Ich, so als Heterofrau, habe noch nie einer anderen Frau an den Busen gepackt.
Bis auf letzte Woche. Da bot sich gleich 2mal die Gelegenheit.
Busen Nr. 1:
Ich will Ente à l'Orange machen, habe aber eine wichtige Zutat vergessen und gehe 'rüber zu meiner perfekt sortierten Nachbarin Lilo, um mir eine Ente zu borgen.
Lilos Schwester Doris ist zu Besuch.
Aus Lilos Erzählungen weiß ich, dass Doris vor kurzem an Brustkrebs erkrankt ist und ihre linke Brust eingebüßt hat.
Während eines schnellen Käffchens erzählt mir Doris ihre Leidensgeschichte.
Dann fragt sie: "Willste mal sehen?"
Noch bevor ich "Nein!" rufen kann, hat sie ihre Bluse aufgeknöpft und den BH gelüpft.
Sieht schlimm aus.
So platt.
Das Wort "Schlachtfeld" schießt mir durch den Kopf.
Narben kreuz und quer, da wo früher ein unversehrter Busen hing.
Ich bin geschockt. Sieht eine Mastektomie immer so aus oder haben die Chirurgen gestümpert?
Was nun sagen?!
"Tut das weh?" stammele ich.
"Manchmal zieht's 'n bisschen. Sieht scheisse aus, ne? Ist aber ganz weich, die Haut. Fühl' mal!"
Und bevor ich "Nee, lass mal!" sagen kann, hat sie schon meine Hand gepackt und auf ihre Ex-Brust gelegt. Meine Finger fühlen tatsächlich ziemlich zartes Narbengewebe, dahinter direkt die harten Rippen.
Busen Nr. 2:
Ich hole BFF Charlotte zum Lauftraining ab.
Ihre Freundin Rebecca ist zu Besuch.
Von Lotte weiß ich, dass Rebecca sich ihre vormals minusDoppelA-Hautlappen mit Silikon hat füllen lassen.
"Und fällt Dir was auf?" fragt Rebecca und streckt mir stolz ihre neuen Atommöpse entgegen. "Ich trage jetzt C-Körbchen! Habe ich mir im Frühjahr machen lassen. Fühlt sich total echt an. Willste mal?"
Noch bevor ich "Och, nööö." sagen kann, hat sie ihre Bluse aufgeknöpft (BH ist bei DER Standfestigkeit nicht mehr nötig), meine Hand gepackt und auf ihre linke Neubrust gelegt.
Meine Finger fühlen weiches, busenhaftes; ziemlich straff, aber doch leicht schwabbelig. Tatsächlich fast wie echt.
Hoffe nur, dass mir in der kommenden Woche niemand mit Labioplastik über den Weg läuft...
Sonntag, 29. Juli 2012
Dienstag, 24. Juli 2012
Posts zum Thema "Überflüssiges" - Heute: die 8
Unser Omma ruft an:
"Gib' mir doch mal die neue Telefonnummer vom Volker."
Ich: "OK. Also, 0153..."
Omma: "Jaaa..." *kritzelkritzel*
Ich: "...256..."
Omma: "Jaaa..." *kritzelkritzel*
Ich: "...983..."
Omma: "Ja." *kritzelkritzel*
Ich: "8."
Omma: "8? Wozu denn die 8?"
Omma: "Weglassen? Und das geht?"
Da denkste, Du hast schon alle denkbaren Beklopptheiten erlebt, und dann überraschen sie Dich doch immer wieder...
"Gib' mir doch mal die neue Telefonnummer vom Volker."
Ich: "OK. Also, 0153..."
Omma: "Jaaa..." *kritzelkritzel*
Ich: "...256..."
Omma: "Jaaa..." *kritzelkritzel*
Ich: "...983..."
Omma: "Ja." *kritzelkritzel*
Ich: "8."
Omma: "8? Wozu denn die 8?"
???????
Ich: "Öhm... tja... das fragste am besten den Volker. Ruf' ihn doch direkt mal an. Kannst die 8 ja weglassen, wenn sie Dir nicht gefällt. *kicher*"Omma: "Weglassen? Und das geht?"
Da denkste, Du hast schon alle denkbaren Beklopptheiten erlebt, und dann überraschen sie Dich doch immer wieder...
Samstag, 14. Juli 2012
Echt irre
Eigentlich wollte ich es ja nicht erzählen, aber in den letzten 8 Wochen hatte ich einen Aushilfsjob in einer psychiatrischen Klinik.
Ich vertrat eine erkrankte Mitarbeiterin, die sonst an der Rezeption im Eingangsbereich arbeitet und sich um Telefonate, Besucher, Post, Patientenanliegen, Neuaufnahmen, Speisepläne, etc. kümmert.
An dieser exponierten Stelle sitzend, und aufgrund der Tatsache, dass ich mittags im gemeinsamen Speisesaal mitessen durfte, habe ich Dinge beobachten können - Leute, ich sach euch...
Patienten, die zu einer bestimmten Krankheits-"Gruppe" gehören, weisen tatsächlich dieselben Charaktereigenschaften auf!
Dessen war ich mir gar nicht bewusst; dachte immer: jeder Jeck is anders.
Patienten, die zu einer bestimmten Krankheits-"Gruppe" gehören, weisen tatsächlich dieselben Charaktereigenschaften auf!
Dessen war ich mir gar nicht bewusst; dachte immer: jeder Jeck is anders.
Falsch gedacht.
Hier meine Feldforschungen:
Die Alkoholiker:
Hier meine Feldforschungen:
Die Alkoholiker:
Menschen ab 55.
Immer latent jammerlappig unterwegs.
