Donnerstag, 25. Juli 2019

Sommerurlaub 1: Von Fieber, Fakes und Fahrzeugen

Im folgenden Text werden verschiedene Marken genannt, deshalb schreibe ich hier vorsichtshalber mal WERBUNG hin, obwohl ich nicht gesponsert werde und mir alles selber kaufen musste. Ein Skandal!


Letzter Tag vor'm Sommerurlaub:
Die Kindergärtnerin fragt, warum ich ganz in schwarz gekleidet sei.
"Weil ich traurig bin", sage ich.
"Näää, weil schwarz schlank macht, ne?"
Da trifft die blöde Kuh leider mitten ins (Achtung!) Schwarze, höhö, denn ich habe seit Weihnachten 7 Kilo zugenommen, was ich der unholy Mischung aus Wechseljahren, Gefräßigkeit, Bewegungsmangel und der daily Bürotorte ankreide.





Montag:
Dank Berufsschulferien werde ich durch das Getrampel schwerer Arbeitsschuhe im Treppenhaus geweckt. Der IrgendwasmitMaschinen-Azubi aus dem Dachgeschoss muss statt 7.30 Uhr ab sofort um 6.30 los. Na super...

Egal, ich muss eh dringend mit Lucky zum Arzt, denn:
"Herr Doktor, Sie müssen mir glauben! Noch vor 20 Minuten war das Kind am Bauch voller Pusteln!" sage ich und starre auf den völlig blanken Rumpf des Kindes.
"Ja, sowas nennt man Urticaria, eine allergische Reaktion auf z. B. Insektenstiche oder Pflanzenkontakt. Auch Wanderausschlag genannt. Sehen Sie, jetzt hat er die Quaddeln an den Beinen.", sagt der Doktor.
"Das ist ja schön!", freue ich mich.
Wobei mich natürlich nicht die scheiß Nesselsucht erfreut, sondern dass ich nun nicht als Sauerlands hysterischste Helikoptermutter gelte, die nur wegen eines bedenklich geformten Popels zum Arzt rennt.
Der Antihistaminsirup lässt Lucky direkt einpennen und das für 4(!) Stunden.
Yeass, der Doktor hat mir den Heiligen Gral verschrieben!!



Dienstag:
Das Kind wurde schon früh vom Vater abgeholt.
Man hegt ja diese pikanten Fantasien, was man alles macht, sobald mal alle aus dem Haus sind, nämlich.. ähm...äh.. Moment, ich hab's gleich... öhm... ach ja, genau! Bei Netflix anmelden und binge watchen.
Ich habe viel Gutes über DARK gehört und starte damit. Schreck in der ersten Minute: es ist eine deutsche Produktion und wir alle wissen von Sat1 und Co., dass es IMMER in die Hose geht, wenn deutsche Serienproduzenten einen auf Hollywood machen.
Aber: Angst unbegründet. Tolle Serie.
Naja, bis auf die unheilvolle Hintergrundmucke in JEDER Szene.
Und den Regen in JEDER Szene. Schirme gibt es in Winden offenbar keine, Kapuzennutzung ist verpönt und die Protagonisten lieben ausgiebige Schwätzchen im Freien.

Nachmittags Notruf vom Pilot: Lucky hat Fieber.
Wieso denn das plötzl... ach deshalb heißt Urticaria auch NesselFIEBER! Wieso hat eine einzige Krankheit so viele Namen?!
Nu ja, da müssen sie durch, 250 km sind mir ein mü zuweit, um mal eben Fiebersaft rüberzureichen.



Mittwoch:
Ich habe um 8.30 Uhr einen Termin zur ersten Inspektion meines Lebens.
Solch unsexy Shit haben sonst immer so Männer für mich erledigt.
Bin pünktlich an der Anmeldung, aber das letzte Glied einer mordsmäßigen Schlange.
20 Minuten später, leicht kollaptisch, rufe ich in die Runde: "Ich habe einen Termin, mache aber jetzt kurz zum Bäcker rüber, bin gleich wieder da!"
Niemand antwortet.
Wieder zurück, ist die Schlange fort.
Der Werkstattmeister möchte gerne mit mir ein Wörtchen zum Thema Pünktlichkeit reden, aber die Sekretärin bestätigt, dass ich tatsächlich pünktlich da war.
Als ich nach Hause komme, habe ich einen Anruf auf dem AB: Es ist die Werkstatt, die mich anrief, während ich bei denen in der Schlange stand, um nachzufragen, ob ich meinen Termin nicht wahrnehmen wolle.
Einmal nur, EINMAL mit Profis zu tun haben... #lifegoal

Als ich 9 Stunden später mein Auto abhole, teilt mir der Meister mit, dass sie die Inspektion nicht geschafft haben, weil ich zu spät da gewesen sei und die Zeit nicht gereicht hätte. Wtf?!
Wenigstens nötige ich ihn noch dazu, mir einen neuen Frontwischer anzubringen und eine Fußmatte zu bestellen. Er will sich melden, sobald sie geliefert ist.

