Sonntag, 7. Oktober 2018

Wenn's oben fault und unten brennt


Das Kind hat ein Loch im Zahn.
Ein großes, das sich über 2 Backenzähne erstreckt. Ich habe es mittels 12.000-Lumen-Stirnlupe selbst gesehen und mit Verwunderung zur Kenntnis genommen, denn wer es NICHT gesehen hat, ist das zahnmedizinische Fachpersonal, das vor 3 Monaten den Kindergarten heimsuchte. Dass so ein Riesenkrater in nur 3 Monaten entsteht, kann ich mir nicht vorstellen und nun erwäge ich eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung, oder was da sonst so in Frage kommt, um mich richtig reich zu prozessieren und dem Kinde eine hübsche Prothese und mir eine Fettabsaugung zu spendieren.
Und bevor jetzt jemand auf die Idee kommt, hier herumzuklugscheißern, dass Entdeckung bzw. Verhinderung von Karies in den mütterlichen Tanzbereich fällt, dem sei gesagt:
tje nün.

A propos Gesundheit:
Neulich war ich zur Krebsvorsorge beim Kleinen Fabian.
Ein Krebs wurde zum Glück nicht gefunden, aber dafür jede Menge außer Rand und Band geratene Hormone. Der Kleine Fabian tauschte running system Mönchspfeffer gegen Traubensilberkerze und ich warte nun seit unerträglichen 3 Wochen darauf, dass das verfickte Scheißzeug endlich wirken möge.
Es ist nämlich wahrlich kein Vergnügen, mehrmals am Tag das dringende Bedürfnis zu verspüren, sich in Embryonalstellung in die nächste Ecke kauern zu wollen und zu wimmern.
Ebenso unvergnüglich brennt & juckt und prickelt & zischt das Schmuckkästchen vor sich hin. Aber der Kleine Fabian weiß Rat in Form von Östrogen-Zäpfchen, 1x die Woche eingeführt, ein halbes Jahr lang und zack: geschmeidigere Scheide.
So die Theorie.
In der Praxis brach ich diese Folter nach 3 Wochen ab, da das Schmuckkästchen allergisch auf die Füllstoffe reagierte und ich mich mit wundem Schritt herumquälen durfte.

Ansonsten fresse ich kiloweise Erdnüsse. In Schokohülle natürlich.
Dem verwelkenden Körper ist offenbar nach Kalium und Phosphor.
Zur Ummantelung des infolgedessen immer breiter werdenden Hinterns, habe ich etwas entdeckt, das sich Boyfriend-Jeans nennt: beutelig um Bauch und Schritt, gemütlich am Oberschenkel, lässig um die Wade herum.
Assoziation hierzu ist nun nicht mehr: "Puh, ganz schön breiten Arsch gekriegt, wa?" sondern "Aaaaww, sie trägt die viel zu große Hose ihres Lebensabschnittsgefährten, wie romantisch!"
Perfekt!

Ganz und gar unromantisch hingegen entwickelt sich mein Verhältnis zu dem 17-Jährigen, der über mir wohnt.
Poltert 'rum wie ein Irrer, wenn er sich ab 23 Uhr bettfertig macht. Zweimalige Ansprache der Mutter meinerseits erbrachte jeweils nur kurzfristig Linderung.
Da ich nun für die Mutter seit meinem Einzug vor 20 Jahren, aus welchen Gründen auch immer, ein rotes Tuch bin, und sie nicht auf den Nächstenliebezug aufspringen mag, erwäge ich nun ernsthaft einen kleinen Zettel mit den Nachtruhezeiten unserer Stadt auszudrucken (22 - 7) und diesen zusammen mit einer Packung Merci vor ihre Türe zu legen.
Wirkt vielleicht nachhaltiger, als Gemecker.
Gestern nächtigte der Trampel aushäusig. Welch wunderbare Ruhe!! Kein spätabendliches Hochschrecken, keine angestrengten Atemübungen, um den Puls wieder auf Normalmaß herunterzuzwingen.
Naja, aber vermutlich kann das arme Ding nicht anders, denn wenn du von klein auf gewöhnt bist, deine komplette Freizeit immer nur zuhause zu hocken, wo soll da eine ordentliche Motorik herkommen?

