Freitag, 21. April 2017

Vorstellungsgespräche - Das gruseligste

Ein Montag im Januar, 19.37 Uhr.

Am Telefon: der Chef einer kleinen Leuchtenfabrikationsfirma der Nachbarstadt, der mich zum Gespräch einladen will.

"Sie müssen sich auch nicht großartig vorbereiten und brauchen keine Unterlagen mitzubringen. Dauert nicht lange, ich würde nur mal eben kurz gucken, ob man zusammenpasst", haucht er mit sexy Schlafzimmerstimme.

Ob man zusammenpasst??
Sollte er nicht lieber "mal eben kurz gucken", wie es um meine berufliche Qualifikation bestellt ist?
Merkwürdig.

Er lädt mich für Mittwoch Abend ein.
18 Uhr.
Noch merkwürdiger.
Ich sage aber zu.

Da ich diese Firma am nächsten Tag erstmal live anschauen will, lasse ich mir bei Maps-Satellit das Gebäude von oben anzeigen:


????

Wieso stehen auf dem Hof einer Lampenfirma so viele Wohnwagen?
Betreibt der Chef nebenbei einen Wohnmobilverleih?
Betreibt der Chef nebenbei einen Lovemobil-Park?
Oder ist der Parkplatz vermietet?
Echt merkwürdig.

Ich google den Chef.
Er ist im Handelsregister mit verschiedenen Firmen eingetragen.
Sowas kann ich schon leiden: auf vielen Hochzeiten tanzen, aber auf jeder nur so mäßig, statt sein Bestes nur auf einer zu geben.

Tags darauf fahre ich hin und suche und suche und suche.
Da, wo mich das Navi hinschickt, finde ich nichts.
Ich frage einen Passanten. Der kennt sich aus:
"Diese Straße ist da vorne; die hat aber kein Schild."
Hä?! Wieso hat die Straße kein Schild??
Mysteriös...

Ich befahre also die Straße ohne Schild, suche die Hausnummer und stehe vor einem kleinen, schmuddeligen Gebäude mit schiefen Vorhängen. Dahinter kann ich ein paar Wohnwagen erkennen.
Joa, nee, lass mal...

Wieder zuhause zücke ich meinen Joker Lucky Luke und maile dem Chef, dass ich leider so kurzfristig für diese späte Uhrzeit keinen Babysitter für meinen 2-jährigen finde.

2 Tage später schickt er mir eine Absage.

2 Monate später entdecke ich erneut sein Stellenangebot in der Jobbörse.

Tja, viel Glück...

Dienstag, 11. April 2017

Hormone? JA BITTE!

Während ich HIER noch voll am Jubeln war, dass mein Feuchtgebiet nun allmählich austrocknet (liebe potentielle Sexualpartner: keine Sorge, nicht so, wie ihr denkt!), wäre mir die Periode fast schon lieber, als das, was jetzt so abgeht.

Abgesehen davon, dass mich Wut und Hunger durch den Tag peitschen, erleide ich seit Kurzem Zustände, die ich gar nicht in Worte fassen kann.

"Ich fühle mich dann so unglaublich erschöpft, aber ohne schlafen zu können", berichte ich dem Kleinen Fabian (aka mein Gyn). "Ich wanke schwummrig und schneeweiß durch den Tag, obwohl mein Blutdruck ok ist. Kopfweh. Hitzeschübe enden oft in Panikattacken, weil ich plötzliche Schweißausbrüche nur von drohender Ohnmacht kenne. Außerdem scheine ich mich in Zeitlupe zu bewegen! 1 Teller Suppe essen - zack- sind 45 Minuten 'rum! Und ich spüre so viel Wut in mir und gleichzeitig fühle ich mich irgendwie so... verletzlich."

Bei "verletzlich" fängt tatsächlich meine Unterlippe an, hollywoodreif zu zittern.
Au Mann.
Jetzt mutiere ich tatsächlich zu einer von "diesen", die alle so hassen:
aggressiv und miesgelaunt, mit Hang zur Hysterie.