Auf Netflix schaue ich THE LETDOWN, eine australische Mini-Serie über frischgebackene Eltern. Frech, witzig, aber auch sentimental. Wer gut englisch kann - bitte.



Donnerstag:
Im Briefkasten steckt eine Einladung zu einer Hochzeit. Eine Arbeitskollegin heiratet den Mann, den sie bei NeueLiebe.org kennengelernt hat. Wow.
Das und das Trauma vom Vortag führen dazu, dass ich mich bei NeueLiebe.org anmelde, um mir jemanden für's Grobe zu suchen.
Man glaubt es kaum:
es sind immer noch dieselbe Nasen da, die schon da waren, als ich mich vor 6 Jahren dort angemeldet und vor 2 Jahren abgemeldet habe. Außerdem erstellt NeueLiebe.org nun automatisch Accounts bei MeineStadt.de und AlteLiebe.com, der Singlebörse für ü50er. Hä? Nee, dat will ich nicht! Nachdem ich 300 Profile gecheckt habe und mir davon nur 1,4 Männer gefallen, melde ich mich wieder ab.

Statt dessen netflixe ich MODERN FAMILY.
Die Serie ist toll, obwohl mir 90% der Darsteller unsympathisch sind: die humorbefreite Blondine mit ihrem depperten Mann; das schwule Ehepaar, das sich nonstop anzickt. Aber Jay, Gloria und die Kids reißen's raus.




Freitag:
Heute wurde die Inspektion erledigt! In nur 3 Stunden.
Zuhause lese ich mir die Aufstellung aller durchgeführten Arbeiten durch:
aha, man hat einen neuen Frontwischer angebracht. Again.
So so, und 1 Liter Scheibenwischwasser nachgefüllt. Erstaunlich, dass da überhaupt noch was reingepasst hat, wo ich den Behälter erst 2 Tage vorher voll befüllt habe.
Auch wurde mir ein korrekter Reifendruck bestätigt, nämlich 2.2.
Mein Bordcomputer meldet zwar immer noch die Werte meiner eigenen stümperhaften Aufpumpversuche: 2.2, 2.3, 2.2 und 2.5, aber hey! 2.2 ist auf jeden Fall dabei.
Ich frage nach der Fußmatte. Die wurde bereits verkauft, da ich sie nicht abgeholt hätte. Klar, man hat mich ja auch nicht benachrichtigt!
Ich bestelle eine neue Matte. Sie wollen sich melden, sobald sie geliefert ist.

Abends starte ich mit DEAD TO ME. Eine Witwe und die Mörderin ihres Mannes werden beste Freundinnen. Also fast wie im richtigen Leben.



Samstag:
Hurra, das Paket ist da!
Nachdem ich im Frühjahr bei Ebay einen Burberry-Mantel ersteigert hatte, der Größe 44 sagt, aber wie 52 daherkommt, habe ich nun einen neuen Versuch gestartet und bei GaddaFifi40 (100% pos. Bewertungen) einen schwarzen Kurztrench in 40 ergattert.
Toller Mantel! Wertiger, fester Stoff, super Verarbeitung, schöner Schnitt.
Leider kommt diese 40 daher wie 34. Fuck.
Burberry, was' los bei euch?!
Schade, nu ja, dann muss ich ihn halt verkaufen, denn GaddaFifi40 will ihn nicht zurück haben.
Aber halt! Was steht da auf dem Waschzettel?? Made by Inheebirrit Ltd., Shanghai. WHAT?!
Ich google den Namen. Inheebirrit Ltd. produziert mitnichten für Burberry, sondern bloß Klamotten, die aussehen, wie Burberry. Und Chanel. Und Valentino.
Betrug!! Etikettenschwindel!! Was tun??
Ich werde mich keinesfalls strafbar machen, indem ich einen fake Mantel weiterverkaufe!
Auch hege ich keinerlei Interesse daran, mich mit jemandem namens GaddaFifi40 aka Osama El Khatibi (und seinem Clan) anzulegen, der ja meinen Namen und Adresse hat und verzichte auf eine Meldung im Ebay Headquarter.
(Wie? Was?! Vorurteile? ICH??? Ja, zur Hölle! Bei Burberrybeschiss hört meine Toleranz auf!)
Ich beschließe, den Mantel unser Omma zu Weihnachten zu schenken, denn sie ist die einzige dürre Person, die ich kenne.


