Mittwoch, 19. Dezember 2012

Ute, Herr Neumann und das Autofahren

Es läuft jedesmal gleich ab:
Sobald in geselliger Runde das Thema auf Männer bzw. Frauen am Steuer kommt, gebe ich mein Leid zum Besten.
Nämlich, dass Herr Neumann fährt wie eine gesengte Sau.

Ich erzähle, dass er Verkehrsschilder für Vorschläge und nicht für Vorschriften hält.

Ich erzähle, dass er die Rechts-vor-Links-Regelung grundsätzlich ignoriert, obwohl das für mich, die Rechtssitzende, übel ausgehen kann.

Ich erzähle, dass er jedesmal aus seiner Ausfahrt auf die von dort nicht einsehbare Straße herausschießt, statt sich vorsichtig "heranzutasten", wie es in der Fahrschule immer hieß.

Ich erzähle, dass er sich auf längeren Autobahnfahrten Zigaretten auf Vorrat dreht oder sich Kaffee aus der Thermoskanne einschenkt (hoffe, dass ich nicht im Wagen bin, wenn er sich dabei mal die Kronjuwelen verbrüht!) und währenddessen mit dem Knie lenkt.
Ob rechte oder linke Spur ist dabei unerheblich.

Ich erzähle, dass er letztens sein neues Navi eingebaut und adjustiert hat. Während der Fahrt.

Ich erzähle, dass er auch in verengten Baustellenabschnitten auf der Autobahn schneller fährt als erlaubt und dabei LKWs überholt.

Ich erzähle, dass er unerklärlicherweise einen Linksdrall hat und immer ein bisschen zu nah an der Gegenfahrbahn fährt.
(Neulich hat er in einer engen Innenstadtstraße einen anderen Wagen am Außenspiegel touchiert. Er war eindeutig Schuld, da mal wieder zu weit links. Er hechtete dann aus dem Auto und hat den anderen Fahrer dermaßen angeschnauzt, dass dieser sich sofort schuldig fühlte und sich kleinlaut verzogen hat.)

Ich erzähle, dass aus den o.g Vergehen schon einige kleinere Unfälle hervorgegangen sind, die aber Null Lerneffekt erzielten.
Holen sich Männer auf diese Weise ihren Adrenalinkick?!
Und falls JA - muss das denn sein??

Bis dahin ist noch alles in Ordnung.
Meine Zuhörer kommentieren diese Abartigkeiten mit "Uuuuuh!" und "Booaah!" und "Nääää, ne?!" und werfen Herrn Neumann finstere Blicke zu, während mir das gebührende Mitleid zuteil wird.

Doch unweigerlich folgt dann von irgendwem die Frage:
"Und wie reagierst Du in solchen Situationen?"

Ich hasse Autofahren und speziell das Autobahnfahren.
Für mich lauert auf der Straße hinter jedem Verkehrsschild, jeder Kreuzung und jedem 40-Tonner der sichere Tod.
Dementsprechend nervös reagiere ich auch als Beifahrer.
Und sobald Herr Neumann dann erzählt, dass ich schon während der Auffahrt zur Autobahn das Hyperventilieren anfange, bei Überholvorgängen meine Finger in seine Oberschenkel kralle und aus Leibeskräften "NEEIIN!", "IIIIIIEEEEK!" oder "ICH WILL NICHT STÄRBÄÄÄN!" kreische, wendet sich das Blatt und aus dem vorherigen "Juliane, Du Arme!" wird ein opportunistisches
"Alfred E., Du Ärmster!"

Pffff.
Ich ahne, wie Ute Lemper sich damals gefühlt haben muss, vom gefeierten Star zum Nobody in 3,7 Sekunden.

In diesem Sinne:
Allzeit gute Fahrt!

Sonntag, 18. November 2012

Besten Dunk, Elvis!

Elvis eben so: "Ich brauche einen neuen Basketball!"
Ich: "Du hast doch einen."
Elvis: "Der ist aber schon 2 Jahre alt!"
Ich: "2 Jahre schon? Och Gottchen, dann kann er ja bald in den Kindergarten!"