An ihrer vermaledeiten Situation sind natürlich alle anderen Schuld:
die böse Mutter, der ungerechte Chef, das schlechte Wetter, die Gesamtsituation.
Charakteristische Äußerungen:
"Immer ich! Ich kann nich' mehr! Ich will nich' mehr!"
Die Drogenabhängigen:
Meist Männer Ende 20 und ganz hatte Kerle.
Einige nur anwesend wegen §35 BtmG.
Immer latent gewaltbereit, aber nie wirklich handgreiflich.
Einige nur anwesend wegen §35 BtmG.
Immer latent gewaltbereit, aber nie wirklich handgreiflich.
Wenn sie nach 2 Wochen Entzug per Methadon wieder sprechen können, sagen sie meist Sachen wie:
"Boah, Alter ey, das Metha musse vorm Schlucken zerbeissen; dat knallt besser als Cheese sach ich dir, boah, höhöhö..." oder auch:
"Ey, fuck, Alter, schmeckt der Kaffee heute scheiße, ich hau dem Koch gleich eins aufs Maul, ey!"
"Boah, Alter ey, das Metha musse vorm Schlucken zerbeissen; dat knallt besser als Cheese sach ich dir, boah, höhöhö..." oder auch:
"Ey, fuck, Alter, schmeckt der Kaffee heute scheiße, ich hau dem Koch gleich eins aufs Maul, ey!"
Während sich unter den Alkoholikern der ein oder andere Akademiker befindet, sind die Junkies meist ohne Arbeit oder Ausbildung; gerne auch vorbestraft.
Charakteristische Äußerungen:
"Scheiße! Boah! Ey! Alta! Fresse! Fuck! Arschloch! Wichser!"
Ich hatte angenommen, dass, wenn man sich in einer Ausnahmesituation wie Entzug bzw. Psychotherapie befindet, man sich untereinander als Patienten verträgt, mottomäßig: geteiltes Leid ist halbes Leid.
Aber nee, Drogis und Alkis sind offenbar natürliche Feinde; wie Werwölfe & Vampire.
"Scheiße! Boah! Ey! Alta! Fresse! Fuck! Arschloch! Wichser!"
Ich hatte angenommen, dass, wenn man sich in einer Ausnahmesituation wie Entzug bzw. Psychotherapie befindet, man sich untereinander als Patienten verträgt, mottomäßig: geteiltes Leid ist halbes Leid.
Aber nee, Drogis und Alkis sind offenbar natürliche Feinde; wie Werwölfe & Vampire.
Die Alkis verachten die Drogis wegen ihrem outlawschen Dicke-Hose-Getue.
Die Drogis verachten die Alkis, weil sie ihr Heroinbeschaffungsgewese, die Zubereitungsrituale, den speziellen Slang und das Abhängen viel cooler finden, als orientierungslos lallend durch die Gegend zu torkeln.
Die Drogis verachten die Alkis, weil sie ihr Heroinbeschaffungsgewese, die Zubereitungsrituale, den speziellen Slang und das Abhängen viel cooler finden, als orientierungslos lallend durch die Gegend zu torkeln.
Die Essgestörten:
- Magersüchtige:
Hauchdünne, extrem höfliche Mädchen im Teeniealter.
Huschen nahezu unbemerkt durch die Klinik. Reden wenig und wenn, dann sehr sehr leise.
Sind den ganzen Tag mit Kalorienzählen beschäftigt und überlegen sich immer neue Möglichkeiten, um die Kalorien heimlich wieder loszuwerden.
Eine Therapeutin hat mir einige von deren Tricks verraten. Wow, soviel Fantasie hätte ich auch gerne!
Charakteristische Äußerungen: "Ich wäre am liebsten unsichtbar!"
- Binge-Eater:
Übergewichtige, maulfaule Mädchen im Twenalter.
Im Gegensatz zu den hibbeligen Magermädchen, die jede noch so kleine Bewegung zum Kalorienabbau nutzen, bewegen sich die BEs selten und ungern. Versuchen verbotenerweise Essen von Mitpatienten zu schnorren.
Charakteristische Äußerung:
"Wie lange noch zum Mittachessen?"
"Wie lange noch zum Mittachessen?"
Bei keiner anderen Erkrankung habe ich so viele Patientinnen bescheißen sehen, wie bei den Essgestörten. Hatte den Eindruck, dass die nicht wirklich gesund werden wollen und nur da sind, weil Mammi sie geschickt hat.
Die Zwangskranken:
Menschen jeden Alters.
Zählen gern.
Kommen meist zu spät zu den Sitzungen und Mahlzeiten, da ihre Rituale so zeitraubend sind.
Plauderei schlecht möglich, da immer wieder durch Zählen oder bestimmte Bewegungen unterbrochen wird.
Plauderei schlecht möglich, da immer wieder durch Zählen oder bestimmte Bewegungen unterbrochen wird.
Charakteristische Äußerung:
"...eins zwei drei vier fünf. eins zwei drei vier fünf. eins zwei drei vier fünf..."
"...eins zwei drei vier fünf. eins zwei drei vier fünf. eins zwei drei vier fünf..."
Die Paniker:
Hypernervöse Frauen mittleren Alters mit Hang zur Hypochondrie.
Haben Angst vor allem und jedem.
Gerne auch vor eher unwahrscheinlichen Sachen wie Werwölfen, Weltuntergang oder versehentliche Vergiftung durch den Klinikkoch, sollte er mal Schierling mit Basilikum verwechseln.
Zu erkennen am permanenten Reh<->Scheinwerfer-Blick, ständigen Pulsfühlen und viel zu flacher Atmung, die bei der klitzekleinsten Unregelmäßigkeit zur Hyperventilation ausarten kann.
Haben Angst vor allem und jedem.