Schnieke, aber unecht.


Abends gucke ich HAUS DES GELDES 3. Die Serie ist so spannend, dass ich zwischendurch in eine Tüte atmen muss.


Sonntag:
Eine Kollegin mailt mir die Fotos, die neulich für die Firmenhomepage gemacht wurden.

Ich möchte weinen...


Ach, hätte ich doch schwarz getragen!


Da es sich um einen Notfall handelt, betrete ich kurz darauf eine Notfall-Apotheke und kaufe mir eine Dose Jokebe. Das ist sowas wie Almased, nur mit Erdbeergeschmack.
Um den Apotheker nicht zu erzürnen, kaufe ich noch eine Packung Fieberzäpfchen für "mein armes Baby".
Mittags rühre ich mir einen Shake an. Nach nur 100 ml fühle ich die ersten Ekelpickel blühen und kippe den Rest weg.
Vor lauter Frust über meinen fetten Arsch gönne ich mir die Königin des schnellen Herztods: eine Salamipizza.

Ich starte mit FRANKIE UND GRACE. Es geht um 2 Ü70-Paare, deren Männer seit 20 Jahren eine Affäre haben und zwar miteinander. Könnte mehr Pep vertragen, aber für die Zielgruppe wohl genau richtig.



...to be continued...


Sonntag, 7. Juli 2019

Juliane von Knigge - Bewerbungen

Niemals hätte ich gedacht, dass dieser Post notwendig sein würde, niemals!
Aber wenn du in einem Unternehmen mit BewerberInnen zu tun hast, erlebste viel Elend.

Wir hatten/haben sie alle da:
- die im Arbeitsverhältnis, die sich bloß bewerben, um ihren Marktwert zu testen
die im Arbeitsverhältnis, die was Besseres suchen
- die Berufsanfänger, fresh from the Uni oder Berufsschule
- die Wiedereinsteigerinnen
- die Arbeitslosen, die vom Amt "gezwungen" werden
- die Arbeitslosen, die wirklich Arbeit suchen und
- Rentnerinnen, die sich ihre Rente aufbessern wollen/müssen.

Tja, wo fange ich an?

1. Die Bewerbung
Offenbar ist es nicht en vogue, Lebenslauf und Anschreiben auf Fehler zu checken.
Die Bewerbung ist der allererste Eindruck, den die Firma von euch bekommt, also gebt euch ma Mühe, ey!
Lasst jemand Schlaueren drüber gucken oder nutzt die Online-Rechtschreibprüfung.

Fasst euch kurz!
Glaubt ihr, wir lesen Bewerbungen durch?
(Spoiler: NEIN! Wir checken zuerst eure Visagen. Sympathisch oder unsympathisch? Dann wird im Lebenslauf nach dem erlernten Beruf geguckt. Wenn der passt, biste 1 Runde weiter und DANN erst überfliegt man das Anschreiben.)

Schlimmstes Beispiel:
ein Mittfuffziger mit Doktortitel schrub in seinem 2-seitigen(!) Anschreiben, was seine Eltern von Beruf waren, wann er geheiratet hat, welchen Beruf die Frau hatte, wie viele Kinder zur Welt kamen, welche Berufe die Kinder gewählt haben, und dass er mittlerweile geschieden ist. (Was mich zugegebenermaßen dann doch interessierte, aber das TUT JETZT NICHTS ZUR SACHE!)

Vergesst diesen anbiederischen Sermon, den euch die "Profis" vom Arbeitsamt oder aus irgendwelchen Maßnahmen vorkauen.
Dieser lame Einheitsrotz interessiert keine Sau.
Ein knackiger Zweizeiler, in dem steht, was ihr von Beruf seid und was ihr aktuell macht, reicht; den Rest erfährt man im Vorstellungsgespräch.