Elvis ächzt, rollt die Augen und trollt sich, bevor die Alte noch mehr Scheiße labern kann. 
Teenager verscheucht innerhalb von 8 sec. und
20 Ocken gespart!
Bin ich genial, oder was?!

Natürlich wird er seinen neuen Basketball kriegen, der gute Junge, der!

Immerhin hat er sich nach jahrelangem Fußballtraining nun endgültig für Basketball entschieden und das ist ein himmelweiter und wohltuender Unterschied.

Endlich bin ich diese prolligen Fußballeltern los, diese potientiellen RTL-MittenimLeben-Protagonisten im Adidas-Jogger, obwohl selber total unsportlich, die beim Training und Spielen vom Rand aus hochcholerisch Dinge brüllen wie:
"KEVIN, NICH SO LAHMARSCHIG! LAAAAAUUUF! LAAAUUUF DOCH KER VERDAMMICH!"
Oder:
"NIMM IHM DEN BALL AB, JUSTIN, BOAH EY, WARUM NIMMSE DEM TYP NICH DEN SCHEISSBALL AB?!"

Und Kevin und Justin und Co., anatomisch jungen Rottweilern gleichend (-> gedrungen, bullig und keinen Spaß verstehend), metzeln sich durch's Spiel.

Und ich spreche hier nur von der F-Jugend!
Und von den MÜTTERN! Die Väter sind noch schlimmer!

Nee, das wünscht sich keine Mutti für ihr Baby. 
Zumindest keine hochkultivierte, die ausschließlich Arte guckt und den Spiegel liest, so wie ich.
Jetzt bietet sich mir ein wunderbares Bild von hochgewachsenen, sich elegant bewegenden Hünen, die jeden Körperkontakt meiden und niemals auf dem Spielfeld fluchen würden!
Wir in den Rängen, in eine coole Mischung aus Casual und Business gewandet, applaudieren artig, wenn ein Ball in den Korb geht oder lassen ein wohltemperiertes "Oooouuuuuh, wie schade!" ertönen, wenn Leander, Florian oder Jeremias daneben geworfen haben.
Es gibt keine Hooligans und kein tumbes Fangegröhle.

Einziger Minuspunkt:

Die Fußballer tragen die besser sitzenden, ergo hübscher aussehenden Klamotten.
Warum Basketballer diese schlabberigen Oversize-Buchsen und ärmellose Trikots tragen, ist mir ein Rätsel.
Kein schöner Anblick beim weißarmigen und blassbeinigen Durchschnittssauerländer, der so gar keine Sexyness wie beispielsweise Shaquille O’Neal oder LeBron James besitzt.

Na gut, noch ein Minuspunkt:

bei der Fahrgemeinschaft habe ich den Part der Mutter, die Freitagabends regelmäßig das RTL-Liebesfilmfilmblockbustermovie die 48-teilige Arte-Doku über das Gesamtwerk Wim Wenders' verpasst, weil ich die Jungs um 21 Uhr vom Training abholen muss.

Aber egal; Elvis könnte mich nur noch mit Ballettstunden glücklicher machen...

So, nun entschuldigt mich, ich muss meinen kleinen AirJordan zu einem Spiel fahren.

Sogar FLOTUS and POTUS sind Fans! Hach...

Freitag, 9. November 2012

Sex and the Sauerland

Vorab: Sex and the City, Staffel 3, Episode 18, "Gute Nachbarschaft":
Miranda stürzt in eine Sinnkrise, als die Kellnerin vom Chinaimbiss am Telefon schon vorher weiß, was sie (also Miranda) bestellen wird, weil sie dort IMMER das selbe bestellt.

Gestern Abend lud uns Mutter Neumann zum Chinesen ein.

19.00 Uhr:
Auftritt: Alfred E. Neumann, Mutter Neumann, Elvis et moi.
Das "Red Dragon House" ist rappelvoll. Wir erwischen den letzten freien Tisch.