Gerne auch vor eher unwahrscheinlichen Sachen wie Werwölfen, Weltuntergang oder versehentliche Vergiftung durch den Klinikkoch, sollte er mal Schierling mit Basilikum verwechseln.
Zu erkennen am permanenten Reh<->Scheinwerfer-Blick, ständigen Pulsfühlen und viel zu flacher Atmung, die bei der klitzekleinsten Unregelmäßigkeit zur Hyperventilation ausarten kann.
Charakteristische Äußerung:
"Hilfe, ich sterbe / kollabiere / kriege einen Herzinfarkt!"
"Hilfe, ich sterbe / kollabiere / kriege einen Herzinfarkt!"
Die Bipolaren:
Menschen mittleren Alters.
In manischer Phase trotz Medikation vielquasselnde Angeber.
Ziemlich egoman, reden am liebsten über sich selbst.
Wollen sich überall einbringen und übernehmen sich ständig.
Charakteristische Äußerung:
"ICH mache das! Ich KANN kann das! Ja klar, schaffe ich das! Wetten?! Ich verwette mein Auto, dass ich das schaffe!"
"ICH mache das! Ich KANN kann das! Ja klar, schaffe ich das! Wetten?! Ich verwette mein Auto, dass ich das schaffe!"
Die Depressiven:
Menschen jeden Alters mit Fresse bis auf die Schuhe.
Reden kaum. Bewegungen nur in slow motion.
Machen zwar jedes Therapieangebot mit, gucken dabei aber immer wie's Leiden Christi höchstpersönlich.
Eigentlich die interessantesten Gesprächspartner in der Klinik.
Charakteristische Äußerungen:
"Mhm." oder "*schluchz*"
"Mhm." oder "*schluchz*"
Die Borderliner:
Meist weibliche Twens.
Tätowiert, gepierct und natürlich geritzt.
Isolieren sich von den anderen. Meist schlechtlaunig.
Laut Therapeutin die am schwersten zu diagnostizierende & zu behandelnde psychische Erkrankung.
Charakteristische Äußerung:
"Wann gibt's Mittach? Ich brauch' n Messer!"
Und dann gab's da noch den Gynäkologen, der immer Stimmen hörte. Reich, charmant, gutaussehend. Traumtyp. Aber total am Ende...
Mann, bin ich froh, dass mich das Schicksal da einigermaßen mit verschont hat!
Tätowiert, gepierct und natürlich geritzt.
Isolieren sich von den anderen. Meist schlechtlaunig.
Laut Therapeutin die am schwersten zu diagnostizierende & zu behandelnde psychische Erkrankung.
Charakteristische Äußerung:
"Wann gibt's Mittach? Ich brauch' n Messer!"
Und dann gab's da noch den Gynäkologen, der immer Stimmen hörte. Reich, charmant, gutaussehend. Traumtyp. Aber total am Ende...
Mann, bin ich froh, dass mich das Schicksal da einigermaßen mit verschont hat!
Dienstag, 19. Juni 2012
Einkaufen mit dem Manne
Samstag mittag im sehr gut besuchten Edeka.
Tatort: Wursttheke.
Fleischereifachverkäuferin: Was darf's sein?
Typ vor mir: Fleischwurst mit Knoblauch, bitte.
FFV: Mit Knoblauch die ist aus.
Typ *ausgiebig die Theke taxierend*: Hmmmm. Was ist das da?
Typ vor mir: Fleischwurst mit Knoblauch, bitte.
FFV: Mit Knoblauch die ist aus.
Typ *ausgiebig die Theke taxierend*: Hmmmm. Was ist das da?
FFV: Das ist Glücksburger Scheibchenpastete.
Typ: Und was ist das genau?
FFV: Das ist blablaRindblablaMuskatblabla.
Typ: Rind mag ich nicht so gerne. Aber dürfte ich trotzdem probieren?
Typ: Und was ist das genau?
FFV: Das ist blablaRindblablaMuskatblabla.
Typ: Rind mag ich nicht so gerne. Aber dürfte ich trotzdem probieren?
FFV: Ja, sicher.
Sie reicht ihm eine Scheibe. Er kaut und schmeckt und schmatzt.
Typ: Puh, das ist aber SEHR würzig. Ist da Schwarzkümmel drin?
FFV: Ja..äh.. Kümmel.. ja.
Typ: Dann nehme ich lieber was anderes.
Typ: Puh, das ist aber SEHR würzig. Ist da Schwarzkümmel drin?
FFV: Ja..äh.. Kümmel.. ja.
Typ: Dann nehme ich lieber was anderes.
Guckt wieder ausgiebig.
Typ: Von der Salami dort, bitte.
FFV: Sie meinen die Sizilianische Ragusanocervelat?
Typ: Mit Ragusano? Oooch, ich weiß nicht...
FFV: Wollen Sie mal probieren?
Typ: Gerne.
Wieder beißen, schmatzen, schmecken.
Typ: Ja. Die ist echt lecker. Davon nehme ich was.
Ein kollektives Aufatmen geht durch die Schlange von mittlerweile beträchtlicher Länge hinter uns.
FFV: Wieviel?
Typ: 6 Scheiben.
Typ: Von der Salami dort, bitte.
FFV: Sie meinen die Sizilianische Ragusanocervelat?
Typ: Mit Ragusano? Oooch, ich weiß nicht...
FFV: Wollen Sie mal probieren?
Typ: Gerne.
Wieder beißen, schmatzen, schmecken.
Typ: Ja. Die ist echt lecker. Davon nehme ich was.
Ein kollektives Aufatmen geht durch die Schlange von mittlerweile beträchtlicher Länge hinter uns.
FFV: Wieviel?
Typ: 6 Scheiben.
FFV packt 6 Scheiben auf die Waage. Tippt.
