Mittwoch, 22. September 2010

Apfelarsch & Bohnenstange

Sohn hat nun eine neue Klassenlehrerin.
Seine ursprüngliche Lehrerin -wunderbar abgeklärt und konsequent- ist in Rente gegangen.
Nun sind meine schlimmsten Befürchtungen wahr geworden:
Die Neue kommt frisch von der Uni, eine echte "NoKiLiWiPa" (=No Kids, Living with Parents).
Eine, die mit den Kindern dis - ku - tiert!
Da finden Dialoge Monologe statt wie:
"Na, liebe Kinder, wer möchte denn den Tafeldienst übernehmen? .....Keiner? ....Und wer möchte Klassensprecher werden? ....Niemand? ....Na, dann reden wir nächste Woche nochmal drüber, OK?"
*ähähächz*

1 Woche nach Schulbeginn fand der erste Elternabend statt und da mich pünktlich zum Termin eine Migräneattacke auf's Sofa zwang, musste Sohnvater alleine hingehen.

SoVa zeigte sich anschließend nicht besonders begeistert von dieser jungschen Person.

2 Tage später traf ich beim Einkaufen zufällig einen Mitschüler samt Vater und fragte ihn, ob er beim Elternabend war und was er, als Fachmann (da selbst Lehrer) von der neuen Lehrerin hielte.
Und er sprach:
"Sie ist ziemlich jung. Mitte Zwanzig, schätze ich. Und ganz hübsch eigentlich. Aber schön kann man sie nicht nennen. Hübsches Mittelmaß eben. Sie ist dünn, aber keine Bohnenstange, sondern eher wohlproportioniert (<- hier fuchtelte er entsprechende Kurven in die Luft), wie man das als Mann gerne hat. Oder, Sohn?"
Er drehte sich zu seinem Sprößling um, der mittlerweile zur Salzsäule erstarrt und hochrot angelaufen war.
Vater winkte ab: "Ich glaube, die Jungs haben noch gar nicht begriffen, dass sie da eine Frau vor sich haben. Egal, wo war ich stehengeblieben?!"
Ich: "Bei der Körbchengröße."
Er: "Also damit kenne ich mich nicht aus. Ich schätze..."
Sein Sohn (mittlerweile tiefrot): "PAPA!!!"
Er (unsanft aus seinen Träumen gerissen): "Ach so, ja, also, ich denke, zu ihren fachlichen Fähigkeiten kann man erst in einem halben Jahr Genaueres sagen."
...
Unglaublich, oder?!

Man stelle sich vor:
Frau wird gefragt, was sie vom neuen Englischlehrer hält und antwortet mit:
"Der ist so süß! Diese blauen Augen - wie ein Bergsee kurz nach Sonnenaufgang. Und dieser knackige Po! Fest und apfelförmig, aber eher oval wie ein Braeburn, nicht kugelrund wie ein GrannySmith..."
Naja, dann muss ich mir das Küken wohl selbst angucken.

Freitag, 17. September 2010

Mykose in Marokko

Da Norderney als Reiseziel keinesfalls mehr in Frage kommt, musste ich mich anderweitig in der Welt umsehen.
Das tat ich in Marokko.

Als ich also neulich in Casablanca landete, stürmte ich, als erste Tat auf einem anderen Kontinent, die Flughafentoilette.
Ich hatte nämlich gelesen, dass Exkremente, die im Flugzeug anfallen, zu Blöcken schockgefrostet und über'm Meer abgeworfen werden, und ich wollte schließlich keinen Delphin oder anderen Fisch zu Tode pinkeln.
So schoß ich also randvoll ins Flughafenklo und hatte die Wahl zwischen Kabine mit Bodenloch und Haltegriffen oder Kabine mit dreckiger Schüssel.
Ich wählte die Schüssel. Toilettenpapier gab's nicht und somit war mein erstes Wasserlassen in Nordafrika keine sehr hygienische Erfahrung.
Kaum war ich 'raus, betrat eine Reinigungskraft mit Putzwagen den Waschraum! War klar...
2 Tage später kam es zu fiesen Symptomen, die ich hier nicht näher erläutern möchte, die aber eindeutig auf eines hinwiesen: Vaginalmykose.

