Dienstag, 23. August 2016

Börsenbericht - Kandidat 19: Der Motorradfahrer

Dieser Sommer ist busy busy busy und mein Zeitplan ist tight getaktet, wie wir Hipsterbabes sagen. Kaum hatte ich mir Kandidat 18 vom Leib geschafft, verlangte auch schon

Kandidat 19: Der Motorradfahrer (52)

nach einem Date.

Und zwar seit Januar.
Ja, richtig gelesen!
Mit dem Moppedlurch whatsappte ich seit Moooonaten, zwischenzeitlich überholt von Nr. 13, 14, 15, 16, 17 und 18 und vom Dienstagsmann. Recht gemütlich bzw. lahmarschig in seiner Art, schien ihm das nix auszumachen, denn er blieb am Ball. Also an mir.
Ich meinerseits hatte seine Nummer schon 2x gelöscht, denn wer so gar nicht aus'm Quark kommt, ist nicht meins, aber Kusine Püppi meinte: "Und wenn ausgerechnet DER der Mann deines Lebens ist?"
Ich hatte mir ja geschworen: nie wieder ein Handwerker und schon gar keiner, der auch aussieht wie einer, aber seine Hartnäckigkeit war vielleicht ein Zeichen?

Also 1. Date abgemacht.
Im Café nebenan.
Er entpuppte sich als netter, bodenständiger Typ.
Der in jeder freien Minute (und davon gab es wenig) an seiner Karre herumwerkelte oder Wochenendtouren machte.
Wenn er nicht gerade beim Training war, denn er spielte in einer Ligamannschaft Fußball ("Uralte Herren"- höhö)
Und arbeiten tat er ja auch noch.
Wo er mich da hätte unterbringen können, weiß der Geier...
Wir quatschen nett.
Nett, unspektakulär und unaufgeregt - vielleicht ist das ja der Typ Mann, den ich brauche?
2 Stunden später verabschiedeten wir uns voneinander.

Für mich persönlich war die Sache damit erledigt, aber dann sah ich tags darauf den Trailer von "Suicide Squad" im Fernsehen, war direkt schockverliebt, wusste aber auch: den sieht sich keine Frau mit mir an und in Ermangelung eines Herrn, frug ich Mr. Mofa.
1 Woche später ging's ins Kino.

Ich bin einige Jahre nicht mehr im Kino gewesen - wann ist das so ungemütlich geworden??
Kommste nach 2 Stunden raus, biste taub, halbblind und pleite.
Unter'm Strich hat meinen Begleiter der Abend knapp 40 Ocken gekostet.
Ohne Fressalien!






Und weil das Leben es ja generell immer supigut mit mir meint, saß im Kino Nr. 14 hinter uns.
Ihr wisst schon: der Koch, der sich mit mir verabredete, obwohl er eine Freundin hatte.
Diese Freundin war übrigens weit & breit nicht zu sehen.
Mann, wie lange hatte ich auf diesen Moment gewartet: ihm über den Weg zu laufen und ihm ein herzliches "Hallo Arschloch!" um die Ohren zu pfeffern. Die Gelegenheit bekam ich allerdings nicht, denn 14 verschwand recht fix nach der Vorstellung auf'm Klo.
Mein Galan musst ebenfalls pinkeln und so lungerte ich mit Herzklopfen vor'm Herrenklo herum, gebannt von der Frage "Wer von den beiden kommt als erster 'raus?!"
Es war Nr. 19. Nun denn.

Nach der Vorstellung lud er mich noch auf einen Kaffee zu sich ein ("Keine Sorge, ich meine wirklich Kaffee und nicht poppen!").
Wieder nettes, unspektakuläres und unaufgeregtes Geplauder.

Später, ich war grade zuhause angekommen, schrub er, dass ich meinen Ring in seinem Bad vergessen hätte und wohl nochmal wiederkommen müsse.
Da Herr Harley weder Annäherungsversuche, noch Berührungen sonstiger Art versuch hatte, frug ich zurück: "Sag mal ehrlich, abgesehen von dem Ring, willst du mich überhaupt nochmal wieder sehen?"
Akzeptable Antworten:
  • Ja.
  • Ja, gerne.
  • Sehr gerne!
  • Nein.
  • Nein, sorry.