Typ: Wie teuer ist die denn?
FFV: 100 Gramm kosten 4,99.
Typ: So teuer?! Dann nehme ich nur 3 Scheiben.
FFV packt 3 Scheiben zurück.
Typ: Obwohl...*er schmatzt nochmal prüfend* Moooment, der Nachgeschmack jetzt ist nicht überzeugend. Ich nehme die Cervelat doch nicht. Geben Sie mir lieber was vom Wacholderschinken. Das da ist doch Wacholderschinken?
Typ: Wie teuer ist die denn?
FFV: 100 Gramm kosten 4,99.
Typ: So teuer?! Dann nehme ich nur 3 Scheiben.
FFV packt 3 Scheiben zurück.
Typ: Obwohl...*er schmatzt nochmal prüfend* Moooment, der Nachgeschmack jetzt ist nicht überzeugend. Ich nehme die Cervelat doch nicht. Geben Sie mir lieber was vom Wacholderschinken. Das da ist doch Wacholderschinken?
Er tatscht mit dem cervelatfettigen Zeigefinger an die Scheibe, dorthin, wo er den Wacholderschinken vermutet.
FFV: Nee, das ist Kalifornischer Rauchschinken. Wacholder ist der kleine daneben.
Typ: Wieso ist der Wacholder heute so klein? Das sind doch immer große Scheiben. Eine passt genau auf eine Ciabattabrötchenhälfte.
FFV: Äh... weiß ich nicht. Da muss ich den Chef fragen.
Typ: Nee, ist egal. Ich nehme trotzdem vom Wacholder.
FFV: Wieviel?
TYP: 6 Scheiben. Und können Sie mir bitte 6 frische Scheiben abschneiden?
FFV: Sicher.
FFV: Nee, das ist Kalifornischer Rauchschinken. Wacholder ist der kleine daneben.
Typ: Wieso ist der Wacholder heute so klein? Das sind doch immer große Scheiben. Eine passt genau auf eine Ciabattabrötchenhälfte.
FFV: Äh... weiß ich nicht. Da muss ich den Chef fragen.
Typ: Nee, ist egal. Ich nehme trotzdem vom Wacholder.
FFV: Wieviel?
TYP: 6 Scheiben. Und können Sie mir bitte 6 frische Scheiben abschneiden?
FFV: Sicher.
Macht sich samt Schinken auf den Weg zur Schneidemaschine.
Die Schlange ächzt.
Die Schlange ächzt.
Ich, mittlerweile ziemlich genervt: Wieso'n das?
Typ, flüsternd: die obere Scheibe sieht nicht mehr 100%ig frisch aus.
Ich: Ich finde, die sieht wohl frisch aus.
FFV: Darf's sonst noch was sein?
Typ: Ja, Paprikalyoner bitte.
FFV: Die Paprikalyoner ist aus, aber ich hätte noch welche mit Pistazien.
Typ: Pistazien mag ich nicht.
FFV: Mit Paprika hätten wir noch unsere Pute in Madeira-Aspik.
Typ: Das klingt gut! Welcher Madeira ist denn da drin? Trocken oder halbsüß? Ich könnte mir vorstellen, dass der Halbsüße....
FFV: Probieren???
Typ: Klar!
Ich: Ich finde, die sieht wohl frisch aus.
FFV: Darf's sonst noch was sein?
Typ: Ja, Paprikalyoner bitte.
FFV: Die Paprikalyoner ist aus, aber ich hätte noch welche mit Pistazien.
Typ: Pistazien mag ich nicht.
FFV: Mit Paprika hätten wir noch unsere Pute in Madeira-Aspik.
Typ: Das klingt gut! Welcher Madeira ist denn da drin? Trocken oder halbsüß? Ich könnte mir vorstellen, dass der Halbsüße....
FFV: Probieren???
Typ: Klar!
Schlange: stöööhn
Schmatzen, kauen, wirken lassen...
Typ: Exzellent! Schmeckt eindeutig nach Bual. 4 Scheiben bitte. Das wäre alles.
Zum Glück stand der Pfarrer direkt hinter uns und hielt allein durch seine himmlische Anwesenheit den wütenden Mob vor tätlichen Angriffen ab.
Er selbst guckte allerdings, als würde er jetzt sehr gerne kräftig fluchen.
Ich hätte mir gerne das nächstliegende Eisbein gegriffen, um dem Typ damit eins überzubraten, aber
Er selbst guckte allerdings, als würde er jetzt sehr gerne kräftig fluchen.
Ich hätte mir gerne das nächstliegende Eisbein gegriffen, um dem Typ damit eins überzubraten, aber
1. lag nur abgepacktes Grillfleisch in Griffnähe.
2. Stand ja nun der Pastor neben mir und
3. handelte es sich bei dem Typ um meinen LAG, der mir später noch helfen sollte, meinen Monstereinkauf vom Auto in den 3. Stock zu schleppen.
So sah ich also von einer Gewalttat ab.
Ich muss nicht erwähnen, dass er dasselbe Theater auch an der Fischtheke und beim Bäcker abzog?
Und da habe ich den Beweis:
Der LAG ist eindeutig ein grauer Herr.Und das bezieht sich nicht auf sein Haupthaar; das ist eigentlich für sein Alter nur mäßig grau.
(Sein Schamhaar ist übrigens überhaupt nicht grau! Und dabei ist der Typ schon Fuffzich! Ich bin gerade mal ..äh.. knapp Vierzich und habe erst letzte Woche 6 {in entsetzen Worten: SECHS} schlohweiße Schamhaare bei mir entdeckt!)
Huch, ich schweife ab...
Ihr kennt doch die Grauen Herren aus "Momo", diese Zeiträuber?
So einer ist der LAG auch!
