Mittwoch, 12. Januar 2011

"Mama, was ist fisten?"

fragt der Sohn beim Mittagessen.

Ich: Öööhhhmm... ääähhh... Weiß ich nicht.

Er: Klar weißt Du das, sonst würdest Du jetzt nicht so erschreckt gucken!

Ich: Nee, echt jetzt, keine Ahnung!

Er: Ich google das!

Ich: Nein!

Er: Doch! Bei "Google Bilder"!

Ich: Auf gar keinen Fall! Fisten ist so eine Art ..äähh..ööhh.. Sexualpraktik.

Er: Und was für eine?

Ich: Keine Ahnung. Sowas weiß eine Dame nicht und in Deinem Alter muss man das eh nicht wissen! Und nun iss Dein Gemüse!

Er: Pfff! Dann frage ich eben morgen meinen Biolehrer, den Herrn Schött.

Ich *froh, wieder ein Erziehungsproblem ans Fachpersonal abwälzen zu können*: Tu das, Kind!

Er: Ja, ich werde sagen: 'Herr Schött, können Sie mir erklären was fisten ist? Meine Mama sagt nämlich immer zu meinem Papa: Komm', lass' uns mal wieder richtig fisten!'. Harharhar!

Hach ja, Kinder - unermesslicher Quell 
unfreiwlliger Schweißausbrüche der  Freude...


Nachtrag 13.01.11:
PS: Sohn wollte mit dieser ERFUNDENEN! Mama-Papa-Story die Erklärung von mir erpressen! Ich praktiziere das nicht und weiß daher wirklich nicht, ob fetthaltige Gleitmittel sich besser eignen als die auf H2O-Basis!!! Also bitte keine Anfragen diesbezüglich mehr mailen!

Montag, 10. Januar 2011

Tot in Wickede...

Neulich verstarb meine Ururgroßerbtante siebten Grades, Tante Theodora, kerngesund mit 92 Jahren und musste nun beerdigt werden.
Beerdigungen sind ja grundsätzlich kein Burner (obwohl - manche schon, wenn ihr versteht...), aber wie Tante Theodora unter die Erde gebracht wurde, war unter aller Sau.

Am Tag der Beerdigung fuhr ich also in Theas Heimatstadtkaff Wickede, nahm in der Kapelle Platz und harrte der Dinge, die da kommen sollten.

Der Pfarrer (ein knöcherner, komplett spaßbefreiter Endfünfziger) und 2 Messdiener betraten die Szene.
Die Aussegnung begann.
Der Pfarrer leierte gelangweilt und nuschelig seinen Sermon im typisch katholischen Sinne von "Gottes blutiger Bannstrahl der Rache wird alle Ungläubigen treffen" herunter.

Er betet noch kurz was, es wurde kein einziges Lied gesungen und die einzigen persönlichen Worte waren:
"Frau Theodora wurde am letzten Montag in ihrem 92. Lebensjahr aus unserer Mitte gerissen."
Kein Wort darüber, dass sie 48 Jahre in ihrem Beruf als Kinderkrankenschwester aufging, dass sie die örtliche FrauenFürFrauen-Gruppe ins Leben gerufen hatte, dreifache Europameisterin im Reticellaklöppeln war, oder dass sie, obwohl 42 Jahre lang Schnupftabaknutzerin, eine intakte Nasenscheidewand mit ins Grab nimmt. Nix.

Gegen Ende des Geleiers betrat das Leiden Christi, in Gestalt von 6 Sargträgern, die den Altersdurchschnitt in schwindelerregende Höhen trieben, die Kapelle. 
Jeder quasi selbst schon mit 1,5 Beinen im Grab, dazu allesamt hager und leichenblass.
Bis auf einen: der hatte einen Touch ins zirrhosengelbe. Schnell überschlug ich im Geiste die Eintragungen in meinem Impfbuch - war Hepatitis dabei?
Meine Güte, wer hatte denn die gecastet?!

Pater Demian hatte zuende geleiert, die Sargträger hievten Thea auf ein Wägelchen und schoben mit ihr von dannen. Der Pfarrer schubste die vor ihm gehenden Messdiener und zischte:
"Los, los, los! Ich habe heute noch 3 Beerdigungen!"

