Samstag, 26. August 2017

Einladungssucht

Ist das eine anerkannte Krankheit mit ICD und so?
Falls nicht, plädiere ich dafür.
Ich hätte auch schon Patient Zero parat: den Pilot!

November 2016.
Er so:
"Meine Mutter lädt dich und Lucky herzlich zu ihrem Geburtstag nächsten Freitag ein! Wir fahren dann gemeinsam hin* und bleiben über's Wochenende."
*400 km.

Ich freute mich sehr, denn die Pilotenmutter ist cool und dann würden wir endlich auch den Vater kennenlernen.
Also dankte ich der PiMu per Whatsapp hocherfreut für ihre Einladung.

2 Tage Funkstille.
Ungewöhnlich, denn normalerweise antwortet sie noch am selben Tag auf Nachrichten.
3 Tage später:
"Liebe Juliane, ihr seid immer willkommen, aber leider nicht an meinem Geburtstag. Meine Schwester kommt extra aus der Schweiz angereist; sie ist schwer krank und benötigt dann meine ganze Aufmerksamkeit. Ihr könnt aber gerne ein andermal kommen."
Freude verpufft.
Hä, dachte ich, wieso lädt sie mich denn dann erst ein??
Oh.
Moooment!
Pilot zur Rede gestellt.
Stotter stotter... ähm... vielleicht habe ich sie da falsch verstanden.. öhm.. ihr könnt aber sonst immer gerne zu ihr kommen ..bla..

Ja, danke für's Gespräch, Idiot!
Wie kann man denn jemand im Namen einer anderen Person einladen, ohne dass diese Person davon weiß, Herrgott?!


Ostern waren wir dann dort, nachdem sie uns höchstpersönlich eingeladen hatte.


August 2017
Pilot so:
"Meine Mutter kommt am Freitag zu Luckys Geburtstag. Ist dir das recht? Sie möchte euch so gerne wiedersehen. Sie bleibt über's Wochenende, dann könnten wir gemeinsam etwas unternehmen."
Ich freute mich sehr, denn, wie gesagt, im Gegensatz zu ihrem Sohn, ist die PiMu 'ne coole Socke.
Hm, aber wieso teilt sie mir das nicht selbst mit bzw. fragt mich vorher, denn das wäre oldschool und sie ist oldschool.
Leicht alarmiert schrieb ich ihr, dass der Pilot mir mitgeteilt hätte, dass sie gedenke zu kommen und ich mich sehr darüber freuen täte.
Man ahnt es schon, ne?
4(!) Tage Funkstille.
Dann:
"Liebe Juliane, leider habe ich mich mit meinen vielen Terminen übernommen, mein Herz ist bei euch, aber terminlich stoße ich gerade an meine Grenzen, habe mich verzettelt, bla..."
Ja, nee, is' klar, eine zuverlässige und sehr gut organisierte Frau wie sie verzettelt sich ausgerechnet bei einem wichtigen Termin wie Enkelgeburtstag?!
Komm, hör' mer uff!

Als ich dem Pilot daraufhin dringend riet, damit aufzuhören, andere Leute sich gegenseitig einladen zu lassen, wusste das Unschuldslamm üüüüberhaupt nicht, was ich meine, es wäre schließlich der Fehler seiner Mutter gewesen.

Ich kann mir schon denken, wie das ablief.
PiMu: Sohn, Juliane bestätigt gerade per WA mein Kommen! Hast du mich etwa bei ihr eingeladen?! Wir sind doch dann im Urlaub!
Pilot: Oh. Äh...
PiMu: Was hast du getan?! Juliane und Lucky rechnen nun fest mit mir!
Pilot: Äh...
PiMu: Ich weiß! Ich schreibe einfach, ich hätte mich verzettelt...
Pilot: Okeee.

Män, mit dem Typ stimmt auf so vielen Ebenen was nicht, da kann Lucky froh sein, dass er wenigstens EINEN freshen Elternteil hat...