Normalerweise gehen wir getrennt einkaufen:
er kauft seinen Kram, ich den meinen.
Wobei ich mich schon oft gefragt habe, wieso der LAG für einen Minieinkauf wie "Milch, Aufschnitt, Tabak" anderthalb Stunden braucht. Seit letztem Samstag weiß ich es und ich schwöre:
Nie wieder einkaufen mit Mann! Echt ey! Nie wieder!
Sonntag, 6. Mai 2012
Konfirmation - Das Event
6.30:
Mein Wecker klingelt.
Mein Wecker klingelt.
6.33:
Eine Panikattacke überrollt mich. Hatte schon damit gerechnet.
Spaßeshalber messe ich meinen Blutdruck:
170 zu 90, Puls 110. *schluck*
Ich werde also heute sterben.
7.30:
Ich wecke Elvis und vergewissere mich, dass wir spätestens um 9.15 in der Kirche erscheinen müssen, also 15 Minuten vor Beginn des GDs.
Elvis: "Nee, um 8.15."
Ich: "8.15? Kann nicht sein. Bist Du sicher? Das ist ja viel zu früh!"
Er: "Äääääh..."
Ich: "Ruf' jemanden an, der's weiß! SOFORT!"
Nachdem er 3 Konfimanden angerufen hat, sind nun 3 Familien verunsichert, weil es von denen auch keiner so genau weiß. Gnihi.
Ich schlage vor, die Streberin des Kurses anzurufen.
"Die rufe ich auf GAR KEINEN an!", sträubt er sich.
"Die rufst Du AUF JEDEN an!", drohe ich mit meiner "I love you, but will not hesitate to kill you"-Miene (Mischung aus PMS-Monster, Medusa und Hannibal Lecter). Er fügt sich und siehe da: die Streberin bestätigt 9.15.
Gutes Kind.
8.45:
Das SoVa klingelt. Wir fahren gemeinsam zur Kirche.
Im Auto motzt er:
"Du hast meinen Neffen gar nicht eingeladen! Der ist schließlich unser beider Patenkind!"
Tja, hätte er sich bei der Planung mehr eingebracht, wäre mir dieser Lapsus vermutlich nicht unterlaufen.
Oder vermutlich doch.
Oder vermutlich doch.
Ich gebe zu bedenken:
"Der Typ hat sich seit seiner eigenen Konfi vor 15 Jahren nicht mehr bei uns gemeldet! Ich kann den eh nicht ab und seine Trulla ist Octolactoveganerin. Ich setze mir doch nicht 'nen Pickie an den Tisch! Überdies bin ich nicht scharf darauf, mich mit dem zickigen Maître eines Landgasthofes wegen eines einzelnen octolactoveganen Menüs auseinanderzusetzen."
"Der Typ hat sich seit seiner eigenen Konfi vor 15 Jahren nicht mehr bei uns gemeldet! Ich kann den eh nicht ab und seine Trulla ist Octolactoveganerin. Ich setze mir doch nicht 'nen Pickie an den Tisch! Überdies bin ich nicht scharf darauf, mich mit dem zickigen Maître eines Landgasthofes wegen eines einzelnen octolactoveganen Menüs auseinanderzusetzen."
Er: "Pfff, bist Du intolerant!"
Ich: "Pfff, yep, bin ich!"9.00:
Ankunft in der Kirche. Zum Glück sind noch genügend Plätze frei.Das SoVa und ich besetzen Bank Nr. 3 und halten sie für die noch nicht eingetroffene Verwandtschaft frei.
9.15:
Der Pfarrer macht mit uns ein WarmUp und erwähnt dabei, dass im Foyer ein Tisch mit Getränken und Traubenzucker-Getreideriegeln steht, falls jemandem mulmig wird.
WAAAAH!!! Sowas sagt man doch nicht! Ist dem das Wort triggern kein Begriff?!
Jetzt ist mir tatsächlich mulmig und mir fällt auch direkt die schlechte Luft auf. *röchel*
Jetzt ist mir tatsächlich mulmig und mir fällt auch direkt die schlechte Luft auf. *röchel*
9.20:
Die Kirche ist fast voll.
Die Kirche ist fast voll.
Wo zur Hölle bleibt die scheiß Verwandtschaft???
Das SoVa guckt sich um und entdeckt sie in der letzten(!) Bank.
Können 14 Menschen aus 2 verschiedenen Clans tatsächlich ALLESAMT zu dämlich sein, um zu begreifen, dass die freigehaltenen Plätze neben uns für sie reserviert sind?
Ich winke sie zu uns. Die Ommas winken fröhlich zurück.
Oh Mann, das wird ein langer Tag...
Oh Mann, das wird ein langer Tag...
9.24:
Die freien Plätze neben uns werden nun besetzt von Dr. Lustig und Familie. Seine Nichte wird konfirmiert.
Als Panikerin, mittig in einer überfüllten Kirche mit schlechter Luft und Traubenzucker-Getreideriegeln im Foyer, sitze ich neben dem einzigen Arzt im Saal - der liebe Gott hat mich wohl doch ganz gern!
Als Panikerin, mittig in einer überfüllten Kirche mit schlechter Luft und Traubenzucker-Getreideriegeln im Foyer, sitze ich neben dem einzigen Arzt im Saal - der liebe Gott hat mich wohl doch ganz gern!
9.30:
Der Gottesdienst beginnt. Gerede, Gebete, Gesinge.
10.12:
Die Konfirmanden werden nach vorne gerufen und konfirmiert.
Die Jungs in ihren Anzügen und Krawatten sehen wie kleine Gentlemen aus.
Die Mädchen in ihren Minikleidchen und Stilettos sehen wie kleine Prostituierte aus.
