Mittwoch, 14. Juli 2010

Mein Stalker (oder: The Netto-Incidents)

Ich habe einen Stalker.
Werner.
Ich weiß nicht, wo Werner plötzlich herkommt und woher er mich kennt, aber er ist nun mal da und jetzt muss ad-ä-quat mit der Situation umgegangen werden, bevor noch was Schlimmes passiert.

Werner stalkt mich seit einiger Zeit und ich kann's ja verstehen -jemand der attraktiv und interessant ist, weckt zwangsläufig das Interesse anderer- aber doch bitte nicht in so abartiger Art und Weise!

Ich kaufe abwechselnd bei Penny, Edeka und Netto ein - je nach dem, was gerade wo angeboten wird.
Das heißt: ich schneie sehr unregelmäßig in diese Läden 'rein (Werner stalkt mich ausschließlich bei Netto): mal am Montag Mittag, mal am Donnerstag Abend.
Und manchmal gehe ich wochenlang nicht zu Netto, z.B. wenn mal wieder die Kühltheke ausgefallen ist und man auf Fleisch und Aufschnitt 80% Rabatt kriegt.

1. Vorfall:
Irgendwann vor 5 Monaten komme ich also mittags bei Netto 'raus und direkt vor der Einkaufswagengarage steht ein Typ und raucht. Ich erkenne ihn sofort, denn Werner ist stadtbekannt als Epagneul Breton-Züchter.

2. Vorfall:
Eine Woche später (abends):
ich komme bei Netto 'raus - vor der Einkaufswagengarage steht Werner und raucht.
Gut, 2 Mal kann Zufall sein.

3. Vorfall:
4 Wochen später (nachmittags):
ich komme bei Netto 'raus - vor der Einkaufswagengarage steht Werner und raucht.
3 Zufälle hintereinander??

4. Vorfall:
5 Tage später (morgens):
ich komme 'raus - Werner raucht.
Da war mir klar: ich werde gestalkt!
Wäre Werner jetzt einigermassen knackig, würde ich ja ein Auge wegen seines, vom psychopathologischen Standpunkt aus betrachtet: bedenklichen Verhaltens zudrücken, aber isser natürlich nicht.

5. Vorfall:
2 Monate später (nachmittags):
ich komme bei Netto 'raus - vor der Einkaufswagengarage steht Werner und raucht. 

Ich erzähle meinen Mitmenschen davon, aber die wiegeln ab. Is' klar: ein eigener Stalker erzeugt Neid bei von der Natur wenig Begünstigten... 

Hier die unqualifiziertesten Kommentare: 

-Kollegin Lotte:
"Vielleicht arbeitet er bei Netto und macht Raucherpause?" 
Ach, wenn's doch nur so einfach wäre! Aber Werner ist 1. Rentner und 2. zeitlich völlig ausgelastet mit seiner Zucht und meinem Stalking.

-Lebensabschnittsgefährte: 
"Kann es sein, dass der arme Kerl dort einfach nur einkauft, genau wie Du, und nun fälschlich von Dir beschuldigt wird? 
(ey, was fand ich nochmal an dem?!)
Werner hat NIE irgendwelche Waren dabei. 

-(die eigene!) Mutter:
"Du, ich finde Deine Idee, die Polizei um Rat zu fragen nicht so dufte, Du." 
Na klar - was frage ich überhaupt 'ne alte Hippiebraut?! Wahrscheinlich ist sie in Gedanken schon wieder beim nächsten AmsterdamTrip und überlegt, wie sie die geschmuggelten Drogen am Besten in ihrem Chignon unterbringen kann...

-Elvis:
"Du warst doch eben bei Edeka. Wenn Werner heute DORT gestanden hätte, dann hättste echt Grund Dir Sorgen zu machen!"
Hmmmmm, da hat er nicht Unrecht, der junge Mann...

-POM Henneke:
"Also wollen Sie nun Anzeige erstatten oder nicht? Ohne Anzeige kann ich nicht tätig werden! Und NEIN, ich will nicht mit Ihnen einkaufen gehen!"
Ich sach' nur: A8...

So auf mich allein gestellt, zwang ich Elvis mit (<-Taschengeldsperre), um Werner zu begutachten.
Aber Werner, der Fuchs, war nicht da.
Natürlich nicht - er ist offenbar clever genug, sich nicht vor Zeugen zu zeigen!
Das Mal danach, war er auch nicht da, vermutlich vermutete er einen weiteren Zeugen in separatem Auto. Beängstigend clever!

Sollte mir in nächster Zeit was zustoßen, dann weiß man ja, wer's war: Werner - mein Stalker!

Dienstag, 29. Juni 2010

Neulich in der Kirche...