A propos Vollidioten:
Ich kassierte unlängst vom Chef meine erste Rüge. Nur 1 Rüge pro Jahr - das ist eine recht gute Quote, finde ich.
Was war passiert?
Ein Mann rief an und verlangte in schroffem Ton, SOFORT mit der Geschäftsführung verbunden zu werden. Wieso er anruft, von welcher Firma und was er denn will... nö, das wolle er nicht verraten, aber ich müsse ihn nun direkt mit dem Chef verbinden, es sei schließlich DRINGEND!
Tagelang ging das so. Ich wimmelte ihn ab und schlussendlich legte ich bloß wortlos auf, sobald er sich meldete.
Denn... bei einem erfahrenen Bürofrollein wie mir klingeln sofort sämtliche Alarmglocken, wenn jemand aggressives, bei null Informationsherausgabe den Chef sprechen will, denn in 99% solcher Fälle handelt es sich um irgendwelche Akquise-Schwätzer und stellste so einen durch - zack! Anschiss.
Nun ja, einen Anschiss habe ich trotzdem kassiert, denn wie sich herausstellte, handelte es sich bei dem Anrufer um den Sekretär eines hohen Tieres, das in Not geraten war und dringend unsere Hilfe benötigte. Dringend deshalb, weil er bereits Klient unseres Konkurrenzunternehmens war und die es verbaselt hatten.
Huch.
Well, shit happens, gell?

Und zum Schluss möchte ich ein Erlebnis mit euch teilen, dass euch aufzeigen soll, wie wichtig es ist, dass man jederzeit sein Handy griffbereit bei sich tragen sollte.
Eines Morgens vor'm Bäcker steht ein NAW. Ich geh rein und Notarzt und Sanitäter stehen an der Theke und bestellen.
Und dann habe ich tatsächlich das 1. Mal in meinem Leben einen Arzt zur Seite geschubst, um bessere Sicht auf's Personal (-> den Sanitäter) zu haben!
Der war nämlich nicht nur jung, schön und gut frisiert, sondern hatte in seiner skandalös engen Sanitäterhose (die mich kurz überlegen ließ, ob es sich wohl um Stripper handelt) den knackigsten Apfelhintern, den ich je gesehen habe!!
Und da ich mein Handy im Auto gelassen hatte (denn was gibt's beim Bäcker schon groß zu sehen?!), habe ich heute leider kein Foto für euch...





PS: Annika, dieser Post ist nur für du!

Mittwoch, 5. September 2018

Vorübergehend




Wer mag, findet mich hier:


oder hier:


oder hier:




Tüdelü.


Samstag, 1. September 2018

Der Urlaub, der keiner war - Woche 1

Tag 1 - 3:
Es sind 34° C, ich liege blümeranteresk auf dem Sofa und schwitze nonstop in die nicht waschbaren graumeliert Polster von Karlstad. 
Ich überlebe diese Hitzewelle nur knapp dank Ibuprofen, Nasivin und Veltins plus.
Ich besitze eine sündteure Klimaanlage, die ich aber aus Angst vor der nächsten Stromrechnung nicht nutze.
Lucky ist fit und munter und -da wir das Haus nicht verlassen- entwickelt in dieser Zeit wahre Profiskills bei "Talking Tom Gold Run".



Tag 4:
29°C. Welcome back in der Vertikalen!
Omma schlägt Alarm:
die Bank hat ihr geschrieben, irgendetwas stimmt mit ihren Konten nicht ("...oder sowas")!
Unser Omma ist eine wohlhabende Frau, ich sehe mein Erbe in Gefahr und mache mich rasch zur Bank auf. Mit Lucky auf Socken.
Da Lucky im Sommer eh immer barfuß läuft, ist mir nicht aufgefallen, dass wir am letzten KiGa-Tag vor den Ferien die Schuhe dort vergessen haben.
Ja, das Kind hat nur ein (in Zahlen: 1) Paar Schuhe. Schnauze!
Wenn man ein Kind in Socken mit sich führt, fällt einem erstmal auf, wie dreckert die Straßen sind: Trockenkotze, Vogelschiss, Blütenschmier und Kaugummis pflastern unsern Weg, und das sind nur die 20 Meter vom Parkplatz zur Bank!


Mein Bankberater hat Nerven aus Stahl.
Der verzieht weder bei unser Omma
("Ich will zwar nur Kontoauszüge holen, aber könnt ich wohl nen Espresso kriegen?"),noch bei mir
("Könnense mir das noch ca. 38mal erklären, das kapier ich nich.") oder Lucky
("Willssu mit mir spieln? Ich muss KACKA! Und diese Biene, die ich meine, nennt sich MAJAAAA") eine Miene.


Im Zimmer meines Beraters sitze ich direkt unter der Klimaanlage, die mir herrlich erfrischende 15°C auf die linke Schädelhälfte bläst. Das wird sich später rächen.
Es stellt sich heraus, dass der Brief an Omma lediglich sagt, dass sie einen neuen Berater bekommt und dieser sich gerne persönlich vorstellen möchte.
Korrigiert mich, aber ich erkenne da einen leichten Unterschied zwischen "ACHTUNG! Ihr Geld ist in GEFAHR!!!" und "Hallöchen, ich bin ihr neuer Berater."
Na super, und dafür habe ich das Haus verlassen. Aber wenn ich schon mal hier bin, kann ich auch gleich meine eigenen Millionen umschichten, denn die gammeln schlechtverzinst auf einem Sparbuch herum.
90 Minuten später verlasse ich die Bank: schockgefrostet, superverzinst, mit einem Gutschein für die Eisdiele nebenan und einer Kapten & Son-Uhr.
Ha!
Zur Feier des Tages kaufe ich dem Kind ein Paar Zweitschuhe.


