Sonntag, 19. Juli 2015

Wie man sich einen Millionär angelt

Das interessiert euch sicher alle, gell?

Meine Freundin Charlotte (45), heilig, klugscheißerisch, hilfsbereit, hat's geschafft.
Und zwar so:

Es war einmal ein junges Paar aus einfachen Verhältnissen, 15 Jahre jung, die verliebten sich gar sehr ineinander. 
Sie hatten die selben Interessen, konnten miteinander lachen, reden, aber auch schweigen. Seelenverwandte.
Kaum volljährig, zogen sie zusammen und lebten fortan glücklich miteinander.
Alles lief wunderbar, bis das Herzflattern und Leidenschaft flöten gegangen waren.
Man trennte sich nach 15 Jahren auf, was sonst keiner schafft, harmonische Art & Weise und man blieb zumindest locker in Kontakt.
(Nennt mich bekloppt, aber nur, weil's im Schritt nicht mehr kribbelt, man sich aber sonst in allen anderen Lebensbereichen top versteht, trennt man sich doch nicht!)

Der Mann, einfacher Handwerker, zog in die weite Welt hinaus, konkret: nach Großbritannien.
Dort verliebte er sich in die Tochter seines neuen Chefs.
Man verlobte sich. Er verstand sich sehr gut mit den Schwiegereltern.
Alles supidupi.
Dann, wie im Märchen so üblich, Auftritt: böse Hexe in Form eines Fährunglücks, bei dem die Verlobte und ihr Vater um's Leben kamen.

Die Witwe, Alleinerbin und bis dato Nur-Hausfrau, war völlig überfordert, schaffte es aber mit Hilfe ihres Fast-Schwiegersohnes, der sich nun alles nötige kaufmännische Wissen in unzähligen Aus- und Fortbildungen aneignete, das Unternehmen erfolgreich am Laufen zu halten, was ihm dankbarkeitshalber den Status des Alleinerben bescherte.

Es folgte eine kurze, kinderlose Ehe mit der Sekretärin (Ja, komisch, ne? In dieser Firma scheinen sich alle total lieb zu haben) und 15 Jahre nach seinem Weggang, kehrte er nach Deutschland zurück.
Die Schwiegermutter mittlerweile tot. Seine geerbte Firma läuft bestens.
Die stressigen Jahre allerdings waren nicht spurlos an ihm vorübergegangen und so riet ihm sein Arzt, dringend kürzer zu treten.
Also wurde delegiert und umstrukturiert und er zog sich fast komplett zurück.

Was nun tun mit der ganzen freien Zeit?
Das, was ihn die ganzen Jahre nicht losgelassen hatte, nämlich eine erhoffte Reunion mit seiner Seelenverwandten Charlotte.

Charlotte hatte ihrerseits eine gescheiterte Beziehung hinter sich, war seit 10 Jahren alleinerziehend und dank Dauergeldsorgen zu einer verbitterten, misstrauischen Ziege mutiert, die sich mitnichten wohlig seufzend in die starken Arme des Millionärs sinken ließ.
Au contraire!

Als er das erste Mal nach der langen Zeit vor ihrer Türe stand, in der Hand einen Strauß mit 15 langstieligen Baccararosen (für jedes Jahr, das sie getrennt waren, 1 Rose), da hat sie ihn bloß angeschnauzt, dass sie für solch angeberisch großen Gebinde keine geeignete Vase hätte! Woraufhin er die Rosen in der Kloschüssel(!) zwischenlagerte und Charlotte ins Auto zerrte, um im nächstgelegenen Möbelhaus eine Vase auszusuchen, was sie dann auch mit hochrotem Kopf, da in Joggingbuxe und Birkenstocks, tat.


Darauf folgten 2 Jahre härtester Baggerei seinerseits, ehe sie endlich JA sagte!
Sie zierte sich, wollte sich weder verletzen, noch kaufen lassen.
Und gekauft hat er ihr einiges: den Thermomix zu Ostern, das iPhone zum Geburtstag, die 3(!) Paar Escada-Pumps zu Weihnachten, die Reise nach Gomera in den Sommerferien, das Fahrrad für's Kind, die Pommesbude.
Ja, richtig gelesen: die Pommesbude!
Charlotte liebt Fish & Chips. Da hat er ihr schlankerhand in der Großen Stadt, in die sie immer zum Shoppen fahren, eine Fish&Chips-Bude gekauft.