Nicht so akzeptable Antworten:

  • Ja, warum nicht.
  • Och, ich weiß nich...
  • Wenn's sein muss.
Ich bekam: Ja, warum nicht.
Hmpf.
Ich antwortete:
"Ja, warum nicht - das klingt mir zu begeisterungsarm. Und das reicht mir nicht, sorry."

Ey, hallo?!
Ich bin voll ßpäschl und verdiene ein kleines bissken Begeisterung, zumindest von einem potentiellen Lebensabschnittsgefährten!
"...sind doch nur Worte..." kam von ihm zurück.
Ich gab zu bedenken, dass Worte nicht einfach so angeflogen kommen, sondern man immer das schreibt, was man meint.
Aber er hätte doch schließlich JA geschrieben...?
Ich konterte mit einem fabulösen "Tja dann", woraufhin er mir noch "Viel Glück!" wünschte.

Ach so, ja, der Ring...
Den kann er behalten und versetzen, als Ausgleich für das Vermögen, das er im Kino ausgegeben hatte.

Sonntag, 14. August 2016

Börsenbericht - Kandidat 18: Der Redakteur

Kandidat 18: Der Redakteur (50)

Mann, 100 km entfernt (absolutes Knock-out-Kriterium).

ABER:
er war nicht nur absolut originell und unterhaltsam, sondern wartete mit Nerd- & Nischenwissen auf, also konnte ich gar nicht anders, als mich auf ein Date einzulassen.
Welcher Kerl weiß den Namen der Verrenkung, die er auf einem Foto mit einer Ballerina sieht? Welcher Kerl kennt und mag das Theaterstück "Ja, so ein Mann bin ich" des Deutschen Theaters Berlin von 1982?
Und welcher Kerl kann den Film nennen, zu dem "Ich fasse in aller Unschuld in was Weiches und denk', es ist ein Brötchen und da beißt es!" gehört?
Also, wer da nicht zuschlägt als Frau...

Wir einigten uns auf die Mitte, also Soest.
Da wir uns bereits am Telefon eine Menge zu sagen hatten, beschlossen wir, den Tag zusammen zu verbringen.
Essen, spazieren, essen, Kirchen gucken, labern, essen.





Insgesamt verbrachten wir 8 Stunden zusammen.
Mit ihm brach ein Feuerwerk der guten Laune über mich herein.
Ich habe mich lange nicht mehr so amüsiert.
Ich befand mich in einem nicht enden wollenden Loriot-Sketch gepaart mit alten Heinz-Rühmann-Komödien.
Jeder Satz ein Treffer.
Der Typ war mega-witzig. Nicht auf so 'ne plumpe Mario-Barth-Art, sondern auf eine leicht altbackene ("Papa ante portas").
Zwischendurch entschuldigte ich mich sogar dafür, ständig lachen zu müssen und versicherte ihm, dass ich ihn keineswegs auslache.

Nicht so schön: der Mann trug ein petrolfarbenes Hemd. *örks*
Gut, er kann nicht wissen, dass ich blau (und seine 384 Abstufungen) auf den Tod nicht ab kann.
Aber das schlimmste an dem petrolblauen: oben wucherte üppges Brusthaar heraus.
Vor ein paar Jahren noch wäre mir das egal gewesen, immerhin waren Ex-Mann und Voldemort ja behaart wie die Affen, aber seit ich den einen oder anderen der 19 Kandidaten nackt gesehen habe, weiß ich die männliche Ganzkörperrasur zu schätzen.



2 Lokalitäten und 1 Spaziergang durch die Altstadt später (samt Schützenumzug und versehentlichem Durchqueren einer riesigen Hochzeitsgesellschaft mit einer Braut in Kaiserin-Sissy-Robe und nuttigen 20 cm Beate-Uhse-Gedächtnis-Heels!) endeten wir in der "Zwiebel".

Wer es kennt: wir hocken auf dem roten Plüschsofa neben der (geöffneten) Terrassentür, es goß in Strömen, supergemütlich und eigentlich ein ziemlich romantisches Eckchen.
Eigentlich.
4 Stunden waren um und nun wurde es anstrengend.

