Dienstag, 28. Juni 2016

Abi2016 - Teil 1

Donnerstag, Tag vor Zeugnisvergabe:

Da meine Fortbildungsstätte in der Nähe des großen Bekleidungshauses liegt, in der Elvis sich tags zuvor einen schnieken Anzug ausgesucht hat, bittet er mich, die geänderte Hose aus der angegliederten Schneiderei abzuholen.
Typisch Mann: während ich die letzten 6 Monate damit verbracht  habe, einen adäquaten Fummel zu finden, obwohl ich gar nicht Protagonistin bin, latscht Elvis völlig relaxed 3 Tage vor'm Event los und besorgt mal eben einen Anzug samt Schuhen in nur 2 Stunden.

Ich hätte den Anzug eigentlich schon am Mittwoch abholen sollen, aber eine Migräne hatte mich außer Gefecht gesetzt.

Als ich das Frollein am Infoschalter des Bekleidungshauses frage, in welcher Etage ich die Schneiderei finde, teilt sie mir mit, dass die Schneiderei donnerstags zu hat und ich Freitag ab 9.30 Uhr wiederkommen soll.
"Was?! Nein!" kreische ich, einem Blutsturz ad hoc ganz ganz nahe.
"Die Hose muss morgen um 9.30 Uhr bereits in der Kirche sitzen! Haben Sie eventuell einen Ersatzschlüssel für die Schneiderei?"
"Die ham heute zu!" beharrt die dumme Nuss.
Mir schießen die Tränen in die Augen.
Oha, das arme Kind! Muss in seinen fiesen SkinnySlimfit Jeans die Abifeierlichkeiten absolvieren. Alle werden tuscheln.
Es wird furchtbare Fotos geben und ICH bin Schuld!
Er wird mich in alle Ewigkeiten hassen! Und die Ommas und Tanten ebenfalls.
Scheiße Scheiße Scheiße! Scheiß Migräne!
(Darauf, dass ich einfach eine andere Anzughose hätte kaufen können, bin ich im Schock gar nicht gekommen.)
Frl. Hiob schickt mich hoch in die Herrenabteilung: "Vielleicht können die weiterhelfen."

Der Herr in der Herrenabteilung verneint, als ich ihn nach der Hose frage, aber: "Wenn die Schneiderei geschlossen hat, hängen die fertigen Sachen an der Hauptkasse im 1. Stock."
Und ja - da hängt die Buchse tatsächlich!
Puh, Glück gehabt!

So, jetzt nach Hause, noch kurz epilieren, Fingernägel lackieren, mittels Youtube einen hübschen Knoten in die Krawatte klöppeln, Generalanprobe und dann früh ins Bett.

Elvis verabschiedet sich zu einem Freund.
Als er um Mitternacht heimkommt (ich bin noch hellwach, weil ich so lange mit Windsor, Merowinger und Co. beschäftigt war), stellt sich heraus, dass er seine Anzugschuhe beim Freund vergessen hat.
Außerdem ist ihm eingefallen: er muss noch vor der Kirche die Schulbücher abgeben, sonst gibt's kein Zeugnis.

Ich fluche.
Eigentlich wollte ich dieses Wochenende voller Festivitäten relaxed angehen.
Nun düse ich mit noch feuchten Fingernägeln durch die Nacht.
Lucky Luke hat einen gesegneten Schlaf, deshalb fährt Elvis mit; ich bin schließlich nachtblind, da hilft mir auch kein Navi.
Jetzt wäre ein Sohn mit Führerschein praktisch.

Wieder zuhause beschließt Elvis, dass er morgens vor der Zeugnisvergabe noch schnell mit dem Bus zur Schule fahren will, Bücher abgeben.
Mein Angebot, dass ich ihn gegen 8.30 Uhr auf dem Weg zum Kindergarten mit zur Schule nehme, lehnt er ab: die Bücher müssen bis 8.30 im Sekretariat sein.
Au Mann...


Für's Protokoll hier nochmal die Auswahl für die Mutti:






Geworden ist es dann keines von denen.
Das Riesenrüschige ganz unten rechts kam übrigens von der Pilotenmutter. Sie trug dieses Kleid 38 Jahre lang immer im Theater und der Oper. Hach...