Der Trauerzug ging gemäßigten Schrittes raste also hinter dem Sarg her. Irgendwann kam eine Bodenkante, die es zu überwinden galt. Für junge, kräftige Burschen wäre das kein Problem gewesen, für die 6 Methusalixe schon. Und weil das Wägelchen schräg auf die Kante zurollte, hing zuerst 1 einzelnes Rad über der Kante in der Luft.

Durch dieses Ungleichgewicht neigte sich der Wagen plötzlich zur Seite und der Sarg kam ins Rutschen.
Ein Raunen ging durch die Menge und es hat echt was sehr stranges, wenn ein Trauerzug plötzlich unisono "Ouuh!" in die Stille hinein macht.
Die Unholy Union packte den Wagen zwar rechtzeitig, aber er rumpelte und holperte heftigst über die Kante und es ist sicher, dass Theodora auf alle Ewigkeiten schief in Frieden ruhen wird!

Am Grab angekommen wurde der Sarg auf über der Öffnung liegende Bretter gestellt. Das Sixpäck packte die Seile, hob an, jemand zog schnell die Bretter darunter weg und der Sarg wurde abgelassen. 
Für junge, kräftige Burschen wäre das kein Problem gewesen, für die 6 Methusalixe schon: einem rutschte das Seil aus der Hand und die arme Thea befand sich schon wieder in Schieflage.
Wieder raunte die Menge und wieder war das sehr strange.

Der Pfaffe leierte ein Gebet 'runter, fragte anschließend: "Wer aus dieser Runde wird Frau Theodora wohl als Nächster folgen?", segnete kurz herum, verabschiedete sich dann mit einem knappen "Beileid!" und stürmte über den Friedhof von dannen.

Da ich ein Blumengesteck im Auto vergessen hatte, stürmte ich hinterher. Zufälligerweise parkte der Gottesmann direkt neben mir und so bemängelte ich, dass das gerade ja wohl eine sehr unpersönliche Beerdigung gewesen sei.
Er: "Ich hatte eben nicht mehr Informationen über die Verstorbene; es kam ja zu keinem Trauergespräch, weil die Tochter zu weit weg wohnt."
Ich: "Wie bitte? Sie wohnt 15 km entfernt. In einem Altenstift. Normalerweise kommt doch der Pfarrer bei Trauerfällen ins Haus, oder nicht?!"
Er: "Die Tochter gehört aber nicht zu meiner Gemeinde und ich kann schließlich nicht zu JEDEM nach Hause fahren!"
Äh... reden wir hier von Berlin-Mitte oder von Wickede-Ruhr?!
Da sterben die statistischen 3 Leichen, die in Wickede per annum anfallen, zufällig alle an 1 Tag und dann verliert er derart die Contenance?!
So ein dummes Arschloch!

Ich schnappte mein Gesteck und ging zurück zum Grab. Die Trauergemeinde war auf dem Weg zum Leichenschmaus und der Friedhofsgärtner buddelte bereits mit einem winzigsüßen Minibagger das Grab zu.
Als er mich näherkommen sah, bölkte er ungefragt:
"Tja, da sind 'Se wohl zu spääät! Die Beerdigung is' schon vorbei! Die war um 2. Müssen 'Se halt pünktlicher sein!"

Ey, ham die Polyhydrochlorethylen im Trinkwasser oder was geht in Wickede ab?!
"Mein lieber Herr Gesangverein!" würde Thea jetzt entrüstet sagen.
Ich hatte ordentlich Blutdruck, sprang zurück ins Auto, um schnellstmöglich die Stadtgrenze zu erreichen, bevor mich ein Schlaganfall dahinrafft und ich womöglich in Wickede beerdigt werden muss!
Wer oder was wird eigentlich alles zum Theologiestudium zugelassen?!

Und war das nun typisch katholisch oder typisch Kaff?! 

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Morgengenörgel

Vor(!!) meinem ersten Kaffee schallte mir heute Morgen Nacht um 6:58 aus Sohns KinderJugendzimmer ein Schrei des Entsetzens entgegen:

"MAMA - meine neue Unterhose ist ja viel zu klein!"