Super! Mit sowas hatte ich im Urlaub nicht gerechnet.
Meine Reiseapotheke enthielt einiges gegen Migräne, Montezumas Rache und Moskitostiche, aber an Pilzmittel hatte ich nicht gedacht.
Also machte ich mich, bewaffnet mit meinem Deutsch-Französisch Lilliput-Langenscheidt, auf in die nächste Apotheke.

Drinnen empfing mich ein älterer Marokkaner im weißen Kittel.
Nachdem geklärt war, dass er weder englisch, noch deutsch sprach, packte ich den Langenscheidt aus.
Da in der Lilliput-Ausgabe wichtige Worte wie Juckreiz, Mykose oder Vaginaltablette leider nicht vorkommen, entspann sich ein sehr zäh verlaufender Dialog.

Ich: blätterblätterblätter "Bonjour, monsieur. J'ai mal au bas ventre."
Er: "Pardon?"
Ich (lauter): "J'ai mal au bas ventre!"
Er (französisch): "BlaVentreBlabla?"
Ich (auf meinen Mons Pubis zeigend): "Là!"
Er: "BlablaDocteurBla?"
Ich: "Non, pas docteur. J'ai besoin médecin."
Er: "Blablabla!"
Ich (zwischen meine Beine deutend): "Intérieur, pas extérieur."
Er (mit stoischer Miene): "Hm."
Ich (von Hitzewelle überflutet): *Blätterblätterblätter*!!!
Türglocke: "DingDong!"
Eine alte Frau betrat die Apotheke.
Super, Zeugen kann man bei sowas prima brauchen!
Ich: "Suppositoire pour intérieur, s'il vous plaît!"
Er: "Ah - diarrhée!"
Ich: "Non non! Pas diarrhée! Pas *blätterblätter* derrière. J'ai mal avant."
Er: ".?."
Ich (mittlerweile mit hochrotem Kopf und schwitzend wie im Haman, nochmals verzweifelt zwischen meine Beine deutend): "Là!"

Ich war mir sicher, diese Geste würde mich in den Knast bringen, so genant wie muslimische Leute doch sind und so finster, wie der Apotheker mich ansah.
Und dann brüllte er auch schon los:
"DERYA!! DEEERYAAA!!!"
Ich (hektisch): *blätterblätterblätter*!
Was -ums Himmels Willen- bedeutet DERYA? 
"Hilfe, Sittenpolizei! Eine von diesen schambefreiten Christinnen fordert mich zum Geschlechtsverkehr auf!"???
Eine Tür hinter der Verkaufstheke wurde aufgerissen und eine weißbekittelte Frau in meinem Alter betrat den Raum.
Er (schulterzuckend auf mich deutend):
"Derya, BlaVentreBlaMédecineBlaBlaSuppositoireBlaBlaExtérieurBlaBlaBla!"
Derya musterte mich kurz, dann bückte sie sich, griff unter die Theke und knallte dann eine Packung Canesten Gyn Once auf den Tresen.
"Voilà, Madame!"
Merci beaucoup, chère Derya!
So einfach wär's gewesen...
Canesten - eine Sprache, die man überall spricht!
Ich glaube, ich sollte wirklich in die Werbung gehen!




Hier die Übersetzung für alle Nicht-Franzosen:
Ich: Tach. Ich bin krank da unten.
Er: Häää?
Ich: Ich bin krank da untäään! 
Er: BlaUntenBlabla.
Ich (auf meinen Schamhügel zeigend) : Da!
Er: BlablaDoktorBla.
Ich: Nein, kein Arzt. Ich brauche Medizin.
Er: BlablaBla.
Ich (zwischen meine Beine deutend): Inneneinrichtung, nicht Äußeres.
Er: Hm.
Türglocke: DingDong. Alte Frau betritt den Laden.
Ich: Zäpfchen für die Inneneinrichtung, bitte.
Er: Ach Durchfall!
Ich: Nein, nein, nicht Durchfall! Nicht hinten! Ich bin vorne krank!
Er: .?. 
Ich: (mittlerweile mit hochrotem Kopf und schwitzend wie im Haman, nochmals verzweifelt zwischen meine Beine deutend): Da!
Er: DERYA!!! 
Rest ist bekannt.