Fortsetzung folgt...


Teil 2

Montag, 13. Juni 2016

Börsenbericht - Kandidat 16: Der Jäger

Kandidat 16: Der Jäger (47)

Ein Mann mit sehr süßen Grübchen schrub mich bei NeueLiebe.org an.
40 km entfernt wohnhaft, eigentlich ein Knockout-Kriterium, aber diese Grübchen...!

Wir wechselten schnell vom NL-Chat zu Whatsapp und keine 2 Tage später machte sich der Waidmann auf den Weg ins Sauerland.
Wir trafen uns in einem Eiscafé.



Er preschte mit Angeberkarre heran,
aber zum Glück ohne den Kopf des frisch erlegten Wildschweins,
den ich bereits dank Whatsapp kannte.


Er war wirklich unterhaltsam und als Selbständiger konnte er mir die Tücken der beschränkt abzugsfähigen Betriebsausgaben und die fiese Umsatzsteuerzahllast erklären (was mein derzeitiger Lehrer nicht kann!).
Er erzählte auch, dass die Frauen bei NeueLiebe.org per WA Videos von ihren Katzen, gefilmte Wohnungsrundgänge oder unaufgefordert Aktbilder schicken.
Auf so 'ne Idee bin ich ja noch nie gekommen!
Ich glaube, ich muss mich da mehr ins Zeug legen.

Es war ein kurzweiliger Abend, aber zusätzlich zu dem No-Go "Ich wohne mit 3 Teenagertöchtern, die argwöhnisch jede neue Frau begutachten", leistete er sich 2 grobe Schnitzer:
2 dunkelhäutige Kinder radelten vorbei.
Sein Kommentar: "Guck mal: Schoko-Crossies! Höhöhö!"
Nee! Nich "Höhöhö"!

Wenig später trotzte ein ca. 4-jähriger vor der Eisdiele und brüllte die Mama an.
Sein Kommentar: "Sowas gäb's bei mir nicht! Neulich hat sich bei Rewe ein Kind unter'm Süßigkeitenregal versteckt, weil die Mutter ihm nix kaufen wollte. Den hätte ich mit den Füßen da drunter 'rausgetreten!"
Äh...?

Er will mich wiedersehen.

Schickt mir romantische Fotos:

Ah und oh!
Der Mann hat eine Lichtwand im Garten. Boah!
Aber Füße, ey, FÜßE!
Als wäre es nicht schlimm genug, dass ich mir dank milderer Temperaturen
wieder Trilliarden Mauken bei Instagram & Co. angucken muss!


Und während ich noch überlege, wie ich ihn supinett abservieren kann (denn: ärgere niemals einen Mann mit Waffe!), bekomme ich diese Nachricht:

Hallo, hast Du Lust ein Café mit mir zu trinken?
- Ein ganzes Café?? Sorry, aber das schaffe ich nicht  :-)))
OK. Dann eben nicht.

Er ist nicht der Hellste - Gottseidank, denn damit hatte sich für ihn die Sache erledigt.



Delinquenten 1 - 15: HIER

Sonntag, 15. Mai 2016

Börsenbericht - Kandidat 15: Der Tierarzt

Kandidat 15: Der Tierarzt (61)

Ich gestehe, ich traf mich mit Methusalem nur, weil er Arzt ist.
ARZT ey! AAAARZT!!
MIT Doktortitel!
Ein Traum hätte wahr werden können!

Der Doktor sah für sein Alter noch recht fesch aus. Hätte locker für Mitte Fuffzich durchgehen können, einzig sein leichtes Hinken und die beginnende Schwerhörigkeit verrieten höheres Alter.

Wir trafen uns in einem Bistro.
Er eröffnete damit, dass er an diesem verregneten Pfingstsonntag bereits ein Leben gerettet hätte; was ich denn für heute vorweisen könnte, höhö...?

Und dann schilderte er sehr sehr detailverliebt und gestenreich, wie er morgens
1 Stunde lang einen faustgroßen und steinharten Kotbrocken aus einem Junghund geprockelt hatte.
Ich hätte ebenso detailverliebt und gestenreich kontern können, dass ich 1 Stunde damit beschäftigt war, faustgroße Wachsbrocken in mein Haar zu prockeln, damit mein neuer Herrenhaarschnitt (fragt nicht!) optimal liegt; schien mir aber zu unspektakulär.