Anfangs ist es noch toll, wenn wirklich JEDER Satz ein bon mot enthält; doch irgendwann nervt es, wenn man auf die simple Frage nach der Uhrzeit statt stinknormaler Antwort ellenlanges Geschwafel (wenn auch rhetorisch höchst anspruchsvolles) zu hören bekommt.
Auch bekam ich verstärkt den Eindruck, dass, wenn ich denn mal was erzählen "durfte", er mir gar nicht zuhörte, sondern bereits im Geiste seinen nächsten vortrefflich formulierten Konter vorbereitete.
Zusätzlich ging mir die leicht näselige Theo-Lingen-Stimme mit dem jammernden Tonfall allmählich auf die Nerven.




Damit nicht genug.
Getreu des Waalkes'schem Mottos "Nach dem Essen sollst du rauchen oder eine Frau gebrauchen" fing Theo das Fummeln an.
Mitten Im Lokal, die Blicke der umsitzenden Gäste tapfer ignorierend, fuhr seine Hand wiederholt unter meine Bluse und ich konnte kaum "Finger weck vom Speck!" rufen, da fühlte ich auch schon einige feuchte Schmatzer in der Halsbeuge.
Herrje.
Ich mein', ich kann den Mann ja verstehen, bin ich doch weit über die Grenzen des Sauerlandes hinaus für meinen Sex-Appeal bekannt - aber SO geht das nicht!




Wir zahlten alsbald.
Ich war müde (man kann es nicht mehr so...) und wollte nach Hause.
Leider verliefen wir uns auf der Suche nach dem Auto.
Google Maps- und Passantenbefragung (alles Touris in Soest!) brachten wenig.
Nach 1 Stunde durch den Regen fanden wir endlich sein Auto. Während er unsere Schirme in den Kofferraum legte, warf ich einen schnellen Blick ins Handschuhfach.
Seine Brieftasche und 1 (in Worten: EIN) Kondom fielen mir entgegen.
Uäch.
Nee, nicht mit mir, Bürschchen.

Auf dem Weg zu meinem Auto, das am Stadtrand geparkt stand, zeigte Theo sein überbordendes Interesse an mir dadurch, dass er sich für das kommende Wochenende selbst zu mir einlud. Und zwar von Freitag bis Sonntag! Äh...?
"Wir kochen gemeinsam. Irgendwas mit Reis und Huhn. Dazu einen Weißwein. Und zum Nachtisch Tiramisu. Ich bringe alles nötige mit, du musst gar nichts tun, außer schön auszusehen!"
Ey, solche Worte hätt' ich gerne vom ein oder anderen seiner Vorgänger gehört, aber hmpf, so isses halt immer, nech...
Ich hörte schlaftrunken zu, sagte "aha, mhm, ja ja", hüpfte in mein Auto, nicht ohne vorher nochmal ausgiebig gedrückt und speckmäßig befühlt zu werden und  preschte mit meinen 34 PS davon.
Puuuh.

Das ist nun 6 Wochen her und Theo, den ich für das Wochenende selbstverständlich später ausgeladen hatte (was übrigens sehr schwer war, weil er sich nicht so leicht abwimmeln ließ und ich schließlich höflich bleiben wollte), jammert noch heute hinter mir her.
Vor ein paar Tagen bekam ich wieder eine Mail von ihm "Kann ich am Samstag zu dir kommen? Bitte bitte! Du wirst auch gar nicht merken, dass ich da bin, versprochen!"
Wie super unsexy ein jammernder und offenbar devoter Mann doch klingt.
Meine Güte, so jemanden kann doch keine ernst nehmen. Hätte ich eine Erektion gehabt, wäre die auf Nimmerwiedersehen im Off verschwunden.
Ich antwortete, dass Nr. 19* es sicherlich irritierend finden würde, wenn Nr. 18 plötzlich aufkreuzen und womöglich zwischen uns im Kino sitzen würde.
Daraufhin verabschiedete sich Herr Jammerlapp mit einem "von Herzen kommenden FAHR ZUR HÖLLE. Jaaa, in Großbuchstaben!"
Nun denn, ich hoffe, nun herrscht Ruhe.



(* Ich weiß nicht, auf was ich mich mehr freue: auf diesen abgefahrenen Scheiß "Suicide Squad" oder auf the second date mit 19. Ja, ich weiß, ich hinke mit meiner Berichterstattung etwas hinterher, aber das Kind, die Schule... Man kann es nich' mehr so.)