Tja, wer im Hochsommer Hochsommerschuhe kaufen geht,
kann nur noch mit sowas vorlieb nehmen.


Tag 5:
Ich wache mit tauber linker Gesichtshälfte auf. WAAAH!!!
Schlaganfall??
Muss ich den Notarzt rufen??
Ich mache den Schnell-Check: ich bewege gewohnt grazil Arme und Beine, weiß, welcher Wochentag ist und kann deutlich sprechen.
Hm, also doch die Klimaanlage der Bank?  Oder ein Hirntumor??? Oder doch die Klimaanlage?
Ich verpanike den halben Tag und merke: nix zu essen im Haus. Zeit, mal den BK-Lieferservice auszuprobieren. Also für Lucky ein Kindermenü (für Jungen) bestellt und für mich den Countryburger (vegetarisch!).
Nur 20 min. später klingelt's und der Burger-King-Boy übergibt mir die Fressalien, Lucky nörgelt "Ich will aber Mac Donalds!!", Burgerboy grinst, ich schäme mich und gebe zu viel Trinkgeld.
Nach dem Essen kehrt wieder Leben in meine linke Backe ein. Puh.



Tag 6:
Unter dem Motto: "Wer keine Blogthemen hat, schafft sich welche", krache ich beim Ausparken in die Karre meines Nachbarn, dem Hells Angel, und lebe fortan in Angst. Wir kennen uns zwar schon viele Jahre und er ist wirklich supernett (und auch ein kleines bisschen süß), aber wenn's um ihre Autos geht, werden Männer ja gerne mal komisch.
Er ist nicht zuhause, also pappe ich einen Zettel an die Windschutzscheibe. Derart traumatisiert fühle ich mich nicht in der Lage einzukaufen, gehe ins Haus zurück und wähle die BK-Lieferservicenummer.
Ein Kindermenü (für Jungen) und einen Countryburger bitte.
Ich bringe rasch mich und die Wohnung auf Vordermann, denn wenn der Nachbar gleich kommt, kann ich ihn vielleicht mit einem sauberen Teppich und einem hübschen Sommerkleid milde stimmen.
Der BK-Boy braucht heute 60 Minuten!

Nachmittags klingelt's.
Es ist... nicht der Nachbar, sondern seine Freundin. Hä? Seit wann hat der eine Freundin?! Wichtige Dinge kriege ich ja nie mit, weil meine Fenster nach Süden rausgehen, das pralle Leben in dieser Straße sich aber mehr so nordwestlich abspielt.
Es war IHR Auto, das ich angefahren habe. Aha.
Ich schließe möglichst unauffällig wieder die oberen Knöpfe meines Kleides.
Sie meint, dass  man schon sehr genau hinschauen müsse, um das kleine Beulchen zu erkennen und ich solle mir mal keine Sorgen machen, sie würde die Karre  waschen, bissken polieren und gut is!
Oh. Wie nett!
Ich befürchte allerdings, dass, sobald sie ihrem Kerl davon erzählt, das Ganze seinen hochoffiziellen Weg über meine Versicherung gehen muss. Wie gesagt: Männer reagieren empfindlich, wenn es um Autos geht. Und da sollte ich Recht behalten.



Tag 7:
Ich habe weder Bock einzukaufen, noch zu kochen. Ich habe schließlich URLAUB, ey!
Also ordere ich mittags wieder ein Kindermenü (für Mädchen) und einen Countryburger.
Lieferzeit: 40 Minuten.

Abends ruft die Rockerfreundin an:
ihr Freund hatte gemeint, dass sie die Beule lieber in einer Werkstatt checken lassen soll, nicht, dass sich da wichtige Dinge verzogen haben!
Gesagt - getan.
Guess what...
Die Werkstatt hat festgestellt, dass sich da wichtige Dinge verzogen hätten, also her mit der Versicherungsnummer!
Die Freundin entschuldigt sich mehrfach für die Unannehmlichkeiten, ihr ist das alles sehr peinlich.
Ich bin zwar diejenige, der das peinlich sein sollte (was es auch echt ist!), aber gut.


Merkste was?




Lerngeschenk der Woche:
Karlstad graumeliert kann man sehr wohl in die Waschmaschine stecken!