Außer die Streberin; die trägt ein sehr geschmackvolles Cremefarbenes, knielang, mit Chanelballerinas. Gutes Kind.
Ich muss ein bisschen weinen und tupfe mir verstohlen die Tränen aus den Augenwinkeln.
In der ganzen Kirche schniefen und tupfen nur 2 Menschen:
ich in Reihe 3 und unser Oppa ganz hinten. Sind die anderen so abgebrüht?
Die Jungs in ihren Anzügen und Krawatten sehen wie kleine Gentlemen aus.
Die Mädchen in ihren Minikleidchen und Stilettos sehen wie kleine Prostituierte aus.
Außer die Streberin; die trägt ein sehr geschmackvolles Cremefarbenes, knielang, mit Chanelballerinas. Gutes Kind.
Ich muss ein bisschen weinen und tupfe mir verstohlen die Tränen aus den Augenwinkeln.
In der ganzen Kirche schniefen und tupfen nur 2 Menschen:
ich in Reihe 3 und unser Oppa ganz hinten. Sind die anderen so abgebrüht?
10.34:
Der Pfarrer bittet die Gemeinde zum Abendmahl.
Ich bleibe sitzen, denn ich gehöre ja nicht zu seinen Schäfchen. So kann ich mir die anderen genauer betrachten und staune:
ich sehe üppige Dekolletés, Ultraminis, Hotpants und HighHeels. Und ich habe mich gesorgt, dass das züchtige Etuikleid mit Blickdichtstrümpfen und 3cm-Absätzen nuttig wirken könnte...
Die dazugehörigen Gesichter haben eindeutig slawischen Einschlag.
Ich raune dem SoVa zu:
"Wenn ihr Kerle mal für umsonst Flittchen gucken wollt, müsst ihr nicht extra zum Straßenstrich nach Dortmund fahren, sondern braucht nur mal einen Gottesdienst hier im Ostblock-Viertel zu besuchen."
ich sehe üppige Dekolletés, Ultraminis, Hotpants und HighHeels. Und ich habe mich gesorgt, dass das züchtige Etuikleid mit Blickdichtstrümpfen und 3cm-Absätzen nuttig wirken könnte...
Die dazugehörigen Gesichter haben eindeutig slawischen Einschlag.
Ich raune dem SoVa zu:
"Wenn ihr Kerle mal für umsonst Flittchen gucken wollt, müsst ihr nicht extra zum Straßenstrich nach Dortmund fahren, sondern braucht nur mal einen Gottesdienst hier im Ostblock-Viertel zu besuchen."
"Man sagt nicht mehr 'Ostblock'!", klugscheißert er (ach so, na klar, wo ich ja so viel Wert auf political correctness lege) und:
"Pfff, bist Du intolerant!"
"Pfff, bist Du intolerant!"
Jo, bin ich...
11.00:
Der Gottesdienst ist zu Ende.
Alle drängeln sich vor der Kirche. Gratulationen. Fotosession.11.12:
Der Pfarrer stößt zu uns.
Ich frage ihn, ob er jemals eine schlimmere Losertruppe hatte als die Konfirmanden Zwanzigzwölf.
Er quasselt sich diplomatisch heraus und wechselt schnell und geschickt das Thema. Allerdings nicht zu seinem Vorteil, denn beim Herumplaudern kommt heraus, dass er zum dritten Mal verheiratet ist.
Mon Dieu, ich wohne in Sodom & Gomera!
11.20:
Es ist kühl und die Ommas drängen zum Aufbruch ins Restaurant.
SoVas Schwester Nini (wandelnder Krisenherd) hakt sich beim Pfarrer unter und flötet: "Kommen Sie doch mit zum Essen!"
Ich möchte mich ad hoc übergeben.
Nicht, dass ich was gegen promiskuitive Pfarrer hätte, aber das Essen beim Maître ist so teuer, da bin ich froh um jeden, der's heute am Magen hat.
GsD lehnt der Pfarrer dankend ab:
"Ich werde schon woanders zum Essen erwartet."
"Bei Nummer Drei?", fragt unser Omma.
Oh ja, das wird ein langer Tag...
11.32:
Ankunft im Restaurant.
Dort treffen wir den kircheschwänzenden Rest der Verwandtschaft.
Nur Kusine Püppi samt Mann und Kind fehlt noch.
11.35:
Wir stellen uns alle zum Gruppenfoto vor dem schönen schmiede-eisernen Tor zum Biergarten auf.
Der LAG muss knipsen.
"Nun kuckt doch mal alle vernünftig!", schnauzt er (-> leicht gereizt. Vermutlich, weil er nicht mit auf's Foto darf).
Nini kräht: "Was sagt der Fotograf zu seinen arabischen Kunden? - Allamalachenn! Hihihi!"
Keiner lacht. Wir sind ja keine Araber.
11.41:
Kaum im Restaurant bestellt sich Tante Elisabeth eine Rosé-Schorle.
Ächz. Noch nicht mal High-Noon und der erste Gast ordert ein 6-Ocken-Getränk.
Nini preist unterdessen dem LAG die Kellnerin an:
"Wow, die hat ja ordentlich Holz vor der Hütt'n! Hihi! Kannst ja mal rausfinden, ob das alles echt ist. Höhö! Du stehst doch auf üppige Oberweiten, oder?"
Er bejaht.
12.13:
Ich werde seit 11.36 von 3 Ü-80erinnen verfolgt, die sich im 4-Minutentakt nach dem Verbleib von Kusine Püppi erkundigen, denn:
"Jetzt gibt's doch gleich Essen!".
Da ich seit 11.36 im 4-Minutentakt erklären muss, dass das Essen, wie auf der Einladung eindeutig vermerkt, um 12.30 serviert wird, reagiere ich auf Tante Hubertines Frage: "Kannst Du sie denn nicht mal anrufen und hören, ob die überhaupt schon losgefahren sind?" mit einem ruppigen "NEIN!".