Mittwoch, 8. September 2010

22 Gute Taten + 1 Böse Tat

Gute Taten:

  • 3 Wochen lang das Haus der verreisten Nachbarin gehütet. 
OHNE mich an der offenen Katjes-Tüte zu bedienen, die sie auf dem Tisch hat liegen lassen!

  • Meiner Frisöse Trinkgeld gegeben
Obwohl sie meinen perfekten Anna-Wintour-Bob versehentlich zu einem Vokuhila verstümmelte. Na gut, sie stand 2 Tage vor ihrer Hochzeit und war unglaublich aufgeregt und zittrig, weshalb ich -netterweise!- darauf verzichtete, ihr mitzuteilen, dass sie eigentlich erst NACH der Hochzeit genug Gründe zum Zittern haben würde. 
Sie versuchte, ihren Unfall auszubessern, machte mich aber dank Effilierschere frisurentechnisch zum Monchichi.



Böse Tat:
  • Eine Hochzeitsgesellschaft beschimpft 
Traf zufällig eine alte Schulfreundin in der Stadt und wir quatschten, als ein Autokorso laut hupend an uns vorbeifuhr. Vorne weg der Brautwagen mit dem obligatorischen Blumenklops auf der Motorhaube (sah aus, als hätte ein monströser Vogel drauf geschissen), innen drin die happydebil grinsende Braut. Und weil die so lange & laut hupten und ich mein eigenes Wort nicht verstand, brüllte ich: "Schluß mit dem Getöse, romantisierendes Scheißpack!"
Kam nicht so gut an, weder bei der Braut, die mir den frisch beringten Stinkefinger zeigte, noch bei meiner Schulfreundin.

Egal, die Bilanz fällt trotzdem sehr gut aus:

21 Tage blumengießen + 1 Trinkgeldtat
macht zusammen:
22 Gute Taten und nur 1 Böse Tat.
:-)))

Donnerstag, 2. September 2010

Umzingelt von Bekloppten - Die Sozialpädagogin

Neulich rief Benjamins Mutter an, um mich zu fragen, ob mein Sohn Zeit & Lust hätte, mit ihrem Sohn zu spielen.
Beide 12 und in der selben Klasse - logisch also, dass da die Muttis noch die Dates klarmachen.


Ich hatte Bedenken, da Benjamin bei Mitschülern & Eltern als aggressives Kind mit Hang zu cholerischen Ausbrüchen und beunruhigend detailgenauer Kenntnis von Waffen aller Art, Horrorfilmen und EgoShootern bekannt ist und ich bin sicher, dass er später mal eine 1a-Karriere als Testschütze bei Heckler & Koch hinlegt.
Bisher war ich froh, dass Benjamin 20 km entfernt  wohnt und aus transportlogistischen Gründen als Spielgefährte ausschied.

Mama Benjamin ist vom Typ her krisennahes Weibchen; sprich: eine sehr sanftmütige und leise Leptosomin, bei der man immer den Eindruck hat, man dürfe sie nicht verschrecken, indem man zu laut spricht.

Ich flüsterte also vorsichtig, ob ihr Benjamin eigentlich PC oder PS spielen dürfe und wenn ja, welche Spiele er hätte, und ob da womöglich, wie ich von einem Mitschüler -sicher fälschlicherweise!- gehört hätte, auch ein Egoshooter dabei wäre.

Mama Benjamin sprach:
sie, als Sozialpädagogin, würde ihrem Benjamin natürlich PC- & Playstation-Spiele erlauben. Zwar nicht gerne, aber das könne man in der heutigen Zeit niemandem vorenthalten. Und nur so könne er Medienkompetenz lernen.
(Ich schlich samt Telefon zum Rechner, um rasch zu gugeln, was Medienkompetenz bedeutet, denn solche Wörter sind mir, als Nicht-Sozialpädagogin mit ohne Abitur, völlig fremd.)
Die meisten von Benjamins Spielen wären FSK 16 bzw. 18, da er geistig eh weiterentwickelt wäre und an diesen ganzen Kinderspielen keinen Spaß mehr hätte.
Und natürlich besäße er den ein oder anderen EgoShooter wie Unreal Tournament und Counterstrike, denn es wäre ja besser, Benji würde seine Aggressionen am PC und nicht "in echt" rauslassen.