Samstag, 14. April 2018

8


Im Märzen 2010 schrub ich meinen ersten Blogeintrag.
Puh, was war das aufregend!
Mein Geschriebenes konnten nun Millionen Menschen da draußen an den Displays lesen!
Und Millionen sind es tatsächlich gewesen, meint Google Analystatistics, nämlich
2.369.356.

Hach, waren das tolle Jahre:
ich hatte endlich ein Medium gefunden, wo ich so richtig rauslassen konnte und mich gleichzeitig in meinem Hobby, dem Schreiben, üben konnte.

Ich habe euch teilhaben lassen an Höhen, Tiefen, Beziehungsproblemen, Trennungen, Schwangerschaften, Todesfällen und Hardcoredating, habe mich ausgelassen über meine Erfahrungen mit Ämtern und anderen Bekloppten.

Es wurde diskutiert, Informationen ausgetauscht, gelacht, geweint, kritisiert.
Ihr habt mir die Krone geradegerückt, wenn mal was schief lief und ihr habt mir den Kopf geradegerückt, wenn ich mit meiner verqueren Denke den Wald vor lauter Bäumen nicht sah.

Und mit manch anderen Bloggern ergab sich sogar privat was.

Hach, schee war's....



8 Jahre später:
Mal abgesehen davon, dass ich, seit ich wieder arbeite, kaum Freizeit habe, habe ich das Gefühl, es ist alles gesagt, was gesagt werden musste/sollte/wollte/konnte.

Und mit 50 ist man offensichtlich nicht mehr dieselbe wie mit 42:
Situationen, Umstände, Einstellungen, Meinungen, Befindlichkeiten ändern sich.
Die Altersmilde hat zugeschlagen und ich rege mich nicht mehr genug auf, um feurige Blopgposts zu schreiben.

Ein, zwei Sätze in den Facebook-Status geklöppelt oder ein 14 sec.-Filmchen bei Instagram gevlogt - ok, dafür reicht's gerade noch.

Vieles, was ich vor 5 Jahren z. B. noch für bloggenswert hielt, lässt mich heute völlig kalt.
Immer öfter auch der Gedanke: wen interessiert's??

Was mir mittlerweile auch das Posten, Bloggen oder sonstiges öffentliches Gequatsche vergällt (kennt das Wort noch jemand??), ist diese neue Spezies von Arschkrampen:
die social warrior.
Hölle, ey!
Diese digitalen Gutmenschen, die alles und jeden korrigieren und zurechtweisen müssen, hinweisen auf die noch so winzigkleinste political uncorrectness, zwar grammatikalisch einwandfrei und (fast immer) höflich, aber nervig, wie die Pest.
Kein Post, kein Status, den diese Nervensägen nicht kommentieren und mit ihrem Wissen meinen "bereichern" und relativieren zu müssen.
Böäch ey.
Dann lieber 'nen Troll.

A propos: bloggt heutzutage überhaupt noch irgendjemand?!
Es gibt tatsächlich Blogger, die schreiben seit Jahren stoisch vor sich hin.
Auch mit nur 3 Followern, die nicht mal kommentieren.
Chapeau.
So eine bin ich nicht, habe mich vorerst für die Quickie-Varianten Instagram, FB und Twitter entschieden.

Aber tu ich den Blog schließen?
Mein mittlerweile 8 Jahre altes Baby (2. Schuljahr, oder)?
Och... nö.
Hab soviel Herzblut reingesteckt und mir die Finger wund getippt.

Vielleicht kommen irgendwann wieder bessere Zeiten (whatever "besser" means) und ich habe ich irgendwann richtig viel Zeit und gleichzeitig 'nen freien Kopf und ein top Thema.
Ihr werdet auf jeden die Ersten sein, die es erfahren.
Versprochen!

Mittwoch, 14. Februar 2018

"Titty Twister" oder "Wie ich eine Mammographie überlebte"

Valentinstag 2017 hatte ich einen Termin zur Krebsvorsorge beim Gyn.
Da war trotz meines Singlestatus' untenrum was los.

Für Valentinstag 2018 hatte ich Glückspilz einen Termin zu meiner 1. Mammographie zugeschickt bekommen und so war auch für obenrum gesorgt.

Ich machte mich also auf die Jagd nach Erfahrungsberichten, live und im Internet.

Zuerst irritierte mich, dass die meisten Frauen steil gehen bzw. gar nicht hin, weil sie sich "entmündigt" und "bevormundet" fühlen, dass ihnen da ein fixer Termin vorgesetzt wird.
Grundgütiger.
Geht's noch?!
Mal abgesehen davon, dass man diese Termine auch absagen oder verschieben kann (aber dafür müsste man ja ein Telefonat führen, so richtig mit Nummer wählen und reden und so), freue ICH mich über jede Erledigung, die mir abgenommen wird.

