Montag, 16. April 2012

Der Maître & die Pappenheimer

Nach mehrstündiger und erfolgloser Jagd auf Konfirmationskleidung, enden Elvis und ich spätnachmittags völlig erschöpft, desillusioniert und unterzuckert in Heidemarie's-Schlemmerstübchen, einer kleinen Imbissbude an der Ausfallstraße zur Großen Stadt.

Der Herr gönnt sich "Schweinefiletmedaillons Hawaii mit Früchten, Sauce Hollandaise und Kroketten" für 9 Ocken, während Muddi bescheiden Currywurst Fritten für Zwofuffzich bestellt.

Nach meiner Komplettlektüre des Sauerländer Boten (-> 20 Minuten), ist das Essen immer noch nicht fertig.
Ich vermute, Heidemarie musste schnell 'rüber rasen zu Metzger Finke, um Elvis' Wunsch nachzukommen.

Hungrig bis zum Anschlag schnauze ich ihn an:
"Da dauert nur so lange, weil Du sowas Extravagantes bestellt hast! In einer Pommesbude!"

Elvis *vom Sportteil aufschauend*:
"Wieso? Was hatte ich noch mal bestellt?"

Das nur zum Thema:

Und sonst so?!
Ach ja, in meiner Not rief ich die Mutter des einzig anderen Riesen unter den Konfirmanden an, in der Hoffnung, dass sie mir im Projekt Brobdingnager Sakko weiterhelfen könnte.
Sie erklärte mir, völlig relaxed, dass sie erst 3 Tage vorher mit ihrem zu C&A fahren wolle, um böse Überraschungen im Falle eines urplötzlich einsetzenden Wachstumsschubes zu vermeiden.
Ich klärte sie kurz über die Festmodenabteilung bei C&A auf.
"Waren Sie schon bei Karstadt?" fragte sie.
Ich: "Ja, nicht passendes."
Sie: "Galeria Kaufhof?"
Ich: "Nichts!"
Sie: "Peek & Cloppenburg?"
Ich: "In der Größe derzeit nur taupe."
Sie: "Anson's?"
Ich: "Viiiiiel zu teuer!"
Sie: "SinnLeffers?"
Ich: "Nüscht!"
Sie: "H&M?"
Ich: "Da waren wir nicht. Ich glaube die führen so Erwachsenenklamotten wie Sakkos gar nicht."

Je mehr ich verneinte, desto ängstlicher klang sie.
Tja, warum soll nur ich alleine paniken?

Was soll ich nur tun, wenn ich tatsächlich KEIN Sakko für ihn finde?
Er kann doch unmöglich in Strickjacke oder nur im Hemd gehen!
Was soll denn der Pfarrer denken?
Und wie sieht das dann später auf den Fotos aus?
Und was werden die Tanten und Ommas und Kusinen sagen, die alle in Kostüm und Rüschenbluse kommen werden und die ALLE damals für ihre Söhne passende Scheißsakkos gefunden haben?!

Oh Gott, ich glaube, ich werde das Land verlassen müssen...

...to be continued...

Donnerstag, 12. April 2012

Konfirmation - Der Countdown läuft

Naiv wie ich manchmal bin, dachte ich, so 'ne Konfi zu wuppen ist ein Klacks und organisatorisch gesehen ist es das ja auch:
Menschen einladen. Restaurant buchen. Menüs klarmachen.
Torten bestellen. Klamotten kaufen. Fertig!
Aber nervlich gesehen - oha!

Vorgestern im Restaurant unseres Vertrauens:
Der Maître zieht mir den Zahn, à la carte essen zu wollen.
Als (billige) Ausrede führt er an:
"Dann wissen manche hinterher nicht mehr, was sie bestellt haben und dann geht vieles zurück und es gibt ein Riesendurcheinander."
Hallo?! Wir sind doch kein Haufen grenzdebiler Idioten, die nach 10 Minuten nicht mehr wissen, was sie essen wollten.
Warum sagt er nicht einfach, dass das kochtechnisch für ihn nicht zu schaffen ist?
Er schlägt Plattenfraß vor.
Platten will ICH nicht: ehe jeder Gast etwas auf dem Teller hat, ist es lau.
Nachdem er mit versicherte, dass die heutigen Rechaudlämpchen nicht mehr so penetrant nach Petroleum stinken, willige ich in ein warmes Buffet ein.
Hmpf. Wehe er hat gelogen!