Sie ließ sich noch eine Weile über Benjis hochsensible Natur aus, die es ihm erschweren würde, passende Freunde zu finden, da die Kinder heutzutage eher vom ruppigen Typus wären.
Auf Grund dieser Hypersensibilität hatte sie Benji nach der KiGa-Zeit auf eine Waldorf-Grundschule geschickt, da dort auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern eingegangen wird, was man von der jetzigen Schule nicht behaupten könne:
neulich hatte die Textilkundelehrerin (Typ: Mutter Walton auf Valium) Benji schwerst traumatisiert, indem sie anhand seiner mißlungenen Kreuzstichnaht der Klasse erklärt hatte, wie es NICHT geht.
Nach diesem Vorfall suchte Frau Sozialpädagogin natürlich nicht das klärende Gespräch mit dieser inkompetenten Person, sondern reichte direkt eine Beschwerde beim Schulamt ein; ausserdem hatte sie Benji ein ärztliches Attest besorgt, speziell für den Textilkundeunterricht(!), um die Entstehung weiterer Traumata durch dieses Stoffmonster so gering wie möglich zu halten.
Sogar sämtlich Gobelins im Hause Benjamin mussten entfernt werden, weil Benji seit diesem Vorfall das Zittern anfängt, sobald er eine Stickerei sieht.

Ich war baff:
nach den Erzählungen anderer Mütter & Kinder, sah ich Benjamin eher als kleinen Terminator, und nicht, wie seine Mutter ihn beschrieb, als sensibles Didlmäuschen.

Es kam, wie es kommen musste:
Elvis wollte sich mit Benji treffen.
Wieso nur - wiesooo?! Doofes Kind! Das hatter vom Vatter!
Zufällig traf ich 1 Tag später den Klassenlehrer der beiden und teilte ihm meine Bedenken bezüglich dieser Verabredung mit.
O-Ton KL: "Lassen Sie Sohn hingehen. Benjamin braucht dringend mal Eindrücke von außen, denn die Mutter ist doch sehr ..äh.. speziell."
Elvis arbeitet zwar nicht als Psychotherapeut für gestörte Familien, ich ließ ihn trotzdem hingehen, wenn auch sehr ungern.

Fazit:
Elvis kam abends nach Hause und war völlig begeistert.
Er hatte den Nachmittag im Paradies verbracht: er & Benji wurden von der Schule abgeholt.
Während sie die Hausaufgaben erledigten, raste Mutti zu MacDon und schleppte alles an, was die kleinen Herzen begehrten.
Zum Nachtisch durften sie sich am familieneigenen "Kiosk" bedienen: ein Hängeschrank voll mit Süßigkeiten.
Zur Entspannung setzten die Jungs sich anschließend an den PC.
Benji ließ Mutti zwischendurch immer mal wieder antanzen, um Getränke und Knabberzeugs zu servieren.
Aber bereits nach 2 Stunden scheuchte sie die beiden dort weg:
"Ihr sitzt jetzt schon so lange am PC, wollt ihr nicht mal zur Wii wechseln?"
Was die beiden natürlich ganz fix und ohne Murren taten... 
Abends wurde Sohn von Mama Benjamin nach Hause kutschiert und sie verabschiedete sich mit den Worten:
"Und erzähl' den anderen Kindern, wie gut es Dir bei uns gefallen hat!" 


Man kann echt froh sein, dass Mama Benjamin vor 12 Jahren ihren Beruf als Sozialpädagogin an den Nagel gehängt hat, um sich ausschließlich ihrer eigenen Brut zu widmen...

Donnerstag, 26. August 2010

...nun pirschen wir durch's Hirschrevier...

Auf meinem Lebensabschnittsgefährten und mich passt der alte Spruch "Gegensätze ziehen sich an".