Ich befragte also Frauen.
Tenor:
"Das ist soooo schmerzhaft!"
"Mir wurde schwarz vor Augen!"
"Ich hatte anschließend blaue Flecken!"
"Je kleiner die Oberweite desto größer der Schmerz!"

Oha.
"Naja", dachte ich, so als schmerzempfindliche Kleinbrüstige, "man MUSS da ja nich hin, ne..."

Aber unser UrOmma war an Brustkrebs gestorben und der Kleine Fabian, mein Gyn, riet mir dringend zu, weil er allein mit tasten und Ultraschall nicht alles erfassen kann, was in so 'nem Busen vor sich geht, und auch er warnte: "Das tut aber weh!"



Und so ging ich heute nervös as fuck zum Screening Center.
Aber nicht die Angst vor einem schlimmen Ergebnis ließ mich bibbern, sondern der Gedanke an AUA! KOLLAPS! und HÄMATOME!

Tja...

Hm...

Die gute Nachricht:
Das Ganze ging so schnell, dass ich nicht mal das Parkticket latzen musste, weil ich noch unter den 15 Freiminuten lag.

Die schlechte Nachricht:
Die Busenzurechtrückerin hatte kalte Hände.

Anders ausgedrückt:
auf meiner Liste der schmerzhaften Dinge, von 1 bis 10, also von Blasenspiegelung über Aphten bis Wurzelbehandlung - da steht die Mammographie gar nicht mit drauf.
Weil's nicht weh tut.
Was soll da auch weh tun?!
Druck ja, ok, aber von "Schmerzen" oder "unangenehm" ist das meilenweit entfernt. Ich musste nicht mal veratmen.
Klar, jeder hat ein anderes Schmerzempfinden, ich zum Beispiel stehe bei der alljährlichen Zahnreinigung jedesmal kurz vorm Kollaps.

Ich vermute mal ganz stark, dass Damen, die bei der Mammo den Adler machen, das nicht aufgrund eines unerträglichen Schmerzes taten, sondern aufgrund der beschissenen Gesamtsituation:
- von anderen gehört, dass das scheußlich weh tut
- fremde Ärzte und Arzthelferinnen in unbekannten Räumlichkeiten, die
- mit kalten Pfoten an intimen Stellen rumfummeln
- der Busen eingeklemmt in einem riesigen medizinischen Apparat
- Angst vor Röntgenstrahlung
- Angst vor einem eventuell negativen Ergebnis
Vor lauter Aufregung nicht gefrühstückt, hyperventiliert, usw. usw.

Ich wiederhole es gerne nochmal:
MAMMOGRAPHIE TUT NICHT WEH!
Das schwört euch eine, die an ganz schlechten Tagen dem Zahnarzt bei der Zahnsteinentfernung von der Liege springt!

Also geht hin, klatscht denen eure Bälle auf den Tisch und lasst tun, was getan werden muss!

Das Ergebnis erhält man übrigens innerhalb der nächsten 10 Tage.

Freut mich, wenn ich helfen konnte.

Tüdelü.

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Wie ich mal fast einen schönen Geburtstag feierte

Neulich wurde ich alt.
Ziemlich alt.
So alt, dass man nicht mehr von "Lebenshälfte" reden kann, sondern vom letzten Drittel.
Alles, was jetzt nur noch kommen kann ist Krankheit, Siechtum, Tod.
Was den Tod betrifft, schaue ich mir seit ein paar Monaten mit nahezu obsessiver Besessenheit Sterbevideos bei Youtube an.
Ja, gibt es.

Die Wochen vorher bewahrte mich mein abartig stressiger Job und die Annahme zweier Kolleginnen, dass ich 40 würde, davor, depressiv zu werden und an meinem Geburtstag selbst wollte ich das Beste daraus machen, in dem ich am Abend mit ein paar Leuten Essen ging.

Während ich den 40. noch groß gefeiert hatte, so richtig mit Location mieten und Unterhaltungsprogramm, wurde es diesmal, aufgrund einiger in den letzten 10 Jahren Weggestorbener und/oder Rausgekickter, klein und ruhig.
"Gesetzt" heißt das dann wohl.


Frühstück, einsam.
(Lucky guckte lieber Kika und Elvis schlief
den Rausch einer Fachschaftsparty aus.)
Mit Blumen, selbstgekauft(!).



Und ja, ich trug ein Krönchen!
Na und?!




Ich bekam einen Selfiestick und kann meine Outfits nun immer komplett knipsen!
(Also, sobald ich 'raushabe, wie. *hüstel*).
Ich stellte 6 Outfit bei Instagram zur Auswahl und die Mehrheit entschied sich ...
- nicht für das da oben, da der Favorit einen riesen Fettfleck aufwies.