Gestern Nachmittag beim Konditor:
Ich bestellte eines dieser hübschen Tortenbücher.
Aufgrund der Gästezahl fällt die Torte entsprechend groß aus und bietet somit nicht nur Platz für Datum und Namen, sondern auch für den Konfispruch.
Konditor: "Wie lautet denn Dein Spruch?"
Elvis: "Äääh... 62.2."
Konditor: "Was 62.2? Psalm 62.2? Jesaja 62.2?"
Elvis: "Öööh..."
Der Konditor zückt hilfsbereit sein Handy, hackt darauf herum und fragt schließlich:
"Ist es: 'Nur auf Gott vertraut still meine Seele, von ihm kommt meine Hilfe'?
Elvis: "Kann sein... Da muss ich nochmal den Pfarrer fragen."
Himmel hilf!
So schusselig, wie Elvis manchmal ist, handelt es sich garantiert um 22.6.
(Der Schock darüber, dass die Torte 90 Ocken kostet, hat mir kurzzeitig das Gedächtnis lahmgelegt! Falls sich jemand wundert, dass die Mutter des Konfirmanden den Spruch auch nicht weiß!!)
Egal, Spruch kann nachgereicht werden.

Heute bei C&A:
Irgendjemand hat mal das Gerücht in die Welt gesetzt, dass C&A schicke Festmode für wenig Geld anbietet.
Wie gesagt: Gerücht.
Für die Damen gab es 1 (nuttiges) Cocktailkleid, das aber in 7 verschiedenen Farben (und wieder bin ich sehr froh, dass ich kein Mädchen habe!).
Für die Herren 4 Blazer in den Farben tiefschwarz, nochtieferschwarz, nachtschwarz und metallicschwarz.
Elvis, das olle Fashionvictim, hat ohne zu Murren alle Größen anprobiert, aber keine passte so richtig!
Wenn die Ärmel lang genug waren, waren die Schultern zu breit und wenn die Schultern perfekt saßen, schlabberte das Sakko hinten.
Wieso schlabbert das Sakko hinten, wenn es oben gut passt?
Muss das so?!
Da Männer in Anzügen noch nie zu meinem Beuteschema gehörten und ich als Dame auch keinen fremden Männern hinterher gucke, weiß ich sowas nicht!
Ich hätte gerne das C&A-eigene Fachpersonal dazu befragt, aber in der kompletten Etage gab es keine einzige Verkäuferin, nur die Kassiererin und die durfte nicht von der Kasse weg.
Rüber zu Karstadt! Dort anprobetechnisch dieselbe Nullnummer. Dort war zwar eine Verkäuferin, die gab aber zu, keine Ahnung zu haben, ob das Geschlabbere im Rücken so sein darf/muss/kann.
*seufz*
Wieso ist Elvis nicht einfach klein & mopsig wie sein Vater und passt in Größe 54?
Nein, er kommt ganz nach mir: edel hochgewachsen, schlank, athletisch.

Ich war genervt, Elvis auch, also Blazerkauf auf später verschoben.
Dann fiel mir ein, dass somit Jeans-, Hemden-, Krawatten- & Schuhkauf ja ebenfalls verschoben werden müssen, denn zuerst muss der Blazer!
Sollte nämlich der einzige Blazer, der ihm passt, nachtblau sein, würden keine schwarzen Schuhe oder schwarze Jeans dazu passen.
*Ächz*
Als ich dem SoVa davon erzählte, meinte der nur:
"14-jährige in Cocktailkleidern und Anzügen sehen immer beschissen aus, weil Teenager so unförmig sind. Da wird ein schlabberiges Sakko gar nicht auffallen!"

Also nach Hause und das Kind erstmal richtig ausgemessen.
Womöglich müssen wir einen Laden für Übergrößen suchen. Immerhin ist er riesengroß und megadünn.
Die Daten also in den Konfektionsgrößenrechner eingegeben und was kam als Ergebnis heraus?!
"Mit diesen Maßen kann keine Größe errechnet werden!"
Ja, ganz dufte!

Morgen muss eine größere Stadt herhalten: Hagen oder Dortmund.
Und das, wo ich live-shopping so hasse!