"Als ich neulich bei BK einen Double Steakhouse bestellt hatte und nicht wusste, wie ich ohne Besteck mit diesem riesigen Ding fertig werden soll, merkte ich die heranrauschende Wutwelle. Ich habe das Ding genommen, den Mund aufgerissen und mir so viel wie möglich reingestopft, das Brötchen zerbröselte, Soße quoll überall heraus,  verschleimte mir Gesicht und Hände, und während ich mit vollen Backen und halb heraushängenden Zwiebelringen kaute, bin ich stinksauer in den Waschraum gestiefelt, habe mir die Soße vom Körper gewaschen und den Rest des Burgers in die Tonne gekloppt. Zu mehr solcher verstörenden Szenen darf es nicht kommen! Ich will nicht zur merkwürdigen Alte werden!"

Gegen mich da neulich isst der Herr Hasselhoff noch echt gesittet:

Was kommt als nächstes? Dass ich Elvis' abgelegte Jack&Jones-Hoodies in der Öffentlichkeit trage? Den BH weglasse? Dem exzessiven Eierlikörkonsum anheimfalle?

Der Kleine Fabian (aka mein Gyn) weiß Rat:
"Ich empfehle Ihnen eine Hormonersatztherapie. Ich weiß, Sie lehnen das ab, aber lassen Sie mich von dieser Umfrage erzählen: 500 Frauenärztinnen wurden gefragt, ob sie gegen wechseljahrsbedingte Beschwerden  Hormone einnehmen würden. 93% haben JA gesagt. Es wurden 500 Frauenärzte gefragt, ob sie ihren Ehefrauen Hormone verschreiben würden. 99% haben JA gesagt."

Oach Fabi, du Naivling!
Ja sicher sagen die Kerle alle JA! Die wollen schließlich nach 'nem anstrengenden Speläologen-Tag zuhause ihre Ruhe haben und keine rasende Furie, die ihnen den Feierabend vermiest!

"Überlegen Sie sich das. Sie können jederzeit für ein Rezept 'reinkommen. Kein Termin nötig", schlägt er vor.

Hormone sind doch was für Weicheier.
Eher würde ich mit Spocht anfangen! 
Naja, mal sehen, so lange sich diese Zustände auf 2 mal pro Monat beschränken, geht's ja noch.

Mann Mann Mann, da machste was mit...

A propos "Mann":
wieso haben eigentlich nur wir Frauen diese ganzen Arschkarten?
Periode, Blasenentzündungen, Scheideninfektionen, Schwangerschaft, Geburt, Wechseljahre, Brustdrüsenentzündung.
Ist das der Preis dafür, dass wir gebären können? Müsste es dann nicht andersherum sein?! No Beschwerden ever als Dank für's Leben schenken?
Mutter Natur, diese miese bitch, muss ein Mann sein, so dämlich, wie das alles durchdacht und umgesetzt ist.

Yo.



Label: Wechseljahre

Freitag, 24. März 2017

Börsenbericht - Kandidat 24: Der Musikschulleiter

Wie bitte? Was sagt ihr?
Ich wollte mich nicht mehr bei NeueLiebe.org umtun?
Schnauze, bitches!

Okay, ich habe ein kleines bisschen geschwindelt, als ich behauptete, dass ich Neujahr meinen Account gelöscht habe.
Ich habe ihn bloß stillgelegt.
Logge mich nicht mehr ein, werde somit nicht mehr auf der Startseite angezeigt, werde ergo nur gefunden, wenn man gezielt nach Frauen in meinem Alter und meiner Region sucht.

Und so fand mich der Musikschulleiter (53).
Ein paar anregende Mails, ein angenehmes Telefonat und nur 3 Tage später das Date im Café del Sol.


Es war ein sehr netter Abend; er machte es mir aber auch leicht:
unkomplizierter, kommunikativer Typ mit angenehmer Stimme, leicht dominanten Tendenzen (*roar*), aber mit gesunder Grundeinstellung und offenbar psychisch stabil.

Wir redeten über verschiedenste Themen und merkten, in wie vielen Bereichen wir gleich tickten.
Er erwähnte allerdings ein mü zu oft das Andreaskreuz in seinem Keller.
Keine Ahnung, ob er tatsächlich eins hat oder ob er nur abchecken wollte, wie ich zu BDSM stehe.

Da wir beide üppig Mittag gegessen hatten, teilten wir uns auf meinen Vorschlag hin einen Burger.



Wie gesagt, alles bis dahin sehr nett, aber dann folgte seine Frage nach Freizeitbeschäftigungen.
Ich erwähnte also mein Blog und dann wurd's doof.