Ist das Hollywood, oder nicht?!

Und kann sie es genießen, die dumme Nuss?!
Nee, natürlich nicht!

Will er sie in den Palmgarden zum Essen ausführen, um den kinderfreien Tag zu nutzen, will sie nicht, weil sie ein furchtbar schlechtes Gewissen bekäme und ihr das Essen auch gar nicht schmecken täte, wenn sie weiß, dass das Kind nicht an dieser lukullischen Offenbarung teilhaben kann.
(Ey, scheiß' auf alle zuhause gebliebenen Kinder dieser Welt, der Palmgarden hat einen verfickten STERN!
Die Blagen müssen ja nie erfahren, dass man dort war!)

Will er das Kind mit dem Jaguar-Cabrio von der Schule abholen, dann keinesfalls mit offenem Verdeck und ohne Sonnenbrille bitte, weil es sonst zu protzig wirkt.
(Hallo?! Wir reden hier von einem elitären Privatgymnasium! Da gehört ein Jaguar-Cabrio eher zu den bescheideneren Fahrzeugen, die da vorfahren.)

Will er eine Reise mit ihnen machen, muss er erst gegen ihre mannigfaltigen Bedenken anreden (4-Sterne-Hotel? Muss es sowas teures sein? Fliegen ist gefährlich! Fremde Länder - fiese Krankheiten! Nicht, dass das Kind sich an Luxus gewöhnt! Irgendwann ist womöglich Schluss, sie wieder arm und hat dann nix mehr zu bieten. Usw. usw.) und dann das EINE Totschlagargument finden, das sie überzeugt.

Der Kerl hat echt Nerven...
Und ist 'ne Perle vor die Sau ..äh.. Frau.

Charlotte muss erstmal lernen zu genießen und nicht dauernd die Spaßbremse zu geben.
Aber hey, offenbar ist sie es ihm wert - und ich wünsche beiden eine glückliche Beziehung bis ans Ende ihrer Tage.

Sonntag, 5. Juli 2015

Sommer, verpiss dich!

Hiermit reihe ich mich ein in die immer größer werdende Schlange der sich outenden Sommeraversionistas, wie zum Beispiel Annika, Frau Lavendel und Isabella-Anja.

Was ich am Sommer so dermaßen doof finde, dass ich eine Petition gegen ihn erwäge (ernsthaft!):

- Ab 26°C bin ich krank.
Wäre ich nicht im Erziehungsurlaub – ich müsste mich krankmelden!
Herzrasen, Kreislauf, Kopfschmerzen. Dazu noch schwitzen (und stinken!) ohne sich überhaupt zu bewegen. Und es gibt keinen Ausweg. Gefangene im eigenen Saft.
Die daraus resultierende Aggression ist nicht zu unterschätzen. In keiner anderen Jahreszeit verpasse ich Türen und Möbeln mehr Macken und meine "Fick Dich!"-Fluchfrequenz liegt sommers bei 6x pro Minute.
Würde ich an solchen Tagen zur Krönung meine Tage kriegen - töten täte ich! TÖTEN!

- Die Wohnung stinkt.
Tagsüber kann man nicht lüften und nachts nur kurz unter Aufsicht, hier wurden in letzter Zeit nachts einige Einbrüche über Balkone verübt.

- Nackte Füße bei Instagram, Facebook und Blogs in Großaufnahme.
Allmorgendlich dasselbe Dilemma: beim Neuigkeitencheck angewidertes Zurückzucken meinerseits. Leute, GEPFLEGT ist hier das Schlüsselwort! Wenn ich noch EINmal Füße sehe mit
++ splitterigem Lack
++ überlangen Werwolfskrallen
++ fetziger (und das meine ich nicht im positiven Sinne!) Nagelhaut
++ unlackierten, aber trotzdem bräunlich verfärbten Nägel
++ Schrunden
++ Hallux Valgus, Hallux Malleus, etc.
werde ich das Internet löschen! Ich schwör's!

- Der ungemütliche und mir schlechtes Gewissen machende „Wir müssen unbedingt draußen was machen, bevor das Wetter wieder schlechter wird!"-Zwang meiner Mitmenschen.
Ey, hallo?! Für mich sind wolkenfreier, azurblauer Himmel mit Temperaturen ab +26°C schlechtes Wetter!

