!"*
lassen dich in sehr schlechtem Licht dastehen.
*(Spoiler: sie war sogar zu doof zum poppen.)

4. Wenn du private Telefonate führen musst, dann NICHT in einem vollbesetzten Büro. Such dir einen leeren(!) Konferenzraum oder setz dich ins Scheiß- oder Treppenhaus.
Dialoge wie
"He, Praktikant! Das ist jetzt dein 4. Privattelefonat heute morgen! So geht das nicht!"
- "Chef, das war nicht privat!, Das war der Pflegedienst von unser Omma. Privat wäre, wenn ich jetzt meine Freundin anrufe und ein Date zum Essen abmache!"
lassen dich in sehr schlechtem Licht dastehen.

5. Verabschiede dich von alten Gewohnheiten! Du schulst nach 27 Jahren Kindergärtnerin zur Bürokauffrau um? Schön! Aber glaub mir, deine KollegInnen legen garantiert keinen Wert darauf als Schätze, kleine Mäuse oder Liebes bezeichnet zu werden.
Und Sätze wie "Hier ist gerade ein Paket für die EDV abgegeben worden. Ich seh mal nach, ob die Mäuse in ihrem Büro sind!" klingen doppelt gruselig, wenn es sich bei den Mäusen um eine Horde zauseliger Mittvierziger handelt.

6. Wenn du so dermaßen aufgeregt bei Praktikumsantritt bist, dass du dir vorher einen zwitschern musstest, solltest du vielleicht besser erstmal über Verhaltenstherapie nachdenken, statt über einen neuen Beruf?

7. Denk mit! Versuch, selbst zu sehen, was noch zu tun ist.
Ich staune heute noch über den Typ, den ich morgens um halb 11 in einem Roman lesend an seinem Schreibtisch vorfand ("Ich bin fertig!" - Ja, Junge, mit DIESER Aufgabe, es warten aber noch 27 andere Dinge, die erledigt werden müssen!).


Oder kurz gesagt:
Benimm dich einfach wie ein normaler Mensch!
Zeig Manieren!
Versuch, nicht zu stören, steh nicht dumm rum und mach um Gottes Willen nichts kaputt!





Weinen möchte man, weinen...






PS:
Die Währung für Dankbarkeit dafür, dass man Zeit und Energie in dich investiert, ist übrigens Käsekuchen.
Nix zu danken.


Label: Knigge

Sonntag, 17. November 2019

Lucky muss zur Schule

Hurra hurra, die Anmeldeaufforderungen sind da!

Es gibt in unserem Städtchen 10 Grundschulen und jede einzelne bedient sich unterschiedlicher Anmeldeverfahren und -termine, was zur Folge hat, dass man sich unter Umständen nicht rechtzeitig in der Institution seines Herzens einen Platz reservieren lassen kann.
Das Einzige, was alle Schulen gemein haben, ist die "Green Card":
ein grüner Zettel, der Mehrfachanmeldungen vermeiden soll.

Damals, als ich noch jung und crispy war, hatten die Gören zwangsläufig die nächstgelegene Schule aufzusuchen; heute hat man freie Wahlqual.

So wenig Ansprüche ich an meinen Zukünftigen habe (Job, Auto, Puls), so wenig habe ich an eine Grundschule:
sie muss in der Nähe liegen und genügend Parkplätze zur Verfügung stellen.

Bleiben 2.

Schule 1:
Schnupper- und Anmeldetag: September.
4 km entfernt.
Liegt auf meinem Arbeitsweg und in einem exklusiven Viertel.
Hat einen sehr guten Ruf, was hier gleichzusetzen ist mit:
viele Aktivitäten, gute Pisa-Werte, wenig Ausländer, wenig Sitzenbleiber.
Die Schule ist 4-stöckig. Möchte ich eine Grundschule, die größer ist als das Kanzleramt? Eher nicht.
Die 2 Schnupperstunden sind tight getaktet mit Chor-, Tanz- und Sportaufführungen.
Und wie ich mich so durch das zur Feier des Schnuppertages aufgebaute Süßigkeitenbuffet samt Dinkeldonuts, Petits fours, Waffeln und Popcornautomat schlemme, während Lucky im Unterricht sitzt, kommen mir 2 ehemalige Mitschülerinnen, jetzt hier Lehrerinnen, entgegen.
Beide aus reichem Hause, beide eingebildete Schnepfen, beide damals üble Mobberinnen, die sich gerne und oft demütigende "Späße" mit uns Malocherkindern erlaubten.
Klar, mit 50 tickste anders als mit 15, trotzdem glaube ich:
jeder hat nen Grundcharakter und eine Pissnelke bleibt im Herzen eine Pissnelke.
Außerdem war ich ein mü mit der Parksituation überfordert, deshalb ein NO für diese Schule.
Aber: die Schlange am Anmeldecounter ist ziemlich lang. Wenn ich Lucky heute nicht anmelde, landet er garantiert auf Platz 917 der Warteliste und die Green Card wäre dann weg, falls mir eine andere Schule mehr zusagen würde.
Ich hasse Entscheidungen!!

