Montag, 14. Februar 2011

Beziehungsballett

Die kulturell-zwischenmenschliche Entwicklung innerhalb einer Beziehung:

Nach 4 Wochen:
(Man macht noch alles mit, was der andere vorschlägt, um einen guten Eindruck zu vermitteln und in der Hoffnung auf 'ne tolle Nummer.)

Ich:
Nächste Woche wird im Stadttheater das Ballett „Cinderella“ aufgeführt. Sollen wir uns das ansehen?

Er:
Ballett?? Hmm… Klar, wenn Du sowas gerne siehst, lass' uns hingehen.
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Nach 2 Jahren:
(Man schwächelt bereits, was „guten Eindruck vermitteln“ betrifft und der Sex ist einem eh sicher.)

Ich:
Nächste Woche führt meine alte Ballettschule im Stadttheater das Ballett „Giselle“ auf. Sollen wir uns das ansehen?

Er:
Schon wieder? Wir waren doch neulich erst im Ballett. Außerdem kenne ich die Blagen doch gar nicht!

Ich:
1.       Ist das 2 Jahre her und
2.       auch wenn man die Eleven nicht kennt, wird die Aufführung sicher schön!

Er:
Ach? Naja, wenn Du unbedingt willst, lass' uns halt hingehen.
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Nach 4 Jahren:
(Man kennt sich bereits in & auswendig und lügt ohne mit der Wimper zu zucken, wenn es um die Durchsetzung eigener Interessen geht. Sex ist schließlich nicht alles...)

Ich: *tricky*
Nächste Woche wird im Stadttheater ein interessantes  Stück aufgeführt. Sollen wir uns das ansehen?

Er:
Worum geht’s?

Ich: *im Versuch, ihm den Nussknacker schmackhaft zu machen*
Och, um so’n Soldat, der gegen ein feindliches Regime kämpft, dabei seine große Liebe trifft und natürlich gegen den Diktator siegt…

Er:
OK. Lass uns hingehen.
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Nach 6 Jahren:
(Man hat keine Skrupel andere Familienmitglieder in seine Interessenkonflikte mit einzubeziehen.)

Ich: *tricky*
Nächste Woche wird im Stadttheater ein interessantes Stück  aufgeführt. Sollen wir uns das ansehen?

Er: *alarmiert*
Ein Ballett, nehme ich an…?

Ich: *im Versuch ihm „Peer Gynt“ schmackhaft zu machen*
Ähm, es geht um diesen Typ, Peer, und der...

Er:
Versuch’s erst gar nicht – die Plakate von „Peer Gynt - Das Ballett“ hängen überall in der Stadt. Wenn Du UNBEDINGT ins Ballett willst und niemand anderen findest, der Dich begleitet, DANN gehe ich mit. Ich schlage aber vor, Du fragst vorher meine Tante Anneliese, die steht auf sowas.

Ich hatte dann einen sehr schönen Abend mit Tante Anneliese, die eingefleischter  Opern- & Ballettfan ist und an denselben Stellen wie ich Tränen in den Augen hatte.
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Nach 8 Jahren:
(Man lungert lieber zu Hause herum, als den anderen zu begleiten und man fängt das Feilschen an. Und zur Not kann man ja auf die Travelling Pussy oder den Dinkydigger 2000 zurückgreifen)

Ich:
Nächste Woche wird im Stadttheater das Ballett „Giselle“  aufgeführt. Sollen wir uns das ansehen?

Er:
Hat Tante Anneliese keine Zeit?

Ich:
Keine Ahnung. Ich will aber mit DIR den Abend verbringen.

Er:
Och nöööö. Ich habe keinen Spaß daran, mir 2 Stunden sinnloses Gehopse von Männern in Strumpfhosen anzusehen.

Ich:
1.     Ist das kein Gehopse.
2.     Ist das nicht sinnlos.
3.   tu's doch mir zuliebe!

Er:
*Stööööhn*

Ich:
Ich hatte auch keinen Spaß daran, mir neulich Atze Schröders geschmacklose Witze anzuhören und bin trotzdem mit Dir hingegangen!