Du schreibst über dein tägliches Allerlei, deine Befindlichkeiten und Erlebnisse und stellst das dann ins Netz?
Sag bloß, du knipst auch dein Frühstücks-Toast??
Wie kommt man darauf, sowas öffentlich zu machen???
Und das liest jemand???
Was, du hast 1.500 Klicks am Tag?
Und daraus ziehst du dann dein Selbstwertgefühl, oder was?
Was sind denn das für Menschen, die sowas lesen???

Usw. usw.
Nun kann man solche Fragen im interessierten Ton stellen, so wie ich es tat, als ich mich nach seiner Tätigkeit als Musikschulleiter erkundigte.
Er aber fragte in so einem abwertenden, geringschätzigen, arroganten Tonfall samt überheblicher "WasndasfürnScheiß?!"-Mimik, dass sich bei mir ad hoc ein Großteil meiner guten Stimmung verabschiedete.
Ich dachte immer, Pianisten seien sensible Gemüter?!

Einige Minuten und zwo Themen später erwähnte er dann noch, wie froh er sei, dass sein Sohn endlich aus dem Haus ist, denn auf kleine Kinder, nee, da hätte er echt keinen Bock mehr.
Ich hatte Lucky Lukes Alter gar nicht erwähnt, aber gut zu wissen!

Mein Laune bewegte sich weiterhin kellerwärts und ich bedauerte die 2 Stunden vergeudete Lebenszeit.
Als mir der Babysitter vorher sagte, dass er nur zwoeinhalb Stunden Zeit hätte, war ich enttäuscht, jetzt aber froh, abhauen zu können.
Wenigstens war die Lokalität hübsch, das Essen lecker, und der Großteil des Abends nett verlaufen, außerdem übernahm er die Rechnung, was mich übrigens dazu veranlasste, den Post vom Capt'n zu erwähnen, den ich nachmittags gelesen hatte.

Wieder zuhause schrieb er mir, dass ich abwesend gewirkt hätte.
Merkwürdige Wahrnehmung. Ich habe mich seit langem nicht so angeregt mit jemandem unterhalten!
Wir wünschten eine Gute Nacht und ich hakte das Ganze ab.

24 Stunden später whatsappte er:
Liebe Juliane.
Wir habe viele Gemeinsamkeiten und das machte unseren Abend sehr amüsant.
Aber ich habe mir vorgenommen, mehr auf meinen Bauch zu hören. Leider habe ich keinen Stich im Bauch gefühlt.
Sich einen Burger zu teilen mag in dem Moment witzig sein, aber "teilen" in einer Beziehung bedeutet doch etwas mehr.
Daher wird es zu keinem Treffen mehr kommen.
Der Musikschulleiter.

Soll er froh sein! Stiche in der Bauchregion bei 'nem ÜFuffziger können gefährlich werden!
Und was heißt denn da "witzig"?
Ich wollte den Burger nicht teilen, um witzig  oder originell 'rüberzukommen, sondern weil ich ein Hüngerchen verspürte, mir aber nicht die kompletten 8.264 Kalorien alleine 'reinschleifen wollte.
Nun ja, Wahrnehmung...

Ich antwortete mit: "Dann sind wir ja d'accord. Adieu."


Kinners, ich werde auf diesem Wege keinen Mann finden (und vermutlich auch nicht auf anderem Wege, aber das ist ein anderes Thema), aber harte Zeiten erfordern harte Maßnahmen und sich ab und zu ein Essen ausgeben zu lassen, ist gar nicht mal so verkehrt...


Nachtrag:
2 Wochen später schreibt er mich bei NL an. "So sieht man sich wieder!". Hat ein neues Profilbild und nennt sich nun "Gentleman" statt "Tarzan". Ich antworte mit "War dir Tarzan doch zu doof als Nickname?" woraufhin er mich blockt. Äh.. hä?

Dienstag, 21. Februar 2017

Ja. Nein. Vielleicht.

So furchtbar ich die männliche Informationsphobie oft finde, in manchen Situationen ist diese Art der Kommunikation erfrischend effektiv.

Telefon.
Ich:         Ja?
Anrufer: Bernd. Tach.
Ich:        Tach.
Bernd:   Ich geh' laufen. Lust?
Ich:        Ja.
Bernd:   7? Im Stadtpark?
Ich:        Jou.
Bernd:  Bis gleich.
Ich:       Bis gleich.

