Dienstag, 13. September 2011

Narzisstische Krankengymnasten

...oder Physiotherapeuten, wie sie sich heutzutage nennen,
- halten sich für das Maß aller Dinge,
- scheinen komplett humorlos zu sein,
- verachten jeden, der nicht mindestens auf einen Marathon hintrainiert,
- essen eindeutig zu wenig,
- und bewegen sich sprungfederhaft und so aufrecht, als hätten sie eine zementierte Wirbelsäule.

Sollte jemand bei einem Physiotherapeuten in Behandlung sein, der lächelt oder gar den einen oder anderen Witz reißt - OBACHT!
Kann sein, dass der gar kein Diplom hat!

Nach 20 Jahren Erfahrung auf dem physiotherapeutischen Sektor, wage ich zu pauschalisieren:
kaum eine andere Berufsgruppe kommt derart hochnäsig, langweilig und konservativ 'rüber, stimmt's?
Anwälte vielleicht, die sind aber auf jeden Fall besser gestylt. 
Ich überlege oft, was die KGs wohl nach Feierabend machen: einen 4 km-Sprint zur Entspannung?
Hobbys? Gewichtheben, Pilates, Dressurreiten.
Und nicht oder.


Neulich geschehen:
Wenn ich, dank Vitamin B, beim besten Physiotherapeuten des Sauerlandes kurzfristig einen Termin ergattere und von ihm, nach einem Blick auf Überweisungsschein & Diagnose, mit den Worten:
"Na toll! Die Leute bewegen sich ständig falsch und WIR müssen es dann richten!"

begrüßt werde, gefolgt von der Frage:
"Sie sind sicher Hausfrau und Mutter?!" 
nährt das direktemang meine Gewaltfantasien, denn JA, verdammt, so eine Frage fasse ich als Beleidigung auf; so supidolle emanzipiert bin ich nämlich nicht!

Als ich der Wirbelschubserdiva dann erklärte, dass ich (<- zu allem Überfluss auch noch NUR Kassenpatientin!) mich beim Laufen irgendwie verknackst hätte, guckte er so angewidert (normalerweise coacht der Herr nämlich Golfer, Ironmen und die Lacrosse-National-Elf), dass ich mich nicht traute, zu erzählen, dass eigentlich nicht das Laufen zum Knax geführt hat, sondern diese blöde herrenlose Dogge, die mich zwar nur über 10 Meter belästigte, das aber so intensivst, dass ich einmal kurz & schmerzvoll ganzheitlich verkrampfte.

Auf meine Frage, ob ob ich womöglich bandscheibenvorfallgefährdet sei, meinte er bloß lapidar:
"Wer an Krankheit denkt, wird Krankheit ernten."
Ääähhh, ja, danke für's Gespräch, Konfuzius.

Ja, sorry, ich weiß, wir Non-Sportler sind eine Zumutung...

Sonntag, 17. Juli 2011

Guns 'n' fucking Roses

Ich will ja nicht angeben, aber ich war mal mit Slash liiert.
Dem ehemaligen Gitarristen von Guns'n'Roses.

Naja, also fast.
Zumindest habe ich mal mit ihm telefoniert.
Naja, also fast.
Denn nicht ICH hatte ihn am Telefon, sondern meine Mutter.
Und als sie mich im entscheidenden Moment fragte, ob dieser Mr. Hudson, den sie grade am Rohr hätte, für MICH anrufen würde oder ob er sich bloß verwählt hätte, habe ich ihr nicht
-schwindelig vor Glück- den Hörer aus der Hand gerissen und ihn um ein Date gebeten resp. ihm meinen Körper feilgeboten, sondern nur feige mit den Schultern gezuckt.

Anfang der Neunziger, ich war noch ganz klein, war ich ein glühender Fan von Guns'n'Roses.
Ich war in fast alle Bandmitglieder verliebt, außer in den Drummer; der sah meiner Tante Hildegard so ähnlich.

Ich besaß das Bravo-Fanheft:


die Bücher, die MCs, die CDs.
Konnte natürlich jeden Song mitgrölen.
Ich trug axl-like weiße Socken in DocMartens, karierte Holzfällerhemden über Radlerhosen und schwarze Lederarmbänder.
Ich wählte Dutzend Male die in der Bravo angegebene Nummer in Australien, unter der man eine Tonbandaufzeichnung von Axls Stimme abhören konnte
("Hi! This is Axl Rose from Guns'n'Roses. Thanks to all our fans in the whole fucking world!" oder so ähnlich).
Als die entsprechend hohe Telefonrechnung kam, fragte meine Mutter, ob ich was mit der horrenden Summe zu tun  hätte.
Und als ich gestand: „Ich habe in Australien angerufen.“, verdrehte sie nur die Augen, sagte: „Sehr witzig.“ und wunderte sich weiter.