- Klimageräte bringen's nicht.
Hat mir mal jemand aus Mitleid angeschleppt. Was das Ding vorne an kalter Luft rausbläst, heizt es hinten durch den Motor wieder auf.
Effekt = Null.

- Schwimmen bringt's nicht.
Stürzt du dich zwecks Abkühlung in kühle Freibad- oder Stausee-Fluten, tritt beim Heraussteigen der aus dem Winter bekannte "Schneehände"-Effekt ein: der Körper heizt noch doller auf, als vorher.

- Sommergewitter bringen's nicht.
Die allseits herbeigesehnten Gewitter senken die Temperatur in meiner Wohnung von 32 auf 30. Yay.

- Fertigfraß rules.
Im Sommer nur Miracoli, Ravioli, TK-Gerichte und Wassereis. Da kann auch garantiert nix schief gehen, was Salmonellen und Listerien betrifft.

- Ich bleibe blass.
Wie soll ich auch bräunen, wenn ich es keine 2 Minuten in der Sonne aushalte?

- Einkaufen wird zur Qual
Ich habe sie alle ausprobiert: Aldi, Lidl, Penny, Netto, Edeka, Rewe, Markant. And the winner mit erfrischenden 15°C ist: Aldi! (Angoraschlüpfer unter der Hotpants also nicht vergessen!)
Die Autofahrt die dazu nötig ist, muss aber erstmal überlebt werden.
Ich habe alles in der Nähe, aber die Klimaanlage im Auto schafft Kurzstrecken nicht. Musste gestern eine Einkaufsfahrt abbrechen, weil Lucky Luke im Wagen das weiße Mund-Dreieck bekam.

- Sommer macht mich zum Loser.
Jeden Abend im TV das gleiche: Reporter aus Infotainment-Shows befragen Menschen, wie sie den Tag bei der Hitze gut 'rumkriegen.
Die Befragten sitzen dabei an Baggerseen oder in Biergärten in der prallen Sonne und strahlen in die Kamera!
WIE MACHEN DIE DAS?!

- Ich schaffe .... NIX.
Die Wohnung verlottert, weil Haushaltsgeräte wie Staubsauger und Bügeleisen und Spülmaschine für noch mehr Hitze sorgen.
Genauso wie TV und  Computer, an denen ich mir also keine Ablenkung verschaffen und keine Besorgungen online machen kann.

- Balkonnutzung Fehlanzeige.
Mein Wohnzimmer liegt Südseite. Balkon -natürlich- oben ohne. Trotzdem windstill. Lucky Luke kann sein Planschbecken erst nach 19 Uhr nutzen und bis dahin ist es eine verdammt lange Zeit, wenn man kollaptisch darniederliegt, das Baby aber fit ist.

- Man passt nur noch in die Arizona von Birkenstock weil die Füße eingelagert haben.


Der Asphalt schmilzt, die Alten rafft's dahin, Wälder brennen ab.
Und wenn man sich dann nach 6 Tagen das erste Mal wieder aus der Bude traut, weil es draußen auf angenehme (haha) 28°C runtergekühlt ist, steht einem ein Großeinkauf bevor.
Und das soll schön sein?!
Ich kann gar nicht so viel Wassereis lutschen, wie ich kotzen möchte.

Also Sommer:
verpiss' dich -
keiner vermiss' dich!

Ach ja, und:
Fick dich fick dich fick dich!

Mittwoch, 3. Juni 2015

Arbeitsamt - warum einfach, wenn's auch kompliziert geht

In der Jobbörse vom Arbeitsamt stieß ich neulich auf eine sehr gut anmutende Stelle.
Unbefristet, super Konditionen, interessantes Arbeitsgebiet, im Nachbarort.
Die Stelle war chiffriert, also Anruf beim dortigen Amt.

Ich erfuhr, dass die zuständige Dame noch nicht im Haus sei, dass außerdem ihr Telefon defekt sei und ich deshalb im Laufe des Tages immer mal wieder probieren sollte, durchzukommen.
Nach 4 Stunden und diversen vergeblichen Anrufen gab ich auf.

Da es bei guten Stellen auf Schnelligkeit ankommt und ich wusste, dass alle AA-Filialen Zugriff auf denselben Zentralrechner haben, rief ich im hiesigen AA an.
Die Durchwahl hatte ich Fuchs mir von einer anderen chiffrierten Stelle in der Jobbörse besorgt.