Ab 50 bekommt man offenbar diese typischen Altmenschengeschenke.
Wenigstens konnte man's essen.
(Pro-tipp: sollte mir irgendjemand in der Zukunft eine Kerze mit meinem Namen
oder schlimmer: mit einem Bibelvers drauf, schenken, den töte ich mit der noch
verbliebenen Kraft meiner arthritischen Pfoten, werde davon ein Video machen und
es bei Youtube hochladen, damit alternde Frolleins sich das dann abends alleine
auf ihrem Sofa ansehen können und anschließend vor lauter Herzklopfen nicht
in den Schlaf kommen.)
Aber ..äh.. ich schweife ab.

Ich trug also das adrette Twinset, die Haare lagen gut, der Babysitter kam pünktlich und Elvis und ich machten uns auf zum Restaurant, wo uns mich die anderen schon erwarteten.
Drücker, Küsschen, Smalltalk und Geschenke wurden ausgetauscht.

Wir setzten uns und kaum hatten wir unsere Getränke bestellt, rief der Babysitter an, um ins Telefon zu heulen, dass Lucky sich ganz komisch benehmen würde:
"Eierloch" und "dämlich" hätte er sie genannt, sie mit Autos beworfen und ihr die KiZi-Tür vor der Nase zugeschlagen und sie wüsste jetzt auch nich *mimimi*...

Fun fact: sie (22) macht gerade eine Ausbildung zur Pädagogin.

Das Gör geht mir unter der Woche schon genug auf den Sack, weil es vor 10 nicht in den Schlaf kommt und mich so meiner kompletten freien Zeit beraubt, und nun versaute es mir meinen Geburtstag?
Meinen einzigen 50.??
Die 3 kleinen Stündchen, die ich relaxed und ohne Blagengedöns verbringen und in denen ich mich feiern lassen wollte????
Nü, das war wohl zuviel verlangt.
Ich stand kurz vor'm Apoplex. Mit Tetraplegie!

Elvis, der Gute, bot an, nach Hause zu fahren und an Heulsusis Stelle auf Lucky aufzupassen.
Aber da Frauen jedweden Alters kleine Kinder ja supisüß finden (also außer Frauen, die gerade im Besitz eines kleinen Kindes sind) wurde ihm von den Anwesendinnen aufgetragen, das Kinde geschwinde herzuholen.
Die Herren der Tafelrunde und ich weinten in unsere Schnapspinnchen.

Wie der Rest des Abends verlief, könnt ihr euch denken:
ist ein Kleinkind anwesend, dreht sich alles um's Kleinkind.

Sehr lecker war's!

Tja, und das war's mit meinem Fuffzichsten, nech.
Mehr gibt's dann auch tatsächlich nicht zu erzählen.

Ach doch...
Als wir spätabends nach Hause kamen, klingelte Lucky bei meiner muffeligen Übermirmieterin.
(Ja, genau die, die sich bei der Vermieterin beschwert hat, dass er zu laut badet.)
Arschblag.

Ich setze allerdings große Hoffnung in meinen 60.
Dann ist Lucky 13 und seit 3 Jahren im Internat.




Und hier noch die wichtigen Weisheiten einer Fuffzichjährigen:
- hock' dich beim Kotzen hin (ggfls. "Plexus oesophageus" googeln)
- Männer sind alle gleich
Doch.
Dohoch!
WOHL!
- einem Selfiestick liegt kein Manual bei
- vergeude keine Zeit damit, darüber nachzudenken, was andere über dich denken. 99% der anderen sind so mit sich selbst beschäftigt, dass es sie einen feuchten Furz interessiert, was du tust oder lässt
- wenn man wegen einer Blasenentzündung ein Antibiotikum nimmt, stinkt der Urin nicht nach Spargel, egal wie viel du davon verdrückst.
- im Manhattan Icetea ist kein Eistee

Sonntag, 3. Dezember 2017

Zwangsurlaub

Freitag kam ich ins Büro und erfuhr, dass ich in der kommenden Woche Urlaub zu nehmen hätte, denn die 2017er Urlaubstage dürfen nicht in 2018 mitgenommen werden.
Die Streber-Kollegin (die mich anfangs "langsam, weil alt" genannt hatte und mit der ich witzigerweise mittlerweile ziemlich dicke bin) hatte flugs in einer Excel-Tabelle ausgerechnet, wer von uns wann Urlaub nehmen müsse und ob ich was dagegen hätte, direkt ab Montag zuhause zu bleiben.
Hatte ich nicht.