Label: Börse

Sonntag, 17. Juli 2016

Börsenbericht - Kandidat 17: Der Leichtathlet

Kandidat 17: Der Leichtathlet (51)

Ja, ich weiß:
date keinen Spochtler, wenn Du selbst zu den Bewegungsphobikern gehörst!
Aber ich kann nun mal nicht widerstehen, wenn ein Kandidat fehlerfrei mehr als 4 Sätze schreiben tut und obendrein noch gut aussieht.
Und so langweilte es mich auch nur halb so schlimm, als er mir Fotos seiner Medaillen schickte oder seine Bestzeiten im Dreisprung (ich wusste bis dato gar nicht, was das ist!) seit 1986 aufzählte oder unser erstes Telefonat mit den Worten "Oh, das EM-Finale fängt an, ich muss auflegen!" beendete.






Wir trafen uns in einem Biergarten im Kurpark.
Als ich ankam und ihn live sah, war mein erster Gedanke:
"Oh shit! Ich will nach Hause!"
Er war nämlich keineswegs gutaussehend.
Er war schön.
Richtig schön, im Sinne von model-schön, filmstar-schön.
So schön, dass ich im vollbesetzten Biergarten regelmäßig die Damen drumherum auf begehrliche Blicke checkte, wenn ich ihn nicht gerade (vermutlich mit offenem Mund) anstarrte, während er mir seine Lebens- und Leidensgeschichte erzählte.

Leider war er trotz Schönheit ziemlich komplexbeladen, weil klein (1,70 m) und dünn (12 kg, grob geschätzt) und versicherte sich mehrfach, ob mir das auch wirklich nichts ausmache.
Nee, natürlich nicht; kommt ja auf die Innereien an, nicht wahr?
(Psst, im Vertrauen: ich hab nichts gegen klein, aber dünn is' doof, denn neben einem zierlichen Mann wirkst du wie ein Trampel, trotz Größe 38. Und beim Poppen hast du das Gefühl, dass ein Kinderkörper auf dir 'rumrutscht.)

Diese Komplexe ließen ihn ein paar mal nahezu eifersüchtig reagieren.
Als er mich 3 Stunden später in seinem Auto (Ledersitze - mmmhmm!) nach Hause fuhr, kamen wir an einem ziemlich dicken Mann vorbei, barfuß, oben ohne, mit behaartem, schneeweißem Bauch. Ich musste einfach hinstarren, es war einer dieser "Unfall"-Momente.
Da hielt mir der Leichtathlet die Augen zu ("He! Guck nicht!") und als ich nicht sofort wegschaute, macht er eine Vollbremsung, haute den Rückwärtsgang 'rein und meinte leicht angesäuert: "Warte, ich mach dir ein Date mit ihm aus!", während er tatsächlich ein paar Meter rückwärts fuhr.
Äääh...?!

In den 3 Stunden zuvor hatte er mir erzählt, was ihn von München ins Sauerland verschlagen hatte.
Bei "World of Warcraft" hatte er sich in eine Mitspielerin verliebt und war Hals über Kopf ins Sauerland gezogen.
Bereits 3 Monate später war die Liebe verpufft und nun saß er da, ganz alleine im ungeliebten NRW mit seinen merkwürdigen Bewohnern, in einer grottenhässlich möblierten Mietwohnung und hat noch 6 Monate seines 1-jährigen Arbeitsvertrages abzusitzen, bevor er wieder ins geliebte München zurück darf.
Auf meine Frage, was er denn dann eigentlich für eine Art Beziehung sucht, womöglich nur eine Bettgeschichte zur Überbrückung der 6 Monate, meinte er, dass er selbstverständlich bleiben würde, wenn er etwas für's Herz findet.

Ebenso eifersüchtig/säuerlich reagierte er 2 Tage später.
Ja, es gab tatsächlich ein 2. Date; auf seinen Wunsch hin. Ich hätte mein ganzes Vermögen verwettet, dass Männer wie er sich nicht mit Frauen wie mir einlassen.
(George Clooney <-> Sylvia Wollny)
Aber er hatte sich in meiner Gegenwart so wohl gefühlt, wie schon lange nicht mehr. Hatte die entspannte und humorvolle Atmosphäre genossen. Und "PS: Attraktiv finde ich dich auch." Oh.