Kleiner Tipp für Feinheiten wie Ansprechpartner etc.:
Wenn im Stellenangebot steht "Schicken Sie Ihre Unterlagen an den Vizepräsidenten. Fragen zur Stelle beantwortet Ihnen Frau Müller", dann geht euer Krempel NICHT an "Sehr geehrte Frau Müller" und NICHT an den sehr geehrten Herrn Vizepräsident!
Ersurft euch gefälligst auf der Firmenwebsite des Vize Namen!


2. Das Foto
Schlimmstes Beispiel:
Ein selbstgeknipstes Foto auf einem s/w-Drucker ausgedruckt, schief ausgeschnitten und schräg auf den Lebenslauf gepappt.
Gönnt euch 'nen Profi!
Und 'ne Haarwäsche.
Und 'n Lächeln.


3. Das Vorstellungsgespräch
Du Glückskeks wurdest eingeladen? Dann sei verdammt nochmal pünktlich, das ist doch nicht zuviel verlangt!

Schlimmstes Beispiel:
Anruf aufgelöste Enddreißigerin: sie hätte sich verfahren, könne die Firma nicht finden und käme nun womöglich nicht pünktlich und hach - welch Drama!
Stellt sich raus:
sie stand 50 Meter von unserem Gebäude entfernt und das 2 (in Worten: zwei) Stunden (in Worten: Stunden) zu früh.

Findet ihr das verfickte Bürogebäude nicht, dann googelt oder fragt in der nächsten Tanke, aber macht keinen auf hilfloses "Ich find mich nicht zurecht und ein Navi kann ich auch nicht bedienen und in solchen Situationen bin ich eh kurz vorm Nervenzusammenbruch"-Frauchen!

Schön übrigens, wenn ihr am Empfang den Namen desjenigen nennen könnt, der euch eingeladen hat. Frau von Wegen zum Beispiel.
Nicht Frau van Wegner, nicht Frau Wagen und schon gar nicht "Hab ich vergessen."

Bereitet euch vor!
Lernt von mir aus die Firmenhomepage auswendig, aber seid informiert!

Habt souveräne Antworten parat und antwortet keinesfalls auf den Klassiker "Mögen Sie sich bitte kurz vorstellen?" mit "Och, tja, was soll ich da erzählen? Gibt nich viel..." oder "Ich  bin gebürtig aus Sachsen und lebe jetzt mit meinen 2 Katzen in Dingshausen."
Eines Tages wird sie vor mir stehen, die perfekte Bewerberin, die dann antwortet "Ich bin eine 32-jährige Finanzbuchhalterin, die nach 3-jähriger Elternzeit wieder ins Berufsleben einsteigen möchte."
Ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Gelegentliches Blinzeln wär auch schön, statt uns mit aufgerissenen Augen anzustarren, wie das Karnickel die Schlange.

Schlimmste Beispiele:
die 42-jährige, die beide Arme um sich geschlungen hatte und vor & zurück wippte, nur unterbrochen von gelegentlichen Hairflips.
Oder die, die Null Ahnung hatte, wer wir sind und was wir machen.
Oder diejenige, für die wir eine Pause einlegen mussten, damit sie sich einen Hub Nitro genehmigen konnte:


"Ich bin immer so aufgeregt, wenn ich mit Chefs zu tun habe!"
*seufz*
Ja, sie lebt noch, keine Sorge!
Nein, sie musste nicht ins Krankenhaus.
1 Gönnung Nitro und das Gespräch ging weiter.

Macht eure Nervosität nicht zum Thema.
Wenn ich für jedes "Hach, ich bin so aufgeregt!!!" 'nen Euro kriegen würde, wär ich längst auf Weltreise.
Man traut einem Bewerber, dem schon bei einem "normalen" Gespräch die Düse geht, nämlich nicht wirklich zu, dass er im stressigen Arbeitsalltag gelassen bleibt.

JA, wir sind/waren alle aufgeregt bei einem Interview, aber reißt euch gefälligst zusammen!
Vor euch sitzen stinknormale Menschen, keine Götter, und wir ham auch irgendwann mal als Bewerber auf der anderen Seite des Tisches gehockt!


4. Kleidung
OK, Klamotten sind Geschmackssache, aber macht sich keiner heutzutage mehr schick??
Wozu hat der liebe Gott Heine und H&M erschaffen?

Schlimmstes Outfit bisher:
dunkelblaue Windjacke und schwarzes T-SHirt kombiniert zu türkiser Leggings, weißen Sneakern und Rezo-Tolle.