Montag:
Ich fahre zu Elvis in die Sehr Große Stadt. Er möchte zu Ikea.
Da ich mich sehr selten in sehr großen Städten aufhalte, bin ich mit 28-spurigen Fahrbahnen überfordert und verwechsle prompt eine Auffahrt mit der Ausfahrt (nein, nicht als Geisterfahrerin! Malt's euch halt auf.)
Wusstet ihr übrigens, dass es Regeln für das Fahren innerhalb mehrspuriger Kreisel gibt? Naaa? Nee, ne?

In der WG angekommen bietet sich ein, oberflächlich betrachtet, gutes Bild: aufgeräumt und neutral riechend, aber in den Ecken tummeln sich Staubballen in Basketballgröße, im Kühlschrank finde ich Biowaffen (Eier, abgelaufen vor 3 Wochen) und ich zähle 6 Bierkästen, 14 Wodkaflaschen und keinen Staubsauger.
Im leeren 30 qm-Wohnzimmer steht ein Tisch, auf dem 2 Sprudelkästen und ein Pappbecher stehen. Ich will die Kästen vom Tisch räumen, darf aber nicht, da dieses Arrangement offenbar das Setting eines komplizierten Trinkspiels darstellt.
Der Verlierer muss den Sprudel trinken. Sagt Elvis.

Die Sehr Große Stadt ist so groß, dass die Strecke WG - Ikea genauso lange dauert wie Sauerland - WG, obwohl wir uns nur innerhalb der Stadt bewegen.
Ikeas sehen offenbar überall gleich aus: 17 Stufen hoch in die Showrooms, "Restaurant", 12 Stufen runter zum Kleinkram, SB-Halle, Kassen, links Kekse, rechts Hotdogs.
Ich verlasse den Laden mit 2 Ursulas (wer hat denn das vermasselt?? Däckö, Stryck oder Flaussyk - ok, aber URSULA?!)



Dienstag:
Eine Firma, bei der ich mich im Frühjahr bereits vorgestellt hatte, lädt mich zum 2. Gespräch ein.
Ich starte früh in die 15 km entfernte Stadt und liege sehr gut in der Zeit als ich mich knapp 1 km vor'm Ziel verfahre, trotz Navi (JA, DAS GEHT!). Wie wir wissen, ist Autofahren nicht gerade mein Hobby.
Also nochmal rund um den Pudding. Die Straßen sind voll und ich stehe 2 Minuten vor'm Termin vor der Firma. Es gibt keinen eigenen Parkplatz und so klappere ich alle Tipps der Tippse ab: Aldi, Getränkemarkt, Rathaus, Querstraßen. Alles voll. Parkhaus 4 km entfernt.
Laut Sekretärin ist das immer so.
Also jeden Tag rumgurken bzw. ins teure Parkhaus und 4 km quer durch die Fußgängerzone latschen? Nach 15 Minuten Gesuche greife ich zum Handy und sage ab.
Ich will mich schließlich verbessern.

Abends grabscht sich Lucky die Cornado-Tüte. Ich nehme sie weg, immerhin hatte er schon Gummibären. Er holt tief Luft, um loszubrüllen und ZACK! steckt ein Cornado in der Luftröhre.
Er röchelt und guckt erschrocken.
Ich halte ihn kopfüber über die Badewanne und wemmse auf den Rücken.
Er kotzt. Wieder auf den Beinen röchelt er nicht mehr, läuft aber dunkelrot an, das Gesichtchen ganz verzerrt.
Scheiße! Wen rufe ich zuerst an? Alltimeretter Nachbar Pellwitz oder den NAW??
Ich lasse Lucky nochmal über der Wanne baumeln.
Nochmal klopfen, nochmal kotzen und ZACK! ist das Cornado raus.
Lucky möchte an dem Abend nix mehr essen und geht widerstandslos ins Bett.
Puh. Mit diesem Kind machste was mit. Sowas ist dem lieben Elvis nie passiert.


Mittwoch:
Da ich mir bei der "21kg-Lucky-über-der-Wanne-baumeln-lassen"-Challenge was gezerrt habe, bleibe ich mit Rücken-/Nacken-/Kopf und Nurofen-Erdbeer-Overdose zu Hause und wasche mir den Wolf.
Ich freue mich auf's Shoppen in der Großen Stadt morgen.

Nachmittags hat Lucky seinen ersten Frisörtermin.
Ich habe Angst. Fabienne nicht.
Während sie Luckys Babyflaum wegsäbelt, redet sie pausenlos auf ihn ein. Er schweigt und guckt. 
Entweder ist er tatsächlich unbeeindruckt
oder er hat einen Zuckerschock dank der Gummibären,
die Fabienne ihm zuvor verabreicht hat. 
Kann auch sein, dass er sich gar nicht angesprochen fühlt,
denn sie nennt ihn Gustav. So heißt aber nicht das Kind,
sondern sein Plüschtier, was sie aber erst beim Bezahlen schnallt.


