Donnerstag, 16. Dezember 2010

Morgengenörgel

Vor(!!) meinem ersten Kaffee schallte mir heute Morgen Nacht um 6:58 aus Sohns KinderJugendzimmer ein Schrei des Entsetzens entgegen:

"MAMA - meine neue Unterhose ist ja viel zu klein!"

Ich: "Steht ja auch dran, ne?!" (-> Calvin Klein)

Was soll man denn darauf auch antworten, bitteschön?

Ein nett gemeintes "Dann nimm eben eine von den alten, mit den putzigen Querstreifen von Ernstings!" käme ebensowenig gut an, wie ein gehässiges "Pech!", oder wie ein oberlehrerhaftes "Die Kinder in Indien haben GAR KEINE Unterhosen!" oder ein gekichertes "Soll ich Dir eine von meinen leihen?".

Seine gefluchte Antwort wiederhole ich hier nicht, bin schließlich eine Lady!

Und weil Sohn es überhaupt nicht schätzt, wenn ich hier über ihn schreibe, werde ich auf keinen Fall erzählen, wie er mich eines Morgens in den Ferien im Büro anrief, um mir mitzuteilen, dass ICH Schuld sei, dass er das Haus nicht verlassen könne, weil er keine sauberen Socken mehr hätte!
Tja, das kann schon mal passieren, wenn man die getragenen nicht ordnungsgemäß in den Schmutzwäschekorb, sondern unter's Bett pfeffert.
Natürlich hat die kleine Petze das direkt unserm Oppa erzählt, nachdem ich Rabenmutter nach einem mitleidslosen: "Ich hoffe, das wird Dir eine Lehre sein!" einfach aufgelegt hatte, der 15 Minuten später mit quietschenden Reifen, einem frisch gekauften 6er-Pack Socken und dem entrüsteten Ausruf:
"Das kann doch nicht sein, dass der Junge nicht genug Socken hat!" vorgefahren kam.

Und natürlich erwähne ich hier NICHT die 5 Turnbeutel, die in 7 Schuljahren verschütt gingen.
Und ich werde NICHT über den Vorfall neulich am Flughafen berichten, als Sohn & SoVa am Zoll herausgewunken wurden, weil der Zollbeamte nicht glauben wollte, dass die 10 im Türkeiurlaub erstandenen Puma-Sporttaschen NICHT für gewerbliche Zwecke wären, sondern rein prophylaktisch.

Montag, 29. November 2010

Sexuelle Belästigung - ganz legal

Heute Morgen war ich als Erste im Büro und da ja bekanntlich die Adventszeit angebrochen ist, habe ich mit viel Hingabe unser Büro weihnachtlich geschmückt.
Unter anderem habe ich an alle Bildschirme kleine Schokoengel geklebt, ausser an den von Hendrik.
Hendrik ist stark übergewichtig und grade am Abnehmen. Und da ich ihn nicht unnötig in Versuchung führen wollte, hat er natürlich keinen Schokoengel vor die Nase geklebt bekommen.
Die übrigen Engel hängte ich an die mannshohe Zimmerpalme.

Dann trudelten die Kollegen ein.
Alle bewunderten meine Deko und bedauerten meine Vorschrift, dass die Schokoengel erst am letzten Arbeitstag vor Heiligabend gegessen werden dürfen.

Dann meckerte Hendrik:
"Wieso habe ich keinen Schokoengel?!"
Ich: "Du machst Diät, da ist Schokolade nicht erlaubt."
Er: "EINE Ausnahme darf ich wohl machen! Sag' bloß, jetzt haste keinen Engel mehr übrig?"
Ich *auf die Pflanze deutend*::

"Schüttel' Dir doch einen von der Palme!"

Muharhaaar!!!

Toll, dass frau mal Gelegenheit hat, so 'nen Spruch völlig legal sagen zu dürfen!

Freitag, 26. November 2010

WANTED: Echte Großmutter

"Backt eine von euch Weihnachtskekse für mich mit?"
fragt Nachbarin Petra beim allwöchentlichen Kaffeeklatsch und knallt eine Tüte Aldi-Spekulatius auf den Tisch.
"Lass' das doch die Oma machen", schlage ich vor und erfahre, dass die in Frage kommende Oma (69) sich für 4 Wochen in die warme Türkei abgesetzt hat.
"Natürlich ist sie pünktlich zum Heiligabend wieder da und lässt sich von mir gemütlich durchfüttern", meckert Petra.