Er:
Das ist was ganz anderes: Atze spricht und macht Scherze.

Ich:
Eine Ballerina spricht auch – durch ihre Bewegungen…

Ich hatte dann einen sehr schönen Abend mit Tante Anneliese, denn ich will schließlich keinen gequälten Mann neben mir sitzen haben, der mit die Stimmung vermiest.
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Nach 10 Jahren:
(Der Eindruck, den man vermittelt, ist einem mittlerweile scheißegal und Sex - was ist das ?)

Ich:
Michael Flatley kommt nach Deutschland. Bock, Dir den anzukucken?

Er:
Flatley? Ist das nicht dieser Lord of the Dance?

 Ich:
Ja.

 Er:
Irischer Steptanz also. Sowas haben wir doch neulich im "MacGowan's Pub" schon mal gesehen.

Ich:
Ja, aber Flatleys Show erzählt eine ganz andere Story.

Er:
Story?! Tanz ist Tanz!

Ich:
Also: ja oder nein?

Er:
Ich finde Tanz scheiße. Die Aufführungen dauern ewig und sind stinklangweilig. Wenn Du unbedingt ins Theater willst, lass' uns den Profitlich angucken, der gastiert demnächst hier.

Ich: *resigniert seufzend*
Gib' mir mal das Telefon, ich rufe Tante Anneliese an.


Schröder, Profitlich, mein Gott –
Was habe ich nur jemals an diesem Kulturbanausen gefunden?




PS:
Liebe Männer, wer seine Lebensabschnittsgefährtin am Valentinstag um 5.47 Uhr weckt, um grandiosen Sex einzufordern, sollte mehr zu bieten haben, als eine Erektion und eine Tüte Gummibärchen!

Montag, 7. Februar 2011

Juliane von Knigge - Allgemeines

  • Ich mag nicht beim ersten Kennenlernen schon geduzt werden.
    (Auch nicht von einem OneNightStänder oder dem Rettungsassistenten, der mich 3 Stunden bei Laune halten muss, während die Feuerwehr mich aus einem brennenden Autowrack schneidet. Ja, sorry - aber da bin ich konsequent.)
    • Ich mag nicht von jemandem, den ich gestern erst kennengelernt habe, "Juli" genannt werden.
    • Ich mag nicht mit diesem BussirechtslinksUmarmungsQuatsch begrüßt werden! (Ich möchte wenigstens vorher gefragt werden, ob man mich derart bespringen darf und es ist mir SCHEISSEGAL, ob Franzosen sich mit 3, 6 oder 9 Küsschen begrüßen, Karla!) Dafür bin ich aber eine Befürworterin des straighten Handschlags.
    • Ich hasse "Maaaahlzeit" & "Guten Appetit" und werde darauf auch niemals antworten.
    • Was spricht eigentlich dagegen, Tischdecken zu bügeln, bevor man sie auf den Tisch legt?
    • Als Fan von Moritz Freiherr Knigge (ist der eigentlich noch Single?) und seinen Ahnen wünsche ich jemandem nach einem Nieser nicht "Gesundheit", sondern warte auf ein, in perfekter französischer Intonation vorgetragenes "Pardon" (aber wie's aussieht, warte ich wohl umsonst).
    • Wenn man sich zum Plaudern in meinem Büro aufhält, dann keinesfalls mit dem Hintern auf meinem Schreibtisch! Ja, das gilt auch für Dich, Chef!
    • Wenn ich in einem Gespräch die Worte roundabout /  Location / Get-together / auscashen / da bin ich ganz bei Dir / das ist nicht meins / etc. höre, klappen sich meine Öhrchen automatisch zu.
    • Einem Stift, Handwerker oder Lebensgefährten sage ich nach einer erledigten Aufgabe, dass er seine Arbeit gut gemacht hat, und keinesfalls dass er "einen guten Job gemacht hat".
      (Auch nicht, wenn es sich um einen Blowjob handelt. Der würde dann mit einem schlichten HUCH! honoriert.)
    • Falls derjenige dann artig Danke sagt, werde ich natürlich niemals mit dem aus dem Französischen heraus-pervertierten "da nich' für" antworten.
    • Beim "Perfekten Dinner", in Kantine/Café/Restaurant würde ich meinen Mitessern gerne die Caps & Hats von den verfilzten Scheiteln reißen (ham die alle keine Eltern, die denen sowas beibringen?).
    • ach ja und wenn ich nochmal im internet auf einen blog  kommentar forumsbeitrag oder sonstigen text stoße in dem interpunktion sowie groß und kleinschreibung ignoriert werden schieße ich wahlweise mir ins auge oder in den bildschirm wozu hat der liebe gott denn die punkte kommata und fragezeichen erfunden
    • In meiner Gegenwart zu furzen und zu rülpsen ist selbstverständlich tabu! Auch wenn es "nur natürlich" ist.
    Ja, Ordnung und ein Mindestmaß an Anstand muss sein, nicht wahr?!