Ich blieb nächtelang auf, nur um vielleicht eins ihrer Videos auf MTV zu sehen.

Und dann kamen sie nach Deutschland!
Ich latzte schlankerhand 52 Ocken (damals noch Mark-Ocken) für die Eintrittskarte ins Müngersdorfer Stadion am 30. Mai 1992 (Supporting Acts: Soundgarden & Faith No More!), die ich niemals einlösen konnte, da mich 1 Tag vorher ein fieser Magen-Darm-Infekt lahmlegte.

Als Megafan wusste ich natürlich, dass Slashs bürgerlicher Name Saul Hudson ist.
Und als sie nach Köln kamen, wusste ich, was zu tun war:
Ich suchte mir aus dem Kölner Telefonbuch (für die jüngeren Leser: Internet gab’s noch nicht und Städtebücher lagen damals in Postfilialen aus) alle 5-Sterne-Hotels heraus, rief dort an und fragte nach Mr. Saul Hudson.

Bereits der 3. Anruf war erfolgreich.
Ja, es gebe einen Gast namens Mr. Saul Hudson.
Nein, man könne leider nicht verbinden, weil Mr. Hudson sich derzeit nicht im Hotel aufhielte.
Ja, man könne meine Nummer an ihn weiterleiten zwecks Rückruf.
Und so wartete ich Stunde um Stunde um Stunde und mir war klar: Slash würde niemals eine ihm unbekannte Nummer im Sauerland anrufen.
Und insgeheim war ich ganz froh darüber, denn was redet man mit so einem Star?
Ich: "Hi Slash! I'm a big fan! Love your music and the hat!"
Slash: "Thanks."
Ich: "Unfortunately I became ill and I am not able to visit your gig tonight."
Slash: "Hm, well..."
Ich: "Und sonst so?"
Nee, oder?! Dann lieber gar nix sagen.

Am späten Nachmittag klingelte das Telefon.
Meine Mutter war leider eher am Rohr als ich.
Der Rest ist bekannt.

Dafür schäme ich mich noch heute.
Meine Güte, macht man beknackte Sachen als ..äh.. Kleinkind.



Montag, 30. Mai 2011

Kochen für Paare

"Romantischer Kochkurs für Paare.
An 2 Abenden werden 3-Gang-Menüs zubereitet. 15 €".

Klingt erstmal gut.
Aber Obacht!
Wenn der Kursanbieter der Hausfrauenbund eines kleinen sauerländischen Städtchens ist, sollte man von einer Buchung absehen.

Fotos habe ich leider keine; versuche aber die wichtigsten Eindrücke zu schildern.

5 Paare mittleren Alters und die Kursleiterin alten Alters treffen sich in der Schulküche der örtlichen Realschule.
Da Schulküchen aus hygienetechnischen Gründen gerne vom Boden bis zur Decke gekachelt und mit  80.000-Lux-Neonröhren ausgeleuchtet sind, verleiht das dem Ganzen ein unromantisches Pathologieflair.

Jedes Paar bekommt 1 Kochnische und 4 (in Worten: VIER!) Rezepte zugeteilt.
Und da nun jeder Einzelne 2 Rezepte in 60 Minuten zu wuppen hat, kommt statt Romantik nur Hektik auf und es endet damit, dass man zwar zur vereinbarten Zeit seine Oeuvres fertiggestellt hat, sich aber gegen Ende nur noch schlecht gelaunt zuraunzt.

Schlussendlich hocken 10 Menschen im Nebenraum auf ausrangiertem Schulmobiliar (die Tische immerhin mit Papierdecken "dekoriert") und schaufeln ihre 3 Gänge-Menüs in sich hinein, da die Kursleiterin den Raum nur für 90 Minuten nutzen darf.

Die naive Sauerländerin um die Vierzig hofft nun auf ein besseres Gelingen am Folgeabend. Aber nee: genau dasselbe!

Auch die Endabrechnung birgt eine Überraschung:
Ausser den 15 Ocken Kursgebühr (pro Person) werden plötzlich noch 3 € Kopiergeld fällig.
Und da die Superhausfrau natürlich alles auf dem Markt bzw. im Reformhaus eingekauft hat, kommen noch 12 Euro Lebensmittelkosten pro Paar hinzu.

Hmpf.
Muss nicht noch mal.

Montag, 16. Mai 2011

Zu Gast bei Feinden - Die Konfirmation

Der liebe Gott hat mir wieder ein Lerngeschenk gemacht:
diesmal eine Einladung zu einer Konfirmation.
Und nun weiß ich, wie man es NICHT macht.