Ja, auch ich misanthrope und latent atheistische Person besuche -in der Hoffnung auf einen Geistesblitz- ab und zu einen Gottesdienst.
Vorzugsweise evangelisch; da ist es gemütlicher, die knieinternen Schleimbeutel werden verschont, die Predigten sind irgendwie hipper und man fühlt sich nicht ständig durch Androhung von Gottes Zorn und dessen grausame Auswirkungen unter Druck gesetzt.
Ausserdem kann ich mich bei den Evangelen besser auf die Predigten konzentrieren, weil ich dann nicht die ganze Zeit darüber nachdenken muss, ob der Katholik da vorne, wohl tatsächlich an nix anderes denken kann, als an nackte Ministranten.

Wie auch immer - ich sitze also in der Kirche.
Nach der Lesung schnappt sich der Pfarrer plötzlich die ans Taufbecken gelehnte Gitarre (waaaahhhh! Womit habe ich das verdient?!), um den Hit "Kleines Senfkorn Hoffnung" anzustimmen und muss bestürzt feststellen, dass er sein Plektron zu Hause vergessen hat. Und ohne Plektron keine musikalische Begleitung seinerseits, da das Gezupfe dann leider nur in den vorderen 3 Reihen des Gotteshauses hörbar ist.

Während ich frohlocke "Danke, lieber Gott, dass Du mir grauenvolle Lagerfeuer-Fahrtenlieder-Pfadi-Atmo ersparst!", springt in hinterer Reihe Mitte ein Typ auf und ruft: "Ich habe zufällig eins dabei!"
            ???
Ja, danke auch, elender Streber!
Es kam wie es kommen musste, der Pfarrer griff beherzt in die Saiten und mit meiner Konzentration war's vorbei, weil ich nur noch an eines denken konnte: 

Wieso -zur Hölle- hat der Typ sonntagsmorgens beim Kirchgang ein Plektron in der Tasche? 

Das hätte mich nicht weiter gewundert, wenn es sich um Keith Richards oder Eddie VanHalen gehandelt hätte (sind die überhaupt evangelisch?), aber so'n mittelalter, unscheinbarer Sauerländer?!

Mein Interesse am Inhalt von Männerhosen-/jacken-Taschen war jedenfalls geweckt.
Bei nächstbester Gelegenheit fing ich Elvis und LAG ab, mit der Aufforderung, sofort den Tascheninhalt preiszugeben.
Elvis' bescheiden unergiebige Selektion: Schlüssel, Geldbörse, Fahrkarte, Bonbonpapier.
LAG bot schon mehr, aber auch nix Spektakuläres, wenn man mal vom St.Pauli-Zollstock absieht.

Schade, ziemlich enttäuschend.
Morgen knöpfe ich mir noch den Hermesmann, den Briefträger und den Bofrostkerl vor...

Und eins ist sicher, ich geh mir jetzt 'n Plektron kaufen - wer weiß, wofürs gut ist...

Mittwoch, 23. Juni 2010

Voll uncool, ey!

Neulich musste ich zum Hausarzt, meine Tetanusimpfung auffrischen lassen.
Nach getaner Arbeit streckte mir der Doc die Faust entgegen.
"Was soll'n das jetzt?", dachte ich, griff dann beherzt zu und schüttelte - wie man das halt so macht.
Er stutzte kurz, dann verschwand er ins nächste Sprechzimmer - Leben retten oder was Ärzte sonst so tun.

Ein paar Tage später beobachtete ich zufällig, wie Elvis einen Kumpel verabschiedete.
Stichwort Ghettofaust.
Da fiel mein Groschen...
O.m.G.!
Wie peinlich !!
Wie uncool !!!
Wieso muss Doc, der alte Zausel, unbedingt auf hip machen und mich damit blamieren?!

Sollte mich demnächst eine Bronchitis o.ä. zum Arzt zwingen, bin ich bereits well prepared!
Habe mich im Net umgeschaut und mich für diesen supisüßen Gruß entschieden:

 

Dienstag, 15. Juni 2010

Umzingelt von Bekloppten - Der graue Panther

Neulich hatte der LAG Geburtstag (= 50.)

Da ich kurz vorher die Renature-Werbung gesehen hatte, in der sich Patrick "McDreamy" Dempsey, niedlich lächelnd, mit einem kleinen Bürstchen die grauen Schläfen wegfärbt, dachte ich mir, dass dieses Zeug für den grauen Panther genau das Richtige wäre.

Gekauft - geschenkt. 
Tja, also Freude sieht anders aus...