19.04 Uhr:
Elvis sitzt gekrümmt am Tisch und nuschelt: "Mir ist schlecht."
Ihm schwant wohl, dass der Abend mit uns alten Leuten langweilig werden könnte.
Vielleicht nimmt er auch Drogen, man weiß es nicht genau.
Er schleicht erstmal zum Klo.

19.09 Uhr:
Begrüßungscocktails werden serviert.
Wir sitzen 'rum und warten mit Stößchen und Bestellung auf Elvis.
Man weiß ja, was sich gehört.
Plaudereien gestalten sich schwierig, da es voll ist, eine Geräuschkulisse wie am Hauptbahnhof zur Rushhour herrscht und der schwerhörige Alfred E. und seine Mutter mit ihren ewig funktionsuntüchtigen Hörgeräten als Entertainer ausfallen.

19.14 Uhr:
Es dauert und dauert. Ich vermute, dass Elvis versucht, sich mit den beschränkten Mitteln eines Restaurantklos, die Haare zu re-stylen, die vorher von der albernen Hoppercap, die er selbstverständlich am Tisch abzusetzen hat, zerknautscht wurden.
Ich studiere derweil die Cocktailkarte und lerne:
"SwimmingPool":
Rum, Wodka, Blue Curacao 21%, Ananassaft, Kokossirup, Sahne.
"SwimmingPool (alkoholfrei)":
Rum, Blue Curacao-Sirup 0%, Ananassaft, Kokossirup, Sahne.

19.17 Uhr:
The King is back. Die Frisur gefällt ihm zwar nicht so, aber wenigstens ist ihm nicht mehr schlecht.


Elvis, gewohnt kameraphob, dabei ist er so hübsch,
"der wird bestimmt mal Schauspieler", wie unser Oppa immer orakelt.

Wir entscheiden uns für's Buffet; außer Mutter Neumann, die bestellt sich "was Richtiges".

ab 19.25 Uhr:
Das Buffet ist eröffnet...
Ich entscheide mich wie immer für Curryhuhn scharf.
Mutter Neumann kriegt ihre Entenbrust serviert.
Von da an jammert sie für den Rest des Abends im 3-Minutentakt:
"Och, Kinder, das schaffe ich doch gar nicht alles! Könnt ihr mir nicht helfen?"

Elvis erblickt am Nebentisch ein rehäugiges Gleichaltriges, beide starten eine komplizierte Flirt-Choreo von Tisch zu Tisch und um's Buffet herum, so dass er die nächsten 57 Minuten nicht ansprechbar ist.

Eine der Kellnerinnen kommt und fragt, ob alles in Ordnung ist.
Hier nun mein persönlicher Sex and the CIty-Moment, und im Gegensatz zu Miranda finde ich die Situation witzig (hierzu muss man wissen, dass ich mir seit Jahren, und zwar immer wenn Elvis beim Vater, auf Klassenfahrt, im Mathecamp oder sonstwo weilt, im "Red Dragon" Curryhuhn scharf to-go hole).
Die Kellnerin guckt also auf meinen Teller und ruft aufgeregt:
"Aaaah, Curryhuhn schaaaaf! Das Sie immer essen!"
Sie zieht ihren Kollegen, der gerade vorbeikommt, am Ärmel heran, zeigt auf mich und sagt erfreut: "Da! Curryhuhn schaaaaf!"
Auch er erkennt mich sofort und strahlt: "Jaaa, Curryhuhnfrau!"
Alfred E., Elvis und Mutter Neumann glotzen.
"Kennt ihr euch?" fragt Alfred E.
"Ja sichaa!" nickt die Kellnerin begeistert. "Frau immer ruft an mittags und bestellen Curryhuhn schaaaaf zum Abholen! Nix anderes, immer Curryhuhn schaaaf!"