Das geplante "Wieso nicht?" bleibt ihr vor Schreck im runzligen Halse stecken.
Ich ahne, weshalb in Altenheimen das Mittagessen um 11.30 auf dem Tisch stehen muss.
12.25:
Auftritt Kusine Püppi mit Mann und Kind.
Die Ü-80erinnen atmen auf und scheuchen alle rasch zu Tisch,
"damit die Kellnerin sieht, dass sie endlich servieren kann".
Das SoVa hält eine kurze Rede und sagt, was man eben an so einem Tag sagt.
12.32:
****Essen****
Beim Nachtisch frage ich den LAG, ob er auf üppige Oberweiten steht.
Er verneint.
13.45:
Das Essen ist beendet.
Dafür, dass sie mich vorher gefühlte 3 Stunden wegen Püppi genervt hat, hat die Ü80-Fraktion wie die Spatzen gegessen und bedauert, dass es sich am heutigen Tag leider nicht gehört, nach DoggyBags zu fragen.
Da die Torten erst um 15.30 serviert werden, ist nun genügend Zeit zum plaudern, pinkeln und paffen.
Onkel Werner schleicht mit seiner riesigen Spiegelreflexkamera umher, auf der Jagd nach originellen Schnappschüssen.
Meine Mutter will einen auf ultracool machen und ihm den Stinkefinger vor die Linse halten, verwechselt aber in der Eile den Mittel- mit dem Zeigefinger.
Ich quatsche ein bisschen mit Ben (14), Urgroßneffe (oder so).
Ben antwortet auf 99% meiner Fragen mit "Weiß nich'."
Bisher nahm ich an, dass nur Elvis so dauerminderinformiert ist.
Ben weiß weder ob, noch was, noch wo sein Bruder, der gerade Abi macht, demnächst studieren wird.
Er weiß allerdings ganz genau, dass der Bruder am Donnerstag, den 28.06.12 gegen 15. 27 Uhr ausziehen wird. Wo er hinziehen wird weiß Ben nicht, aber er kriegt dann sein Zimmer.
Ich glaube, der Fachterminus hierfür ist "Inselinteresse".
Das Sova (50) und seine Schwester Nini (60) haben sich lange nicht gesehen und retardieren nun auf's Übelste. Sie tuscheln, kichern und juchzen wie die Teenager. Ihre Mutter schüttelt nur den Kopf und schämt sich ein bisschen für die beiden; sie hätte doch so gerne mit Ihrer Familie angegeben.
Wenn ich die zwei Peinlichkeiten so sehe, bin ich direkt froh, geschwisterlos zu sein.
15.30:
****Torten-Time****
Der Heilige Elvis langweilt sich. Er hat sein i-Dings zuhause vergessen. Ben nicht und deshalb verläuft die Kommunikation zwischen den beiden etwas schleppend.
Beim Schlemmen kommt mir eine Idee. Ich flüstere dem Heiligen Elvis zu:
"Ich wette 5 Ocken, dass unser Omma mütterlicherseits ihren Teller schneller leer hat, als unser Omma väterlicherseits!".
Mit fachmännischem Blick auf Tortenstückdicke und Konstitution der beiden Kampfschnecken wettet er dagegen.
Offenbar war mein Flüstern nicht leise genug, denn mein Vater mischt sich ein und setzt ebenfalls auf Omma mü mit der Begründung, dass Omma vä ein Gebiss trägt und es da schon mal zu dentalplastischen Schwierigkeiten kommen kann. Vor allem, wenn Nüsse im Spiel bzw. in der Torte sind.
Der LAG ist zwar schwerhörig, aber akustischen Mist, egal wie leise, hört er komischerweise immer. Er klinkt sich ein und setzt auf Omma vä.
Und so sitzen wir 4 da und starren gespannt auf die Ommas.
Leider geziemt es sich an solch einem Tag nicht, sie anzufeuern.
Omma vä gewinnt, aber nur, weil Omma mü sich beim essen auf ein Quätschchen mit Tante Anneliese eingelassen hat.
16.38:
Feierabend!
Allgemeiner Aufbruch.
Da von den 3 Torten 2 übrig sind und auch das Buffet von uns nicht komplett leergefressen wurde, machen wir uns schwertupperbepackt auf den Heimweg.
Ich fühle mich fit und entspannt, trotz Familienoverkill.
NACHTRAG:
"Ich werde schon woanders zum Essen erwartet."
"Bei Nummer Drei?", fragt unser Omma.
Oh ja, das wird ein langer Tag...
11.32:
Ankunft im Restaurant.
Dort treffen wir den kircheschwänzenden Rest der Verwandtschaft.
Nur Kusine Püppi samt Mann und Kind fehlt noch.
11.35:
Wir stellen uns alle zum Gruppenfoto vor dem schönen schmiede-eisernen Tor zum Biergarten auf.
Der LAG muss knipsen.
"Nun kuckt doch mal alle vernünftig!", schnauzt er (-> leicht gereizt. Vermutlich, weil er nicht mit auf's Foto darf).
Nini kräht: "Was sagt der Fotograf zu seinen arabischen Kunden? - Allamalachenn! Hihihi!"
Keiner lacht. Wir sind ja keine Araber.
11.41:
Kaum im Restaurant bestellt sich Tante Elisabeth eine Rosé-Schorle.
Ächz. Noch nicht mal High-Noon und der erste Gast ordert ein 6-Ocken-Getränk.
Nini preist unterdessen dem LAG die Kellnerin an:
"Wow, die hat ja ordentlich Holz vor der Hütt'n! Hihi! Kannst ja mal rausfinden, ob das alles echt ist. Höhö! Du stehst doch auf üppige Oberweiten, oder?"