Und Lucky so:
Die Schule ist doof, lass uns gehen, aber vorher will ich noch Popcorn!

Hübsch, aber riesig.
Wie viele kleine Menschen passen da rein?
5.000??



Schule 2:
Schnupper- und Anmeldetag: Oktober.
200 Meter entfernt.
Elvis hat diese kleine Schule auch besucht, alles war gut.
Damals gab es einen Ausländeranteil von 70%, vorwiegend Russen und Polen, was kein Problem darstellte.
An der Prozentzahl hat sich nix geändert, wohl aber an den Herkunftsländern.
In der Zeitung stand:
Die Stadt hat ein pädagogisches SEK geschickt, weil in der arabischen Kultur Probleme anders angegangen werden und diese unkonventionellen Lösungsansätze oftmals unangemessen bis erschreckend für den westeuropäischen Lehrkörper erscheinen. Einer dieser Körper, nämlich der Direktor höchstpersönlich, hat sich sogar unlängst abgesetzt.

Oha. Ein Schiff ohne Kapitän.
Will man einen Problembären als Schule? Nö.
Andererseits: nur 300 Meter! Wenn mal "was" ist, kann Lucky alleine nach Hause marschieren.
Also ab zum Schnuppertag.
Wir werden mit 3 Liedern begrüßt (*gähn! Oh Mann, wie ich diese theatralen Stümpereien vermisst habe...), Lucky geht zum Unterricht, wo jedes "Patenkind" etwas mit dem Schnupperer bastelt.
Beim Kuchenbuffet interviewe ich eine Lehrerin.
Sie kontert mit: Alles halb so schlimm, Lügenpresse, gehen Sie doch nachmittags mal auf den Schulhof, wenn sich die Kinder und Mütter da zum Spielen treffen und machen sich selbst ein Bild!
Das Bild bietet sich mir direktemang:
auf dem Weg zum Auto müssen wir quer über'n Schulhof, und erleben, wie sich verlottert aussehende Kinder Sachen wie Hurensohn, Arschloch und verpiss dich zurufen.
Alles klar.
NOPE!

Und Lucky so:
Ich will auf diese Schule!! Mein Freund Lars geht da auch hin!!!!

Scheiße, und ich habe immer noch die Green Card in der Tasche und bin für Schule 1 nun garantiert zu spät.
Ich verliere die Nerven und melde Lucky hier an. Sicher ist sicher. Wird ja wohl möglich sein, diese Entscheidung gegebenenfalls rückgängig zu machen, oder?
Oder?!


Enorm unzufrieden mit der Gesamtsituation studiere ich die Homepage der Stadt und TADAA! entdecke ich eine Schule, nur ein paar Straßen weiter, von der ich noch nie gehört habe.

Schule 3:
Schnupper- und Anmeldetag: November.
2 km entfernt.
Ich bin direkt verliebt in das alte Gemäuer mit Atrium und Springbrunnen und viel Grün drum herum. Eine richtige kleine Oase inmitten eines unruhigen Viertels.
Es findet normaler Unterricht bei geöffneten Türen statt und wer mag, kann sich dazusetzen.
Ich laufe Elvis' ehemaliger Lieblingslehrerin über'n Weg, die sich vor einigen Jahren von Schule 2 hierher hat versetzen lassen.
Begründung:
viel Unruhe im Unterricht, da viele Kinder aus geflüchteten Familien, die aufgrund traumatisierender Erfahrungen oft aggressiv auf stressige Situationen reagieren.
(Ich lasse die Flucht des Direktors und diverser Lehrerinnen jetzt mal unkommentiert...)