Ich: "Steht ja auch dran, ne?!" (-> Calvin Klein)

Was soll man denn darauf auch antworten, bitteschön?

Ein nett gemeintes "Dann nimm eben eine von den alten, mit den putzigen Querstreifen von Ernstings!" käme ebensowenig gut an, wie ein gehässiges "Pech!", oder wie ein oberlehrerhaftes "Die Kinder in Indien haben GAR KEINE Unterhosen!" oder ein gekichertes "Soll ich Dir eine von meinen leihen?".

Seine gefluchte Antwort wiederhole ich hier nicht, bin schließlich eine Lady!

Und weil Sohn es überhaupt nicht schätzt, wenn ich hier über ihn schreibe, werde ich auf keinen Fall erzählen, wie er mich eines Morgens in den Ferien im Büro anrief, um mir mitzuteilen, dass ICH Schuld sei, dass er das Haus nicht verlassen könne, weil er keine sauberen Socken mehr hätte!
Tja, das kann schon mal passieren, wenn man die getragenen nicht ordnungsgemäß in den Schmutzwäschekorb, sondern unter's Bett pfeffert.
Natürlich hat die kleine Petze das direkt unserm Oppa erzählt, nachdem ich Rabenmutter nach einem mitleidslosen: "Ich hoffe, das wird Dir eine Lehre sein!" einfach aufgelegt hatte, der 15 Minuten später mit quietschenden Reifen, einem frisch gekauften 6er-Pack Socken und dem entrüsteten Ausruf:
"Das kann doch nicht sein, dass der Junge nicht genug Socken hat!" vorgefahren kam.

Und natürlich erwähne ich hier NICHT die 5 Turnbeutel, die in 7 Schuljahren verschütt gingen.
Und ich werde NICHT über den Vorfall neulich am Flughafen berichten, als Sohn & SoVa am Zoll herausgewunken wurden, weil der Zollbeamte nicht glauben wollte, dass die 10 im Türkeiurlaub erstandenen Puma-Sporttaschen NICHT für gewerbliche Zwecke wären, sondern rein prophylaktisch.

Montag, 29. November 2010

Sexuelle Belästigung - ganz legal

Heute Morgen war ich als Erste im Büro und da ja bekanntlich die Adventszeit angebrochen ist, habe ich mit viel Hingabe unser Büro weihnachtlich geschmückt.
Unter anderem habe ich an alle Bildschirme kleine Schokoengel geklebt, ausser an den von Hendrik.
Hendrik ist stark übergewichtig und grade am Abnehmen. Und da ich ihn nicht unnötig in Versuchung führen wollte, hat er natürlich keinen Schokoengel vor die Nase geklebt bekommen.
Die übrigen Engel hängte ich an die mannshohe Zimmerpalme.

Dann trudelten die Kollegen ein.
Alle bewunderten meine Deko und bedauerten meine Vorschrift, dass die Schokoengel erst am letzten Arbeitstag vor Heiligabend gegessen werden dürfen.

Dann meckerte Hendrik:
"Wieso habe ich keinen Schokoengel?!"
Ich: "Du machst Diät, da ist Schokolade nicht erlaubt."
Er: "EINE Ausnahme darf ich wohl machen! Sag' bloß, jetzt haste keinen Engel mehr übrig?"
Ich *auf die Pflanze deutend*::

"Schüttel' Dir doch einen von der Palme!"

Muharhaaar!!!

Toll, dass frau mal Gelegenheit hat, so 'nen Spruch völlig legal sagen zu dürfen!

Freitag, 26. November 2010

WANTED: Echte Großmutter

"Backt eine von euch Weihnachtskekse für mich mit?"
fragt Nachbarin Petra beim allwöchentlichen Kaffeeklatsch und knallt eine Tüte Aldi-Spekulatius auf den Tisch.
"Lass' das doch die Oma machen", schlage ich vor und erfahre, dass die in Frage kommende Oma (69) sich für 4 Wochen in die warme Türkei abgesetzt hat.
"Natürlich ist sie pünktlich zum Heiligabend wieder da und lässt sich von mir gemütlich durchfüttern", meckert Petra.