Gut zu wissen, dass Diskretion hier groß geschrieben wird.
Da kann ich ja von Glück sagen, dass ich immer alleine herkomme und keinen heimlichen Liebhaber oder jemanden vom BND mitbringe.
Und ehrlich gesagt, verstehe ich die Begeisterung der beiden Chinesen nicht. Bin ich die Einzige, die das Curryhuhn schaaaf bestellt?

Das Reh vom Nebentisch ist gegangen und ich erzähle Elvis von der Marmeladenglasgrafik des Soulweepers, bevor ihm vor Langeweile wieder schlecht wird.
Er: "Hat er die Grafik mit Optimus Prime gemacht?"
Ich: "Nee, mit Excel."
Er: *augenroll*
Pfff, arroganter Sack.

In den Verdauungspausen zwischen den Buffetgängen inspizieren Elvis und Alfred E. die Fotos auf meiner Kamera, die ich als artige Bloggerin überall mit hinnehme.
Alfred E. zu Elvis: "Guck mal, da hat sie wieder ihr Mittagessen fotografiert!"
Beide kichern affig.
Ja, habe ich und ich schäme mich nicht dafür!

Elvis will sich nochmal Nachtisch holen.
Ich bitte ihn, mir eine Kugel Vanilleeis mitzubringen, weil es mir, so als Dame, peinlich ist, mehr als 3 mal in Buffetnähe gesichtet zu werden.
Er geht und kommt ohne mein Eis zurück.
Er hat's vergessen.
Wie kann man innerhalb von 30 sec. was vergessen?!
Er will seinerseits auch nicht noch mal am Buffet gesichtet werden und so endet mein Abend ohne Vanilleeis.

Memo an mich:
nächste Woche seine Lunchpakete für die Schule "vergessen".

21.56 Uhr:
Gut gesättigt machen wir uns auf den Heimweg.
Mutter Neumann hat sich den Rest der Ente einpacken lassen:
"Davon esse ich noch bis nächsten Mittwoch!", freut sie sich.
*örks*

Unter'm Strich war Herr Neumann übrigens 6x am Vor- & Hauptspeisenbuffet und 2x bei den Desserts und sah dementsprechend aus: Reis klebte am Hemd, Schokosoße am Kinn.
Fressmaschine, die.
Habe ich eigentlich schon erzählt, dass er neulich einen Termin bei Prof. Mang, dem Schönheitschirurgen, hatte und dieser ihn als Liposuktionskandidaten abgelehnt hat?
Ach nee, stimmt, darüber darf ich ja nicht reden...

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Sauerländer Sexmonster

Kürzlich versetzten hier im nordwestlichen Sauerland mysteriöse SMSen ältere Damen in Angst & (wohligen) Schrecken.

Am Sonntag nachmittag gab es daher in der vollbesetzten Winkelkötterschen Festscheune (-> Pfarrer Filthaut wurde 80) nur
1 Thema:
das SMS-PHANTOM, wie Tante Gundis ihn getauft hatte.
Es stellte sich heraus, dass von den 17 weiblichen Opfern alle über 70 und einige mit mir verwandt sind.

Fest davon überzeugt, dass es sich beim anonymen SMS-Absender um ein abartiges Sexmonster handelt, überlegte man sogar, POM Henneke aufzusuchen, zwecks Polizeischutz.
Einzig der doch eher harmlos anmutende Text ließ die Damen zögern:

"Guten Tag. Hier sende ich Dir meine neue Handynummer!"

Natürlich hatten alle direkt zurück geschrieben:
"Wer sind Sie?" oder "Kennen wir uns?"

Manchen antwortete der Lüstling mit einem schlichten "Ja sicher".
Manche der Damen versetzte er mit der unheilvollen Drohung
"Komme in den nächsten Tagen mal vorbei!" in Panik.
Und manche ängstigte der Unhold gar mit Insiderinformationen:
"Schmerzt dein Hallux noch?" oder "Wie war das Bridgeturnier am Freitag?".