Und Lucky so:
Ich will aber auf Schule 2!! Mein Freund Lars geht da auch hin!!!!
(Es sei erwähnt, dass Lars bereits in diesem Jahr eingeschult wurde, also nicht in derselben Klasse wie Lucky sein wird und da die beiden sich privat nicht treffen, ist fraglich, ob sie sich in 10 Monaten überhaupt wiedererkennen.)

Ein Brunnen in einer Grundschule.
Wie viele Erstklässler
hier wohl schon ersoffen sind??


Also rufe ich die Schulsekretärin von Schule 2 an und frage, ob ich die Green Card wohl wiederbekommen könne.
And guess what:
aus irgendwelchen schulpolitischen Gründen gehören 2 und 3 zum selben Geldpool .
Heißt: die verbindlichen Anmeldungen Ende November werden eh im Sekretariat von 2 gemacht und dann kann man wählen, welche Schule man nun will.
Puh.
Das war ja einfach.


Lucky, solltest du diesen Bloppost in ca. eineinhalb Jahren lesen können:
es war zu deinem Besten, glaub mir...

Sonntag, 4. August 2019

Sommerurlaub 2: Von Poker, PushUps und Pomelos

Montag:
Anruf Omma:
Sie sei leider irgendwie im Krankenhaus gelandet und da wäre es ziemlich dreckig in den Ecken; sie hätte schon Beweisfotos mit dem Handy geschossen!
Was denn passiert sei, will ich wissen.
Sie hätte am Computer gesessen und wäre plötzlich weggetreten. Als sie wach wurde, hätte sie am ganzen Körper gezittert. Blutdruckmessung zeigte aber gute Werte. Sie sei dann zum Hausarzt marschiert und der hätte sie direkt eingewiesen.
Oha.

Abends gucke ich GOOD GIRLS: 3 Frauen überfallen aus Gründen einen Supermarkt und geraten in die Fänge eines fiesen, aber heißen Gangsterboss und finden Gefallen an illegalen Tätigkeiten.


Dienstag:
Der aufmerksame Leser weiß, wie sehr ich den Sommer verabscheue.
Draußen sind's 33°C, ich kann also unmöglich das Haus verlassen, ohne in Flammen aufzugehen.

Mittags Whatsapp-Nachricht von einer Kollegin:
Sie sucht eine verschollene Rechnung über Büromaterial; ob ich wüsste, ob die Ware samt Rechnung angekommen sei.
Ich bin seit 10 Tagen nicht im Büro gewesen, woher soll ich wissen, was da wann geliefert wurde, du Bratze?!
Ich antworte mit "Schöne Grüße aus dem Urlaub!"
Sie reagiert verschnupft: "Ich möchte demnächst auch nicht kontaktiert werden, wenn ich nicht da bin!"
Keine Sorge, sowas Hirnrissiges tut ja auch kein anderer.



Mittwoch:
Anruf Omma:
Sie sei wieder zuhause.
Alles gut soweit, sie dürfe aber erstmal 3 Monate nicht Autofahren, denn sie hätte wohl einen epileptischen Anfall gehabt.
Oh.
Dass bei ihr eine Disposition diesbezüglich besteht, war uns aufgrund des schweren SHT vor vielen Jahren klar, aber bisher ist es nie soweit gekommen.
Bis jetzt.
"Wodurch wurde das denn verursacht?", will ich wissen.
- "Ich habe wohl zu lange am Computer gesessen."
"Wie lange?"
- "Naja, so ungefähr 5 Stunden."
Alter Schwede!
Mein eigener Rekord liegt bei 6 Stunden "Alan Wake" auf der XBox.


Wer kennt sie nicht,
die Epilepsie-Warnung in den Booklets
von PC- und Konsolen-Games?
Was sie gezockt hat, wollt ihr wissen?
Poker, was sonst?