Was ihn störte, war die Tatsache, dass ich den Taxifahrer, der mich zu ihm gefahren hatte, gedrückt hatte.
Dieser Taxifahrer war von 1970 - 75 mit meiner Tante Marga verlobt gewesen und während der Fahrt haben wir alte Familienklamotten aufleben lassen. Ich fand das schön und so habe ich den alten Mann zum Abschied kurz in den Arm genommen. 
Huiuiui, das fand der Leichtathlet, der das durch's Fenster beobachtet hatte, so überhaupt not amusing and drückte mir ein paar schnippische Sprüche.
Ey, hallo? Beim 2. Date?
Wie reagiert er nach 2 Jahren? Wird frau dann in den Keller gesperrt, um Fremdmannkontakt zu vermeiden?

Wir bestellten Sushi und quatschten.




Heißt: ich hörte zu, er sah schön aus und quatschte.
Ließ nochmals seine Ex-Beziehungen Revue passieren, ließ sich wieder abfällig über NRW im allgemeinen und Sauerländer im speziellen aus.
Nun war es an mir, säuerlich zu werden. So schlimm sind wir ja nun wirklich nicht!
Richtig sauer wurde ich, als er sich mehrfach darüber echauffierte, dass er als Steuerzahler meine Fortbildung und die Kinderbetreuung (die ich übrigens endlich genehmigt und teilweise bezahlt bekomme!) zahlt und dass es dann natürlich nicht verwunderlich sei, dass ich fett mit'm Taxi angefahren käme.
Alter...!
Zwar tarnte er das als "Scherz", aber wenn du sowas mehrfach erwähnst und dann in diesem angepissten Ton, spiegelt das auch deine Meinung wieder.



Kaum war ich, 2 Stunden später, zuhause angekommen, schrub er, dass er zwar gerne gewollt, sich aber nicht getraut hätte, mich in den Arm zu nehmen oder sogar zu küssen, weil er es nicht angebracht fand und nicht wollte, dass ich denke, er wäre nur auf sowas aus.
Gefolgt von einem ellenlangen Text, in dem er nochmals darlegte, dass er, wenn er was für's Herz fände, tatsächlich im doofen NRW bleiben täte.

"Du klingst so genervt von Land und Leuten hier, dass man dir zurufen möchte: Dann geh' doch nach Hause!" schrub ich.
"Ich wollte dir nur nochmal meinen Statuts Quo klar machen."
"Aha, und ich muss das wissen, weil...?", fragte ich.
"Weiß nicht, vielleicht musst du das ja gar nicht wissen", antwortete er.
- "Und was erwartest du nun von mir?"
"Nichts. Ich habe keine Erwartungen. Alles gut."

Ein Mann, der weiß, was er will...

Tja, und das war seine letzte Nachricht.
Bei mir hat's nicht mal zu "Viel Glück noch!" gereicht.
Bei ihm auch nicht.
Nummer gelöscht.

Bavarian go home!

Next!






Label: Börsenberichte

Freitag, 8. Juli 2016

Abi2016 - Teil 3

Samstag, Abiball.























Rahmenbild - yay!
Ich und Elvis sahen blendend aus; mit dem SoVa hatte ich MAL WIEDER
den unattraktivsten Kerl im ganzen Saal an meiner Seite.
Über Nacht war ihm eine knallrot leuchtende, dicke Backe gewachsen,
die obendrein die Oberlippe aussehen ließ,
wie nach einem schiefgelaufenen Botoxeingriff (-> entzündeter Backenzahn).
Als ich mein Kleid vor 3 Monaten kaufte, saß es etwas spack, egal, ich besitze ja einen Bauchwegschlüpfer. Als ich es heute überzog schlabberte es!
Versehentlich das 40er gekauft?! Nein, 38 steht drin. Hä??
Unerkannt abgenommen, bestimmt durch ewig Kummer & Sorgen!
Ich packte also meinen nuttigsten ..äh.. pushigsten PushUp-BH drunter,
Unterhemd und Skiunterhose. Da schlabbert's gleich etwas weniger.
Merke: glänzende Nylons sehen irgendwie komisch aus.