Er bejaht.
12.13:
Ich werde seit 11.36 von 3 Ü-80erinnen verfolgt, die sich im 4-Minutentakt nach dem Verbleib von Kusine Püppi erkundigen, denn:
"Jetzt gibt's doch gleich Essen!".
Da ich seit 11.36 im 4-Minutentakt erklären muss, dass das Essen, wie auf der Einladung eindeutig vermerkt, um 12.30 serviert wird, reagiere ich auf Tante Hubertines Frage: "Kannst Du sie denn nicht mal anrufen und hören, ob die überhaupt schon losgefahren sind?" mit einem ruppigen "NEIN!".
Das geplante "Wieso nicht?" bleibt ihr vor Schreck im runzligen Halse stecken.
Ich ahne, weshalb in Altenheimen das Mittagessen um 11.30 auf dem Tisch stehen muss.
12.25:
Auftritt Kusine Püppi mit Mann und Kind.
Die Ü-80erinnen atmen auf und scheuchen alle rasch zu Tisch,
"damit die Kellnerin sieht, dass sie endlich servieren kann".
Das SoVa hält eine kurze Rede und sagt, was man eben an so einem Tag sagt.
12.32:
****Essen****
Beim Nachtisch frage ich den LAG, ob er auf üppige Oberweiten steht.
Er verneint.
13.45:
Das Essen ist beendet.
Dafür, dass sie mich vorher gefühlte 3 Stunden wegen Püppi genervt hat, hat die Ü80-Fraktion wie die Spatzen gegessen und bedauert, dass es sich am heutigen Tag leider nicht gehört, nach DoggyBags zu fragen.
Da die Torten erst um 15.30 serviert werden, ist nun genügend Zeit zum plaudern, pinkeln und paffen.
Onkel Werner schleicht mit seiner riesigen Spiegelreflexkamera umher, auf der Jagd nach originellen Schnappschüssen.
Meine Mutter will einen auf ultracool machen und ihm den Stinkefinger vor die Linse halten, verwechselt aber in der Eile den Mittel- mit dem Zeigefinger.
Ich quatsche ein bisschen mit Ben (14), Urgroßneffe (oder so).
Ben antwortet auf 99% meiner Fragen mit "Weiß nich'."
Bisher nahm ich an, dass nur Elvis so dauerminderinformiert ist.
Ben weiß weder ob, noch was, noch wo sein Bruder, der gerade Abi macht, demnächst studieren wird.
Er weiß allerdings ganz genau, dass der Bruder am Donnerstag, den 28.06.12 gegen 15. 27 Uhr ausziehen wird. Wo er hinziehen wird weiß Ben nicht, aber er kriegt dann sein Zimmer.
Ich glaube, der Fachterminus hierfür ist "Inselinteresse".
Das Sova (50) und seine Schwester Nini (60) haben sich lange nicht gesehen und retardieren nun auf's Übelste. Sie tuscheln, kichern und juchzen wie die Teenager. Ihre Mutter schüttelt nur den Kopf und schämt sich ein bisschen für die beiden; sie hätte doch so gerne mit Ihrer Familie angegeben.
Wenn ich die zwei Peinlichkeiten so sehe, bin ich direkt froh, geschwisterlos zu sein.
15.30:
****Torten-Time****
Der Heilige Elvis langweilt sich. Er hat sein i-Dings zuhause vergessen. Ben nicht und deshalb verläuft die Kommunikation zwischen den beiden etwas schleppend.
Beim Schlemmen kommt mir eine Idee. Ich flüstere dem Heiligen Elvis zu:
"Ich wette 5 Ocken, dass unser Omma mütterlicherseits ihren Teller schneller leer hat, als unser Omma väterlicherseits!".
Mit fachmännischem Blick auf Tortenstückdicke und Konstitution der beiden Kampfschnecken wettet er dagegen.
Offenbar war mein Flüstern nicht leise genug, denn mein Vater mischt sich ein und setzt ebenfalls auf Omma mü mit der Begründung, dass Omma vä ein Gebiss trägt und es da schon mal zu dentalplastischen Schwierigkeiten kommen kann. Vor allem, wenn Nüsse im Spiel bzw. in der Torte sind.
Der LAG ist zwar schwerhörig, aber akustischen Mist, egal wie leise, hört er komischerweise immer. Er klinkt sich ein und setzt auf Omma vä.
Und so sitzen wir 4 da und starren gespannt auf die Ommas.
Leider geziemt es sich an solch einem Tag nicht, sie anzufeuern.
Omma vä gewinnt, aber nur, weil Omma mü sich beim essen auf ein Quätschchen mit Tante Anneliese eingelassen hat.
16.38:
Feierabend!
Allgemeiner Aufbruch.
Da von den 3 Torten 2 übrig sind und auch das Buffet von uns nicht komplett leergefressen wurde, machen wir uns schwertupperbepackt auf den Heimweg.
Ich fühle mich fit und entspannt, trotz Familienoverkill.
NACHTRAG:
- Auf allen 8.327 Fotos gucke ich blöde aus der Wäsche! Das kann ja wohl nicht wahr sein!!
- Dem Heiligen Elvis fällt ein, dass er vergessen hat, das Stammbuch beim Pfarrer abzugeben.
- Er hat ordentlich "verdient", obwohl er's nicht verdient hat!
- Die Restaurant-Rechnung war viel niedriger, als befürchtet.
- Merken für's nächste Event: Koche nicht selbst! Feiere nicht zuhause! Bringe Übernachtungsgäste anderweitig unter!
Soooo, hättn wa das auch erledigt!
Was kommt next?!
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