    Ich wollt's nur mal sagen.
    Falls wir Blogger uns zufällig über den Weg laufen...

    Freitag, 4. Februar 2011

    Am Panikgriff gepackt

    Obacht! Lehrcontent!

    Vorgestern hatte ich Aufsicht in der Oberstufenbibliothek des örtlichen Gymnasiums.

    Mal wieder kein Schüler da.

    Gerade als ich im neuen Focus die Liste der 100 fähigsten Phoniatriker Deutschlands durchsah, klingelte das Haustelefon.

    Typ: "Tach auch! Packn Se ma ebm am Panikgriff?"
    Ich: "Wer spricht'n da?"
    Typ: "Na ich, der Hausmeister. Ich muss wissen, ob dat Dingen einwandfrei funktioniert. Machen Sie dat ma ebm. Dann muss ich nich extra hochkomm'."
    Ich: "OK, und wo finde ich den Panikgriff?"
    HM: "Anne Fluchttür!"

    Ich ging zur Fluchttür, griff anne Klinke. Nichts rührte sich.

    Ich: "Der Griff funktioniert nicht. Lässt sich kaum bewegen."
    HM: "Dat licht daran, dass Sie jetzt nicht inne richtige Panik sind, denn inne richtige Panik da entwickelt Se ordntlich Kräfte. Probiern Se nochma mit Schmackes!"

    Da ich nicht wusste, wie ich auf die Schnelle panisch werden sollte, trat ich einen Schritt zurück, nahm Anlauf, stemmte mich mit meinem ganzen Gewicht auf den Griff und - die Tür sprang auf.
    Alles ok also. Bis auf eine Kleinigkeit.

    Ich: "Sie lässt sich nicht mehr schließen."
    HM: "Ja, nee, dat is' auch gut so. Dat is' ja 'ne Fluchttür, wenn die sich inna Massenpanik wieder schließen würde - dat gäb Kraut & Rüben!"
    Ich: "Und nun?"
    HM: "Die muss mitm Spezialschlüssel abgeschlossen werden. Mist, hab ich gar nicht dran gedacht, muss ich doch hochkomm'.

    Er kam dann die 4 Stockwerke hoch geschlurft gesprintet, schloss ab und wir quatschten noch ein bisschen.
    Er erzählte von seinem baldigen Dienstjubiläum (30 Jahre) und auf meine Frage, wie und ob sich seiner Beobachtung nach die Kinder verändert hätten, meinte er, dass er heutzutage den halben Tag damit beschäftigt sei, den Schülern die Mützen, Hüte und Caps von den Köpfen zu reißen.
    Mützen, Hüte, Caps IM Gebäude - das hätt's zu unserer Zeit nicht gegeben!
    Nää, woll?

    Sieht harmlos aus, lässt sich aber nur mit Schmackes öffnen.

    Mittwoch, 26. Januar 2011

    Schulformraten

    Ich, Freundin Martina und Hund Otto spazieren am Möhnesee entlang.
    Als wir in Höhe des Fähranlegers sind, kommt ein Bus mit einer Horde ca. 12-jähriger angefahren.
    Der Bus hält, die Tür öffnet sich und heraus steigt ein Mann mit Nickelbrille, Vollbart und Norwegerpulli.