Donnerstag:
Ich bringe mein neues, teures Küchenmesser aus Damaszener Stahl zum Schleifer.
Als ich es später abhole, werde ich gerügt:
"Tolles Messer, sehr gute Qualität, aber wie haben Sie denn diese Macken da rein gekriegt??"
Kurz bin ich versucht zu sagen:
"Das ist passiert, als ich unser Omma zerstückelt habe", aber bei 34° C ist mir nicht nach Scherzen zumute.
Das Messer habe ich tatsächlich so zermackt gekauft, aber das glaubt er mir nicht.
Kochidiot, der ich bin, habe ich gedacht, das muss so, bis Wren mich eines Besseren belehrte.
Leider müsse er mir aber 1 Euro mehr abknöpfen, meint der Schleifer, denn das Messer sei nicht richtig sauber gewesen und dadurch würde sein Schleifstein leiden.
WIE BITTE?! Hat dieser Fatzke mich gerade schlampige Hausfrau genannt???
Bin nicht sicher: soll ich an meinen Putzskills arbeiten oder eine neue Spülmaschine kaufen?

Netflix bietet mir QUICKSAND an: Wieso erschießt eine Abiturientin ihren Freund?
"Weil er ihr auf den Sack ging" ist hier nur die halbe Lösung.


Freitag:
Lucky ist vom Vater zurück und verlangt beim Abendbrot sofortige Berichterstattung darüber, wie Babys in Bäuche kommen.
Ich hatte mit dieser Frage noch nicht gerechnet, immerhin hat Elvis viel später gefragt.
Ich versuche, so kleindkindgerecht wie möglich zu erklären, komme ins Stottern, verliere den Faden, weil mir die 37° C Außentemperatur die Sinne vernebeln und ich mich beim besten Willen nicht an Geschlechtsverkehr und Co. erinnern kann, das Ganze läuft irgendwie aus dem Ruder, mit dem Ergebnis, dass Lucky nun denkt, ältere Brüder zeugen ihre kleinen Geschwister, und Mädchen haben 2 Mütter.
Och Menno, ey...!!

Ich starte HOW TO SELL DRUGS ONLINE.
Wahre Begebenheit: Schüler ("Shiny flakes") vertickt online Drogen.
Äußerst irritierend: Der 22-jährige Schauspieler, der den 18-jährigen spielt, sieht aus wie 40.


 
Samstag:
Dank seines neuen Hintergrundwissens (siehe Freitag), verschafft uns Lucky beim Bäcker kostenloses Backwerk.
Als er trotz mehrmaligem Mahnen meinerseits nicht aufhört, mit seinen Dreckpfoten an die Glastheke zu tatschen, drohe ich: "Na warte, Bürschchen, das sag ich deiner Mama und dann kriegst du Ärger!"
Und er so: "Ich habe keine Mama!"
Die Bäckereifachverkäuferin kriegt vor Mitleid direkt Milcheinschuss und schenkt ihm 2 Brötchen!
Super!
Montag gehen wir zum Metzger, ich könnt mal wieder ein Steak vertragen.


Sonntag:
Heute ist Ommas Bank-Tag.
Unser Omma verweigert Kartenzahlung und stattet sich 1x pro Quartal mit einer beträchtlichen Summe Bargeld aus.
Zu diesem Event muss ich immer mitkommen, denn sie befürchtet, man könne sie auf dem Nachhauseweg (43 Meter) überfallen.
Da sie selbst auf keinen Fall das Opfer fieser Schurken werden will, muss ICH das Geld an mich nehmen, habe aber heute meine Handtasche bei ihr liegen lassen, meine Hose hat keine Taschen, wohin also mit den Kröten?


Genau.
Protipp:
Push-Ups sind nur bedingt zum Geldtransport geeignet, weil das Polster Brüste und Kohle nach oben schiebt, was zur Folge hat, dass man sich auf 43 Meter Heimweg 12 bis 19 mal zu Kontrollzwecken an die Brust fasst.
So (oder ähnlich) entsteht vermutlich ein zweifelhafter Ruf wie "die seltsame Alte".

Abends gucke ich Enissa Amanis Netflix-Show "Ehrenwort".
Amani kannte ich bis dato nur vom Spiegel-Papaya-Gate.
Ich fasse mal kurz für euch zusammen:
krass, krass, krass, stolz, Bruda, krass, Bruda, Bruda, krass, krass, stolz, Bruda, krass, stolz, stolz, krass.
Du liebe Güte, wer lacht denn über eine 37-jährige Sexbombe mit Ghettogossen-Sprech? 12-jährige Jungs??
I feel you, Rütze, I feel you.




FIN