"Meine Mutter hat noch NIE zur Weihnachtszeit gebacken", motzt auch Sibylle.
"Ich habe die Kinder, den Uwe, den Job, Diabetes und muss nu backen, während Madame (66) sich die pensionierten Eierstöcke schaukelt! Neulich habe ich ihr einen Stapel Klamotten zum Flicken gegeben. 'Kein Problem!' hat sie gesagt und alles zu ihrer Schneiderin gebracht! Wenigstens hat SIE das bezahlt."

"Mich nervt das schon lange!", mischt sich Suse ein. "Weder meine Ma (70), noch Schwiegerma backen, kochen, stricken oder nähen. Und wenn SchwieMa (72) zum Geburtstag lädt, kommt eine Tiefkühltorte auf den Tisch! Zum Backen keine Zeit, aber nächtelang im Bridge-Club 'rumlungern!"

"Das kann ich toppen," behauptet Justina und erzählt: "Neulich musste ich kurzfristig zum Arzt, wollte aber die Kleine nicht alleine lassen. Ich fragte meine Mutter (71), ob ich sie bei ihr parken könne und ob sie ihr bei der Gelegenheit die im Handarbeitsunterricht gelernten Stäbchenmaschen nochmal zeigen könne. Mutter lehnte ab mit der Begründung sie wäre online mit GrandSeigneur4711 verabredet. Einem netten älteren Herrn, den sie im Chatroom eines Spieleforums kennengelernt hätte und der ihr bei einer sehr verzwickten Stelle in 'Zeldas Twilight-Princess' (Wii) weiterhelfen könne. Und da Zelda erst ab 12 ist, wäre die Anwesenheit der Kleinen (8) eher hinderlich."

Ein empörter Aufschrei geht durch unsere Runde. Skandal!

"Es geht noch weiter!", fährt Justi fort. "Also habe ich SchwieMu (67) angerufen. Die hat mir abgesagt, weil ihre 1. Stunde Bogenschießen stattfinden würde. Wozu muss die alte Schachtel Bogenschießen lernen? Will sie nach Sherwood Forest auswandern oder was?!"

Ich denke an meine eigene Mutter (64), die tatsächlich lieber quer durch Deutschland Jagd auf den neuesten Joop-Bootie machen würde, statt gemütlich in der warmen Küche Kekse zu zaubern.

"Meine Oma hat tonnenweise Weihnachtskekse gebacken," erinnere ich mich und seufze wehmütig.
"Meine Oma hat zu ihrem Geburtstag immer tolle Torten gemacht," erinnert sich Petra und seufzt wehmütig.
"Meine Oma hat uns jahrzehntelang bestrickt mit Mützen, Handschuhen, Kleidern, Pullis, Röcken", erinnert sich Suse und seufzt wehmütig.

In Erinnerungen versunken knabbern wir still an unseren Spekulatiüssen.
"Ehrlich gesagt," bricht Petra das Schweigen, "haben die Torten meiner Oma furchtbar geschmeckt. In der Schwarzwälder war Schnaps und meistens gab's noch eine Mokkakremtorte dazu. Zeig' mir mal ein Kind, das gerne Mokka oder Kirschlikör mag."
"Meine Oma hat irgendwann nur noch Freestyle gebacken, weil sie irrtümlich meinte, nach so langer Backerfahrung bräuchte sie keine Rezepte mehr. Die Weihnachtskekse haben wir meist komplett entsorgt, weil sie steinhart waren und nach nix schmeckten", gebe ich zu. 
Und Suse fällt ein: "Als Teenager haben wir uns für diese kratzigen, grellbunten und viel zu knapp gestrickten Klamotten echt geschämt."

Trotzdem: Wo sind sie geblieben? Die Omas -UNSERE Omas- die für ihre Enkel -UNS- backten, kochten, strickten, nähten?

Was ist passiert innerhalb der Uroma- & der Oma-Generation?
Wie konnte es nur von "Kommt und setzt euch an meinen liebevoll gedeckten Tisch!" zu "Hier haste 'n Gutschein für Mc Donalds!" kommen???