Ich: "Können Sie mir bitte die Adresse des Arbeitgebers der Chiffre-Nr. 123 geben, damit ich mich dort bewerben kann?"
Zuständiger Herr: "*schnauz* Ich bin gerade in einer Beratung!!!"
Ich: "Oh..."
Wie konnte mir das bloß entgehen, in meiner Eigenschaft als Hellseherin??
Zuständiger Herr: "*stöööhn* Na gut... Wie ist denn Ihre Kundennummer bei uns?"
Ich: "08154711XYZ"
Zuständiger Herr: "*tipptipptipp* Die Stelle ist ja in Nachbarstadt! Da bin ich doch gar nicht zuständig!"
Ich schilderte das Telefon-defekt-Problem.
Zuständiger Herr: "Ach so. Moment... *tipptipp* Ich sehe, Sie sind Industriekauffrau, der Job ist aber für Bürokaufleute!"
Ich: "Ja, aber das Anforderungsprofil erfülle ich voll und ganz."
Zuständiger Herr: "Näää, das geht nicht! Sie würden ja dann einer arbeitslosen Bürokauffrau den Job wegnehmen!"

Oh, tja, huch!
Ob mir das wohl sehr sehr egal ist??

Ich suchte mir dann noch die Durchwahl von einer dritten Stadt 'raus.
Tja, was soll ich sagen:
die zuständige Dame hatte nicht nur ein funktionierendes Telefon, sondern rückte anstandslos die Adresse des Arbeitgebers 'raus und wünschte mir sogar viel Erfolg bei meiner Bewerbung.
So geht's also auch!
Hmmmm, entweder die Frau stand unter Drogen oder sie war neu...

Und weil das bestimmt nicht mein letztes Mal mit den Sonnenscheinchen vom Amt war, lohnt es sich, dafür ein eigenes Label zu eröffnen.

Samstag, 30. Mai 2015

Ich ruf mal rasch bei Youtube an!

Neulich sorgten Omma und Oppa wieder mal für diverse Irritationsmomente.
Kennt ihr das?
Wenn man nicht genau weiß, wer da gerade was nicht richtig versteht, man selbst oder der andere...

Wir erinnern uns: Omma und Oppa technisch bestens ausgerüstet, aber nicht so richtig Ahnung.

Oppa: "Ich muss ja demnächst ins Krankenhaus und will mir dann über's Handy meine Marschmusik anhören. Das Überspielen von CDs auf den Computer klappt, aber von da auf's Handy klappt nicht. Was mache ich falsch?"
Ich: "Weiß ich nicht. Muss mal googeln. Hör' dir deine Marschmusik doch über youtube an."
Oppa: "Nee, die gefallen mir nicht."
????
Ich: "Wer gefällt Dir nicht?"
Oppa: "Na, Youtube. Was die da senden gefällt mir nicht. Neulich lief da ein Film, in dem ein Russe zeigt, wie man Melonen isst! So ein Blödsinn!"
Ich: "Aber Youtube ist doch kein Fernsehsender! Du kannst Dir doch aussuchen, was Du da sehen willst und was nicht." 
Oppa: "Ach?!"
Ja, ach!

Omma, gezwungenermaßen durch Oppa zum Smartphone-Newbie avanciert (sie erbte gegen ihren Willen sein Samsung S5, weil er unbedingt das Edge haben wollte) und noch im wie-ich-vermeide-ständig-mit-dem-Daumen-auf-die-Aus-Taste-zu-tatschen-Stadium, grätscht dazwischen:
"Elvis guckt sicherlich auch Videos auf Youtube."
Ich: "Ja klar. Sein Favorit ist da übrigens Money Boy. Den musst Du Dir unbedingt mal ansehen, Du schmeißt Dich weg!"
Omma: "Au ja, mach ich. Sag' mir mal, wo ich den finde."
Sie steht auf und holt Zettel und Kuli.
"So, dann gib' mir mal die Nummer von dem."
????
Ich: "Von wem?!"
Omma: "Na, von diesem Mammy-Toy."
Ich: "MONEY BOY heißt der!"
"Wie?!"
Ich buchstabiere, sie schreibt mit.
Omma: "Und wie ist nun die Nummer?"
Ich: "Welche Nummer denn?!"
Omma: "Na, wo ich die Videos sehen kann."
Ich: "Dafür brauchst Du keine Nummer! Gib einfach Money Boy bei Google ein, da wirst Du fündig."
Omma: "Ach?!"
Ja, ach!
Möchte nicht wissen, wie oft sie schon versucht hat, über's Smartphone bei Google anzurufen...