    Martina: "Und, welche Schule?"
    Ich: "Gesamtschule. Ganz klar."

    Als nächste klettern 2 türkisch aussehende Jungs 'raus. Der eine schreit:
    "Boah, Alter. Kuck ma! Voll das Meer, ey!"

    Martina: "Ich korrigiere: Hauptschule!"

    Dann springt ein blonder Junge in Tarnklamotten aus dem Bus und ruft:
    "Yippieh! Erster!"

    Ich: "Alles klar - Sonderschule!"
    Martina: "Mhm."

    Es leben die Vorurteile.
    Oder nicht?

    Montag, 17. Januar 2011

    An Apple a Day keeps the Cops away!

    Heute Nacht Morgen gegen 8.29 Uhr fahre ich ganz gemütlich die 300 Meter zwischen zuhause und Bäcker, als es auf halber Strecke blitzt und mein Freund, POM Henneke, hinter einer Ecke hervorspringt und mich heranwinkt.
    Im Schlepptau 1 Dutzend Kleinwüchsige, die johlend meinen Wagen umringen.
    Ich lasse die Scheibe herunter. 
    "Wir blitzen heute alle Autos, die hier herfahren!", brüllt mir einer der Zweit(?)klässler entgegen."Du bist hier in der 30er-Zone nur 23 gefahren! Das finden wir gut und deshalb bekommst Du einen Apfel! Herzlichen Glückwunsch!"
    Dass ich nur so langsam war, weil ich meinem neuen Nachbarn hinterhergeglotzt hatte, lasse ich unerwähnt.
    Statt dessen rufe ich "Jaaayyy!", strahle und tue so, als freue ich mich ganz supidolle. Das wiederum freut die Kleinen ganz dolle und wir alle freuen uns, ausser POM.
    "Mooooment!", unterbricht er den Freuden-taumel. "Fällt euch denn gar nichts auf?"
    Die Kinder glotzen, starren, stieren, tuscheln.
    Dann:
    "Die is' nich' angeschnallt!", schreit eine kleine Petze.
    "Ex-akt!", sagt der POM und zückt seinen Strafzettelblock.
    "Ich wohne doch nur ein paar Meter von hier entfernt," erinnere ich ihn, der ja damals filmreif unseren Garten gestürmt hatte. "Und will bloß zum Bäcker da drüben."
    "Auch auf einer, übrigens vom ökologischen Standpunkt aus betrachtet überflüssigen, weil zu kurzen Fahrt, hat man sich anzuschnallen."erklärt die Spaßbremse.
    Ach so.
    Und dann verlangt er 30 Ocken. Ich habe aber nur 20 dabei.
    "Kein Problem," sagt POM. "Sie wohnen ja da drüben - dann können Sie das restliche Geld rasch holen." Aargh!!
    Ich lächle das schönste Lächeln, dass eine Frau in meinem Zustand (mittelalt, noch ungeschminkt mit puffy eyes, leermagig, unterkoffeiniert) hinkriegt, aber es wirkt nur bedingt.
    "Na gut. Dann geben Sie den Zwanziger her. Die restlichen 10 erlasse ich Ihnen.", entscheidet der POM.
    "Aber dann habe ich kein Geld mehr übrig für den Bäcker!", will ich einwerfen, doch er kuckt schon wieder sooo...

    Meine Güte, kann man so nachtragend sein?!
    JA, ich bin zu blöd zum Flirten! (siehe hier)
    Ich habe eben andere Sachen im Kopf, als die mimischen Regungen von Kerlen zu deuten! Wieso nimmt der das so persönlich?

    "Dann muss sie den Apfel aber auch wieder hergeben, ne?", klugscheissert die Petze und natürlich pflichtet ihr der POM bei.
    Pff. Drauf geschissen. Ich mag eh kein Obst.

    Jetzt weiß ich, wie sich Ute Lemper (die älteren Herrschaften werden sich erinnern) damals gefühlt haben muss: vom gefeierten Star zur Geächteten in 2 Minuten. *schnief*