Donnerstag:
Nachts hat es 0,431 mm geschneit und der Verkehr liegt brach.
Laut Radio hat die Schneekatastrophe ausgerechnet die Große Stadt am übelsten erwischt.
Oh nein! Nicht noch ein Tag zuhause!!
Mittags rufe ich eine dort wohnende Bekannte an; sie sagt, die Straßen seien frei und der Katastrophenschutz abgezogen (Scherz!).
Danke, Radio Sauerland, du Lügenpresse!
In der tollsten Boutique des Sauerlandes finde ich wider Erwarten nix dolles, entscheide mich aber für ein paar Teile im Menopausen-Look (googelt mal #menocore - leider kein Scherz): eine Jogg-Jeans im Nubuk-Look, sieht cool aus und lässt die Wampe unbemerkt vor sich hinwabbeln; einen Fledermausflauschpulli, der garantiert keine hitzewellenbedingten* Schweißflecken sichtbar werden lässt und ein Shirt, das den cellulitösen Hintern gut bedeckt.
*die ich gar nicht mehr habe, dank Mönchspfeffer
Eine Klamotte von DooF - wer hätte sie nicht gern?!



Freitag:
Der Mittwoch rächt sich jetzt: ich bügele mir den Wolf.
Und dekoriere die Hütte weihnachtlich.
Außerdem will ich mal wieder was bloggen: Gedanken zum nahenden Fuffzigsten und über meine Versuche, vegetarisch zu leben.
Habe aber keinen Bock.
Für lange Texte habe ich keinen Kopf im Moment. Außerdem tun mir seit dem Cornado-Vorfall zusätzlich die Hände weh.
Ich finde vielmehr Gefallen an Instagram und diesen putzigen kleinen Filmchen**, die man dort machen kann.
**können nur Mitglieder sehen.


Samstag:
Neuer Babysitter No. 1 kommt.
Da ich aber gar nix vorhabe, verkrümele  ich mich ins Auto und erfreue mich an Julien Bam-Videos (Guckbefehl!).


Ins Café kann ich leider nicht, da ich vergessen habe, einen BH anzuziehen, kein Makeup trage und sich ein Fleck auf dem Shirt befindet.
Die Schmerzen sind schlimmer geworden, ergo meide ich Bewegungen wie Spazieren gehen. Das ist doch kein normaler Muskelkater mehr! Bei Wärme wird's besser, vor allem in den Händen. Ist das Rheuma, Gicht, Altersstarrsinn??
Nach 1 Stunde sehe ich Lucky und Babysitter aus dem Haus kommen. Damit der Babysitter nicht sieht, dass ich bloß alleine im Auto abhänge, fahre ich rasch los zum Lädchen an der Ecke und erstehe 1 Swiffer für Elvis und 2 neue Perversitäten: Ahoibrause-Limonade und Edle Tropfen Kräuterbitter. Bah ey!
Aber: wenn man den Kräuterlikör aus den Pralinchen in einem Glas sammelt und mit der Ahoibrause mischt, geht's eigentlich.

In Erwartung eines monstermäßgen Geschmackserlebnisses
konnte ich die Kamera kaum ruhig halten.

Für abends begehrt ein nett aussehender Typ aus Nachbardorf via NeueLiebe.org ein Date. Ich lasse ihn abblitzen. Ich will lieber alleine zuhause auf'm Sofa hocken, Emrahs warmen Banana Dream French Toast essen und dabei Lost-Place-Videos von Jack "Horrido" Silver gucken. Und zwar für immer.
So weit isses schon...



Sonntag:
Da ich mich zeitmanagementtechnisch verhauen habe, kommt heute neuer Babysitter No. 2 (die Polizistin). Ich habe wieder nix vor, verstecke mich im Schlafzimmer und schreibe diese Zeilen.
Erst geht alles gut; nach 1 Stunde wendet sich das Blatt: Lucky fängt an, affig herumzualbern und sobald die arme Frau was sagt, ruft er Sachen wie "Halt die Schnauze, du Penner!"
Oh. mein. Gott.
Dieses Kind ist mir direkt aus der Hölle geschickt worden, als Strafe für mangelnde Verhütung.
Ich entschuldige mich 1000fach beim Babysitter, nenne ihr aber todesmutig einen neuen Termin, nämlich meinen Fuffzichsten, um diesen mit den artigen(!) Mitgliedern meiner Restfamilie (also die, die noch nicht weggestorben sind) au restaurant zu begehen.
Sie sagt, sie guckt zuhause in ihren Terminkalender und meldet sich dann.
"Nicht", denke ich und smse unserem alten Babysitter.
Die sagt prompt zu.
No. 2 eine Stunde später auch.
Argh!