Mittwoch, 27. Mai 2015

Frisurenbeschwerde

Wir erinnern uns an die E.T.-Gedächtnis-Toupage von neulich.

Als Toupage und Stylingprodukte mühevoll rausgekämmt und gewaschen waren, blieb dies hier übrig:

Im Frisösenfachjargon vermutlich
"Der Vollpfosten" genannt.

Da hilft kein Föhning und kein Styling, ich sehe aus wie ein "12-jähriger aus einem Heim für Schwererziehbare" (Zitat Guido-M. K.).
Also hin zum Salong, um mich zu beschweren.

Die Chefin stand an der Rezeption. Sehr gut!
Da kann sie ihrer Angestellten gleich einen Megaanschiss verpassen.
Dachte ich.

Ich: "Ich war vor ein paar Tagen hier. Könnten Sie mal ein Blick auf mein Haar werfen und mir sagen, wie man das retten kann?"
Chefin: "Wieso retten?"
Ich"Gucken Sie doch mal - ich sehe aus wie ein Vollpfosten!"
Große Augen.
"Neee.... wieso? Das ist doch eine ganz normale Frisur."
Ich"Ganz normal? Das sieht furchtbar aus! Toupiert ging es ja noch, aber jetzt...?!"
"Wer hat sie denn bedient?"
Ich"Den Namen weiß ich nicht und ich sehe diejenige jetzt hier nicht."
(Diejenige, die sich übrigens angemaßt hat, mir beim Plaudern zu stecken, wie scheiße sie es findet, wenn frau mit einem Kindsvater weder liiert ist, noch zusammen wohnt. Was erlauben?!)
Sie umrundet mich.
"Ähm , tja, also... Was hatten Sie denn mit meiner Kollegin besprochen?"
Ich"Waschen, Spitzen schneiden, föhnen. Dass sie direkt eine neue Frisur draus macht, kann ich nicht ahnen. Hatte außerdem meine Brille nicht auf, ohne die ich kaum sehe."
"Aha, hmmm, aber der Schnitt ist echt gut."
Ich"Gut? Was soll das denn für ein Schnitt sein? Und diese Fusseln vor'm Ohr...?"
"Die können wir wegschneiden, aber dann haben Sie eine Kurzhaarfrisur."
(Was wir ja dringend vermeiden wollen, nicht wahr?!)
Ich"Aber die Fusseln sehen blöde aus!"
Chefin weiß die Lösung: "Da fehlt eindeutig Wax! Sie müssen Wax im Haar verteilen. Nach dem Waschen überkopf föhnen, damit Volumen reinkommt, dann Wax reinkneten." Sie macht's großgestig vor. "Und dann nur etwas kneten und zupfen und wuscheln, ganz einfach. Dann sieht's gut aus."
Ich: "Zum kneten, zupfen, wuscheln fehlen mir momentan Zeit und generell Geschick."
Ich kann gerade nicht mal in Ruhe pinkeln gehen, da habe ich erst recht keine Zeit, mich allmorgendlich zu stylen!
"Am besten machen wir einen neuen Termin aus. Oder können Sie direkt hierbleiben?"
Ich"Nein, mein Baby schläft im Auto."
"Dann am Samstag?"
Ich"Mal sehen, ob ich einen Babysitter finde; ich melde mich...."
Nicht.

Den Verlauf des Gesprächs hatte ich mir etwas anders vorgestellt und wenn die Chefin den Schnitt für gut befindet, dann habe ich auf kostenloses Irgendwas eh keine Chance.

Das nächste Mal, werde ich beim Frisör die Brille auflassen und jeden Handgriff genauestens beobachten!
Aber das hat jetzt erstmal ein halbes Jahr Zeit...
Frau Pavenstädt geht  ja immer in diesen hippen Laden "Hairkiller" (Frisuren von Kindern für Kinder) und sieht echt dufte aus, obwohl sie schon seit mindestens 25 Jahren das Zielgruppenalter überschritten hat. Vielleicht sollte ich mich auch mal hinwagen.

So, nun entschuldigt mich, ich geh mich mal eben an Elvis' 20-Ocken-Gold Digger-Wax vergreifen, das extra aus Dänemark importiert werden musste - der wird sich freuen...