Natürlich traute sich keine der Damen die angezeigte Handynummer einfach mal anzurufen, denn es ist ja aus "Aktenzeichen XY ungelöst" hinlänglich bekannt, dass man ungebeten zugesandte Nummern unter gar keinen Umständen zurückrufen soll, weil man sonst in der fiesen Jamba-SparAbo-Hölle landet, in der man dann auf Jahrzehnte für 9,99 € pro Monat festsitzt.

Die Damen taten also das, was ältere Damen in so einer Situation eben tun: sie schalteten ihre Handys aus und verstauten sie vorerst in der Kramschublade.

Kusine Püppi machte dann am Montag dem Spuk ein Ende und wählte todesmutig (und vorsichtshalber vom Bürotelefon aus) die Nummer des SMS-Monsters.

Tja, was soll ich sagen...
.
.
.
.
.
Unser Oppa ging ran.

*seufz*, *augenroll* & *stöhn*


Das warf Fragen auf:
Wieso nur Damen SMSen bekamen?
Unser Oppa ist bei älteren und zumeist verwitweten Damen ein Geheimtipp:
noch sehr rüstig, unternehmungslustig und hilfsbereit ruft man ihn gerne an, wenn eine Birne im Kronleuchter gewechselt, das Frostschutzmittel im Ford Taunus nachgefüllt oder eine Kiste Sherry für die nächste Rommérunde besorgt werden muss.
Den wenigen noch lebenden Ü70er Herren hatte er beim wöchentlichen Stammtisch laminierte Kärtchen ("laminieren" - sein neuestes Hobby) mit der neuen Handynummer zugesteckt.

Wieso ohne Namen?
Bei der Ursprungs-SMS ("Hier sende ich Dir meine neue Handynummer!") hatte er vergessen, seinen Namen drunterzusetzen.
Auf Püppis Frage, wieso er denn seinen Namen nicht unter die folgenden SMSen gesetzt hätte, antwortete er:
"Wieso denn? Die Damen haben doch gewusst, dass ICH das bin, sonst hätten sie ja nicht geantwortet!"

Fragt nicht...
Alte Leute-Logik eben.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Ladies, beware of Peter Pan!

Liebe Frauen und Mitbürgerinnen,
heute möchte ich euch vor einer ganz üblen Spezies Mann warnen:
Peter Pan.
Wir erinnern uns: Peter Pan ist dieser kleine Vollidiot, der niemals erwachsen werden wollte und seine Umwelt mit seinem retardierten Gehabe tierisch nervte.
Kein Mensch braucht sowas.
Und erwachsene Frauen schon gar nicht.

Ich habe hier mal einige Verhaltensweisen aufgezählt, die, ZUSAMMENGENOMMEN, darauf hinweisen, ob ihr einen echten Peter "PissOff" Pan erwischt habt:

1. Outfit:
Nix ist für PP schlimmer, als gestylt zu sein wie ein Spießer ("Spießer" bedeutet in diesem Fall: stinknormaler & nicht gestörter Durchschnittsmann).
Gekauft wird das Outfit in Skater- und sonstigen Youngster-Shops.

Haare:
Geligel oder Tim&Struppi-Zipfel, weil's so dufte jugendlich wirkt. Die mit wenig Haar greifen gerne zum Beanie, auch bei 28°C im Schatten.

Klamotten:
- Hoodies
- ausgeleierte Shirts mit megacoolem Aufdruck ("HardRockCafé", "Led Zeppelin World Tour '71", etc.) darüber gerne:
- Holzfällerhemden,  niemals zugeknöpft (-> symbolhafte Auflehnung gegen das Establishment), 3 Nummern zu groß (-> vermittelt: "Ich lehne mich zwar auf, aber bitte tut mir nix, ich bin bloß ein kleiner Junge!")
- ausgefranste Jeans

Schuhe:
- Turnschuhe (Geburtsjahrgänge vor 1970 bevorzugen Puma)
- Chucks & Look-a-likes


2. Name:
Herren älteren Semesters tragen naturgemäß altmodische Namen.
Gesunde Männer tragen das mit Fassung, PP kürzt cool ab:
Karl-Heinz -> Carlo
Reinhold -> Ray
Hans-Joachim -> Joe
Günther -> Terry
Richard -> Rick.
Gerne behält PP auch den Spitznamen aus Teenagertagen:
Atze, Lupo, Toto, Pille, etc.