Er ist ein sehr naturverbundener Mensch, liebt alle Tiere, ist Mitglied bei Greenpeace, trennt seinen Müll und hasst alles neumoderne wie Internet, Playstation, Fernsehen (Ausnahme: Nachrichten, Sendungen mit Ranga Yogeshwar und Actionfilme).
Jeden Morgen schrotet er für's Müsli Braunhirse & Buchweizen in einer Körnermühle, die das mit gefühlten 3.000 Dezibel erledigt, weshalb ich sehr froh bin, dass wir nicht zusammen wohnen.
Und er liebt Sonnenauf- & -untergänge.

Kein Urlaub, in dem nicht mindestens 46 Fotos von Sonnenuntergängen und 3 von Sonnenaufgängen (die verschläft er meist, weil ich heimlich den auf 4 Uhr früh gestellten Wecker entschärfe) gemacht werden.
Aber wozu? Kennste einen Sonnenuntergang, kennste alle.

Die Sonne ist nun mal da. Auf- und unterzugehen ist ihr Job, das muss man nicht extra dokumentieren. Mein Chef knipst mich auch nicht bei jedem Wort, das ich tippe.

Und er ist leidenschaftlicher Segler. Wobei er natürlich achtgibt, dass er mit seinem Kiel keinen des Weges schwimmenden Fisch köpft.

Ich mag Natur auch.
Gebunden als Blumenstrauß und kultiviert als Grabbepflanzung oder in Parks.
Ich mag Tiere - aber nur die hübschen. Bei Nacktmullen oder Welsen gruselt's mich...  die könnte ich nicht mal essen!

Andere sind schneeblind, ich bin waldblind: nach 1 Stunde mit Hund im Wald, flirren mir die Augen vor lauter grün und ich muss dringend den nächsten Asphaltdschungel aufsuchen.
Meine Assoziationen zu "Wald":

  • Exhibitionisten lauern hinter Bäumen
  • zwielichtige Typen in Tarnklamotten führen querwaldein ihre Rottweiler spazieren
  • das Handy meldet ein Funkloch
  • wenn man einen ganz besonders miesen Tag erwischt, entdeckt der Hund eine Leiche im Unterholz und
  • wenn man dann vor Schreck kollabiert, kann man nicht gerettet werden, weil Waldwege zu eng und unübersichtlich für einen Rettungswagen sind (den man aber wegen des Funklochs ohnehin nicht hätte rufen können).
Und Segeln ist mir zu anstrengend, dieses ganze Auf- & Abgetakele...
Wenn ich ausserhalb meiner 4 Wände Spaß haben will, dann muss das schneller gehen:
3 Straßen weiter schlendern, sich ins Eiscafè Venezia in die Sonne setzen, Sanften Engel bestellen, mit dem Barista flirten, Fußgänger begucken - fertig!
CounterStrikes Condition Zero habe ich in 4 Stunden durchgezockt und Camping verabscheue ich noch mehr als Nacktmulle.
Ach ja, und der Genuss eines McRib beschert mir multiple Orgasmen.


In der Hoffnung, mir die Natur auf spielerische Art etwas näher zu bringen, lud der LAG mich neulich zu einer "Glühwürmchennacht" ein.



In dem Werbeprospekt, den er mir überreichte, stand:

"Vollmondwanderung durch den Stadtforst unter der Leitung von Elisabeth Morgenröthe-Rauthenkrantz. Machen Sie sich auf einen ereignisreichen Abend gefasst, denn nachdem sich Fuchs & Hase 'Gute Nacht' gesagt haben, ist trotzdem noch ordentlich was los im Wald.

Hänsel- & Gretelmäßig bahnen Sie sich unter Leitung von Waldmeisterin Morgenröthe-Rauthenkrantz einen Weg durchs Unterholz und schauen den Fledermäusen bei der Nahrungssuche zu. Wir lauschen den Geräuschen der Nacht und erfahren, womit Tiere nachts beschäftigt sind. Nebenbei wird Waldmeisterin Morgenröthe-Rauthenkrantz Sie an ihrem großen Erfahrungsschatz teilhaben lassen."

Ich hoffte sehr, dass Tiere nachts einfach nur daliegen und pennen, denn nichts ist mir peinlicher, als Tieren beim Paaren zuzugucken. 

Wir starteten um 20 Uhr: 9 Nachtwanderer und die Waldmeisterin.
 