Und sonst so?!
Ach ja:
gestern fand der Infoabend für die Eltern statt.
Von 30 Konfirmanden waren 5 Mütter da.
Für den angebotenen "Kinoabend mit anschließender Nachtwanderung und Übernachtung im Gemeindehaus", der für alle 100 Konfirmanden der ganzen Stadt galt, hatten sich 4 angemeldet.
Der Pfarrer weiß sich keinen Rat für dieses extreme Desinteresse der diesjährigen Konfirmanden und hält sich für einen Versager.
Ich persönlich finde ihn ganz amüsant und seine Predigten sind alles andere als langweilig.
Aber gut, ich bin 44 und nicht 14.
Hoffe sehr, dass der arme Kerl sich nicht die Kugel gibt, wenn Elvis ihn quasi 3 Tage vor der Konfi nach seinem Bibelspruch fragt.

Da hilft nur beten beten beten...

Sonntag, 26. Februar 2012

Ein Arzt! Ein Arzt!

Ich gehöre noch zu der Generation Frauen, denen von ihren Großmüttern, Urgroßmüttern, Tanten und Großtanten von klein auf eingebleut wurde, dass ein Arzt als Ehemann DAS Nonplusultra sei.
Hast Du einen Arzt zuhause, gehst Du als
"die Frau Doktor" garantiert sorgenfrei durchs Leben; nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch, was Ruhm, Ansehen und Ehre betrifft.
Wie kommt das bloß?
Gut, die Kerle retten Leben, aber das tun Feuerwehrmänner auch! Und wurde jemals eine junge Maid dazu genötigt einen Feuerwehrmann zu ehelichen? Nö.

Meine Ahninnen gehörten zu einer Generation, die ehrfürchtig erstarrten, sobald der Gott in weiß den Raum betrat.
Was meist zur Folge hatte, dass man, so als Salzsäule, den Worten des Doktors vor Aufregung nicht richtig folgen konnte (nachzufragen verbat sich von selbst; wenn der Doktor sprach, schwieg man andächtig!), anschließend völlig minderinformiert die Praxis wieder verließ und auf den Doc als Quacksalber schimpfte.
Aber nur bis der nächste Arztbesuch anstand.

Meinen ersten und bisher einzigen Arzt hatte ich mit 19.
Er war 26, der Bruder meiner besten Freundin, AiPler und monatelang schwer verliebt in mich.
Ich war nicht besonders beeindruckt.
Er war mir lästig in seiner ständigen Hilfsbereitschaft mir gegenüber und seine Begeisterung für mich hatte merkwürdige Züge:
Nachdem ich ihn nach unserem 1., einzigen und stinklangweiligen Date angeschrien(!) hatte, dass aus uns nie was werden, weil ich ihn doof finden würde, überreichte er mir 3 Tage später, zu meinem Geburtstag, einen riesigen Blumenstrauß mit den Worten
"Ich werde niemals aufhören, um Dich zu kämpfen!".
("Niemals" bedeutete in diesem Fall: 6 Wochen später. Da zog er ins 400 km entfernte Heidelberg, um dort eine Stelle in einer Kurklinik anzunehmen und ward nie wieder gesehen.)
Er trug eine riesige Glasbausteinbrille unroch wie unser UrOppa Jurgis.
UrOppa Jurgis war zwar ein lieber Typ, aber als 92-jähriger Zigarrenraucher und Kernseifennutzer riechste halt nicht so angenehm.
Das waren für unser UrOmma und ihre Schwester, Großtante Bertha, natürlich keine Gründe, einen ARZT! als Freund abzulehnen:
"Sei nicht so wählerisch! Der Mann ist ARZT! So einen lässt man doch nicht abblitzen!" oder
"Kind, versuch's doch wenigstens mit ihm! Der Appetit kommt beim Essen!" oder
"Ein langweiliger Arzt ist besser als gar kein Mann!"
Nie wieder wurde ich von meinen Ahninnen derart in eine Beziehung gedrängt!