Wie Luckys 3. Geburtstag war, fragt ihr?
Nun ja, da PiMu bekanntlich nicht erschien, der Pilot kurz vorher wegen starker Migräne* absagte und unser Omma ja immer direkt nach Nahrungsaufnahme nach Hause will, recht kurz und gastarm.
*aka: Angst vor meinem Anschiss
Was Luckys Freude über seine tollen Geschenke aber keinen Abbruch tat.
Unser Omma schenkt ihm eine "kleine Gitarre" und nun ratet , wer Abend für Abend vor Youtube sitzt und Ukulele spielen lernt...


Ich hatte extra Geburtstagskrönchen besorgt!



Pro-Tipp übrigens an Väter mit Migräneneigung:
macht es wie die Mütter, werft  euch eine Schmerztablette ein und FUNKTIONIERT EINFACH WEITER!
Probiert mal, ist gar nicht schwer...

Freitag, 4. August 2017

Vorstellungsgespräche - Der Kindergeburtstag

Ein mir gänzlich unbekanntes (weil sehr spezielle Werkzeuge produzierendes) Unternehmen hat mich eingeladen.

Im Eingangsbereich hängt ein riesiges Wandtattoo:
"Lasset uns nicht lieben mit Worten, sondern mit der Tat und der Wahrheit. 1, Johannes 3.18"
Oha.
Das und der Satz in der Stellenanzeige "Wir sind ein christlich geführtes Unternehmen" lässt mich nun befürchten, dass hier Nonnen und Mönchen werkeln.

Aber nein, die 3 überaus gut gelaunten Firmenleiter, die mich in einem riesigen Konferenzsaal begrüßen, sind einfach nur sehr gläubige Menschen, wie sich herausstellt.

Wir 4 suchen uns aus der Fülle der dargebotenen Getränke und Kekse etwas aus, plaudern kurz über's Wetter und dann geht er los, der Kindergeburtstag.
Der Personalchef hatte mich bereits am Telefon vorgewarnt, dass das Gespräch ungefähr 90 Minuten dauern wird.

Ein Feuerwerk der guten Laune prasselt auf mich nieder und dieses Bewerbungsgespräch ist das kurzweiligste, das ich jemals erlebt habe; es wird viel gelacht, es werden Anekdoten zum Besten gegeben, der Firmenchef (ein Mittvierziger im schlabberigen Jack & Jones-Shirt {tut das nicht, Männer ab 21, tut das nicht!}) und ich tauschen uns zwischendurch über unsere Kinder im Studentenalter aus und der Personaltyp mahnt mehrmals augenzwinkend zur Ernsthaftigkeit.

Jeder der 3 hat einen Hefter vor sich liegen, daraus lesen sie die Fragen ab, die sie abwechselnd auf mich abfeuern. Kreuzverhör quasi.
Wie behalten Sie in Ihrem Leben den Überblick?
Nehmen Sie die die Bestellung eines Kunden an, der etwas dringend zu einem bestimmten Termin braucht und Sie wissen genau, dass der Termin nicht eingehalten werden kann? (-> Richtige Antwort wahrscheinlich: als Geschäftsfrau JA, als Christin NEIN)
Wie und wo speichern Sie Dateien?
Wie gehen Sie mit einer Zicke im Team um?
Definieren Sie Zicke! Wie heißt das männliche Pendant?
Welche Hobbys haben Sie?
Welche technischen Gimmicks nutzen Sie, abgesehen vom Handy, noch?
usw. usw. usw.

Es folgt eine kleine Konversation auf englisch.

Kaum ist die Kladde abgearbeitet, legt man mir Werkzeuge und so Produktdingens aus Holz und Metall vor und ich soll versuchen, zu erklären, ob und wie die zusammenpassen und sie letztendlich auch zusammenfügen.
Anschließend soll ich alles wieder auseinandernehmen und in eine spezielle Verpackung packen, die ich aber erst falten muss.

Da die Stelle eh nicht passt und ich mich hier nur beworben habe, um ein "Übungs" -gespräch zu ergattern, ist es mir schnurz, wie ich 'rüberkomme, bin ergo relativ locker und habe sogar richtig Spaß dabei.

Kaum ist die Verpackung zusammengefaltet und das Werkzeugdingens reingestopft, kriege ich ein Laptop vorgesetzt. Ich darf aus 3 Aufgaben 1 aussuchen:
1. Briefe zu einem Serienbrief zusammenfügen.
2. Eine einfache Formel in Excel erstellen.
3. Einen Bestellvordruck ausfüllen.