Wochen vorher kam die Einladung, über die ich mich sehr wunderte, da die Konfirmandin eine sehr entfernte Verwandte ist, deren Eltern mich noch nie zu irgendwas eingeladen hatten.

Der Karte war ein Zettelchen beigefügt:
leider hätte der Vater beim Platzkartenkauf gepatzt (ich tippe eher auf: gespart), aber man könne ja "etwas früher zur Kirche zu kommen, um sich einen guten Platz zu sichern".
(Merke: Bevor man seinen Gästen solche Ratschläge gibt, sollte man sich vorher mit den Räumlichkeiten der Kirche vertraut machen. "Etwas früher" anzutanzen hat nicht viel Sinn, wenn das Kirchlein 100 Sitzplätze bietet, von denen 80 bereits per Platzkarte reserviert sind und gleichzeitig 200 Menschen Einlass begehren.)

Einige Zeit später rief mich eine Kusine an und erzählte wutentbrannt, dass sie tags zuvor die Konfirmandinnenmutter in einem Laden gesehen, ohne dass diese sie bemerkt hätte.
Die KonfiMu hätte dort jemandem erzählt, dass sie alle Verwandten, Freunde und Nachbarn (auch diejenigen, zu denen man schon lange keinen Kontakt mehr hat) "ausgegraben hätte, damit das Kind mal richtig absahnt".
(Zur Info: ich rede hier von Leuten, die einen Pool und ein Pony im Garten haben und sich in Markenklamotten wanden; ergo Geld nicht wirklich benötigen.)
Ich hatte ein sehr teures Bettelarmband als Geschenk gekauft.
Mein erster Gedanke war: das teure Ding um- und gegen billigen Modesschmuck einzutauschen. Aber die Konfirmandin kann ja nix für ihre raffgierige Mutter.

Der Tag der Konfirmation kam.
Ab Punkt 9 stand(!) ich in der Kirche.
Um 9.30 begann das Event und - Überraschung!
Da vorher noch 3 Teenies getauft werden mussten, bevor sie konfirmiert werden durften, zog sich das Ganze über 2,5 Stunden hin!
Danke auch, liebe Blödeltern von Kindern, die nicht, wie es sich gehört, spätestens 76 h nach der Geburt getauft wurden!

Glücklicherweise fing gegen halb 11 ein Kleinkind in der hintersten Reihe derart das Kreischen an, dass es samt Mutter die Kirche verlassen musste und somit ein Sitzplatz frei wurde.

Anschließend traf man sich im Restaurant in der Null-Sterne-Gaststätte "Schlicht & Billig", in der ein Saal gemietet worden war.
Zu Beginn wurden Sekt, Orangensaft und Sekt mit Orangensaft gereicht (woher stammt eigentlich diese widerliche Unsitte O-Saft in Sekt zu kippen und wann hört das endlich auf?!)
Da Madame Gierig ja nun JEDEN eingeladen hatte (z.B. ihre "Hilfe" und deren beste Freundin), kannte man sich untereinander gar nicht oder war verkracht und somit war unbefangener SmallTalk nicht wirklich drin.
Der Rest schwieg beleidigt, da Kusine & ich für eine rasche Verbreitung der Absahnstory gesorgt hatten.
Irgendwann fragte sogar der Kellner irritiert:
"Ist etwas nicht in Ordnung? Hier herrscht ja Grabesstille!" 

Madame hatte sich gegen ein Rechaud-Buffet und für Tischleindeckdich entschieden und da es ziemlich lange dauerte, bis die 2 Kellner alle Platten aufgetischt hatten, war das Essen nur noch lauwarm.
Bis sich dann alle Gäste bedient hatten, war es lau bis kühl...
Laue Dosenböhnchen; laue Dosenmöhrchen und laue Dosenpilze.
Dazu gab es laue Spätzle, laue Salzkartoffeln und zweierlei Laufleisch: Rind & Schwein.
Wenn man wollte, konnte man das Ganze in einer SauceHollandaise ertränken, die ich in Form, Farbe, Konsistenz & Geschmack sofort als diese Fertigsoße enttarnte.
So simpel hatte ich zuletzt vor 10 Jahren bei meinem Neffen gegessen, der, mit 18 von zu Hause ausgezogen, damals noch nicht wusste, dass man mit frischen Lebensmitteln kochen kann.
Zum Nachtisch gab es Eis.
Viele Gäste - wenig Kellner - warmes Wetter.
Man ahnt es schon: die Eiskreation "Pückler-Art", die übrigens auch so aussehen kann, ähnelte mehr einem Pudding.