Beneidenswert wie sorglos Männer durch ihren Alltag stolpern, nicht wahr?

Versuch das mal mit 'ner Frau!

Laufen? Heute? Geht's noch?? Ich hab Kinder und bin spontan wie ein Baum!
Es müssen verschiedenste Dinge abgewogen werden; u.a. ob die Versorgung von Kind und Mann für Mutters tagelange 60-minütige Abwesenheit gewährleistet ist.
Der Mann kann sich Erbsensuppe aufwärmen, aber das Kind?!
Das mag keine Erbsensuppe, hmmm, da könnte man schnell vorher ein paar Sandwiches zaubern. Allerdings ist kein Käse mehr da und Sandwiche ohne Käse sind zu trocken. Dann muss Mayonnaise druff. Mayo ist aber so kalorienreich und das Kind ist in letzter Zeit eh etwas mopsig geworden, das hat's vom Vater.
Vielleicht sollte man erwägen, das Kind mit zum Laufen zu nehmen.
Das Erwägen entscheidet sich dagägen; mit Kind kann man nicht vernünftig tratschen laufen. Soll es halt fett werden, das Gör.

Wie ist überhaupt das Wetter?
21 Grad, Sonne. Grundsätzlich gut...
...aber da ganz hinten, dieses dunkle Dings am Horizont - ist das eine Gewitterwolke? Schnee, Regen, Hagel - egal, aber Gewitter?!
Man fühlt sich zwar zu jung zum sterben, entscheidet sich trotz eventuell drohendem Unwetter todesmutig für einen Lauf. Immerhin sagt die Statistik: jedes Mal, wenn wir vom Laufen kamen, regnete es IMMER erst, wenn wir zuhause eintrafen.
Wir werden in den nächsten Stunden diese Wolke ganz genau beobachten, halten uns regelmäßig per Handy auf dem Laufenden (höhö) und entscheiden dann um 7. Vielleicht haben wir Glück und sie hat sich bis dahin verzogen.

Was zieht frau an? Ist es womöglich schwül? Die atmungsaktiven Microrfaserklamotten sind in der Wäsche und die Baumwolljogger sind so fies warm. Obendrein ist der Träger vom Sport-BH gerissen und bei D-Körbchen, pardon, Körben, muss man sich ständig den Busen festhalten damit's nicht so reißt und wie sieht das aus?!
A propos: ist es denn im Stadtpark überhaupt sicher? Die Zeitung meldete gestern dort einen herumstreunenden Exhibitionisten.
Also nehmen wir zur Sicherheit den Hund mit. Oder besser doch nicht? Hunde dürfen im Park nicht frei herumlaufen und dann stolpert man ständig über die Leine und ist so abgelenkt, dass man sich nicht auf's Labern Joggen konzentrieren kann.

Und wer trägt diesmal überhaupt die scheiß Bauchtasche, in der man Getränke, Schlüssel, Portemonnaies, Handys, Traubenzucker und Plastiktüte* mitführen muss?

*(Mir war beim letzten Mal schummrig geworden. Das war aber nichts blutdruckmäßiges, sondern Hyperventilation, da der Musiker mit seiner halb so alten, wunderschönen Freundin vorbeischlenderte und ich einen Querfeldeinsprint hinlegen musste, weil ich ausgerechnet an dem Tag aus haushaltsfehllogistischen Gründen pinkes Shirt, schwarze Hose, blaue Schuhen tragen musste. Außerdem war ich dran mit Bauchtaschetragen (-> olivgrün!). Wenn ich schon verschwitzt und mies gelaunt herumrennen muss, dann bitte geschmackvoll gekleidet!)

Bernd ist übrigens mal, in Ermangelung einer sauberen Joggingbuchse, in Jeans gelaufen. Da waren ihm einige schiefe Blicke sicher:
Ist der Jeanstyp, der dieser attraktiven Endvierzigerin im farblich dufte aufeinander abgestimmten Spocht-Design hinterherjagt, womöglich der gesuchte Exhibitionist??

Usw.
Usw.

In 99% der Fälle enden solche Telefonate pro Lauf.
Einzige Ausnahme:
"Laufen? Heute? Nääää! Ich hab meine Tage und kann kaum sitzen, gehen, stehen. Ich mach mir 'n Mayonnaise-Sandwich und glotz TV. Tschüß!"