3. Ursprungsfamilie:
Oha.
Vatta, Muttern und Peter haben da irgend'n unverarbeitetes Psychoding am Laufen, in das frau sich niemals einmischen sollte; es sei denn sie ist Psychologin.
Vatta hat ihm zeitlebens Anerkennung verwehrt.
Muttern würde ihrem Jungen gerne bis zu ihrem Tode seine Wäsche waschen.
Zu Besuch bei den Eltern kann es zu folgender typischer Szene kommen:
Vatta: "Mensch, Gerold, was soll denn dieser alberne Kuhflecken-Pulli? Kannst Du dich nicht seriöser kleiden?"
Gerry (46): "Boah, ey *augenroll* ja jaaaaaa!"


4. Freunde:
Nur oberflächliche Freundschaften. Gleichaltrige Männer sind meist "Spießer", und bei jüngeren kann PP nicht mehr mithalten.


5. Sex:
Ein Akt mit PP erinnert an den Sex aus Teenagertagen, bei dem der Typ unbeholfen auf einem herumrutschte und sich (oder besser: ihr) an den garantiert falschen Stellen den Wolf rubbelte.
PP entwickelt sich da nicht großartig weiter und rammelt mit 46 immer noch wie ein 16-jähriger. Nur nicht mehr so ausdauernd.
Außerdem krault und kitzelt er gerne.


6. Sprache:
Bemüht jugendlich.
Er lobt mit coolio, nice oder geilomat. Im süddeutschen auch paaaasst bzw. paaascht.
Grundsätzlich wird zur Begrüßung Hi! gesagt; auch zum Seniorchef.
Oder zum Papst.
Verabschiedet wird mit "Ciaooo!"


7. Familie:
PP ist Verantwortungsphobiker. Sollte er dennoch versehentlich Kinder gezeugt haben, hat er in deren Kindheit garantiert mehr Spaß als sie selbst.
PP hat auch viel mehr Spaß im Phantasialand und jauchzt in der Käferbahn lauter als alle anderen  Kinder.
Anfangs finden die Kleinen ihren jungtuenden und verspielten Pappi toll. Zu seinem Leidwesen entwickeln sich die Kinder aber weiter; werden groß & größer und blicken irgendwann verachtend auf den retardiert-infantilen Typ herunter.
Sind die Kinder aus dem Haus, hat Frau Pan 1 Kind übrig: Peter.


8. Natürliche Feinde:
Alle "Autoritäten": Chefs, Vorgesetzte, Vermieter,  Lehrer der Kinder, Arbeitsamtsachbearbeiter, etc.
Bei denen vergreift PP sich oft im Ton.
Ist entweder zu unverschämt oder zu freundschaftlich (->der Seniorchef wird mit "Hi! Na, alles easy?" begrüßt).


9. Beruf:
Da PP gegen Bonzen und Chefs rebelliert (-> Autoritätskonflikt) und gleichzeitig Null Ehrgeiz hat, ist er natürlich nie selbst Chef und man findet ihn nur in hinterer oder letzter Reihe (Angestellter, Abeiter, Geselle, etc.).


10. Frauen:
Nun könnte man meinen, dass PP sich ausschließlich für sehr junge Frauen interessiert. Aber nein! Er ist meist mit Gleichaltrigen liiert, weil er deren bewundernde Bestätigung (-> "Mein Freund ist zwar gleichaltrig, aber er ist so dufte jung geblieben!") und einen Mutterersatz braucht, der ihm sagt, wo es langgeht.

In Onlinebörsen preist er sich gerne an als "jungebliebenen Mittfünfziger" oder "52, aber deutlich jünger aussehend".
Chats eröffnet er mit Hey ho! und endet mit Greetz!