Das mediterrane Buffet war sensationell, die Schlange der Hungrigen an die 100 Meter lang, und obwohl die 20-minütige Warterei langweilig war, du knipst, auch als braver Blogger, in so einem Moment das Essen NICHT.


Eine Clutch bietet übrigens nicht das Fassungsvermögen, das nötig ist, um die Menge an Taschentüchern zu beherbergen, die Muddi bei Abifestivitäten braucht.

Elvis kam gegen 6 Uhr nach Hause und wie ich an den Mehrfach-Schritten hörte, brachte er einen Kumpel mit.
Dieser Kumpel schockte mich 5 Stunden später, als er ..äh.. sie plötzlich im Flur hinter mir auftauchte und ein scheues "Gudn Morgn!" fiepste. Tja...


So, den ersten habe ich durch.
In 16 Jahren berichte ich euch dann von Abiball Zwo.


Samstag, 2. Juli 2016

Abi2016 - Teil 2

Freitag - Tag der Zeugnisvergabe:

6 Uhr:
Aufstehen.
Der Blick in den Spiegel offenbart 3 nagelneue dicke Pickel rund um meinen Mund.
Meine Fresse! Wo kommen die her und warum?

6.30 Uhr:
Ich hämmere an Elvis' Zimmertüre. Wenn er vor'm Festakt noch zur Schule will, muss er sich sputen.
Ich schalte mein Handy ein.
Whatsapp-Nachricht von Elvis, 2.47 Uhr (also genau die Uhrzeit, zu der Menschen in meinem Alter und werktags noch wach sind...):
"Brauchst mich nicht früh wecken, ich bring die Bücher erst nachmittags zur Schule."
Oh.
Nun ja, jetzt, da er sowieso wach ist, kann er DOCH vorher zur Schule.

7.10 Uhr:
Elvis macht sich schlechtgelaunt, schlaftrunken und ungewaschen auf den Weg.

8 Uhr:
Lucky Luke in den KiGa gebracht, jetzt geht's ans Styling.
Bei 16°C und Dauerregen lasse ich mein neues Kleid im Schrank und ziehe meinen ewigen Hosenanzug in hellgrö an. 

8.30 Uhr:
Ich bin komplett fertig gestylt und abfahrbereit. Aber irgendwas fehlt...
Ach ja - Elvis! Wo isser hin?
Sein Handy ist aus. Klar.
Um 9 Uhr soll hier Abfahrt zur Heilig-Geist-Kirche sein. Ich bleibe ganz ganz ganz ruhig.

8.45 Uhr:
Elvis trudelt ein und duscht erstmal. Ich habe Blutdruck.

8.51 Uhr:
Schrei aus dem Bad: "Ich kann mich nicht rasieren! Rasierschaum ist alle!" 
Öhm... kann eventuell sein, dass ich am Vorabend seinen Schaum beim Beine rasieren verbraucht habe.
"Dann mach's halt ohne Schaum!" Geht bei Beinen ja auch...

8.55 Uhr:
Elvis kommt aus dem Bad.
Huch!
Merke: rasieren ohne Schaum sorgt für sehr sehr sehr gereizte Haut.

9 Uhr:
Elvis und ich verlassen schnieke, adrett und verpickelt das Haus.
Im Treppenhaus höre ich was über'm Boden kullern. Oh, ein Knopf! Der ähnelt den Knöpfen an meinem Hosenanz... Waaah!
Egal, wer braucht schon eine Hose mit Knopf?

9.10 Uhr:
Wir nähern uns der Heilig-Geist-Kirche.
Niemand ist zu sehen und der leere Parkplatz macht stutzig.
Ich lese an der Aushangtafel die Events der Heilig-Kreuz-Kirche.
Moment! KREUZ?
Shit, ich war sicher, DIESE hier ist die Heilig-GEIST-Kirche!
Nun ja, in einer militantkatholischen sauerländer Kleinstadt mit insgesamt 20 Kirchen kann man sich schon mal vertun.
Oh Gott, was jetzt?
Per Handy nach der Adresse der Geist-Kirche googeln. Keine Adresse (!), dafür die Nummer des Pfarrbüros.
Der Anrufbeantworter teilt mit, dass das Telefon erst ab 10 besetzt ist.
Argh!
Ich rufe die Mutter eines anderen Abiturienten an: "Wo seid ihr? Wir stehen an der falschen Kirche!!" brülle ich, mittlerweile schwitzend.
"Wir schwänzen den Gottesdienst und kommen erst zum Festakt", sagt die Mutter. "Und keine Ahnung, wo die Geist-Kirche ist. Wir sind zugezogene Atheisten."
Meine Hose rutscht.