5. Danach
Nein, es wirkt keinesfalls zu dick aufgetragen, wenn man sich nach dem Gespräch per Mail kurz dafür bedankt.


Wie ihr seht, es braucht nicht viel, grundsätzlich gelten ja nur folgende Sachen:
- fehlerfreie Bewerbung mit professionellen Foto
- ordentliche Klamotten (Hose/Rock, nettes Blüschen, saubere Schuhe)
- Wissen über die Firma mitbringen
- gute Selbstdarstellung


Echt, es kann so einfach sein...

Gern geschehen und viel Glück!



Gutes Benehmen? HIER lang!

Samstag, 1. September 2018

Der Urlaub, der keiner war - Woche 1

Tag 1 - 3:
Es sind 34° C, ich liege blümeranteresk auf dem Sofa und schwitze nonstop in die nicht waschbaren graumeliert Polster von Karlstad. 
Ich überlebe diese Hitzewelle nur knapp dank Ibuprofen, Nasivin und Veltins plus.
Ich besitze eine sündteure Klimaanlage, die ich aber aus Angst vor der nächsten Stromrechnung nicht nutze.
Lucky ist fit und munter und -da wir das Haus nicht verlassen- entwickelt in dieser Zeit wahre Profiskills bei "Talking Tom Gold Run".



Tag 4:
29°C. Welcome back in der Vertikalen!
Omma schlägt Alarm:
die Bank hat ihr geschrieben, irgendetwas stimmt mit ihren Konten nicht ("...oder sowas")!
Unser Omma ist eine wohlhabende Frau, ich sehe mein Erbe in Gefahr und mache mich rasch zur Bank auf. Mit Lucky auf Socken.
Da Lucky im Sommer eh immer barfuß läuft, ist mir nicht aufgefallen, dass wir am letzten KiGa-Tag vor den Ferien die Schuhe dort vergessen haben.
Ja, das Kind hat nur ein (in Zahlen: 1) Paar Schuhe. Schnauze!
Wenn man ein Kind in Socken mit sich führt, fällt einem erstmal auf, wie dreckert die Straßen sind: Trockenkotze, Vogelschiss, Blütenschmier und Kaugummis pflastern unsern Weg, und das sind nur die 20 Meter vom Parkplatz zur Bank!


Mein Bankberater hat Nerven aus Stahl.
Der verzieht weder bei unser Omma
("Ich will zwar nur Kontoauszüge holen, aber könnt ich wohl nen Espresso kriegen?"),noch bei mir
("Könnense mir das noch ca. 38mal erklären, das kapier ich nich.") oder Lucky
("Willssu mit mir spieln? Ich muss KACKA! Und diese Biene, die ich meine, nennt sich MAJAAAA") eine Miene.


Im Zimmer meines Beraters sitze ich direkt unter der Klimaanlage, die mir herrlich erfrischende 15°C auf die linke Schädelhälfte bläst. Das wird sich später rächen.
Es stellt sich heraus, dass der Brief an Omma lediglich sagt, dass sie einen neuen Berater bekommt und dieser sich gerne persönlich vorstellen möchte.
Korrigiert mich, aber ich erkenne da einen leichten Unterschied zwischen "ACHTUNG! Ihr Geld ist in GEFAHR!!!" und "Hallöchen, ich bin ihr neuer Berater."
Na super, und dafür habe ich das Haus verlassen. Aber wenn ich schon mal hier bin, kann ich auch gleich meine eigenen Millionen umschichten, denn die gammeln schlechtverzinst auf einem Sparbuch herum.
90 Minuten später verlasse ich die Bank: schockgefrostet, superverzinst, mit einem Gutschein für die Eisdiele nebenan und einer Kapten & Son-Uhr.
Ha!
Zur Feier des Tages kaufe ich dem Kind ein Paar Zweitschuhe.


Tja, wer im Hochsommer Hochsommerschuhe kaufen geht,
kann nur noch mit sowas vorlieb nehmen.