Ich entscheide mich für 3. Wie gut, dass ich so viel über's Internet bestelle! Das kommt mir jetzt zugute.
1. habe ich noch nie gemacht und Excel-Formeln?! Geh' mir wech! Schnallt das überhaupt irgendjemand OHNE abgeschlossenes Informatikstudium?!

Anschließend werde ich durch die gesamte Firma geführt und im Betrieb noch genötigt, verschiedene Werkzeugsdingens zu so Produktdingern zuzuordnen.

Dann werden die Basics besprochen. Ich fühle mich leicht verarscht, als man mir für 35 Stunden 3.000 Ocken brutto bietet.

Nach 90 Minuten ist tatsächlich Schluss.
Man bedankt sich überschwänglich für das amüsante und sehr angenehme Gespräch und verspricht, sich in 3 Tagen zu melden.

3 Tage später erhalte ich die netteste Absage ever, in der man mir von Herzen alles Gute wünscht.
Ich bedanke mich meinerseits für die gebotene Gelegenheit, mich vorstellen gedurft zu haben, woraufhin man sich wiederum herzlich für meine Bedankung bedankt.

Grundsätzlich war das spaßig, aber...
...liebe Personal-Fuzzis, ganz ehrlich, ne? wenn ihr wüsste, wie albern ihr mit solchen Spielchen 'rüberkommt...
Was soll das? Seid ihr nicht in der Lage, einen Bewerber anhand von Ausdrucksweise, Mimik und Gestik, etc., einzuschätzen? Nein? Tja, denkt mal drüber nach...


So, und beim nächsten Mal erzähle ich euch dann, wie es dazu kam, dass ich plötzlich innerhalb von 2 Tagen 2 Jobzusagen bekam...


Label: Vorstellungsgespräche

Dienstag, 1. August 2017

Babysitter des Grauens, Teil 827

Kiga-Ferien stehen an und damit es nicht zu Todesfällen kommt, suchte ich mal wieder einen Babysitter.
Babysitter A ist zeitgleich im Urlaub.
Babysitter B geht als Aupair ins Ausland.
Zeit also, einen neuen zu besorgen.

Babysitterdienst:
die Mädels, die man mir vorschlug, fielen 'raus:
die eine hatte aufgrund ihrer 27 verschiedenen Hobbys nur 1 x pro Quartal Zeit und die andere merkte nach 2x sitten, dass sie mehr Zeit zum Lernen braucht.

Dann erschien in der Zeitung ein Artikel über die frisch diplomierten Babysitter der VHS.
Ich fragte nach, wo man diese Frischlinge buchen könne.
Ja, ähm, das wisse man nicht so genau, wahrscheinlich aber beim Babysitterdienst, oder? Ach, nicht?! Ja, äh, dann müsse man sich erstmal schlau machen und mich zurückrufen.
Nennt mich kleinlich, aber wenn ich seit Jahren Dutzende Gören durch's Babysitterdiplom schleuse, dann weiß ich doch, wie und wo man die anschließend buchen kann!

Es stellte sich heraus, dass ein Ordner existiert, der Heilige Gral der Alleinerziehenden quasi, und zwar im Kindergarten in der Kastanienallee.
Also hin.
Wie schön: alle 5 gelisteten BS wohnen in meine Nähe!
Wie unschön: der Ordner ist dermaßen veraltet, dass 4 der darin aufgeführten Teenies bereits weit weg wohnende Studentinnen sind oder gar selbst Mütter, die ihrerseits Babysitter suchen.
Die 5. kommt zwar zum Kennenlernen, entscheidet sich dann gegen uns und für einen Warenverräumungsjob bei Aldi.
*hmpf*

Also wieder in der ungeliebten Sauerlandgruppe bei FB inseriert.

Es meldet sich eine Kiga-Mutter, die ihre 65-jährige Mutter feil bietet.
'ne Omma. Nun ja, warum nicht...
Immerhin wohnt sie nur 5 Häuser weiter.