11. Hobbys:
Schön am Beach / im Park / in der Hängematte liegen und relaxen.
Ansonsten nix konkretes: bisschen Sport, bisschen Musik, bisschen Lesen, bisschen fernsehgucken, bisschen "Playsie" zocken oder bisschen Gitarre spielen.


12. Kritikfähigkeit:
Hatta nich'.
PP trottelt unbekümmert von einer zum Scheitern verurteilten Idee zur nächsten.
Vorausschauend sein oder Mitdenken ist nicht seins.
Alles, was er anpackt endet vermurkst, da er sich nur peripher für Sachen interessiert, die über seine Lieblingsbeschäftigung "schön am Beach/im Park/in der Hängematte liegen und relaxen" hinausgehen und somit von nichts richtig Ahnung hat.
Dummerweise hält er sich irrtümlich für einen Obermacher (schlau, diplomatisch, charmant).
Da immer nur auf's Spaßhaben bedacht, findet er alltägliche Aufgaben wie Haken in die Wand dübeln oder Glühbirne im Kronleuchter wechseln unsexy.
Einerseits vergeigt er sowas, da er bereits übellaunig und dementsprechend lax an die Sachen herangeht.
Andererseits ist er geil auf Anerkennung (siehe Vattaproblem) und will für die simpelsten Dinge gelobt werden.
Nur - welche Frau lobt dafür, dass er zwar endlich das Wohnzimmer gestrichen hat, aber zu faul war, Abdeckplanen auszulegen und die Arme nun mühsam Farbkleckse von Pflanzen, Büchern und Haustieren kratzen muss.
Kritisiert man ihn, kommt das altbewährte "Ja jaaaaaaa *augenroll*!"

Typischer Dialog mit einem PP (51):
PP: "Sollen wir ins Bräustüberl essen gehen? Erinnerst du dich, da war es früher immer so lecker."
Sie: "Wir waren da zuletzt in den 90ern. Gibt's den Laden denn noch?"
PP *leicht angepisst, weil sie ihm für die brillante Idee nicht direkt einen Blowjob anbietet*: "Keine Ahnung."
Sie: "Montags ist meist Ruhetag. Hoffentlich haben die geöffnet."
PP *genervt*"Ja jaaaa, wird schon..."
Sie: "Das Bräustüberl liegt mitten in der Fußgängerzone. Wo könnten wir denn dann parken?"
PP *noch genervter*: "Maaann, lass' mich doch in Ruhe mit so 'nem Scheiß..."
...
Sie: "Soooo... ich habe das mal rasch gegoogelt. Das Bräustüberl gibt's nicht mehr. Und wohin nun?"
PP *total angepisst*: "Boah, ey, leck' mich doch! Ich dachte, wir machen einfach mal was Schönes ...BlaHeulJammer... und jetzt nimmste meine Idee auseinander!"
Sie: "Nun ja, nachdem wir bei unserer letzten gemeinsamen Unternehmung einen Umweg von 38 km fahren mussten, weil Du unterwegs die brillante Idee hattest, dich, statt wie die Spießer nach dem Navi, lieber an Cassiopeia zu orientieren, stehe ich deinen Ideen ein wenig misstrauisch gegenüber."


Bekannte Beispiele:
Turk & J.D, die beiden Oberdeppen aus "Scrubs".
Der Protagonist aus "About a boy" von Nick Hornby.
Doug Hefernan, die Dumpfbacke aus "King of Queens".

Das fatale:
frau erkennt einen Typ mit Peter Pan Syndrom erst ab einem bestimmten Alter.
Grob geschätzt ab 36.

Zum Schluss noch ein todsicherer Tipp, wie man einen Peter Pan enttarnt:
Anspielungen auf sein Alter ("Du bist aber auch nicht mehr der Jüngste!" oder als Mittvierzigerin: "WIR in unserm Alter...") lassen ihn schneller das Weite suchen als Woddy Woodpecker.