Freitag, 22. Oktober 2010

Böse Taten - Fisch ausgerottet

Als ich heute über den Wochenmarkt schlenderte, fiel mein Blick am Fischstand auf Schillerlocken.
Schillerlocken hatte ich vor vielen Jahren mal probiert und sie als sehr lecker in Erinnerung.
Also kaufte ich ein Stück.
Der Fischverkäufer warnte mich vor, dass es sich dabei um eine nicht billige Delikatesse handelt.
Da ich aber richtig Wolle am Rock habe Appetit drauf hatte, war mir das egal.
So latzte ich, ohne mit der Wimper zu zucken, grosso modo 38 Euro für 10 g.
Während der Verkäufer mir die Schillerlocke einpackte, fiel mir auf, dass ich gar keine Fischart kenne, die Schiller heisst und so fragte ich nach.
Er erklärte:
"Die Schillerlocke wird aus den Bauchlappen des Dornhais gemacht. Und weil sie sich nach dem Räuchern so kringelt wie Friedrich Schillers Haupthaar, hat man sie so getauft."
Hai?!
Haare?!
Bauchlappen?!
Das sind genau die Worte, die ich im Zusammenhang mit einem geplanten Snack NICHT hören will.
"Und weil der Dornhai wegen der Überfischung vom Aussterben bedroht ist und sogar auf der Liste der gefährdeten Arten steht, ist der so teuer.", fuhr das Verkaufstalent fort.
Aussterben?!
Überfischung?!
Das wurde ja immer unappetitlicher!
(By the way: wieso erzählt dieser Idiot das? So vergrault er sich doch die Kunden, einschließlich mich!)
Wie kann es sein, dass ganz legal eine "gefährdete Art" auf'm Markt zum Kauf angeboten wird?!
Das ist doch 'n Witz, oder?
Sollte ich das Ordnungsamt darüber informieren?
(obwohl... besser nicht. Mit dem Boss vom OA geht's mir ähnlich wie mit POM Henneke; aber das tut jetzt nix zur Sache.) 
Ich war dermaßen geschockt, dass ich nur noch stammeln konnte:
"Oh Gott, die armen Fische! Dann will ich das nicht!"
Aber der Typ wollte die Locke natürlich nicht mehr zurücknehmen und so nahm ich einen kleinen Proforma-Bissen und habe den Rest später an Mitbewohner1 verfüttert...

Ich glaube, ich muss mich mal intensiver mit Herkunft & Produktion meiner Nahrungsmittel auseinandersetzen.
Womöglich finde ich dann heraus, das Nutella aus Koalabärchenaugäpfelsaft gewonnen wird, oder so...

PS: Für diese BöseTat kann ich wirklich nichts!

Montag, 18. Oktober 2010

Hände hoch - ich flirte !

Ich habe seit heute nachmittag Hausverbot in der hiesigen Polizeiwache.
Erteilt von POM Henneke persönlich.
Dabei kam ich nur meiner Pflicht als Bürgerin nach!
 
Sohn & Nachbarjunge hatten im Gebüsch neben dem Bolzplatz eine Waffe gefunden.
Ein ziemlich schweres, schwarzes Metallding.
Ich wollte sie wegwerfen, aber da nun unser aller Fingerabdrücke & DNA dran klebten und wir womöglich mit einem Verbrechen in Verbindung gebracht werden könnten, brachte ich sie zu POM Henneke.

Ich gebe zu, ich hätte nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und beim Betreten der Wache "Ich habe eine Waffe in meiner Handtasche!" rufen sollen, aber ich bin eben nicht geübt im Umgang mit Kriminalität.

Mein Ausruf hatte zur Folge, dass sich Eingangs- & Durchgangstür der Sicherheitsschleuse, in der ich stand, mit einem lauten Klacken automatisch verriegelten. Gleichzeitig sauste an der Schalterscheibe eine Jalousie 'runter.
Ich saß in der Falle. Eine Stimme befahl mir:
"Legen Sie die Tasche auf den Boden, nehmen Sie die Hände nach oben und schauen Sie rechts in die Kamera!" 
Ich tat wie mir geheissen. Kurz darauf wurde die Tür aufgerissen und POM Henneke stürmte 'rein:
"
SIE schon wieder!", schnauzte er übellaunig, "Was ist es DIESMAL?!"
Puuuh, da war aber jemand unentspannt!
Dabei hatte es mit uns Zweien so vielversprechend angefangen...

