Kandidat 19: Der Motorradfahrer (52)
nach einem Date.
Und zwar seit Januar.
Ja, richtig gelesen!
Mit dem Moppedlurch whatsappte ich seit Moooonaten, zwischenzeitlich überholt von Nr. 13, 14, 15, 16, 17 und 18 und vom Dienstagsmann. Recht gemütlich bzw. lahmarschig in seiner Art, schien ihm das nix auszumachen, denn er blieb am Ball. Also an mir.
Ich meinerseits hatte seine Nummer schon 2x gelöscht, denn wer so gar nicht aus'm Quark kommt, ist nicht meins, aber Kusine Püppi meinte: "Und wenn ausgerechnet DER der Mann deines Lebens ist?"
Ich hatte mir ja geschworen: nie wieder ein Handwerker und schon gar keiner, der auch aussieht wie einer, aber seine Hartnäckigkeit war vielleicht ein Zeichen?
Also 1. Date abgemacht.
Im Café nebenan.
Er entpuppte sich als netter, bodenständiger Typ.
Der in jeder freien Minute (und davon gab es wenig) an seiner Karre herumwerkelte oder Wochenendtouren machte.
Wenn er nicht gerade beim Training war, denn er spielte in einer Ligamannschaft Fußball ("Uralte Herren"- höhö)
Und arbeiten tat er ja auch noch.
Wo er mich da hätte unterbringen können, weiß der Geier...
Wir quatschen nett.
Nett, unspektakulär und unaufgeregt - vielleicht ist das ja der Typ Mann, den ich brauche?
2 Stunden später verabschiedeten wir uns voneinander.
Für mich persönlich war die Sache damit erledigt, aber dann sah ich tags darauf den Trailer von "Suicide Squad" im Fernsehen, war direkt schockverliebt, wusste aber auch: den sieht sich keine Frau mit mir an und in Ermangelung eines Herrn, frug ich Mr. Mofa.
1 Woche später ging's ins Kino.
Ich bin einige Jahre nicht mehr im Kino gewesen - wann ist das so ungemütlich geworden??
Kommste nach 2 Stunden raus, biste taub, halbblind und pleite.
Unter'm Strich hat meinen Begleiter der Abend knapp 40 Ocken gekostet.
Ohne Fressalien!
Und weil das Leben es ja generell immer supigut mit mir meint, saß im Kino Nr. 14 hinter uns.
Ihr wisst schon: der Koch, der sich mit mir verabredete, obwohl er eine Freundin hatte.
Diese Freundin war übrigens weit & breit nicht zu sehen.
Ihr wisst schon: der Koch, der sich mit mir verabredete, obwohl er eine Freundin hatte.
Diese Freundin war übrigens weit & breit nicht zu sehen.
Mann, wie lange hatte ich auf diesen Moment gewartet: ihm über den Weg zu laufen und ihm ein herzliches "Hallo Arschloch!" um die Ohren zu pfeffern. Die Gelegenheit bekam ich allerdings nicht, denn 14 verschwand recht fix nach der Vorstellung auf'm Klo.
Mein Galan musst ebenfalls pinkeln und so lungerte ich mit Herzklopfen vor'm Herrenklo herum, gebannt von der Frage "Wer von den beiden kommt als erster 'raus?!"
Es war Nr. 19. Nun denn.
Nach der Vorstellung lud er mich noch auf einen Kaffee zu sich ein ("Keine Sorge, ich meine wirklich Kaffee und nicht poppen!").
Wieder nettes, unspektakuläres und unaufgeregtes Geplauder.
Später, ich war grade zuhause angekommen, schrub er, dass ich meinen Ring in seinem Bad vergessen hätte und wohl nochmal wiederkommen müsse.
Da Herr Harley weder Annäherungsversuche, noch Berührungen sonstiger Art versuch hatte, frug ich zurück: "Sag mal ehrlich, abgesehen von dem Ring, willst du mich überhaupt nochmal wieder sehen?"
Akzeptable Antworten:
- Ja.
- Ja, gerne.
- Sehr gerne!
- Nein.
- Nein, sorry.
Nicht so akzeptable Antworten:
- Ja, warum nicht.
- Och, ich weiß nich...
- Wenn's sein muss.
Ich bekam: Ja, warum nicht.
Hmpf.
Ich antwortete:
"Ja, warum nicht - das klingt mir zu begeisterungsarm. Und das reicht mir nicht, sorry."
Ey, hallo?!
Ich bin voll ßpäschl und verdiene ein kleines bissken Begeisterung, zumindest von einem potentiellen Lebensabschnittsgefährten!
Ich bin voll ßpäschl und verdiene ein kleines bissken Begeisterung, zumindest von einem potentiellen Lebensabschnittsgefährten!
"...sind doch nur Worte..." kam von ihm zurück.
Ich gab zu bedenken, dass Worte nicht einfach so angeflogen kommen, sondern man immer das schreibt, was man meint.
Aber er hätte doch schließlich JA geschrieben...?
Ich konterte mit einem fabulösen "Tja dann", woraufhin er mir noch "Viel Glück!" wünschte.
Ach so, ja, der Ring...
Ach so, ja, der Ring...
Den kann er behalten und versetzen, als Ausgleich für das Vermögen, das er im Kino ausgegeben hatte.




