Mittlerweile weiß man:
Ärzte sind ja leider auch nur normale Menschen, ergo überbewertet.
Kaffeeklatschkollegin Greta ist seit 3 Jahren mit einem Allgemeinmediziner liiert.
Der Typ liegt ihr zu Füßen. Will mit ihr zusammenziehen, hat ihr sogar einen Heiratsantrag gemacht. Aber Greta lehnt  ab:
Sie ist überzeugt, dass eine gemeinsame Wohnung die Beziehung ruiniert und dass der Herr Doktor (immerhin schon Ende 40) sie nicht so oft und hengstgleich besteigen würde (ja, sorry, O-Ton Greta!!), wenn die beiden zusammen wohnen täten.
Die 2 haben noch nie gemeinsam übernachtet, außer im Urlaub.
Einzige Ausnahme:
nach einer Portion oller Champignons im Restaurant wurde Greta so schlecht, dass sie ihn bat, bei ihr zu bleiben.
Er hat sich fürsorglich zu ihr gelegt, Händchen und Eimer gehalten, Stirn gewischt etc. und als sie sich ausgekotzt hatte, fing er tatsächlich an, sie zu befummeln!
Und als sie, schon kurz vorm Licht, hauchte:
"Lass' mich, ich bin krank!" hatte er ihr verführerisch ins Ohr geraunt:
"Keine Sorge, ich bin Arzt!" und frech weitergefummelt!
Über diesen pornofilmeresken Spruch musste Greta so lachen, dass sie sich direkt nochmal übergeben hat.

Tjahaaa! Von wegen:
Der Arzt - edler Freund & Lebensretter!
Halbgott in Offwhite würde ich sagen, UrOmma, ne?!

Wie komme ich eigentlich jetzt darauf?

Ach ja, letzte Woche war ich bei meinem Hausarzt.
Irgendwann während dieses Termins kniete er vor mir und ich musste ihm anschließend hochhelfen.
Seitdem überlege ich:
Wieso zur Hölle kniete der Doc eigentlich vor mir?!?!
War ihm etwas 'runter gefallen?
Hat er mich untenrum untersucht?
Ich kann mich nicht erinnern, verdammt nochmal!
Er wird mir doch wohl keinen Heiratsantrag gemacht haben, während mich gerade eine demente Episode überfiel?!
Au wei, UrOmma würde sich im Grabe rumdrehen...


Dienstag, 14. Februar 2012

Outfit des Grauens - Pelzmonster

"Boah, Mama!", motzt das Teentier. 
"Hättste Dir nicht ein paar COOLE Stiefel kaufen können, wie alle andern auch?"
Ich kontere mit dem Spruch, den ich in seinem Alter immer dann von meinem Vater zu hören bekam, wenn ich mich über eins seiner ultrahäßlichen Winteraccessoires lustig gemacht hatte:
"Funktionalität, mein liebes Kind, geht selten einher mit schöner Optik. Und bei Schnee ist mir ein warmer Fuß lieber als ein schicker!"


Zugegeben, ich hätte mir ja gerne ein paar schöne Stiefel gekauft, aber mitten im Winter gibt's nur FlipFlops, und dann muss man eben nehmen, was noch da ist.

Genau, den Ladenhüter:



"Welche Marke is'n das überhaupt?",
höhnt Elvis weiter und schielt auf die Inschrift.
"Kangaroos? LOL, das passt ja! Die Dinger, die da baumeln sehen nämlich aus wie die Känguruklöten, die sie im Dschungelcamp immer fressen müssen!"



"Kangaroo-Stiefel sind Mount-Everest getestet!", kläre ich ihn auf.
Wenn das keine Supervoraussetzung für einen guten Winterschuh ist, dann weiß ich auch nicht!
"Du kletterst aber gar nicht auf den Mount Everest", argumentiert er völlig unsachlich.
"Du gehst bei der Kälte höchstens zur Garage, fährst zu Edeka und wieder zurück."


Nichtsdestotrotz halten die Dinger enorm warm! Was will man mehr?!
Trotzdem: werde mich im Mai mal nach richtig schönen Schneestiefeln umsehen...

Sonntag, 4. Dezember 2011

Outfit des Grauens - Peruanischer Panflötenpulli

Leider wieder ein Fehlkauf.
Dabei sah der Pulli im Katalog so putzig aus!



Zweimal getragen, einmal gewaschen.
Das Ding schlabbert an den unmöglichsten Stellen.
Und kratzt!

Ich habe darin große Ähnlichkeit mit diesen peruanischen Panflötenspielern in der Fußgängerzone.
Nur ohne Flöte.
Und schwanger.

Ich habe neulich noch 29 Ocken dafür hinblättern müssen, jetzt wurde das Dings reduziert auf 9!!
Wahrscheinlich, weil ich die Einzige war, die dieses Teil bestellt hat...