Tag 5:
Ich wache mit tauber linker Gesichtshälfte auf. WAAAH!!!
Schlaganfall??
Muss ich den Notarzt rufen??
Ich mache den Schnell-Check: ich bewege gewohnt grazil Arme und Beine, weiß, welcher Wochentag ist und kann deutlich sprechen.
Hm, also doch die Klimaanlage der Bank?  Oder ein Hirntumor??? Oder doch die Klimaanlage?
Ich verpanike den halben Tag und merke: nix zu essen im Haus. Zeit, mal den BK-Lieferservice auszuprobieren. Also für Lucky ein Kindermenü (für Jungen) bestellt und für mich den Countryburger (vegetarisch!).
Nur 20 min. später klingelt's und der Burger-King-Boy übergibt mir die Fressalien, Lucky nörgelt "Ich will aber Mac Donalds!!", Burgerboy grinst, ich schäme mich und gebe zu viel Trinkgeld.
Nach dem Essen kehrt wieder Leben in meine linke Backe ein. Puh.



Tag 6:
Unter dem Motto: "Wer keine Blogthemen hat, schafft sich welche", krache ich beim Ausparken in die Karre meines Nachbarn, dem Hells Angel, und lebe fortan in Angst. Wir kennen uns zwar schon viele Jahre und er ist wirklich supernett (und auch ein kleines bisschen süß), aber wenn's um ihre Autos geht, werden Männer ja gerne mal komisch.
Er ist nicht zuhause, also pappe ich einen Zettel an die Windschutzscheibe. Derart traumatisiert fühle ich mich nicht in der Lage einzukaufen, gehe ins Haus zurück und wähle die BK-Lieferservicenummer.
Ein Kindermenü (für Jungen) und einen Countryburger bitte.
Ich bringe rasch mich und die Wohnung auf Vordermann, denn wenn der Nachbar gleich kommt, kann ich ihn vielleicht mit einem sauberen Teppich und einem hübschen Sommerkleid milde stimmen.
Der BK-Boy braucht heute 60 Minuten!

Nachmittags klingelt's.
Es ist... nicht der Nachbar, sondern seine Freundin. Hä? Seit wann hat der eine Freundin?! Wichtige Dinge kriege ich ja nie mit, weil meine Fenster nach Süden rausgehen, das pralle Leben in dieser Straße sich aber mehr so nordwestlich abspielt.
Es war IHR Auto, das ich angefahren habe. Aha.
Ich schließe möglichst unauffällig wieder die oberen Knöpfe meines Kleides.
Sie meint, dass  man schon sehr genau hinschauen müsse, um das kleine Beulchen zu erkennen und ich solle mir mal keine Sorgen machen, sie würde die Karre  waschen, bissken polieren und gut is!
Oh. Wie nett!
Ich befürchte allerdings, dass, sobald sie ihrem Kerl davon erzählt, das Ganze seinen hochoffiziellen Weg über meine Versicherung gehen muss. Wie gesagt: Männer reagieren empfindlich, wenn es um Autos geht. Und da sollte ich Recht behalten.



Tag 7:
Ich habe weder Bock einzukaufen, noch zu kochen. Ich habe schließlich URLAUB, ey!
Also ordere ich mittags wieder ein Kindermenü (für Mädchen) und einen Countryburger.
Lieferzeit: 40 Minuten.

Abends ruft die Rockerfreundin an:
ihr Freund hatte gemeint, dass sie die Beule lieber in einer Werkstatt checken lassen soll, nicht, dass sich da wichtige Dinge verzogen haben!
Gesagt - getan.
Guess what...
Die Werkstatt hat festgestellt, dass sich da wichtige Dinge verzogen hätten, also her mit der Versicherungsnummer!
Die Freundin entschuldigt sich mehrfach für die Unannehmlichkeiten, ihr ist das alles sehr peinlich.
Ich bin zwar diejenige, der das peinlich sein sollte (was es auch echt ist!), aber gut.


Merkste was?




Lerngeschenk der Woche:
Karlstad graumeliert kann man sehr wohl in die Waschmaschine stecken!


Mittwoch, 14. Februar 2018

"Titty Twister" oder "Wie ich eine Mammographie überlebte"

Valentinstag 2017 hatte ich einen Termin zur Krebsvorsorge beim Gyn.
Da war trotz meines Singlestatus' untenrum was los.

Für Valentinstag 2018 hatte ich Glückspilz einen Termin zu meiner 1. Mammographie zugeschickt bekommen und so war auch für obenrum gesorgt.

Ich machte mich also auf die Jagd nach Erfahrungsberichten, live und im Internet.

Zuerst irritierte mich, dass die meisten Frauen steil gehen bzw. gar nicht hin, weil sie sich "entmündigt" und "bevormundet" fühlen, dass ihnen da ein fixer Termin vorgesetzt wird.
Grundgütiger.
Geht's noch?!
Mal abgesehen davon, dass man diese Termine auch absagen oder verschieben kann (aber dafür müsste man ja ein Telefonat führen, so richtig mit Nummer wählen und reden und so), freue ICH mich über jede Erledigung, die mir abgenommen wird.