9.17 Uhr:
Was tun?!
Elvis versucht es bei Mitschülern; aber die hocken nun in der richtigen Kirche und haben ihre Handys brav ausgeschaltet.
Fuck!
Was tun? Polizei anrufen? Stadtverwaltung??
Unser Oppa hätte das gewusst. Aber der ist grad auch keine große Hilfe.
Geistesblitz:
wenn auf EINEN Menschen informationstechnisch in den letzten 8 Schuljahren Verlass war, dann auf die Schulsekretärin!
Ich wähle die Nummer der Schule und jawoll, die Gute weiß, wo sich die richtige Kirche befindet. Schnell noch den SoVa informiert und los geht's.

9.25 Uhr:
Wir erreichen die Kirche und ergattern den letzten freien Parkplatz.
Puh.
Der SoVa hat seine Karre mittig in den Kirchrabatten abgestellt, ist in einen Hundehaufen gelatscht (-> göttliche Vergeltung) und versucht nun fluchend und auf einem Bein balancierend großgestisch die Scheiße im nächstbesten Gebüsch abzustreifen. Alle gucken.
Peinlich sein? Konnte er, kann er und wird er immer können.



9.30 - 10.15 Uhr:
Ökumenischer Gottesdienst halt.
Beten, reden, singen, reden, beten. Wobei der evangelische Part wie immer der unterhaltsamere ist.

10.50 Uhr:
Für die 8-Minuten-Strecke Kirche/Theater haben wir 4x so lang gebraucht, da sich die Kirche an einer riesigen Kreuzung der Hauptverkehrsader samt Bahnübergang befindet und wir Eltern für den größten Stau in Geschichte der Stadt gesorgt haben.

Die Kirchschwänzer sind schon lange vor Ort und haben die besten Plätze belegt.


11 Uhr:
Der Festakt beginnt.



11.05 Uhr:
Nee, doch  nicht...


11.10 Uhr:
Öhm...?

11.15 Uhr:
Der Festakt könnte beginnen, vermeldet der Direktor, aber da die Abiturienten sich eigenständig paarweise und nach Alphabet aufstellen sollen, werden sich die nachfolgenden Programmpunkte wohl um ca. 3 Stunden nach hinten verschieben.
Ein Lehrer eilt herbei und klärt die Sache rasch.

11.17 Uhr:
Der Festakt beginnt.
Sogar der neue Bürgermeister ist gekommen und hält eine Rede und zwar eine ziemlich launige.
Überhaupt sind die gehaltenen Reden kurz, witzig und nur ein bisschen rührselig.
Immer wenn die Rede ist von "in die große weite Welt hinausziehen / das ganze Leben noch vor sich haben / mutig sein / Träume verwirklichen / gute Menschen werden" kommen mir die Tränen. Ja, die jungen Dinger haben alles noch vor sich...
Ich versuche dauerhaft, nicht an unsern Oppa zu denken, der jetzt sooo dermaßen stolz auf "seinen Jungen" gewesen wäre. Klappt nur bedingt.

Dann werden die Zeugnisse verteilt. Nach Alphabet.
190 Abiturienten - da unser Nachname mit W beginnt, hätte ich, bis Elvis drankommt, gemütlich brunchen gehen können.
Und dann wird er endlich aufgerufen und ich muss entscheiden:
will ich klatschen wie bekloppt und WOHOOO! kreischen oder das Ganze per Handy filmen?
Ich wähle das Video. Geklatscht wird eh und das WOHOOO! erledigen seine Kumpels.



13.50 Uhr:
Ende Festakt.
Es werden noch ein paar Dutzend Fotos geschossen, die nettesten Eltern zum Abschied gedrückt und dann machen wir uns sehr sehr hungrig auf ins Restaurant.





Die eine Hälfte der Abiturienten feiert heute noch den Abiball.

Wir zum Glück erst morgen, wenn das Wetter hoffentlich ein mü besser ist.

Fortsetzung folgt...


Teil 1
Teil 3