Zuerst las er die beiliegende Anwendungsbeschreibung KOMPLETT durch, und zwar in ALLEN vorhandenen Sprachen.
Und NATÜRLICH wurde der empfohlene Verträglichkeitstest (Klecks in die Ellenbeuge geben und 48 Stunden abwarten, ob sich Pusteln oder sonstwas Ungesundes bildet) absolviert und -ohne Befund- bestanden.


Dann hat er sich um seinen Ansatz gesorgt.
Ansätze findet er bei Frauen nämlich ganz ganz furchtbar und sowas will ER nicht!
6 mm kurz geschorenes Haupthaar - aber sich Sorgen übern Ansatz machen...
Das teure Zeugs stand nun tagelang unbenutzt 'rum und so habe ich ihm vorgeschlagen, es bei Ebay reinzusetzen.
Woraufhin er forderte:
"Nun lass mich doch noch ein bisschen darüber brüten!"

           ? 

Man stelle sich vor:
Frau sitzt bei ihrem Friseur. Der will anfangen, ihr, wie abgesprochen, Strähnchen zu verpassen und sie sagt:
"Moooment! Ich will erst noch 'n bißchen drüber brüten!"

Aber es kam noch schlimmer!
Der LAG (oder wie ich ihn ab sofort nenne: "Pussy") sprach:
"Montag muss ich zum Jahrescheck zum Hausarzt. Den werde ich zum Thema Färben auch mal fragen. Ich habe nämlich gehört, das soll Krebs verursachen."
Unfassbar, oder?!

Nur mit Mühe und Not konnte ich ihn davon abhalten, die auf der Packung angegebene Hotline ("Falls Sie noch Fragen zur Anwendung oder zum Produkt haben, wählen Sie 0180...") anzurufen.
Echt! Wenn jede Frau, die sich die Haare färbt, so ein Theater machen würde, wären Friseure und Schwarzkopf längst pleite...

Elvis meint, das hätte ich vorher wissen müssen. Immerhin ist der LAG ein bekennender Deo-Gegner ("Deo unterdrückt die Schweißproduktion und verstopft somit die Poren").
Und wer schon vor 'nem harmlosen Deo Angst hat, für den muss ein bißken Haarfarbe wie Atommüll anmuten.
Nun denn, dann muss er eben weiterhin johannesheesterslike rumlaufen...

Mittwoch, 9. Juni 2010

"Gute Taten" - Die Erste !

Endlich! 
Tadaaaa:
Meine erste offiziell anerkannte gute Tat.

Betrete heute Morgen die Caféteria meiner Arbeitsstätte und wer hält da den Verkehr vor der CoffeeBar auf? Ein Bürger!
Werde nie verstehen, wieso der Boss keine Schilder aufhängen lässt "Ich darf hier nicht rein" und drunter ein Foto eines traurig dreinblickenden Bürgers.

Egal.
Ich wollte mich gerade nonchalant mit den Worten:
"He, weg da, alter Mann! Hier kommt arbeitende Bevölkerung, die dringend einen Kaffee braucht! Und nimm mal Deine Krücken aus dem Weg, bevor da noch jemand drüber fällt!" an ihm vorbeidrängeln, als mir auffiel: Mooooment - KRÜCKEN ?!
Krücken heißt Behinderter heißt gute Tat on the way!!!!

Ich verharrte also geduldig hinter ihm, um auf meinen großen Moment zu warten.
Und tatsächlich - er kam!
Der Mann nahm seinen bestellten Pott FrenchPressed mit der einen Hand entgegen, packte sich umständlich seine Krücken, die er an der Theke abgestellt hatte, mit der anderen Hand und schlurfte hinkend Richtung Raucherraum, der durch eine schwere Pendeltür, zum Schutz der NonSmoker, vom Rest der Welt getrennt ist.
Ich sah meine Chance gekommen, sprintete vor und fragte, ob ich ihm helfen könne, indem ich ihm den Kaffee zum Tisch trage. Er bejahte erfreut und überließ mir seine FrenchPressPlörre.
Gemeinsam zockelten wir zum hintersten Tisch, an dem er offenbar vorher seinen Elektrorollstuhl geparkt hatte. Das wurde ja immer besser!
Aus der guten Tat wurde somit eine SUPIGUTE TAT !

Aus den Augenwinkeln nahm ich am Tisch nebenan den Personalchef wahr.
Also setzte ich noch einen oben drauf und fragte mein Opfer, ob er denn bequem sitze und ob er sonst noch etwas brauchen würde:
Milch, Zucker, Poliomyelitisimpfung...

Er verneinte dankend und ich meine, sogar ein Träne der Rührung in seinem Augenwinkel gesehen zu haben.

Und selbst Kollegin Charlotte lässt diese Tat gelten!