Was der LAG leider dabei nicht bedacht hatte:
ich bin nicht nur grünblind, ich bin auch nachtblind, was bedeutet, dass ich beim ersten Hauch einer Dämmerung da draußen nicht mehr sehen kann. Da half mir auch der angekündigte Vollmond nix, denn es war die ganze Nacht bewölkt.
Ergo stolperte ich steviewonderesk durchs dunkle Dickicht, konnte weder die Fledermäuse beim Fressen, noch die Wildschweine beim Suhlen erkennen und der abschließenden Knicklicht-Schnitzeljagd zurück zum Ausgangspunkt konnte ich auch keinen Spaß abgewinnen.



Als wir irgendwann im Fuchsgehege standen, wollte Morgenröthe-Rauthenkrantz wissen, ob uns aufgefallen wäre, dass es dort ganz speziell riecht. Der Fuchs hätte nämlich eine besondere Duftdrüse.
Alle schnupperten ausgiebig.
Außer der LAG. Der musste dringend pinkeln und wurde nervös. Tja, das war die Strafe dafür, dass er vorher, während einer kurzen Rast, der Waldmeisterin 3 ihrer selbstgebrannten Brennesselschnäpse abgeschwatzt hatte, während wir andern nur 1 bekamen.
Es wurde erschnuppert: regennasse Erde, morsches Holz und Popkorn. Alles falsch.
„Riechen Sie noch mal ganz genau mit geschlossenen Augen!“ forderte Morgenröthe-Rauthenkrantz uns auf.
Wir schnupperten nochmals intensiv.

Torf? Nein.
Heu? Nein.
Hm.
„Also", insistierte die Waldmeisterin, "wonach riecht es hier im Fuchsgehege?“

„Nach Fuchsscheiße?!“ rief LAG, mittlerweile stark an Contenance einbüßend.
"Aber nein!", widersprach Morgenröthe-Rautenkrantz entrüstet und klärte uns auf: Der Fuchs hat eine Drüse am Schwanz, die sich Viole nennt und den Duft von Veilchen verströmt.
Eingebaute BriseOneTouch sozusagen. Das optimale Haustier. 


Gegen Ende der Führung, es war bereits stockfinster, wollte die Waldmeisterin, dass wir nun physisch-mentalen Kontakt zur Natur aufnehmen.
Die Aufgabe:
jeder Teilnehmer sollte sich einen Baum suchen, mit dem man sich innigen Kontakt vorstellen könne.
Dann den neuen Tagesabschnittsgefährten umarmen, die raue Rinde an der Wange spüren, seinen frischherben Duft einatmen und den dabei entstehenden Emotionen und Gedanken freien Lauf lassen und den körpereigenen energetischen Speicher neu auffüllen.
Man solle aber bitte nicht vergessen, dem Baume für die Energiespende seinen Dank auszusprechen, und dafür dass er so verlässlich jahrein jahraus Früchte trägt.
Dafür gab sie uns 10 Minuten Zeit.
Ich lehnte mich halbherzig mit dem Rücken an den Nächstbesten, starrte ins Dunkle und hoffte, dass mir mein Baum keine Spenden in Form von Zecken oder Ameisen zukommen liesse. Mitten in die Stille hinein plätscherte es plötzlich. Ziemlich laut sogar.
Iiiieh! Welches Viech pinkelt denn in so vollem Strahl?
Ein Hirsch? Ein Werwolf??
Dann dämmerte es mir: LAG! Wie peinlich!
Nur gut, dass die Waldmeisterin hier nicht mal eben kurz das Deckenlicht anknipsen konnte, um den Übeltäter zu enttarnen.
Niemand verlor ein Wort über den Vorfall; wahrscheinlich hatte jede der Frauen ihren Mann im Verdacht.

Zurück pirschten wir durchs Hirschrevier.

Fazit:
1. Natur ist mir nach wie vor nicht hygienisch genug, um mir sympathisch zu sein.
2. Richtig müsste es heißen: "Gegensätze ziehen sich zunächst an"
3. Den nächsten Kerl suche ich mir gemäß des Spruchs "Gleich & Gleich  gesellt sich gern"
4. Ich bin ziemlich enttäuscht vom LAG, denn er leugnet bis heute, dass er der Plätscherer war.