Pro-Tipp:
es muss nicht immer ödes grau/schwarz sein, das Auge läuft schließlich mit! Und wenn man mal ins Gebüsch kollabiert, wird man in sowas garantiert wiedergefunden!


Label: Laufen

Freitag, 17. Februar 2017

Vorstellungsgespräche - Das Peinlichste

"Ich stehe jetzt einfach auf und gehe!", schlage ich dem Personaltyp vor, der mir gegenübersitzt.
Wider Erwarten ruft er nicht "Gute Idee, Sie selten dumme Nuss!", sondern ermuntert mich, noch weiter an den Werkzeugsdingern, die vor mir liegen, herumzurätseln.
Meinen Ausruf zuvor "Ach, das kenne ich, so eins habe ich zuhause 'rumfliegen, höhö!" fand er nicht mal lächelnswert und mein "Ganz klar, das ist eine ..äh.. Muffe?" hatte er mit gequälter Miene verneint.
"Was könnte man denn damit machen?", fragt er.
Ich glotz auf den Klotz. "Damit könnte man ..äh.. Rillen in ..äh.. etwas drücken?"
"Ja, und in was?"
- "In äh...äh..äh..äh.." Ich will  nach Hause!
"Was stellen wir denn hier her?" will er helfen.
Das ist es ja - ICH. WEIß. ES. NICHT!
"Schauen Sie doch mal auf die Schraube, die da liegt!"
- "Ach so! Damit macht man das Gewinde in Schrauben?"
"Ja! Und was macht man dann mit dem anderen  Teil da?"
- "Damit drückt man dann wohl oben diese ..äh.. Kerben ..äh.. Kreuze in die Schrauben?"
"Genau."
Puh, schwere Geburt. Leider freut er sich nur halb so dolle wie ich.

Die stellen also Schrauben her! Gut zu wissen.
Wieso ich das nicht weiß?!
Weil mein scheiß Datenvolumen just in dem Moment verreckte, in dem ich mir das Firmenprofil anschauen wollte. Also 5 Minuten vor Termin, im Auto sitzend.

Ich gestehe: ich bin ein Vorstellungsgesprächhopper!
Ich erschwindele mir Bewerbungsgespräche zu Übungszwecken.
Tut mir zwar 'n bisschen leid, den beschäftigen Personalmenschen Zeit zu stehlen, aber hey, so verbessere ich meine Selbstdarstellung, bleibe in Übung und komme auch mal 'rum und ich kann meinem Arbeitsberater jeden Monat eine volle Liste vorzeigen.
Und so kam es, dass ich von dieser Firma eingeladen wurde, die einen Industriekaufmann mit technischen Verständnis für den Vertrieb in Wechselschicht sucht.
Ich habe weder technisches Verständnis, noch habe ich jemals im Vertrieb gearbeitet oder könnte Schichten leisten.

Leider wurde dieses ganze Gespräch zum Supermegaepicfail.
Es begann schon damit, dass der Personaltyp mich sichtlich angepisst mit den Worten "Was machen SIE denn hier? Ich habe gar nicht mit Ihnen gerechnet!" begrüßte.
Er bemängelte, dass ich den mir zugemailten Termin nicht bestätigt hätte. Oh. Shit.
Naja, no news are good news, oder?
Mein "Tja, hier bin ich nun! Überraschung!" quittierte er mit steinerner Miene.

Zur Strafe legt er mir Stift und Taschenrechner hin.
Ich musste tatsächlich einen Test schreiben!
Wie so 'n Azubi!

1. Teil: Politik.
Es wurden mehrere Minister abgefragt.
Wie gut, dass der Personaltyp raus war und ich mein Handy dabei hatte. Ich kann mir nur die Gesichter merken und keine Namen.
"Wirtschaftsminister ist dieser mopsige da, der neulich erst Vater geworden ist von seiner halb so alten Zahnärztin, Sie wissen schon!" und "Außenminister ist dieser nette, ruhige mit den Grübchen, der seiner Frau eine Niere gespendet hat! Ganz, ganz nette Leute sind das."
konnte ich ja schwerlich hinschreiben.