Ich rufe sie an, sie redet viel und springt von Thema zu Thema ohne einen Gedanken zu Ende zu formulieren. Mir schwirrt der Schädel, vielleicht bin ich einfach zu denkfaul geworden.
Sie erzählt, dass sie Tagesmutter ist, aber derzeit keine Kinder betreut. Sie würde aber noch regelmäßig Fortbildungen vom Jugendamt mitmachen, bei dem sie als Tagesmutter gemeldet ist. Und deshalb könne sie zum Beispiel nicht am nächsten Mittwoch, da wäre sie nämlich bei solch einem Seminar.
Oh, die Dame scheint ein Glücksgriff zu sein!
Letztendlich machen wir einen Kennenlerntermin für nächsten Mittwoch aus.
Ja, für Mittwoch, um 4! Fragt nich'.

Am nächsten Tag frage ich unsere Kiga-Chefin, ob sie die Frau kennt.
Tut sie nicht, und sie erklärt, dass die hiesigen Tagesmütter gar nichts mit dem Jugendamt zu tun haben, sondern mit dem Sozialdienst der Kirche. Aha?!
Außerdem findet sie es merkwürdig, dass Omma bei dem heutigen Run auf Tagesmütter, gar keine Kinder da hat.
Na super...

Der Termin naht.
Omma kommt 15 Minuten zu spät (was sie zuerst erklärt mit "Meine Tochter musste länger arbeiten und ich passe ja dann auf ihren Kleinen auf", was aber iwie keinen Sinn macht, denn sie hat den Kleinen ja dabei, später mit "Ich wollte Ihnen erst noch 15 Minuten Ruhe gönnen, falls Sie erst um 4 nach Hause gekommen sind").
Ich habe Migräne und schlucke rasch eine Ibu.
Als Omma das sieht, schüttelt es sie: Uuuuuh! Pillenschlucken kann sie nicht mitansehen!
Damals, nach ihrem Nervenzusammenbruch hat sie nämlich so viele Pillen schlucken müssen, da hätte sie heute noch ein Trauma von!
Aha?!

Sie erzählt, wie der Mann sie damals wegen einer Jüngeren verlassen hat und dann das gemeinsame Haus und Geschäft den Bach 'runter sind und alles...
Heute muss sie nur noch 1 Sorte Schlucken, aber wegen ihrer Schmerzen. Sie ist ja neulich, als sie ihren Sohn in Bayern besuchen wollte, notfallmäßig in der Schmerzambulanz gelandet und so sind aus 2 geplanten Monaten Sohnbesuch gleich 4 geworden.
Aha?!
Eine Schmerzambulanz ist doch nichts, wo man notfallmäßig landet und dann bleibt, oder?!

Sie erzählt noch von ihrem Hunden und von ihrer Südküche, in der es sommers so heiß wird, dass sie erst im Herbst wieder die Jalousien hochziehen wird.
Nicht, dass ich mich wundere.
Hallo?! Ich habe die Frau bis gerade gar nicht gekannt, wieso sollte ich mir Gedanken über 'runtergelassene Fremdjalousien machen?!
Als ich frage "Sie wohnen also in Nr. 8? Das ist doch das grüne Haus an der Ecke?", weiß sie nicht mal, dass das Haus grün ist.

Und als ich frage "Sie sind also Tagesmutter?", kommt heraus, dass sie lediglich einen Oma-Kurs der VHS besucht hat, um ihre 2 Enkel zu betreuen, damit ihre Töchter arbeiten gehen können.
Aha?! 
Wenn man 3 Kinder groß gezogen hat, ist ein Oma-Kurs notwendig? So so.

Wir machen trotz allem einen Termin aus, weil ich die Kiga-Mutter nicht vergrätzen will und weil ich weiß, dass Elvis dann da sein wird, der den Tag aufgrund seiner Nachtschicht verpennt.
Geplant sind eigentlich täglich 2 Stunden während der Ferien - aber... Lucky und ich werden am nächsten Tag leider Magendarm bekommen und zack, sind wir die Omma elegant losgeworden.

Aber wer weiß, vielleicht steckt in ihr ja eine verschüttete Mary Poppins und alles wird ganz ganz dufte...


Label: Babysitter