Ich befragte also Frauen.
Tenor:
"Das ist soooo schmerzhaft!"
"Mir wurde schwarz vor Augen!"
"Ich hatte anschließend blaue Flecken!"
"Je kleiner die Oberweite desto größer der Schmerz!"

Oha.
"Naja", dachte ich, so als schmerzempfindliche Kleinbrüstige, "man MUSS da ja nich hin, ne..."

Aber unser UrOmma war an Brustkrebs gestorben und der Kleine Fabian, mein Gyn, riet mir dringend zu, weil er allein mit tasten und Ultraschall nicht alles erfassen kann, was in so 'nem Busen vor sich geht, und auch er warnte: "Das tut aber weh!"



Und so ging ich heute nervös as fuck zum Screening Center.
Aber nicht die Angst vor einem schlimmen Ergebnis ließ mich bibbern, sondern der Gedanke an AUA! KOLLAPS! und HÄMATOME!

Tja...

Hm...

Die gute Nachricht:
Das Ganze ging so schnell, dass ich nicht mal das Parkticket latzen musste, weil ich noch unter den 15 Freiminuten lag.

Die schlechte Nachricht:
Die Busenzurechtrückerin hatte kalte Hände.

Anders ausgedrückt:
auf meiner Liste der schmerzhaften Dinge, von 1 bis 10, also von Blasenspiegelung über Aphten bis Wurzelbehandlung - da steht die Mammographie gar nicht mit drauf.
Weil's nicht weh tut.
Was soll da auch weh tun?!
Druck ja, ok, aber von "Schmerzen" oder "unangenehm" ist das meilenweit entfernt. Ich musste nicht mal veratmen.
Klar, jeder hat ein anderes Schmerzempfinden, ich zum Beispiel stehe bei der alljährlichen Zahnreinigung jedesmal kurz vorm Kollaps.

Ich vermute mal ganz stark, dass Damen, die bei der Mammo den Adler machen, das nicht aufgrund eines unerträglichen Schmerzes taten, sondern aufgrund der beschissenen Gesamtsituation:
- von anderen gehört, dass das scheußlich weh tut
- fremde Ärzte und Arzthelferinnen in unbekannten Räumlichkeiten, die
- mit kalten Pfoten an intimen Stellen rumfummeln
- der Busen eingeklemmt in einem riesigen medizinischen Apparat
- Angst vor Röntgenstrahlung
- Angst vor einem eventuell negativen Ergebnis
Vor lauter Aufregung nicht gefrühstückt, hyperventiliert, usw. usw.

Ich wiederhole es gerne nochmal:
MAMMOGRAPHIE TUT NICHT WEH!
Das schwört euch eine, die an ganz schlechten Tagen dem Zahnarzt bei der Zahnsteinentfernung von der Liege springt!

Also geht hin, klatscht denen eure Bälle auf den Tisch und lasst tun, was getan werden muss!

Das Ergebnis erhält man übrigens innerhalb der nächsten 10 Tage.

Freut mich, wenn ich helfen konnte.

Tüdelü.

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Wie ich mal fast einen schönen Geburtstag feierte

Neulich wurde ich alt.
Ziemlich alt.
So alt, dass man nicht mehr von "Lebenshälfte" reden kann, sondern vom letzten Drittel.
Alles, was jetzt nur noch kommen kann ist Krankheit, Siechtum, Tod.
Was den Tod betrifft, schaue ich mir seit ein paar Monaten mit nahezu obsessiver Besessenheit Sterbevideos bei Youtube an.
Ja, gibt es.

Die Wochen vorher bewahrte mich mein abartig stressiger Job und die Annahme zweier Kolleginnen, dass ich 40 würde, davor, depressiv zu werden und an meinem Geburtstag selbst wollte ich das Beste daraus machen, in dem ich am Abend mit ein paar Leuten Essen ging.

Während ich den 40. noch groß gefeiert hatte, so richtig mit Location mieten und Unterhaltungsprogramm, wurde es diesmal, aufgrund einiger in den letzten 10 Jahren Weggestorbener und/oder Rausgekickter, klein und ruhig.
"Gesetzt" heißt das dann wohl.