Anschließend wurde jeder genötigt, sich in dem eigens angeschafften Erinnerungsalbum zu verewigen.
Wie gesagt, die meisten Gäste waren sauer oder kannten die Familie nicht gut genug, um etwas Herzliches zu schreiben. Und so schrieben die meisten ein unmotiviertes "Viele Grüße von X & Y".
Mir waren simple Grüße zu poplig und so schrieb ich dieses hübsche Gedicht von den Anonymen Alkoholikern in das Album. Das passt immer.

Zum Schluss gab's die Torten:
2 von KonfiMu selbst gemachte Philadelphiatorten (auch so eine nicht totzukriegende Unsitte) in gelb & rot  und 1 bei einer Konditorin (noch in der Ausbildung und derzeit im Mutterschutz, daher sehr günstig) bestellte.
Diese Torte war der Burner:
krumm & schief; die Marzipandecke war noch teilweise weiß vom Mehl beim Ausrollen; die Konditorin hatte sich beim Wort "Konfirmation" verschrieben und versucht, es zu korrigieren, was aber nicht gefunzt hat. Der Name des Mädchens leuchtete uns in neongrün entgegen.

Dann durften wir endlich nach Hause gehen.
Und die meisten waren echt angesäuert:
man wusste ja, dass diese Familie es durchaus hätte besser machen können (Stichwort: Pool & Pferd), statt dessen haben wir Gäste das Billigste vorgesetzt bekommen.

Ich habe keine Ahnung, wie die Konfirmandin selbst diesen Tag erlebt hat.
Ich hoffe, nicht allzu unangenehm.

Einige Tage später rief mich die KonfiMu an, um sich für das schöne Armband zu bedanken, das ihrer Tochter sehr gefallen würde, und um zu beteuern, dass so etwas Teures ja gar nicht nötig gewesen wäre.
Unterm Strich hätte das Mädchen 2.000 Ocken abgesahnt zusammenbekommen.
Oh happy day...

Ich bin seit Kurzem nicht mehr der Kirche angehörig, aber ich verspreche hiermit dem lieben Gott und dem Sohn (also meinem, nicht seinem; oder doch: von mir aus auch seinem) hoch & heilig, dass ich aus Sohns Konfirmation im nächsten Jahr keine solche Farce machen werde.
Amen!

Freitag, 8. April 2011

Essen knipsen üben

"Sie sind sicher Bloggerin?"
frage ich die Frau mit der Kamera.
Sie guckt erstaunt und nickt: "Woher wissen Sie das?"
"Wer bei Netto den Spitzkohl fotografiert, kann nur Blogger sein", kombiniere ich fuchsgleich.

Und tatsächlich: die Frau hat einen Kochblog, für den sie jede Zutat fotografiert.
Ich gestehe, dass ich mich das nicht traue, denn wie blöde sieht denn das bitteschön aus, wenn ich mit meiner Nikon auf die Gemüsetheke halte?!
Der Filialleiter kriegt meinetwegen Panikattacken, weil er mich für einen Spitzel vom Gesundheitsamt hält und die anderen Kunden halten mich für gestört.
Aber -und da sind Frau Spitzkohl und ich uns einig- wenn Fotos gepostet werden, steigt die Seitenaufrufquote enorm.
Frau Spitzkohl hat 659 Leserinnen!
Trotzdem schielt sie neidisch auf die Mode- & Kosmetikblogs; da seien nämlich Leserzahlen von 1.000 und mehr keine Seltenheit.
"Lisa" z.B. hat 3.598(!) Leserinnen, nur weil sie täglich ihr Outfit samt Accessoires und MakeUp postet!
Und "Lisa" gehört optisch keinesfalls zur "Victoria's Secret"-Crew und sie trägt auch keinesfalls Dior o.ä. und trotzdem gucken sich das täglich 3.598 Leute an.
Hm.

3.598 Leser - das will ich auch!

Zuerst übte ich also an einem Mittagssnack zu Hause
(und kam mir dabei ziemlich dämlich vor):

HotDog für 2 Ocken fuffzich!

HotDog halb aufgegessen.

HotDog komplett aufgegessen.



Abends darauf in der Dorfkneipe.
Schon mutiger
(obwohl der LAG nörgelte):


Leider traute ich mich erst zu fotografieren,
als die Leute am Nachbartisch gegangen waren
und da war das "Schweinefilet Armstrong medium mit Sauce Hollandaise und Fritten"
für 9 Ocken achtzig schon fast verzehrt.


Am nächsten Morgen Frühstück im Café:

Geknipst, obwohl fremde Leute anwesend waren!

Ach ja, und das war mein Outfit.


So, ein herzliches Willkommen schon mal im Voraus an die 3.429 neuen Leser, die sich bis morgen hier eingefunden haben werden!