Ich lernte POM Henneke kennen, als er eines Abends, zusammen mit einer Hundertschaft (naja, fast), unser Grundstück stürmte, um einen auf frischer Tat ertappten und nun auf der Flucht durch unseren Garten befindlichen Graffitisprayer festzunehmen.
Nachdem man den (16-jährigen & deutlich verschreckten) Schwerstverbrecher festgesetzt und abgeführt hatte, fragte ich einen der Polizisten, was ich schon lange wissen wollte:
"Falls ich Sie auf der Straße ansprechen wollte, was müsste ich dann sagen: Hallo Herr Wachtmeister?"
"Nein," antwortete der recht attraktive, junge Typ, "diese Bezeichnung gibt es schon lange nicht mehr. Ich bin Polizeiobermeister Henneke. Das können Sie an den 3 Sternen auf meiner Schulterklappe erkennen. Aber wenn Sie mich demnächst auf der Straße ansprechen wollen, sagen Sie doch einfach Thomas."
Sprach's, lächelte und kramte in seiner Jackentasche.
"Hier ist meine Karte. Falls Sie noch mehr Fragen zu Dienstgraden haben, erklär' ich Ihnen das gerne noch genauer."
Ich Glückspilz!
Das war genau der Mann, den ich suchte!
Ich hatte nämlich schon lange einige polizeiinterne Fragen, die ich nun endlich geklärt kriegen konnte.
Und so rief ich ihn tatsächlich einige Male an. 
Erst noch leidenschaftlich bei der Sache, kühlte sein Engagement rasch ab. 

"Also?! Was gibt's?", pöbelte POM.
Ich erklärte ihm meinen Bolzplatzfund. Augen gen Himmel drehend griff er sich meine Handtasche und nahm die Waffe heraus.
Während er sie untersuchte, motzte er:
"So geht das nicht weiter! Hören Sie auf, mich ständig im Dienst zu belästigen!"

Ich: "Wieso belästigen? Ich habe Sie doch nur ein paar Mal angerufen, um...."
"Jaaaa,", fiel er mir schroff ins Wort, "um mich zu fragen, ob das Vermummungsverbot auch am Rosenmontag gilt.
Und ob die Anschnallpflicht auch für Hochschwangere gilt (berechtigte Frage, oder?! 1x feste bremsen und Du hast Dein Embryo geköpft!). 
Und was Zivilfahnder tun, wenn sie während einer Observation im Auto scheißen müssen. 
Und ob ein Polizist sich etwas kuscheligeres kaufen darf, wenn ihn die gestellte Polyester-Uniform auf der Haut kratzt!"
Ich widersprach:
"SCHEIßEN habe ich ganz sicher NICHT gesagt! Und habe ich jemals eine Antwort auf meine Fragen bekommen? Nein! 
Und was haben Sie getan, als ich Sie wegen Werner, meinem Stalker, um Hilfe bat? Nichts!
Ausserdem haben SIE SELBST mir damals ihre Karte zugesteckt, mit der Aufforderung, mich zu melden!"
"JAAA!", brüllte POM, "damit wir ein Date klarmachen können, Herrgottnochmal! Und nicht, damit Sie mich im Dienst mit beknackten Fragen nerven! Kriegen Sie das gar nicht mit, wenn man Sie anflirtet?!"
ANFLIRTEN ?!
Oh.
Ähm...
Nee, sowas krieg' ich offenbar nicht mit.
Bin ja schon älteren Semesters & seit längerer Zeit liiert, da hab' ich die Flirt-Antennen längst eingemottet.
Ich hätte gern gefragt, ob es überhaupt legal ist, wenn ein Polizist eine Bürgerin anbaggert, oder ob das als "Unzucht mit Schutz-befohlenen" gilt (oder so ähnlich), traute mich aber nicht.
Ich schämte mich: da baggert ein jungscher Typ eine ältere Frau an und die schnallt es nicht.
Um abzulenken fragte ich: 
"Und was ist jetzt mit der Waffe?"
"Bei dieser Waffe," knurrte er mit zusammengebissenen Zähnen und sehr bösem Blick, "handelt es sich um eine Parabellum 300XC, 12 Schuß. Und es ist eindeutig eine SPIELZEUGWAFFE, wie man an der 'FunToys International - Made in China'-Gravur unschwer erkennen kann! Und jetzt 'raus hier! Hausverbot bis auf Weiteres!"
*schluck* 
"Und wenn ich in Not gerate?!", stammelte ich.
"Dann rufen Sie die 110 an oder fuchteln mit Ihrer Waffe!", blaffte er.

Pfffffff...

Ich finde, die Einstellungsbedingungen für den Polizeidienst sollten dringend überarbeitet werden.
Dann müssten so unmotivierte Rüpel wie Polizeiobermeister Henneke ihr Geld nämlich mit was ganz anderem verdienen! Der Kerl ist ja kein bisschen belastbar!

PS: Er trug übrigens KEINE Mütze. Heißt das, sein Rausschmiss gilt gar nicht?!
Hm. Werde morgen nochmal hingehen, um nachzufragen.