Ich habe eine Menge gelernt:
über Pferdezucht (wusstet ihr, dass Totilas sich mal beim Bespringen einer Stute verletzt hat, der Trottel?)
Und Pulvermanns Grab.
Und Nierengrieß bei Hamstern.
Und kotzende Filzläuse.
Und Jessica, die Tochter von Bruce Springsteen, die erfolgreiche Springreiterin ist.

Als das Essen kam, ich mein Handy zückte und knipste ("Sorry, ist so eine Marotte von mir"), schob er ohne zu zögern seinen Teller daneben:
"Dann musst du mein Essen aber auch knipsen."
Woah, der ideale Partner für Bloggerinnen!
Sehr gute Reaktion. 




Sehr schlechte Reaktion:
mir beim Abschied einen feuchten Schmatzer auf den Mund zu drücken.
Buäch ey!
Macht man nicht!
Auch nicht mit Doktortitel!

Der Abschied kam übrigens in Form eines Notrufs ("Hilfe, mein Gekko pinkelt Blut!") schneller als erwartet; aber gut, 2 Stunden lang jemandem zuzuhören, der ausgiebig über Pferdesperma, Derbyregeln und Hyperflexion doziert, kann recht ermüdend sein und dann reicht's auch.

To be continued?
Eher nicht, nö.


Bisherige Traumtypen, allesamt ohne Doktortitel: HIER

Dienstag, 10. Mai 2016

Witwenbasics

"Du, Juli, mein Sprudel ist leer. Was mache ich nun mit den ganzen leeren Flaschen?"
- "Bei Edeka gibt's einen Pfandflaschenautomaten. Da schiebste die rein."
"Bei Edeka in einen Automaten schieben? Echt??"
1 Stunde später, Whatsapp-Nachricht:
"Stell' Dir vor: man schiebt da die Flaschen rein und kriegt dann sogar Geld dafür!"
Ja, Wahnsinn!!


"Ich habe eine Mail bekommen; jemand hat bei Amazon einen 500-Euro-Gutschein für mich hinterlegt, ist das nicht toll??"
Nein, ist es nicht. Vor allem wird es mega untoll, wenn man auf den angehängten Link klickt....


"Die Handyabrechnung ist gekommen. SMS kosten Geld?!"


"Der Kronleuchter im Wohnzimmer funktioniert nicht mehr! Alle Birnen kaputt. Aber das macht nichts, dann halte ich mich eben nicht mehr im Wohnzimmer auf."
- "Alle 8 gleichzeitig? Glaub ich kaum. Hast Du mal den Sicherungskasten gecheckt?"
"Wo ist denn der Sicherungskasten??"


"Die Tageszeitung hat die Quartalsrechnung geschickt. Die ist aber an Oppa adressiert. Dann muss ich die doch nicht bezahlen, oder?"


"Gestern ist mir im Fitness-Studio ganz schlecht geworden. Ich hatte nichts zu trinken dabei. Die Sportflasche war leer. Sonst hat Oppa mir die vorher immer mit Wasser gefüllt."
...und bei dieser Flasche handelt es sich nicht etwa um ein hochkompliziert zu befüllendes Hochleistungssportlertrinkgefäß, sondern um eine stinknormale Sigg-Pulle!

*seufz*


Liebe Männer!
Ich bin sicher, ihr meint es gut, aber lasst Muddi auch mal was alleine machen und tragt ihr nicht ständig den Arsch hinterher! Denn wenn ihr euch irgendwann auf ewig verabschiedet, ist eure Witwe mit so popligen Basics wie "Wo gehen leere Flaschen hin?" überfordert.

Liebe Ehefrauen!
Seid mal in euren Beziehungen nicht so faul und kümmert euch selbst ab und an um so fiese Dinge wie Leergutentsorgung, Ölstandskontrolle und Siphonsäuberung!
Denn wenn Vatti sich auf ewig verabschiedet, dann sitzt ihr wochenlang im Dunkeln, weil ihr nicht wisst, wo der Sicherungskasten ist? Ernsthaft?? Nein, denn wir wollen ja kein jämmerliches Bild abgeben, nicht wahr?