Frühstück, einsam.
(Lucky guckte lieber Kika und Elvis schlief
den Rausch einer Fachschaftsparty aus.)
Mit Blumen, selbstgekauft(!).



Und ja, ich trug ein Krönchen!
Na und?!




Ich bekam einen Selfiestick und kann meine Outfits nun immer komplett knipsen!
(Also, sobald ich 'raushabe, wie. *hüstel*).
Ich stellte 6 Outfit bei Instagram zur Auswahl und die Mehrheit entschied sich ...
- nicht für das da oben, da der Favorit einen riesen Fettfleck aufwies.



Ab 50 bekommt man offenbar diese typischen Altmenschengeschenke.
Wenigstens konnte man's essen.
(Pro-tipp: sollte mir irgendjemand in der Zukunft eine Kerze mit meinem Namen
oder schlimmer: mit einem Bibelvers drauf, schenken, den töte ich mit der noch
verbliebenen Kraft meiner arthritischen Pfoten, werde davon ein Video machen und
es bei Youtube hochladen, damit alternde Frolleins sich das dann abends alleine
auf ihrem Sofa ansehen können und anschließend vor lauter Herzklopfen nicht
in den Schlaf kommen.)
Aber ..äh.. ich schweife ab.

Ich trug also das adrette Twinset, die Haare lagen gut, der Babysitter kam pünktlich und Elvis und ich machten uns auf zum Restaurant, wo uns mich die anderen schon erwarteten.
Drücker, Küsschen, Smalltalk und Geschenke wurden ausgetauscht.

Wir setzten uns und kaum hatten wir unsere Getränke bestellt, rief der Babysitter an, um ins Telefon zu heulen, dass Lucky sich ganz komisch benehmen würde:
"Eierloch" und "dämlich" hätte er sie genannt, sie mit Autos beworfen und ihr die KiZi-Tür vor der Nase zugeschlagen und sie wüsste jetzt auch nich *mimimi*...

Fun fact: sie (22) macht gerade eine Ausbildung zur Pädagogin.

Das Gör geht mir unter der Woche schon genug auf den Sack, weil es vor 10 nicht in den Schlaf kommt und mich so meiner kompletten freien Zeit beraubt, und nun versaute es mir meinen Geburtstag?
Meinen einzigen 50.??
Die 3 kleinen Stündchen, die ich relaxed und ohne Blagengedöns verbringen und in denen ich mich feiern lassen wollte????
Nü, das war wohl zuviel verlangt.
Ich stand kurz vor'm Apoplex. Mit Tetraplegie!

Elvis, der Gute, bot an, nach Hause zu fahren und an Heulsusis Stelle auf Lucky aufzupassen.
Aber da Frauen jedweden Alters kleine Kinder ja supisüß finden (also außer Frauen, die gerade im Besitz eines kleinen Kindes sind) wurde ihm von den Anwesendinnen aufgetragen, das Kinde geschwinde herzuholen.
Die Herren der Tafelrunde und ich weinten in unsere Schnapspinnchen.

Wie der Rest des Abends verlief, könnt ihr euch denken:
ist ein Kleinkind anwesend, dreht sich alles um's Kleinkind.

Sehr lecker war's!

Tja, und das war's mit meinem Fuffzichsten, nech.
Mehr gibt's dann auch tatsächlich nicht zu erzählen.

Ach doch...
Als wir spätabends nach Hause kamen, klingelte Lucky bei meiner muffeligen Übermirmieterin.
(Ja, genau die, die sich bei der Vermieterin beschwert hat, dass er zu laut badet.)
Arschblag.

Ich setze allerdings große Hoffnung in meinen 60.
Dann ist Lucky 13 und seit 3 Jahren im Internat.




Und hier noch die wichtigen Weisheiten einer Fuffzichjährigen:
- hock' dich beim Kotzen hin (ggfls. "Plexus oesophageus" googeln)
- Männer sind alle gleich
Doch.
Dohoch!
WOHL!
- einem Selfiestick liegt kein Manual bei
- vergeude keine Zeit damit, darüber nachzudenken, was andere über dich denken. 99% der anderen sind so mit sich selbst beschäftigt, dass es sie einen feuchten Furz interessiert, was du tust oder lässt
- wenn man wegen einer Blasenentzündung ein Antibiotikum nimmt, stinkt der Urin nicht nach Spargel, egal wie viel du davon verdrückst.
- im Manhattan Icetea ist kein Eistee