2. Teil: Mathe.
4 Arbeiter brauchen für 1 Brücke 12 Tage.
Wie viele Arbeiter braucht es, um in 8 Tagen fertig zu werden?


Ich rechne herum, aber 2,6666 und 347 scheint mir beides sehr falsch.
Rein gefühlsmäßig tippe ich auf 6.
(Wie sich herausstellt, ist das richtig!! Wen es interessiert: 4 x 12 = 48 : 8 = 6. Danke, facebooksche Schwarmintelligenz!)

3. Teil: Englisch.
Paar Sätze übersetzen, in denen es um Terminverschiebung, Auftragsbestellungen und Lieferschwierigkeiten geht.
Ein Klacks.

4. Teil: Physik.
"Nennen Sie den Unterschied von Hartmetall zu Stahl"
Da gibt's 'nen Unterschied? Ist Stahl kein Metall??
Hier leider keine Antwort meinerseits, weil das Handy zu lange rödelt.

5. Angaben zur Person
"Berufe der Eltern"
Im Ernst?!
Bin versucht, Rentnerin und Leiche einzutragen, entscheide mich aber für Journalist und Architektin, was den Typ tatsächlich beeindruckt. *augenroll*

Der Personaltyp scheint mit meinen Antworten im Test zufrieden.
Dann fordert er mich auf, zu erzählen, was ich über die Firma weiß.
Fuck.
Ich stottere was von "Computer kaputt", "alle gespeicherten Infos über die Firma gelöscht" und obendrein "Handy defekt".
"Aber was wir herstellen wissen Sie?"
- "Sie ..äh.. arbeiten ..äh.. im ..äh.. Metallwarenbereich." Das tun so Firmen ja meistens.
"Wissen Sie denn, wofür die Abkürzung MDS im Firmennamen steht?"
- "Ja, äh.. klar, ähm.."
Aber er erklärt's lieber selbst: "Martin Dunker, so heißt der Chef, Sauerland."

Ich bin sicher, spätestens jetzt fordert er mich auf zu gehen.
Aber nein, er legt die o.g. Dinger vor mir auf den Tisch, die ich benennen soll. Zusätzlich soll ich noch eine Technische Zeichnung auswerten.
("Ich sehe ..äh.. eingezeichnete Winkel und ..äh.. Maße und Materialangaben")

Finally will er wissen, wieso ich so lange arbeitslos sei.
(Ja, ha ha!)
Eigentlich könnte ich nun sagen, dass ich gerade erst  meinen Erziehungsurlaub beendet habe, aber da er eh die ganze Zeit schon so entgeistert bis pissed guckt, habe ich Angst, dass ihn bei der Erwähnung eines Kleinkindes der Schlag treffen und er mit dem Gesicht auf die Glasplatte des Hartmetalltisches aufschlagen könnte.
Also stottere ich was von "Och... hab's nicht eilig... warte auf richtig tolles Angebot...bla..."
- "Aha, und wieso haben Sie sich ausgerechnet bei uns beworben?"
Nun kann ich ja schlecht sagen "Weil Sie eine alteingesessene Firma mit spitzen Renommé sind.", also sag ich  schlicht: "Sie bieten einen Arbeitsplatz - ich suche einen."

Holy Shit!
NOCH NIEMALS habe ich mich so dermaßen blamiert.

Ich würde zu gerne wissen, was der arme Kerl abends seiner Frau erzählt hat... Vermutlich bin ICH Schuld, wenn er sich in den Schlaf geweint hat, statt seinen ehelichen Pflichten nachzukommen. 

Das Vorstellungsgespräch am Vortag war dagegen ja nahezu kuschelig! Dort bekam ich Kaffee und Visitenkarten angeboten und den beiden Chefs war es fast ein bisschen peinlich, dass die freie Stelle Arbeit abverlangen würde.

Übrigens, bei den rätselhaften Dingsbümmern oben handelte es sich um Flachwalzbacken und Kopfstempel.
Nun ja, who cares?
Maybe the one, der diesen Job machen will...? Ich also nicht.

Die Firma sucht übrigens immer noch bzw. wieder.
Wer Interesse hat - bitte melden :-)
Testaufgaben sind ja nun bekannt.


So, nun entschuldigt mich, nächste Woche stelle ich mich bei der Stadtverwaltung vor und muss noch die Namen aller Beschäftigen samt Sachgebiet und Durchwahl auswendig lernen, denn SO blamieren will ich mich nie wieder!


Label: Vorstellungsgespräch