Ich plädiere für die Einführung von Witwenschulen.
Mann tot? Zwangseinschulung!
4 Wochen Intensivtraining "Wie frau ganz alleine klar kommt".
Wer will, kann noch den 27-wöchigen Zusatzkurs: "Tanken für Anfänger - Warum Super niemals nie nicht in ein Dieselfahrzeug darf" buchen.
Auf Wunsch auch verlängerbar um das Modul: "Busfahren für Anfänger".


Mittwoch, 27. April 2016

Abenteuer Arbeitsamt - Understatement

Meine Beraterin, die äußerst Gesprächige, ist krank.
Yay!

Ihre sehr nette und zum Glück schweigsamere Vertreterin scrollt sich durch das bisherige Gesprächsprotokoll und sagt dann:
"Aha, meine Kollegin schreibt, dass Sie zuletzt an der Uni die Abteilung X aufgeräumt haben."

Wie bitte? Ich hör' wohl nicht recht!

"Aufgeräumt?? Ich habe diese Abteilung aufgeBAUT! Ich wurde an der Uni extra eingestellt, um diese Abteilung, die es noch gar nicht gab, aber nötig wurde, einzurichten. Ich habe die vorhandenen Räume und Arbeitsmaterialien gesichtet, geprüft, eingerichtet, manches aussortiert, manches neu besorgt, Dateien und Datenbanken angelegt, Abläufe geplant, Newsletter verfasst, Formulare erstellt, Kollegen eingewiesen und so weiter und so weiter. Eben alles von Grund auf AUF-GE-BAUT!"

Vertreterin: "Ja, äh, das ist ja quasi wie aufräumen."

Ich: "Nee! Aufräumen klingt, als hätte ich da feucht durchgewischt!"

Vertreterin: "Aaaach, das ist doch nicht so wild. Das Protokoll lesen ja nur wir hier intern, ein potentieller Arbeitgeber wird das nicht zu Gesicht bekommen."

Ich: "Trotzdem, klingt so, als wär ich da die Putze gewesen."

Ich würde gerne hinzufügen, dass "aufgeräumt" ungefähr so sinnig formuliert ist, als würde ich in ihr Profil eintragen: "Beim Arbeitsamt herumgesessen", trau mich aber aus längerer-Hebel-Gründen nicht.
Vermutlich gibt's für meine Tätigkeiten an der Uni nur wieder keinen passenden Textbaustein.
Daran hapert's ja immer irgendwie.
Kein passender Textbaustein parat und ZACK! ist dein Profil in unschöne Tiefen downgegraded.

Übrigens: ein Grund, warum ich meine Bewerbungen nicht über das entsprechende Programm auf der AA-Homepage anfertige und versende, ist, dass mein Straßenname zu lang ist.
Statt Freiherr-vom-Stein-Straße steht da Freiherr-v.-Steinstraßeweil nicht genug Leerzeichen zur Verfügung stehen.
Sieht aus, als wär ich zu doof, meinen Straßennamen korrekt zu schreiben.
Super.

Als ich mal nach einem Job in einem Archiv arbeitslos wurde, wusste die Beraterin nicht, was sie in mein Profil eintragen soll.
"Archivarin geht nicht, das haben Sie ja nicht studiert, oder?"
Ich: "Nein. Ich bin Industriekauffrau, die die letzten Jahre im Archiv angestellt war."
Beraterin: "Hmm, was trage ich denn da ein? *scrollscroll* Bürogehilfin?"
Ich: "Wie wäre es mit 'Angestellte im Archiv'?"
Beraterin: "Geht nicht, das bietet das Programm nicht an."
Ach so...
*augenroll und seufz*

Als ich das meiner Nachbarin Petra erzähle, meint die:
"Kenn ich! Als ich nach 3 Jahren Elternzeit wieder arbeiten wollte, hat mein Chef mich an die Luft gesetzt. Ich also zum Arbeitsamt. Sagten die: nach 3 Jahren ohne aktive Tätigkeit in meinem Beruf als Speditionskauffrau wär ich 'raus und könne leider nur noch als Bürohilfskraft in deren Datenbank geführt werden."

WHAT?!

Die spinnen, die Römer...