"Meine Mutter hat noch NIE zur Weihnachtszeit gebacken", motzt auch Sibylle.
"Ich habe die Kinder, den Uwe, den Job, Diabetes und muss nu backen, während Madame (66) sich die pensionierten Eierstöcke schaukelt! Neulich habe ich ihr einen Stapel Klamotten zum Flicken gegeben. 'Kein Problem!' hat sie gesagt und alles zu ihrer Schneiderin gebracht! Wenigstens hat SIE das bezahlt."

"Mich nervt das schon lange!", mischt sich Suse ein. "Weder meine Ma (70), noch Schwiegerma backen, kochen, stricken oder nähen. Und wenn SchwieMa (72) zum Geburtstag lädt, kommt eine Tiefkühltorte auf den Tisch! Zum Backen keine Zeit, aber nächtelang im Bridge-Club 'rumlungern!"

"Das kann ich toppen," behauptet Justina und erzählt: "Neulich musste ich kurzfristig zum Arzt, wollte aber die Kleine nicht alleine lassen. Ich fragte meine Mutter (71), ob ich sie bei ihr parken könne und ob sie ihr bei der Gelegenheit die im Handarbeitsunterricht gelernten Stäbchenmaschen nochmal zeigen könne. Mutter lehnte ab mit der Begründung sie wäre online mit GrandSeigneur4711 verabredet. Einem netten älteren Herrn, den sie im Chatroom eines Spieleforums kennengelernt hätte und der ihr bei einer sehr verzwickten Stelle in 'Zeldas Twilight-Princess' (Wii) weiterhelfen könne. Und da Zelda erst ab 12 ist, wäre die Anwesenheit der Kleinen (8) eher hinderlich."

Ein empörter Aufschrei geht durch unsere Runde. Skandal!

"Es geht noch weiter!", fährt Justi fort. "Also habe ich SchwieMu (67) angerufen. Die hat mir abgesagt, weil ihre 1. Stunde Bogenschießen stattfinden würde. Wozu muss die alte Schachtel Bogenschießen lernen? Will sie nach Sherwood Forest auswandern oder was?!"

Ich denke an meine eigene Mutter (64), die tatsächlich lieber quer durch Deutschland Jagd auf den neuesten Joop-Bootie machen würde, statt gemütlich in der warmen Küche Kekse zu zaubern.

"Meine Oma hat tonnenweise Weihnachtskekse gebacken," erinnere ich mich und seufze wehmütig.
"Meine Oma hat zu ihrem Geburtstag immer tolle Torten gemacht," erinnert sich Petra und seufzt wehmütig.
"Meine Oma hat uns jahrzehntelang bestrickt mit Mützen, Handschuhen, Kleidern, Pullis, Röcken", erinnert sich Suse und seufzt wehmütig.

In Erinnerungen versunken knabbern wir still an unseren Spekulatiüssen.
"Ehrlich gesagt," bricht Petra das Schweigen, "haben die Torten meiner Oma furchtbar geschmeckt. In der Schwarzwälder war Schnaps und meistens gab's noch eine Mokkakremtorte dazu. Zeig' mir mal ein Kind, das gerne Mokka oder Kirschlikör mag."
"Meine Oma hat irgendwann nur noch Freestyle gebacken, weil sie irrtümlich meinte, nach so langer Backerfahrung bräuchte sie keine Rezepte mehr. Die Weihnachtskekse haben wir meist komplett entsorgt, weil sie steinhart waren und nach nix schmeckten", gebe ich zu. 
Und Suse fällt ein: "Als Teenager haben wir uns für diese kratzigen, grellbunten und viel zu knapp gestrickten Klamotten echt geschämt."

Trotzdem: Wo sind sie geblieben? Die Omas -UNSERE Omas- die für ihre Enkel -UNS- backten, kochten, strickten, nähten?

Was ist passiert innerhalb der Uroma- & der Oma-Generation?
Wie konnte es nur von "Kommt und setzt euch an meinen liebevoll gedeckten Tisch!" zu "Hier haste 'n Gutschein für Mc Donalds!" kommen???